den zu Athen am 9. Juli/27. Juni 1884 unterzeichneten Handels- und Schifffahrtsvertrag mit Griechenland, den Besoldungs- und Pensions- etat der Reichsbank für 1885, den Entwurf eines Gesetzes wegen Verwendung von Geldmitteln aus Reichssonds zur Einrichtung und Unterhaltung von Postdampf'chiffsverbindungen mit überseeischen Ländern, den Entwurf eines Gesetzes über die Ausdehnung der Kranken- und Unsall- versicherung auf Transportgewerbe und andere Betriebszweige, den Entwurf eines Gesetzes über die Unfallversicherung der in land- und sorst- wirthschastlichen Betrieben beschäftigen Personen, wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen.
Sodann machte der Vorsitzende Mittheilung über den Beitritt der Königlich großbritanischen Regierung zu der internationalen Meter-Konvention von 1875, sowie über die erfolgte Verpflichtung von Mitgliedern der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden. Nach dem Vorschläge des Vorsitzenden soll in einer der nächsten Sitzungen über die Besetzung zweier Mitgliedsstellen bei dem Kaiserlichen Reichs - Versiche- rungsawt Beschluß gefaßt werden.
Auf den Bericht der Ausschüsse für Handel und Verkehr und für Justizwesen wurde beschlossen, den Reichskanzler zu ersuchen, eine Angabe des lippischen Ziegler-Vereins und anderer lippischer Ziegelarbeiter, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung und des Krankenkassen, gesetzes, der Fürstlich lippischen Regierung mitzutheilen und deren Aeußerung über dieselbe herbeizuführen. Auf den Bericht derselben Ausschüsse wurde beschlossen, einen Antrag betreffend die Befreiung von der Unfallversicherungspfücht, als gesetzlich unstatihast abzuwisen. Eingaben, betreffend die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Spinnereien rc. und die Erweiterung der täglichen Arbeitszeit jugendlicher Arbeiter in Baumwolldruckereien, beschloß die Versammlung keine Folge zu geben. Zum Schluß wurde über Rekursgesuche in Disziplinar - Untersuchungk- sachen und über die geschäftliche Behandlung von Eingaben Beschluß gefaßt.
— Berlin, 23. Oktbr. Die „Germ." enthält verschiedene Mah- nungen an die Centrumswähler. Den westpreußischen Katholiken wird Disciplinlosigkeit vorgeworfen, weil sie nicht ohne Weiteres für einen polnischen Candidaten stimmen wollen. Den Wählern in Hanau, Offen- bach, Kaiserslautern, Bremen und Waldeck wird vorgerechnet, wenn sie sofort im ersten Wahlgange für den freisinnigen Candidaten stimmten, werde derselbe sofort ohne Stichwahl siegen, oder statt des nationalliberalen Candidaten in die Stichwahl kommen und dann siegen.
— S. M. Kot. „Moewe", 5 Geschütze, Kommandant Korv..Kapt. Hoffmann, ist am 23. Oktober er. in Kapstadt eingetroffen und beabsichtigt, am 11. November er. wieder in See zu gehen.
— Elberfeld, 23 Okt. Die in den bekannten drei Dynamit- affairen bisher hier in Haft gewesenen acht Anarchisten, sind, wie die „Elbf. Ztg." berichtet, in diesen Tagen nach Leipzig geschafft worden. Reinsdorff wurde am Montag Abend allein dorthin voraustranSportirt; ein zweiter Transport folgte Tags darauf, ein dritter und letzter gestern Abend. Die Verhafteten werden nun in Leipzig in Haft bleiben. Ueber die Prozeßverhandlung hat das Reichsgericht, soviel bekannt, bisher eine Entscheidung noch nicht getroffen.
