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Hanmer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sons- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 260.
Dormerstag den 6. November
1884.
Amtliches.
Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Das zu Halberstadt bei Franz Fischer gedruckte, im Verlage von S Dunker zu Erfurt erschienene Flugblatt, welches mit den Worten: „An die Wähler des Reichstags-Wahlkreises Erfurt- Schleusingen und Ziegenrück. Bürger, Arbeiter in Stadt und Land!" beginnt und mit den Worten schließt: „Also auf zur Wahl! Erfurt im Oktober 1884. Das Arbeiter-Wahl- Comitä" wird hierdurch auf Grund der §§. 11 und 12 des Gesetzes gegen die Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verboten.
Erfurt den 27. Oktober 1884.
Der Rezierungs-Präsident.
In Vertretung: von Tzschoppe.
Auf Grund der §§. 11 und 12 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das von Dietzel und Schwenk (Mainzer Nachrichten) gedruckte, an die Wähler des Wahl- kreises Wiesbaden gerichtete und den Schreiner und Holzschneider Franz Jöst zu Mainz als Kandidaten zur diesjährigen Reichstagswahl empfehlende Flugblatt nach §. 11 des gedachten Gesetzes durch die unterzeichnete Landes-Polizeibehörde verboten worden ist.
Wiesbaden den 27. Oktober 1884.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Mollier.
Die Druckschrift, überschrieben: „Auf zur Reichstagswahl! Organ für das arbeitende Volk: Kleinbauern, Gewerbetreibende, Handwerker und Arbeiter. Reichstagswahl 1884", herauszegeben von Jakob Willig in Mannheim, Druck von I. H. W. Dietz in Stuttgart, wird auf Grund der §§. 11 und 12 des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 verboten.
Karlsruhe den 26. Oktober 1884.
Der Großherzoglich badische Landeskommissär für die __Kreise Karlsruhe und Baden. Haas.
EMUntwschLNgeN Königl. Landrathsmmts.
In Ausführung des auf Grund des Gesetzes vom 15 Juni 1883 für die Landgemeinden des Kreises Hanau und die Stadt Windecken errichteten Statuts über die Krankenversicherung der Arbeiter ist u. A. die Bestellung von Kassenärzten erforderlich.
Bewerber wollen ihre bezüglichen Offerten unter genauer Angabe der Bedingungen, unter welchen sie die Behandlung der Kassenmitglieder zu übernehmen bereit sind, bis spätestens zum 12. d. Mts. bei dem Unterzeichneten einreichen.
Hanau am 4. November 1884.
V. 10801 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
In der Gemarkung Großauheim hat sich am 31. v. Mts. eine unbekannte Mannsperson durch Erhängen entleibt. — Der Verlebte war von mitteler Größe, schmaler Statur, 40—50 Jahre alt, hatte dunkeles Kopfhaar, rastrtes Gesicht und war bekleidet mit schwarzem Filzhut, kurzer schwarzer Tuchjacke, dunkeler Weste, grau-wollener Unterjacke, weißem leinenen Hemd, wollenen Strümpfen und guten Lederschuhen. Dem Anzüge nach zu urtheilen, war derselbe in dem Bieber- grunde (Kreis Gelnhausen) heimathlich.
Bei der Leiche wurden in einem ledernen und einem leinenen Geldbeutel 4 Mark 38 Pf. vorgesunden.
Diejenigen, welche über die Personalien des Verlebten Auskunft geben können, werden ersucht, sich bei der Bürgermeisterei Großauheim zu melden.
Hanau am 4. November 1884.
Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
TageSscha«.
— Berlin, 5. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König haben eine ziemlich gute Nacht gehabt und fühlen an der contusionirten Schulter nur bei Bewegung Schmerzen.
— Berlin, 5. November. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute die Vorträge des Hofmarschalls Grafen Perponcher und des Geheimen Hosraths Bork entgegen.
