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Dienstag den 4. November
1884.
BekanntMÄchUngen Königl. LandrathsaMts.
Gesunden: Ein schwarzer Regenschirm. Ein weißeS Taschentuch mit Geld. Ein Halsband von rothem Leder.
Zugelaufen: Ein gelber Spitz m. Geschl.
Vom Wasenmeister eingefangen: Ein schwarzes Hündchen mit gelben Abzeichen.
Verloren: 150 Mk. in Papierscheinen.
Entlaufen: Ein kleiner gelb-weißer Hund m. Geschl. mit Messinghalsband nebst Hundemarke.
Hanau am 4. November 1884.
Aus Königl. LandrathSamt.
Bekanntmachung.
Bei der am 28. Oktober er. stattgefundenen Wahl zum Reichstag hat sich im Wahlkreise auf keine der gewählten Personen eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen vereinigt.
Es hat daher eine engere Wahl stattzufinden und zwar zwischen den Herren
Bürgermeister Hellwig zu Haddamar und Carl Frohme zu Bockeuheim,
welche bei der Wahl am 28. vor. Mts. die meisten Stimmen erhalten haben. Die engere Wahl ist auf
Donnerstag den 6. November d. I. festgesetzt.
Bei der engeren Wahl kann nur einer der genannten beiden Candidaten gewählt werden, alle auf andere Candidaten fallenden Stirn, men sind ungültig.
Die Wahlhandlung dauert wie bei der ersten Wahl von Vormittags 10 Uhr ohne Unterbrechung bis Abends 6 Uhr.
Die Wahlbezirke, die Wahlvorsteher bczw. deren Stellvertreter, sowie die Wahllokale bleiben unverändert, wie sie in meiner Bekanntmachung vom 13. Oktober er. bestimmt sind.
Hanau, am 3. November 1884.
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Heraeus.
NR. Das Wahlresultat.
Die Anhänger der Richtung, welche einer kräftigen Einwirkung des Reiches auf wirthschafts- und sozialpolitischem Gebiete widerstreben, haben am 28. Oktober eine schwere Niederlage erlitten. In dem ersten Wahlgange, bei welchem die Volksmeinung noch klar hervortritt und nicht durch die bei den Stichwahlen zahlreich vorkommenden taktische« Parteiverbindungen verdunkelt wird, haben dre Links-Liberalen von 106 Mandaten nur 34, also noch lange nicht 30 pCt. behauptet und daneben es in 57 Fällen zur engeren Wahl gebracht, sodaß sie im wahrscheinlichen Fall schon 25 Sitze verloren haben. Umgekehrt haben die nationalen und einer positiven Wirthschafts- und Sozialpolitik zugeneigten Parteien im ersten Anlauf nicht nur ihren früheren Besitzstand behauptet, sondern etwas an Stärke angenommen, sodaß, was bei den engeren Wahlen noch an Siegen hinzukommt, reiner Gewinn ist. Auch das Zentrum und die Sozialdemokraten, die, so grundverschieden sie im Uebrigen von jenen nationalen Richtungen sind, doch immerhin auf wirthschaftlichem und politischem Gebiete bem laisser aller nid)t huldigen, haben ihren srüheren Besitzstand nahezu behauptet. Das Manchester- thum und sein Versuch, die Lösung der dringenden wirthschaftlichen und sozialen Fragen, die Vermehrung und Besserung der Arbeitsgelegenheit und die Hebung der Nachtheile und Gefahren der Arbeitsunfähigkeit, durch die Erregung reinpolitischen MachtstreiteS zu hindern, hat durch das deutsche Volk eine vernichtende Verurtheilung erfahren. Höchst unerwünscht, aber keineswegs unerklärlich ist es, daß die Reaktion gegen das von den Deutschfreisinnigen auf das Banner geschriebene Manchester- thum einen erheblichen Theil der arbeitenden Bevölkerung in den Bannkreis der ungewöhnlich maßvoll auftretenden Sozialdemokratie getrieben hat. Die Zusammenfassung aller staatserhaltenden Kräfte gegen die negirenden Elemente auf der einen, die sozialdemokratischen auf der andern und eine kräftige Wirthschafts- und Sozialpolitik, welche berech
tigten Beschwerden gerecht wird, unberechtigten Forderungen aber um so entschiedener und wirksamer entgegentrittt, ist daher mehr denn je geboten.