— Der Papierfabrikant Eduard Hoesch zu Düren in der Rhein- provinz hat 300 000 Mark zur Gründung einer Kinderpflegeanstalt (sogenannte Krippe) gespendet. Es sollen in derselben Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren Ausnahmen finden, deren Eltern Fabrikarbeiter sind, damit die Mütter ungestört ihren Berufsgeschäften nachgehen kön. nen.
— Braunschweig, 24. Okt. (Köln. Ztg) Der Staatsmi. nister theilte dem Landtage mit, der Herzog von Cumberland habe sein Manifest bereits am 18. Oktober nach Braunschweig gesandt, indem er das Staatsministerium ersuchte, dasselbe gegenzuzeichnen und veröffentlichen zu lassen. Das Ministerium lehnte diese Zumuthung entschieden ab und benachrichtigte sofort den deutschen Kaiser von dem Vorgänge. Das Ministerium will jeder etwanigen Ruhestörung sofort entschieden entgegentreten.
— Pest, 24. Okt. Auf der Wiener Strecke der ungarischen Staatsbahn erfolgte Nachts ein Zusammenstoß zweier Lastzüge. Dreißig Waggons wurden beschädigt und mehrere Personen des Zugpersonals verletzt. Getödtet wurde Niemand.
— Paris, 23. Okt. Die telegraphisch wiederholt erwähnte Bekanntmachung des Vicikönigs von Kanton vom 30. August liegt jetzt im Wortlaute vor. In der Einleitung heißt es: „Die Franzosen haben das internationale Gesetz verletzt, den in Tongking geschlossenen Vertrag zerrissen und ohne Achtung der geschworenen Treue chinesische Soldaten in Liang Shan (Langson) in Tongking angegriffen und eine große Anzahl derselben getödtet. Statt ihren Fehler einzugestehen und Reue zu zeigen, fordern sie von China eine starke Entschädigung und führen Krieg gegen uns." Der Aufruf setzte eine Prämie von 10 000 Taels und das Mandarinat der Paradiesvogelselder auf den Kopf eines Oberbefehlshabers bis hinab zu 100 Taels für einen Soldaten oder Matrosen.
— In Aport, einem kleinen Fischerdorfe zwischen Havre und Föcamp, sind 12 Cholerafälle mit allen Symptomen der asiatischen Seuche
aufgetreten. Ihr Erscheinen fällt mit der Heimkehr dreier Matrosen aus Cette zusammen, welche nach Neufundland auf den Stockfischfang gefahren waren und ihre Heimath durch die Eisenbahn wieder erreichten. Die Regierung hat sofort alle nöthigen Maßregeln ergriffen, und es ist der Direktor des öffentlichen Sanitätsdienstes, Dr. Roust, bereits nach Iport abgereist.
— Petersburg, 24. Oktbr. Der Kaiser begnadigte die im letzten Hochverrathsprozesse zum Tode verurtheilte Vera gtgner, Ludmilla Wolkenstern, Artilleriekapitän Pochitonoff, Jnfanterieoberstlieutenant Aschenbrenner, Jnfanteriesecondelieutenant Tischanowitsch und Fähnrich im Flottensteuermannscorps Ausvatscheff zu lebenslänglicher, resp, fünfzehnjähriger Zwangsarbeit. An dem ebenfalls zum Tode durch den Strang Verurtheilten früheren Flottenlieutenant Baron Alexander Stromberg und dem Artillerielieutenant Rogatscheff ist das Urtheil am 22. Oktober vollzogen worden. Die Uebrigen sind zu Zwangsarbeit von 4 bis 20 Jahren verurtheilt.
— Konstant inopel, 24. Okt. Der Sultan verlieh dem Botschafter v Radowitz die coldene Jmtiazmedaille.
— Bremen, 24. Oktbr. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Amerika" ist gestern in Baltimore angekommen.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Hanau, den 25 Oktober 1884.
— (Königl. Zeichen Akademie.) In der Bibliothek der Königl. Zeichen - Akademie sind Sonntag von 11—1 Uhr ausgelegt:
1) La terre cuite frangaise par J. Chäret.