— Berlin, 5. Novbr. Staatssekretär Dr. Stephan hat in der letzten Sitzung des elektrotechnischen Vereins auf die erfreuliche Ausdehnung des Fernsprechwesens in Deutschland hingewiesen. Er berichtete, daß im Reichspostgebiet im Oktober 1883 in 30 Städten allgemein Fernsprechanlagen bestanden, während gegenwärtig 45 Städte mit solchen ausgerüstet sind. Ebenso ist im verflossenen Jahre die Zahl der Fern- sprechstellen von 5155 auf 7602 gestiegen, die Länge der Linien von 1112 auf 1695 km und die der Fernsprechleitung von 8591 auf 14 188 km. Außerdem sind zur Zeit in 5 Orten neue Fernsprechanlagen im Bau begriffen, während die Ausführung für fernere 11 Städte bereits genehmigt ist. Auch die Zusammenfassung ganzer Bezirke zu einem Fernsprechnetz hat weitere bedeutende Fortschritte gemacht. Das Fernsprechnetz für den oberschlesischen Hütten- und Jndustriebezirk umfaßt gegenwärtig die Kreise Beuthen, Gleiwitz, Kattowitz, Tarnowitz und Zabrze mit einer Fläche von rund 200 qkm. Im elsässischen Spinnereibezirk sind die Städte Mülhausen, Gebweiler und Thann zu einem Fernsprechnetz verbunden, und ein neues Netz ist im rheinischen Sammet-Industrie- bezirk zwischen den Städten Creseld, Gladbach, Dülken, Viersen, Rheydt u. s. W. im Werden begriffen. (Köln. Z.)
— Berlin, 3. Novbr. Nachdem es zur Kenntniß des Kriegsministers gelangt war, daß die Einberufung von Reservisten (zu den zwölftägigen Uebungen u. s. w.) und Landwehrmännern in Zeiten fallen, während welcher die Einberufenen in landwirthschaftlichen Arbeiten gestört werden, hat sich derselbe an den Minister der Landwirthschaft gewandt, um von diesem die Zeiten zu erfahren, welche in den verschiedenen Landestheilen für die Einberufung zu wählen wären, damit letztere den Betheiligten fo wenig wie irgend möglich lästig falle. — Die nächste Gesammtversammlung des deutschen Landwirthschaftsraths dürfte im Laufe des Februar k I statifinden und dann unter anderm auch die Einrichtung des Creditwesens, die Aufnahme des Anerbenrechts - Grundsatzes in das bürgerliche Gesetzbuch, die landwirthschaftlichen Zölle, Colonialpolitik und Dampferunterstützung und möglicherweise auch die Umgestaltung der Zuckersteuer in den Kreis der Berathungen ziehen. (Köln. Z)
— Die liberale „Neue Zürcher Zeitung" fällt über die Wahl vom 28. Oktober folgendes Urtheil:
„Daß es sich bei der Niederlage der Deutschfreisinnigen nicht in erster Linie um die Folgen bloßer taktischer Fehler handelte, sondern daß in der That der Schlag bem' Radikalismus und der Bismarckgegner- schaft galt, das lehrt das Schicksal der süddeutschen Volkspartei und einzelner norddeutscher Demokraten. Der Abgeordnete Phillips ist gefallen, trotzdem er die Fusion nicht mitmachte und lieber aus der Fortschrittspartei austrat; sein Gesinnungsgenosse Lenzmann wartet noch auf ein Mandat und Herrn Gonnemann hat es nichts geholfen, daß der Leiter seines Organes, der Dr. Stern, sich auf der Heilbronner Versammlung so scharf gegen den Richter'schen Terrorismus aussprach. Die schwäbischen Demokraten theilten das Schicksal der Freisinnigen, obwohl sie ihre kleine Fraktion mit partikuwnstischer Aengstlichkeit vor der Berührung mit der preußischen Fortschrittspartei bewahrten; nicht einmal konnte das sie retten, daß sie in allen sozialpolitischen Fragen eine viel vernünftigere Haltung einnahmen, als die starren Theoretiker der Sezession und ^des Fortschritts.....Sie sind alle unterlegen in einem Kampfe, in welchem die ungeheure Popularität des Namens Bismarck gegen sie war. Seit jenen Tagen, da das Reich gegründet wurde, hat diesen Namen niemals größeren Glanz umgeben. Die friedlichen Eroberungen, welche die mit so viel Sckneidigkeit als Glück inaugurirte Kolonialpolitik des Kanzlers in Aussicht stellt, regten die Phantasie des Volkes mächtig auf, und es wird wohl heute kein Freisinniger mehr fein, der sich über die Reden freute, die Richter und Bam- berger gegen die Dampfersubventionen gehalten. Die Parteiführer konn-