Amendirung der Bestimmungen des Wiener Vertrages, betreffend „die freie Schifffahrt auf internationalen Strömen", auf den Kongo und den Niger; 3) die Definition von Formalitäten, welche nöthig sind, damit neue Okkupationen an den afrikanischen Küsten als effektiv können angesehen werden. (RH. K.)
— Berlin. (Stärke der deutschen Garnisonen.) Berlin hat eine Garnison von 18179, Metz 14 710, Straßburg 9478, Köln mit Deutz 7925, Mainz 7823, Königsberg 7051, Coblenz 6667, Potsdam 6462, Magdeburg 6446, Danzig 6022, Hannover 5990, Posen 5873, Ulm 5424, Breslau 5233, Spandau 4665, Stettin 4565, Neisse 4498, Rastatt 4213, Wesel 4130, Trier 4044, Ludwigsburg 3977, Frankfurt a. d. O. 3962, Karlsruhe 3911, Stuttgart 3517, Thorn 3362, Brandenburg 3321, Kassel 3347, Bromberg 3285, Darmstadt 3192, Altona mit Hamburg 3026, Münster 2946, Glogau 2934, Düsseldorf 2888, Torgau 2758, Erfurt 2733, Minden 2500, Oldenburg 2487, Diedenhofen 2473, Mülhausen i. E. 2242, Graudenz 2197, Frankfurt a. M. 2194, Küstrin 2131, Schwerin 2096, Saarlouis 2089, Wittenberg 2052, Celle 2046 Köpfe. Deutschland, außer Bayern und Sachsen, besitzt im Ganzen 298 Garnisonen. Die 46 am stärksten mit Truppen belegten Garnisonsorte haben wir vorhin aufgeführt, alle anderen 242 Orte haben eine Garnison von weniger als 2000 Mann.
— Der Kaiserliche Botschafter am österreichisch - ungarischen Hofe, Prinz Reuß, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Während seiner Abwesenheit von Wien fungirt der Botschafts - Sekretär Graf von der Goltz als interimistischer Geschäftsträger.
— Die deutsche Regierung hat verfügt, daß das Studium auf schweizerischen Universitäten den deutschen Medicinern nicht mehr auf die vorgeschriebene Studienzeit in Anrechnung gebracht werden soll. Der schweizerische Bundesrath that sofort Schritte beim Auswärtigen Amt in Berlin, um die Aufhebung dieser die schweizerischen Hochschulen schwer schädigenden Verfügung zu erwirken. Nach längern Verhandlungen hat das deutsche Auswärtige Amt die gewünschte Gleichstellung der schweizerischen Hochschulen abgelehnt, jedoch „für die praktische Behandlung die- fes Verhältnisses im Einzelfalle dasselbe Entgegenkommen in Aussicht gestellt, welches bisher in dieser Sache beobachtet wurde."
— Brüssel, 13 Oktbr. Die „Chromque" meldet von ernsten Unruhen in Senzeilles (Provinz Namur). In Folge der Aufhebung der dortigen Töchterschule durch den Gemeinderath war eine Menschenmenge in den Sitzungssaal des Gemeinderaths eingedrungen, hatte die Mitglieder daraus vertrieben und thätlich angegriffen. Die Menge war darauf in das Presbytorium eingedrungen und hatte dasselbe geplündert. Die Gensdarmerie war genöthigt, energisch einzuschreiten.
— Paris, 13. Oktbr. (Köln. Ztg) Präsident Grövy unterzeichnete heute das Decret, durch welches Rouvier zum Handelsminister an Stelle Hörissons ernannt wird. — Nach einem Telegramm des Generals Briöre de l'Isle aus Phu-Lang-Thuong vom 11. ist die Verwundung des Generals Regrier nur unbedeutend; doch bedürfe der General einiger Tage Ruhe. Im Gefecht vom 8. d. Mts. sollen von den Chinesen etwa 1000 Mann getödtet worden sein, unter diesen verschiedene Generäle und eine große Zahl von Offizieren.
— Kairo, 12. Okt. Dem Ministerrath, welcher heute zu einer Sitzung zusammengetreten war, wurde vom Khediv ein von diesem an den Ministerpräsidenten Rubar Pascha gerichtetes Schreiben mitgetheilt, welches besagt, daß die egyptische Regierung sich zur Tchadloshaltung Rubar Paschas und des Finanzministers verpflichtet erachte, sofern die internationalen Gerichtshöfe eine Beschlagnahme des Privatvermögens dieser beiden Minister wegen der von denselben angeordneten Einstellung der Schuldentilgung aussprechen sollten.
