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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
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Nr. 242.
Mittwoch den 15. Oktober
1884.
BekanntmschUUgen Königl. LandrathsKWts.
Behufs Besprechung von Gegenständen der Gemeinde- und Poli- zeiverwaltung resp. deshalb bestehender gesetzlicher und sonstiger Bestimmungen sowie das öffentliche Wohl überhaupt betreffender Angelegenheiten werden die sämmtlichen Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des hiesigen Kreises zu einer Versammlung auf
Donnerstag den 2 3. Oktober d. I., Vormittags 9l/s Uhr, in den Saal der „Centralhallc" hier eingeladen.
Die Herren Bürgermeister, welche verhindert sein sollten, dieser Versammlung beizuwohnen, haben für diesen Fall unbedingt sich durch den Beigeordneten vertreten zu lassen.
Außerdem werden alle Mitglieder der Gemeindebehörden und überhaupt alle Männer, welche Sinn für öffentliche Angelegenheiten resp, öffentliche Ordnung haben, zu dieser Versammlung freundlichst eingeladen.
Diejenigen Gegenstände, worüber Vorträge gehalten werden resp, über welche eine Debatte herbeigesührt werden soll, ersuche ich mir zeitig vorher schriftlich einzureichen oder doch wenigstens anzumelden, damit eine ordnungsmäßige Verhandlung in wohldurchdachter Weise geführt und somit der von mir hierbei verfolgte Zweck, durch gegenseitigen Gedankenaustausch den anvertrauten öffentlichen Interessen förderliche Belehrungen herbeizuführen und dadurch gemeinnützige Fortschritte auf den hervorgehobenen Gebieten zu machen, um so eher erreicht werden kann.
Hanau am 15 Oktober 1884.
Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Seitens des Königl. Kriegs.Ministeriums ist dem Königl. Pro- viant-Amt Frankfurt a/M. zu Bockenheim befohlen worden, den Einkauf des für dasselbe erforderlichen Hafers, so viel als irgend thunlich, direkt von den Produzenten zu bewirken und dabei denselben jede dienstlich zulässige Erleichterung zu gewähren.
Es wird hierbei vorausgesetzt, daß der Hafer mindestens von magazinmäßiger Beschaffenheit und die Preisforderungen den Handelspreisen und der Qualität des Naturals entsprechend sind.
Ueber die Erfordernisse und die je nach den Handels. Conjunkturen zu gewährenden Preise ist das Amt stets bereit, specielle Auskunft mündlich oder schriftlich zu ertheilen, wenn bemusterte Offerten demselben vorgelegt werden.
Hanau am 13. Oktober 1884.
M. 6006 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Tagesscharr.
— Berlin, 14. Oktober. Se. Majestät der Kaiser und König statteten, wie der „R. u. St.-A." aus Baden-Baden meldet, gestern Nachmittag dem Fürsten und der Fürstin Solms einen Besuch ab. — Später fand bei den Kaiserlichen Majestäten ein Diner statt, zu welchem auch die basischen Minister und die Generalität aus Karlsruhe geladen waren. — Abends besuchten Se. Majestät mit den Großherzoglichen Herrschasten von Baden und Mecklenburg. Schwerin sowie den anderen anwesenden Fürstlichkeiten die Vorstellung im Salon-Theater deS Kur- Hauses.
— Berlin, 14. Oktober. Kronprinz Rudolf von Oesterreich trifft bereits morgen hier ein und nimmt im königlichen Schlosse Wohnung. Prinz Wilhelm kommt morgen Vormittag von Potsdam und empfängt den Kronprinzen und begibt sich mit demselben Abends nach Ibenhorst zur Elchwildjagd. — Wie verlautet soll die erste Sitzung des Staatsraths am 25. Oktober unter dem Vorsitze des Kroi Prinzen im königlichen Schlosse stattfinden. (F. R.)
— Berlin, 13. Okt. Wie die „R. Allg. Z." hört, hat die Reichsrcgierung vor einiger Zeit in London Schritte gethan, um die deutschen Handelst nteressen im westlichen Theile der Südsee gegenüber den auf die Besitzergreifung aller noch freien Gebiete in der Südsee gerichteten Bestrebungen Sicherheit zu verschaffen. Dem Vernehmen nach haben die freundschaftlichen Besprechungen hierüber zu
nächst in Bezug auf Neu. Guinea zur Folge gehabt, daß die englische Regierung beschlossen hat, nur die Südküste von Neu-Guinea und die in unmittelbarer Nähe dieser Küste befindlichen Inseln unter britisches Protektorat zu stellen. Insoweit an anderen Punkten deutsche und englische Interessen konkurriren sollten, läßt sich auf eine weitere Verständigung hoffen.