Bei den engeren Wahlen wird es darauf ankommen, daS am ersten Wahltage Erreichte nicht wieder verloren gehen zu lasten. Beinahe 100 engere Wahlen können das Ergebniß noch wesentlich ändern. Mit vollem Recht werden daher die nationalen und positiven Parteien bei den Stichwahlen zusammenwirken, die kurze Zeit bis dahin auf das Energischste zur Sammlung aller Kraft verwenden müssen.
Tagesschan.
— Berlin, 3 Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag 11 Uhr militärische Meldungen entgegen, arbeiteten alsdann mit dem Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath von Wilmowski und empfingen um 1 Uhr eine Deputation des Kaiser Alexander Garde-GrenadierRegiments Nr. 1, bestehend aus dem Regi- ments-Commandeur Obersten von Unruh und dem Hauptmann o Linde« quist, welche die Ehre hatten, Gedenkblätter des Regiments zu überreichen.
Sodann empfingen Se. Majestät den Kaiserlich russischen Obersten Butukoff, Militär- Attachö bei der Kaiserlich russischen Botschaft.
— Berlin, 3. Nov. Die gestrige F-ier der Einweihung des neuen Polytechnikums im Kön. Schlosse fand ihren Abschluß mit einem glänzenden Festbankette im Zoologischen Garten, an welchem die Minister von Bötticher und von Goßler, der Senat und Rektor der Universität theilnahmen. Der Bürgermeister und die Stadt-Verordneten Charlotten- burgs überreichten eine Urkunde über die Stiftung eines Stipendiums von 20000 M. für Schüler des Polyp chnikums. Minister v. Bötticher toastete auf den Kaiser, Minister von Goßler auf die Hochschule. Die Studenten der Hochschule hielten Abends in den Sälen der Flora einen große« studentischen Kommers ab, welchem der Kultusminister gleichfalls beiwohnte.
— Berlin, 3. Nov. Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht eine Reihe von Briefen des verstorbenen letzten KönigS von Hannover aus den Jahren 1866 und 1867 und bemerkt dazu: ES dürfte von Interesse sein, diese Briefe, worin König Georg die Wege und Ziele der welfischen Politik dargelegt, sowie einige in gleicher Richtung charakteristische Berichte seiner Agenten weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Der Herzog von Cumberland habe sich in einem Schreiben vom Juli 1878, worin er dem Kaiser den Tod seines Vaters anzeigte, vollständig auf den Standpunkt des Königs Georg gestellt, so daß der Inhalt dieser Schriftstücke auch für ihn gelte.
— Berlin, 3. Nov. (Köln. Ztg.) Als Delegirte Englands für die Conferenz neben dem Botschafter sind bis jetzt bekannt der Sekretär des Colonialamts Meade, Enderson vom Ministerium des Auswärtigen und der Sekretär für Handelsangelegenheiten bei den Botschaften in Paris und Berlin, Crowe.
— Berlin, 3 Rovbr. Die in den Zeitungen umlaufenden Nachrichten von einer in Vorbereitung begriffenen Vorlage wegen Erhöhung der Getrerdezölle ist, wie von bestunterrichteter Seite versichert wird, völlig aus der Luft gegriffen.
— Berlin, 2 Nov. Der Geheime Commercienrath Robert Warschauer, Chef des bekannten Bankhauses, ist heute Mittag gestorben.
— Die Berliner Zeitung, das Specialorgan Richters, macht zu dem verständigen Rathe anderer freisinniger Blätter, bei den Stichwahlen hätten die liberalen Wähler unter öden Umständen gegen die socialdemokratischen Candidaten einzutreten, folgende Gegenbemerkung: „Einem liberalen Manne einen Vorwurf daraus zu machen, wenn er Bevel vor Stöcker oder einem badischen Auchliberalen vorzieht, ist gradezu lächerlich." Das mögen diejenigen beherzigen, welche der Meinung sind, der richtige Platz für die „Heivelberger" bei den Wahlen sei an der Seite der Deutschfreisinnigen gewesen.
— Essen, 3. Nov. Die „Rheinisch-Westsälische Ztg." theilt mit, daß auf der Zeche „Victor" bei Kastrop in Folge einer Explosion schlagende Wetter 2 Personen getötet, 6 schwer, 7 leichter verwundet sind. Der Betrieb ist ungestört.
— Weimar, 3 Rov. Die „Weimar'sche Zeitung" bezeichne