ÄidHuentettW $ rti«: Alhriich * «e*. H-lbj.E.SO,?,. 8i-rtelj»hrlich » Kart 25 W Wir auswärtig« Abonnent««
oem oerreMW- »ea Postaufschla» $ie einzelne «um» »« 10 Vfa-
Haiimier Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sony- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
9uf*iil*u»-
*nU:
Ke Ifpalttge ■«tmonbjrtle * deren Staun
M> Pfg.
Die »»alt. Seite * P,»
$te8»aHige8e«< »0 Psg
Nr. 255.
Donnerstag den 30. Oktober
1884.
Gestellungen
auf den Hanauer Anzeiger
für die Monate November und Dezember werden von allen Postanstalten sowie von der Expedition (Waisenhaus) ent- gegengenommen.
Tagesschau.
— Berlin, 29. Oktober. Se. Kaiserlich Königliche Hoheit der Kronprinz nahm gestern militärische Meldungen entgegen und empfing den Minister Residenten von Bergen. Nachmittags 3 Uhr begab Sich Höchstderselbe nach dem Jnvalidenhause und wohnte der Leichenfeier für den verstorbenen General der Infanterie von Ollech bei.
— Berlin, 29. Okt. Bisher sind 108 Wahlresultate bekannt, darunter sind 37 Stichwahlen (wovon 15 mit Socialdemokraten); gewählt sind 7 Conservative, 20 Centrumsangehörige, 7 Freisinnige, 1 Pole, 7 Socialdemokraten, 18 Nationalliberale, 6 Mitglieder der Reichs- Partei, 1 Welse, 2 Mitglieder der Volkspartei und 2 Elsässer. (Fr. N.)
— Berlin, 29. Oktbr. Die freisinnige Staatsbürger Leitung äußert, daß die verschiedenen Parteiprogramme nicht so weit von einander abweichen, um die wilde Art des Parteikampfes zu rechtfertigen. Dieser Umstand habe sie veranlaßt, sich so wenig wie möglich an dem Kampfe zu betheiligen. Sie weist sodann darauf hin, daß wir trotz des Ergebnisses der vorigen Wahlen einen recht guten Anlauf auf dem Gebiete der sozialpolitischen Resormen genommen haben, und hofft auf einen günstigen weiterem Verlauf.
„Während der Wahlbewegung ist vielfach davon die Rede gewesen, daß die Regierung kein Programm aufgestellt habe. Unserer Ansicht nach hatte sie das auch gar nicht nöthig, da das, was die Regierung will, in der vielbesprochenen Kaiserlichen Botschaft enthalten ist. Wir sind auf dem Wege, welchen dieselbe vorgezeichnet hat, eine so große Strecke vorwärts gekommen, daß an keine Umkehr mehr zu denken ist; keine Partei, mag sie auch noch so gestärkt im Reichstage erscheinen, ist im Stande, diesen Fortschritt auf dem Gebiete des sozialen Lebens, aufzuhalten". Was speziell das Wahlresultat in Berlin betrifft, sucht sie darin einen Beweis dafür, daß die Anzahl derjenigen, welche mit dem Verhalten der Deutschfreisinnigen unzufrieden sind, ganz erheblich gewachsen ist. „Vielleicht nehmen dieselben eine Lehre daraus, daß ihr Thun nicht mit dem Willen und den Wünschen des Volkes in Einklang steht. Auch die Thatsache, wonach die Sozialdemokraten an Sti - men gewonnen haben, müssen wir auf Rechnung der Fortschrittspartei setzen, die es nicht verstanden hat, neben den freiheitlichen Bestrebungen den Patriotismus im Volke zu befestigen, die im Gegentheil zur Vernichtung desselben beigetragen hat."
— Berlin, 29. Oktober. Amtlichen Nachrichten zufolge hat der . Oberbefehlshaber der französischen Seestreitkräste in Ostasien alle Häfen und Rheden der Insel Formosa, welche auf der westlichen und nörd- lichen Seite derselben zwischen der Südspitze (Kap Ran-Sha, 21 0 55' nördlicher Breite und 118° 30' östlicher Länge von Paris) und der Bucht von Soo-Au (24° 30' nördlicher Breite und 119 0 33' östlicher Lärue von Paris) liegen, vom 23 Oktober d. J. ab in Blokade Zu- 1 stand erklärt.
— Viele Leute in Hamburg hegen den Glauben, Bismarck habe es auf die Zugrunderichtung der Selbstständigkeit Hamburgs, der größten deutschen Handelsstadt und des größten Hafens abgesehen. Dem tritt ein angesehener Hamburger mit folgender Veröffentlichung entgegen. „Vor etwa vierzehn Tagen äußerte der Reichskanzler in einem Gespräch, an welchem ich Theil nahm, hierüber Folgendes: „Ich möchte nur wissen, wer denn die Selbstständigkeit Hamburgs als unabhängigen Theil des Reiches eigentlich antasten soll? Das Reich doch gewiß nicht, denn diesem ist an einer selbstständigen Stellung der Sechandels- Städte, besonders Hamburgs, gerade am meisten gelegen. Schade, daß wir nicht noch mehr davon haben, sechs solche freie Städte im Bunde würden ein Segen sein. Wenn nun die vorhandenen gar noch aushörten, so bliebe nichts nach, als die größeren Preußen, Bayern u. f. w., und da würden die Bundesraths. Verhandlungen erst recht schwierig werden." — Der Fürst setzte dieses noch im Einzelnen weiter aus
einander und schloß mit den sehr nachdrücklich betonten Worten: „Die kleineren Staaten im Bunde sind der Mörtel für Die übrigen." (D.-Z.)