— Berlin. Der Termin-Kalender für preußische Justizbeamte für 1885 führt 3919 Referendare und 894 Assessoren auf. Im Jahre 1871 betrug die Zahl der Referendare 1476, die der Assessoren 493.
— S. M. Kbt. „Wolf", 4 Geschütze, Kommandant Korvetten-Ka« pitän von Raven, ist am 13. Oktober cr. in Plymouth eingetroffen und beabsichtigt, am 16. Oktober cr. nach Wilhelmshaven in See zu gehen.
— Kiel, 13. Okt. Die Corvette „Gneisenau" ist unweit Laa- land festgelaufen. Die Eorvetten „Hansa" und „Notus" gingen in See, um dieselbe abzuschleppen.
— Herr Bamberger hat neulich in Alzey eine Wahlrede gehalten, in der er sich über die Gemeinheit, welche als ein „im Norden gewachsenes Kraut" in den Wahlkampf hineingeschleppt und von dort auch nach Rheinhessen gekommen sei, beklagte. Dazu bemerkt die nationalliberale Pfälzische Presse: „Wir werden wohl nicht fehl rathen, wenn wir annehmen, daß Herr Bamberger für die Pflanzstätte der politischen Gemeinheit nicht etwa Spitzbergen oder die Gegend um den Nordpol, sondern Berlin gemeint hat. Wir stimmen ihm auch vollständig bei. Von Berlin aus ist der gehässige, verleumderische Ton in die Presse und das ganze politische Leben Deutschlands getragen worden. Und zwar von der Berliner Fortschrittspartei und der Berliner fortschrittlichen Presse, welche seit Jahren die Verhetzung des Volkes gegen die Regierung und der Parteien unter sich, welche die Schmähung und Verleumdung der Nationalliberalen seit Jahren sich zur einzigen Aufgabe gemacht hat. Von dieser Partei und ihrer Presse kommt die Verrohung des politischen Lebens und die jetzigen Deutschfreisinnigen sind die würdigen Nachfolger der Fortschrittspartei, und Herr Bamberger ist einer ihrer Führer."
— Herr von Forckenbeck hat am Freitag in seinem Wahlkreise (WolmirstedbReuhaldensleben) zu den Wählern gesprochen und zwar in dem Dorfe Hötensleben. Nach Beendigung seiner Rede wurde er von einem Anwesenden über seine Stellung zum Sozialistengesetze, bezw. zu einer etwaigen weiteren Verlängerung desselben befragt. Er antwortete darauf nach einem Berichte der „Magd. Ztg", daß er die Rückkehr auf den Weg des gemeinen Rechts anzustreben für geboten erachte, daß er aber eine bestimmte Verpflichtung in dieser, wie in allen anderen Fragen ablehnen müsse.
— Weiderich, 11 Okt. Bei der Durchsuchung der Wohnung eines verhafteten Briefträgers fanden sich, so erzählt die „Düsseldorfer Zeitung", über 300 Briefe vor, welche derselbe unterschlagen hatte. Dieselben wurden nachträglich den Adressaten zugestellt.
— Stuttgart, 14 Oktbr. Der „Staatsanzeiger" meldet: Der König unterwarf sich der Behandlung des Wildunger Badearztes, Dr. Mark, welcher sich in Friedrichs Hafen aufhält. Die Kur sei von vorzüglichem Erfolge begleitet und lasse hoffen, daß mit der Durchführung derselben eine gründliche Wiederherstellung der Gesundheit des Königs erzielt werde.
— Die „Franks. Ztg." meldet aus Luzern, vom 13 d. Mts.: Die heute in Umlauf gekommenen Gerüchte über eine Betriebsstörung auf der Gotthardbahn sind nach Erkundigungen, welche bei der Direktion eingezogen wurden, darauf zurückzuführen, daß in Folge eines Erdrut- schrs am Rordabhange des Monte Cenere der Personenverkehr daselbst heute mit Umfteigen bewerkstelligt werden mußte. Die Linie soll bis morgen srüh wieder frei sein.
— Rom, 14. Okt. Gestern kamen vor in Alessandria 2 Erkrankungen an Cholera und 1 Todesfall, in Aquila 12 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Bergamo 4 Erkrankungen n - d 2 Todesfälle, in Brescia 4 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Cambobasso 1 Erkrankung, in Ca- serta 7 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Cremona je 3 Fälle, in Cuneo 26 Erkrankungen und 11 Todesfälle, in Ferrara 3 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Genua 18 Erkrankungen und 6 Todesfälle (davon