— Hamburg, 12. Oktober. Der Postdampfer „Saxonia" von der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrt - Aktien - Gesellschaft ist gestern in St. Thomas eingetroffen.
— Trieft, 12. Oktbr. Der Lloyddampfer „Austria" ist mit der ostindischen Ueberlandspost aus Alexandrien heute Vormittag hier angekommen.
— Rew-A ork, 11. Oktbr. Der Dampfer „France" von der Rational-Dampfschiffs-Compagnie (E. Messingsche Linie) ist hier eingetroffen.
gM^ Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. ^Mzz
Lokales, Provinzielles und Umgegend.
Hanau, den 14 Oktober 1884.
— (Bacante Stellen für Militäranwärter im Bereiche des 11. Armee-Corps.) Bebra, Postamt, Packetträger, 772 M. Gehalt. Kassel, Königliche Strafanstalt, Aufseher, 1110 M. Gehalt. Frankfurt a. M., Garnison-Bau-Inspektion (Meyer), Schreiber und Bureaubote, täglich 1 M. 50 Ps. Hebel, Postagentur, ständiger Hilfsbote im Landbriesträgerdienst, 1 M. 26 Pf. Tagegeld. Nidda, Postamt, Landbriefträger, 622 M. Gehalt. Pößneck, Herzogl. Amtsgericht, Gerichtsdiener und Gefangenwärter, 900 M. Gehalt. Wiesbaden, Accise-Aufseher 1130 M. Gehalt. Näheres bei den Bezirksfeldwebeln.
— (Auszeichnung.) Dem eben bei unserer Akademie als erster Lehrer eingetretenen Bildhauer Herr M. Wiese ist bei der akademischen
Kunstausstellung in Berlin für das Modell seines Schinkel - Denkmals zu Neu - Ruppin die goldene Medaille zuerkannt worden.
— (Unfallversicherung.) Die in der vom Vorstand des Vereins zur Förderung des Hanauer Kunstgewerbes am vergangenen Sonntag Vormittag in die „Centralhalle" anberaumten Versammlung genehmigte Petition an das Reichsversicherungsamt betr. Bildung einer Berufsgenossenschaft für Unfallversicherung im Verein mit Pforzheim, Gmünd, Stuttgart rc., ist von sämmtlichen Interessenten gutgeheißen und unterschrieben worden und geht heute an die Centralstelle Pforzheim ab.
— (Concert.) Bis Donnerstag gibt Herr Bertrand Roth, seither Direktor am Raff- Conservatorium und Dirigent des hiesigen Oratorienvereins, ein sehr bedeutender Pianist, unter Mitwirkung des Herrn Adolf Müller und des Herrn Concertmeisters Brun, beide Lehrer am Raff - Conservatorium, ein Concert, in welchem vorwiegend moderne Compositionen zur Aufführung kommen. Außer einigen Werken seines Lehrers (Franz Liszt) wird Herr Roth Concertpieyen von Schumann, Chopin, Taussig rc. vortragen, Herr Brun aber das große Violin Con- cert von Max Bruch spielen. Herr Müller ist als vorzüglicher Sänger bereits hier bekannt und hat eine sehr schöne Auswahl seiner Lieder ge- troffen. Das Concert findet in der „Krone" statt. Liste ist in Umlauf.
— (Prachtbibel.) Die Kraus'sche Prachtbibel liegt jetzt für einige Zeit aufgeschlagen im Schaufenster der Pracht'schen Hofbuchhandlung auf. Freunden kalligraphischer Kunstwerke ist somit Gelegenheit geboten sich von der meisterhaften Ausführung zu überzeugen.
— (Falliment.) Durch den Fall eines Alten Amsterdamer Hauses sollen verschiedene hiesige Fabrikanten der Goldwaaren - Branche bedeutende Verluste erleiden.