2) Kupferstiche nach Gemälden älterer Schulen aus der Königl. Galerie zu DreSden in Photogravüren.
3) Denkmäler der Kunst, herausgegeben von E. Guhl und J. Caspar nebst Ergänzungtband zur 2. Auflage. Bearbeitet von W. Lübke und C. v. Latzow.
4) Herren- und Göttergestalten der griechischen Kunst von A. Conze.
5) Historische Ausstellung kunstgewerblicher Erzeugnisse zu Frankfurt a M. 1875.
6) Bremer Kunstgewerbe-Abbildungen ausgeführter Gegenstände beschrieben von A. Töpfer.
7) Bilder antiken Lebens von Th. Panofka.
8) Die neuesten Kunstblätter mit). kunstgewerblichen Zeitschriften.
(Nr. 1 ist neu erfchienen).
— (Der s ch ö nerun g S v e rein.) Vorgestern Abend hielt der hiesige Verschönerungsverein in der „Centralhalle" seine statutengemäße Generalversammlung ab, zu der trotz mehrmaliger Einladung in den beiden Lokalblättern außer dem Vorstände nur zwei VereinSmitglieder erschienen.
In derselben entrollte der Vorsitzende Herr Sanitätsrath Dr. Roll in gedrängtem Rahmen ein Bild über die Thätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Geschäftsjahre, über finanzielle Verhältnisse und Bewegung im Mitgliederstande des Vereins.
An Mitgliederbeiträgen gingen ein M. 961, welcher Summe eine Ausgabe von M. 788 54, zu der noch etwa M. 125 für sechs weiter bestellte aber noch nicht abgelieferte Bänke hinzukommen, also im Ganzen von M. 913.54 gegenübersteht. Unter der Ausgabe figuriren folgende Posten: Bepflanzung des Marktplatzes, zweite Reihe M. 421.60; Anschaffung von zwölf neuen Bänken M. 235; Reparaturen an einem Wetterhäuschen und an Bänken M. 30.70; Vereinsdiener und Kosten der Erhebung M. 58.44; der Rest wurde für Drucksachen Anschaffung zweier Karten, Ausstellen und Wiedereinbringung der Bänke, Anschlagen von Wegweisern im Walde und für eine Gratification verausgabt.
Die Herren Anton D ö r i n g und Ernst Z i m m. e r m a n n, welche so freundlich waren die Jahresrechnung zu prüfen, fanden sie in allen Punkten richtig und wurde deshalb die für den Kassier Herrn Heinrich Henckel beantragte Decharge ertheilt.
Die Mitgliederzahl betrug am Anfänge des Rechnungsjahres 268, gegen 274 im Vorjahre. Ausgetreten sind im Laufe des Jahres 9, verzogen 2, gestorben 1 Miglied; neu hinzugetreten 5, darunter Ihre Kgl. Hoheit die Frau Landgräfin von Hessen, geb. Prinzessin von Wür- tenberg.
Aus dem Vorstände schieden zwei Mitglieder, das eine wegen Ar- beitsüberbürdung, das andere wegen Uebernahme einer auswärtigen Stellung aus; die Versammlung wählte die verbliebenen Mitglieder wieder in den Vorstand und außerdem die Herren Friedr. W a l t h e r und Ernst Zimmermann.
Möge die Sympathie, welche der Verein seitens unserer geehrten Bürgerschaft seither in hohem Maße genossen, demselben auch im neuen Vereinsjahre erhalten bleiben und ihm zu immer besserer Erreichung seines Zweckes noch recht viele neue Mitglieder zutreten.
— (Stadttheater.) Der berühmte Violin-Virtuose Dengre« mont, der morgen bei uns austritt, kann nur dieses eine Concert hier spielen, da er bereits anderweitig verpflichtet ist.
— (Feier.) Morgen vollendet ein wahrer Freund und Wohl, thäter der leidenden Menschheit, der zu London lebende große Philan'