— Aus Baden. Wenn heutzutage ein Wanderer von Strolchen angefallen wird, so ist das gerade keine Seltenheit; etwas Neues ist es aber, wenn ein friedlicher Bürger bei seinem Abendimbiß am offenen Wirthstisch von einer Bestie in Gestalt eines Metzgerhundes überfallen und ihm der zum Munde geführte Bissen sammt der Unterlippe aus dem Gesichte gerissen wird. So geschehen in der Bahnhofswirthschaft zu Weizen einem Bürger von Stühlingen. Der Verletzte, er heißt Kehl, mußte ohnmächtig fortgetragen werden.
— Weißenburg (Miitclfranken), 25. Okt. Die Familie des Gerichtssekretärs Angermann hier ist in tiefe Trauer versetzt worden. An einer heimtückischen Krankheit verstürben ihr innerhalb 6 Tagen vier vielversprechende Kinder: eine Tochter mit 11 und eine mit 14 Jahren, ein Knabe mit 3 und einer mit 8 Jahren.
— Amsterdam, 29. Okt. Bei den Wahlen, welche in der Hauptstadt zur völligen Erneuerung der zweiten Kammer der Generalstaaten stattgesunden, wurden sämmtliche Candidaten der liberalen Majorität gewählt, während die Candidaten der Clerikalen, gesondert, von der liberalen Partei mit starker Majorität geschlagen wurden. (Fr. R.)
— Rom, 28. Okt. Gestern kamen in 6 von der Cholera verseuchten Provinzen 39 Erkrankungen und 18 Todessälle vor, davon in der Stadt Neapel 5 Erkrankungen und 7 Todesfälle.
— Rom, 29. Oktober. (R. u. St-A.) Der Wiederbeginn der Parlamentsverhandlungen ist auf den 24. oder 25. November festgesetzt. Der Gesetzentwurf, betreffend die Eisenbahnkonvention, gelangt mit dem Kommissiont bericht am 10. November zur Vertheilung.
— Madrid, 28. Oktbr. Der Ehrenpräsident der geographischen Gesellschaft, Coello, wird als technischer Delegirter Spaniens bei der Congo Konferenz in Berlin anwesend sein. — Die Forschungsreise des Dr. Bonelli nach Afrika ist lediglich ein Privatunternehmen; die Regierung steht derselben fern. — Gewisse beunruhigende Gerüchte, w lche außerhalb über Spanien und die Gesundheit des Königs verbreitet werden, sind auf Zorilla zurückzuführen, der sich zur Zeit in Frankreich befindet.
— Paris, 28. Oktober. Im „Journal offiziel" wird demnächst ein Bericht des Handelsministers veröffentlicht werden, durch welchen die Zweckmäßigkeit einer nationalen Ausstellung für das Jahr 1889 dargethan und die Ernennung des Deputirten Antonin Proust zum Ge« neraltommiffar vorgeschlagen wird.
„Rational" und „Liberä" versichern, daß der Konseils - Präsident Ferry eine Erhöhung der Kredite für Tonking ablehnen werde, da er sich bei der Kriegführung in Tongking auf die Defensive beschränken und nur Pfänder in Händen behalten wolle. Das Journal „Paris" sagt, daß es sich lediglich darum handele, bei der Marine-Jnsanterie in Tongking die Kompagnien auf 250 Mann zu ergänzen.
— Der Carton zu den englischen Postkarten wird von deutschen Papierfabriken geliefert. Das kränkt den Stolz der Engländer ungemein. Auf eine Beschwerde im Unterhause erklärte der Generalpostmeister, die Lieferer hätten den Carton bisher zwar von den Devonshirer Mühlen bezogen, die Qualität hätte sich aber so verschlechtert, daß sie sie jetzt von deutschen Fabriken bezögen, die viel besser lieferten. Das ist eine Anerkennung deutscher Waare aus englischem Munde, die den deutschen Fabrikanten zu hohen Ehren gereicht. Im vorigen Jahre wurden in ganz England 148 627 200 Postkarten ausgegeben und in diesem Jahre hat der Generalpostmeister 150 Millionen Postkarten bei einer deutschen Fabrik bestellt.
— Southampton, 29. Okt. Der Norddeutsche Lloyddampfer „Oder" hat unter dem 49,36. Breitengrade und dem 27,19. Längen, grade den Dampf, r „Maasdam" aus Rotterdam, welcher in Flammen stand, passirt; an Bord des „Maasdam" befand sich Niemand.
— St. Petersburg, 29. Oktbr. Nach der russischen „St. Petersburger Zeitung" ist das Quantum des durch die Go.üwüjch^c.en tm Jahre 1885 zu erwerbenden Goldes vom Reichsschatzamt auf 2200 Pud V ranschlagt worden. Im Jahre 1885 wird das ReichSamt für 25 Millionen Goldmünzen aus den Goldbarren und eine halbe Million voll« probiger Silbermünzen prägen lass n.
— Die marokkanische Regierung hat, wie die „Köln. Ztg." schreibt, 13 französische Schützlinge verhaftet und die^ Dienerschaft des