Kbotttteinest^ PreiS:
SLHrltch 9 MaL. -albj.E.SSP^.
BierteljLhrlich
1 Mark 25 «pfg. Für auswärtige Lbonnenten mit dem betreffen- den Postaufschlag. Die einzelne Nummer 10 Pfg.
Ij iiiinii fr Aiyeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
PreiS:
N- Ifpattige •«menbietle »6.
beten Kaum
10 Pkg.
Die »speit. Zeile 20 Pfg.
»ieS,Pal»gege««
80 Pfg.
Nr. 238.
Freitag den 10. Oktober
1884.
BetanntumchUUMN Königl. LartörathsKAts.
Unter Bezugnahme auf meive Bekanntmachung vom 20. Mai d. I. in Nr. 120 des Kreisblattes über die Erhebung und Auszahlung des Schul- und Holzgeldes mache ich die Herrn Bürgermeister darauf aufmerksam, daß bezüglich der Gehaltszahlungen an die Volks- schullehrer, also der GehaltSzuschüsse und Beiträge der Gemeinden zum Lehrer-Einkommen eine Modifikation der früheren Bestimmungen dahin ergangen ist, daß derartige Zahlungen in Monatsraten im Voraus zu geschehen haben, (cfr. Bekanntmachung Königlicher Regierung vom 13. April 1877 Amtsblatt Seite 158.)
Hanau am 8. Oktober 1884,
V. 9903 Der Königliche Landrath. Freiherr v. Broich.
Zugelaufen: Am 7. ds. Mts. ein schwarzer gelbbackiger Hirtenhund m. Geschl.; Empfangnahme beim Schäfer Peter Franz zu Langendiebach.
Hanau am 10. Oktober 1884.
Aus Königl. LandrathSamt.
Tagesschau.
— Berlin, 9. Okt. Der „Reichsanzeiger" publicirt eine Bekanntmachung des Reichskanzlers, welche die Bekanntmachung vom 15. August, wodurch die Hafenplätze Norwegens als choleraverdächtig erklärt wurden, außer Kraft setzt.
— Berlin, 9. Oktober. Se. Excellenz der Hofmarschall Sr. Majestät des Kaisers und Königs, General-Lieutenant Graf von Per- poncher, ist nach Paris abgereist.
— Berlin. Die „Köln. Ztg." schreibt: Wie man uns von verläßlicher Seite mittheilt, will man in hiesigen politischen Kreisen vor. hersehen, daß durch eine von den betheiligten Regierungen zu bezeichnende Commission eine Abgrenzung der verschiedenen Rechte und Ansprüche an der Küste Westafrikas in gegebener Zeit stattfinden und auf Grund der bezüglichen Berichte alsdann ein friedliches Abkommen zwischen England und Deutschland, das übrigens nur unsere unbestreitbaren Erwerbungen auch der Form nach feststellen könnte, zu Stande kommen würde. Es wäre nicht ausgeschlossen, daß auch die anderen Mächte, soweit sie dort Interessen wahrzunehmen haben, insbesondere Frankreich, an dieser friedlichen Auseinandersetzung betheiligt würden.
— Hamburg, 9. Oktbr. Den „Hamburger Rachr." wird aus Friedrichsruh mitgetheilt: Bei dem gestrigen Diner habe Fürst Bismarck die in letzter Zeit durchßdie Presse gegangenen Gerüchte, betreffend Diffe- renzen zwischen ihm undz dem gegenwärtig als Gast in Friedrichsruh weilenden Botschafter Grafen von Münster, aufs unzweideutigste widerlegt.
— Hamburg, 9. Okt. Gegenüber dem von hier verbreiteten Gerücht, daß eine der bekanntesten hiesigen Persönlichkeiten mit einer Passiv-Masse von über drei Millionen Mark zahlungsunfähig geworden sei, wobei die Norddeutsche Bank die Hauptbetheiligte sei, wird nach dem „RH. K." von gutunterrichteter Seite gemeldet, daß genannte Bank mit ihren Ansprüchen gedeckt, wie überhaupt die betreffende Persönlichkeit trotz starker Verluste allen Verpflichtungen nachgekommen sei.
— Br aun schweig, 9. Okt. Die „Braunschweiger Anzeigen" melden über das Befinden des Herzogs, die rheumatischen und neuralgischen Schmerzen, an denen der Herzog schon längere Zeit leide, seien nicht ohne Rückwirkung auf das Allgemeinbefinden geblieben. Der Herzog bedürfe augenblicklicher Ruhe und Schonung; deshalb sei auch seine Rückkehr nach Braunschweig noch verschoben worden.
— Braunschweig, 9. Okt. (Köln. Ztg.) Die heutigen Nachrichten aus Sibyllenort über das Befinden des Herzogs lauten sehr ernst. Die Krankheit soll sich äußern in zunehmender Schwäche, Appe- titlosigkeit, viel Schlaf. Der Kammerpräsident v. Hantelmann ist gestern aus Sibyllenort hier auf einen Tag angekommen.
— Wie aus Bremerhaven gemeldet wird, hat der Dampfer „Hohenstaufen" den Schaden, den ihm die Corvette „Sophie" durch den Zusammenstoß zufügte, bereits reparirt. Das Schiff wird am 15. ds. M. nach Baltimore expedirt werden.
— München, 7. Okt. Das heute erschienene „Gesetz- und Verordnungsblatt" publizirt u A. den Erlaß einer Landes Fischereiordnung und den Vollzug des Gesetzes gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen, vom 9. Juni 1884.