— (Zur Reich stag swahl.) Im Regierungsbezirk Kassel sind nunmehr für die bevorstehende Reichstagswahl definitiv aufgestellt: I. Wahlkreis (Rinteln - Hofgeismar - Wolfhagen): Justizrath Dr. Oetker« Kassel, nat. - lib., und Bürgermeister Knobel - Ehlen, agrarisch - kons. Die deutschfreisinnige Partei unterstützt den nationalliberalen Kandidaten und stellt einen eigenen Kandidaten nicht auf. Die Wahl Oetkers, eines geborenen Schaumburgers, welcher die Grafschaft bereits im Landtage vertritt, dürfte gesichert fein. II. Wahlkreis (Kassel - Weisungen): Pros. Dr. Enneccerus- Marburg, nat.-lib., Regierungsrath Dr. Lotz, konserv.. Dr. Philipp Schwarzenberg, deutschfreisinnig, und Sozialdemokrat W. Pfannkuch. Hier ist eine Stichwahl unvermeidlich III. Wahlkreis (Homberg - Fritzlar - Ziegenhain): Bürgermeister Mäckel-Frielendorf, nat.« lib., und Landrath v. Gehren - Homberg, kons. Da auch hier die Deutschfreisinnigen einen eigenen Kandidaten nicht aufstellen und den allseitig sehr beliebten Bürgermeister Mäkel unterstützen werden, so dürfte dessen Wahl gesichert erscheinen. IV. Wahlkreis (Eschwege - Witzenhausen« Schmalkalden): Rechtsarwalt Frieß - Kassel, deutschfreisinnig, und Rittergutsbesitzer v. Christen - Werlshausen, freikons. Da Frieß auch von den nationalliberalen Wählern unterstützt wird, so dürfte seine Wiederwahl sicher sein. V. Wahlkreis (Marburg - Kirchhain - Frankenberg): Justizrath Grimm-Marburg, kons. Eine nationalliberale Kandidatur ist in Vorbereitung, ingleichen beabsichtigen die Deutschfreisinnigen hier einen Kandidaten aufzustellen. VI. Wahlkreis (Hersfeld - Hünfeld - Rotenburg): Gutsbesitzer Souchay- Künzell, nat.-lib., und Gutsbesitzer Seyffarth- Friedrichshütte, kons. VII. Wahlkreis (Fulda - Gersfeld - Schlüchtern): i Graf Klemens von Droste- Vischering zu Darfeld, welcher, nachdem er = sich nunmehr wieder zur Annahme des Mandats bereit erklärt hat, widerstandslos gewählt wird. VIII. Wahlkreis (Hanau-Gelnhausen- Orb): Fabrikant Jakob Friedr. Zimmermann-Hanau, nat.-lib., Bürgermeister H ellwi g -Hadamar, kons., Heinrich Nickel-Hanau, deutschfreis., Cigarrenhändler Frohme, Sozialdemokrat. Der letztere vertritt den Wahlkreis und es wird den größten Anstrengungen bedürfen, ihn aus dem Felde zu schlagen. (F. K.)
— Für heute. Geschichtsverein: Abends 7 Uhr Monatsver. sammlung im rothen Saale des Bürgervereins. — Weismantel'sche Koh- lenkasse: Abends 9 Uhr Generalversammlung; Tagesordnung: Abrechnung und Vorstandswahl.
— Fechenheim (Kreis Hanau). In Folge eines Aufsatzes über das Sanitätskorps und Einrichtungen unserer freiwilligen Feuerwehr, welchen Herr Heinrich Mappes, Sekretär des deutschen Vereins vom rothen Kreuz, zu Frankfurt a. M. an das Central - @omit£ genannten . Vereins in Berlin gelangen ließ, wurde unserm Kommandanten Folgen- 1 des von dem Herrn Minister v. Holleben unterzeichnetes Schreiben über« sandt:
„AuS dem uns durch Herrn Heinrich MappeS übergebenen Aufsätze haben wir mit Freude und Genugthuung ersehen, daß eS gelungen ist, aus Mannschaften der freiwilligen Feuerwehr ein ausgebildetes Krankenträger.Korps zu formtreu, welches mit den nöthigen Ge- räthschaften, Verband- und ErquickungSmitteln ausgerüstet, zunächst die Bestimmung hat, bei stattfinoenden Unglücksfällen die erste nothwendige Hülse möglichst rasch zu gewähren. Wir zweifeln nicht, daß das neugeschaffene Institut sich bei allen sich bietenden Gelegenheiten in seiner großen Nützlichkeit bewähren und die besten Dienste leisten werde. Wir sind aber auch überzeugt, daß wenn, was Gott verhüten wolle, dem Vaterlande daS Unglück eines neuen Krieges beschieden sein sollte, dieses nicht nur theoretisch, sondern durch die ihm während