— Das „Franks. Journ." meldet aus Coburg: Das hiesige Ex- Portgeschäft Oscar Straßburger u. Co. mit einer Filiale in New-Iork hat seine Insolvenz angezeigt; die Passiven betragen über 1 Million Mark.
— Haag, 8. Okt. Graf Herbert Bismarck, der kaiserlich deutsche Gesandte am hiesigen Hofe, ist heute hier eingetroffen und hat die Wohnung seines Amtsvorgängers am Prinzessinnen-Canal bezogen. Bei der Enthüllung des König Wilhelms-Standbildes in Luxemburg, wozu alle Verwandte des Hauses Oranien eingeladen sind, wird auch der deutsche Kaiser, der in der großen Titulatur auch die Bezeichnung „Prinz von Oranien" führt, durch den Grafen als seinen bcvollmäch- tigten Gesandten vertreten sein.
— Olmütz, 9. Oktbr. Gestern Nachmittag fand, nach dem „Rh. K.", in dem Emmaschachte des Bergwerkes in Polnisch Ostrau eine Explosion schlagender Wetter statt; etwa zwanzig Bergarbeiter sind getödtet worden, die Zahl der Verletzten ist noch nicht festgestellt.
— Ca ta nia, 9. Okt. Gestern wüthete hier ein heftiger Cyclone, welcher große Verwüstungen anrichtete. Bisher sind 27 Leichname und etwa 350 Verwundete ausgegraben. Der Schaden wird nunmehr auf 5 Millionen geschätzt.
— Die „Köln. Ztg." schreibt: In Belgien geht das clericale Ministerium ganz rücksichtslos gegen die durch das Gesetz von 1879 geschaffenen Schulzustände vor. Das amtliche Blatt bringt eine sieben Spalten füllende Liste von abgesetzten Professoren und Lehrern aller Grade. Die Gemeinden, denen das neue Schulgesetz ganz sreie Hand läßt, entledigen sich, um die Kosten zu sparen, der Schulen, zu deren Unterhaltung sie bisher verpflichtet waren, und schicken die Lehrer fort, da die geistlichen Schulbrüder den Unterricht in den freien Schulen billiger besorgen. Von clericaler Seite wird dagegen behauptet, Belgien habe in den letzten Jahren einen solchen Ueberfluß von weltlichen Lehrern erzeugt, daß für 328 erledigte Stellen 728 Bewerber bereit ständen; mithin müsse die Zahl der Seminare (Normalschulen), deren bisher 27 bestanden, um 9 verringert werden. Die Liberalen haben ihren Mißmuth gegen die neue Ordnung der Dinge soweit abgekühlt, daß sie sich jeder lärmenden Aeußerung enthalten; dagegen sucht eine Sorte von Fortschrittlern die Stimmung zu republikanischem Geschrei und zu frechen Flegelhaftigkeiten gegen die Person des Königs auszunutzen.
— Brüssel. Der König, welcher in Folge der Vorgänge und Aufregungen in jüngster Zeit sehr gealtert hat, liest jetzt täglich die Hauptjournale beider Parteien, um sich selbst ein Bild von der Lage des Landes zu machen. Einem hervorragenden Führer der Liberalen gegenüber äußerte er, daß er streng auf der constitutionellen Bahn verharren werde; er sei der König aller Belgier; aber er würde nie willkürlichen Maßregeln, wie etwa der Absetzung des Bürgermeisters Buhls, zustimmen.
— Paris, 8. Oktbr. In allen Theilen des Landes macht sich augenblicklich eine starke schutzzöllnerische Agitation geltend und es vergeht fast kein Tag, an dem nicht irgend eine Versammlung von Protek- tionisten in der Provinz stat-findet. Die Gesellschaft der Landwirthe des Nord-Departements hielt gestern in Lille in Anwesenheit des Präfecten und der Präsidenten der Bezirksvereine eine Sitzung, in welcher einstimmig eine Tagesordnung zur Annahme gelangte, die an die Regierung die Bitte stellt: die Zölle auf Getreide, Schlachtvieh und Fleisch zu erhöhen, das neue Gesetz über den Steuernachlaß für Zucker zur Weinverbesserung sofort in Anwendung zu bringen u. s. w. Eine Deputation, der sich auch der Präsect Cambon anschließen wird, wurde mit der Ueberreichung dieser Wünsche an die Regierung beauftragt.
— London, 7. Oktbr. Die Zahl der bei dem Schifföruch des Kanonenboots „Wasp" bei Tory Island verunglückten Seeleute beträgt nach offiziellen Zusammenstellungen 50. Von den Leichen der Verunglückten sind bis jetzt erst einige, und diese theilweise in fast unkenntlichem Zustande, aufgefischt worden. Das Kriegsschiff „Banterer" ist nach der Toryinsel gesandt wo-den, um bei der Aufsuchung der Leichen behülflich zu sein, deren Identität durch die sechs geretteten Matrosen festgestellt werden soll. In Portsmouth wurde gestern die kriegsgerichtliche Untersuchung über die mit dem Untergänge des Kanonenbootes verknüpften Umstände abgehalten. Nach Vernehmung der geretteten Seeleute fand der Gerichtshof, daß das Schiff bei der Toryinsel mangels gehöriger Sorgfalt und Ausmerksamkeit in seiner Handhabung scheiterte, und sprach die Geretteten von jeder Mitschuld frei.