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30 Pfg

Nr. 229.

Dienstag den 30. September

1884.

Amtliches.

Bekanntmachung.

In Gemäßheit Erlasses des Herrn Ministers des Innern vom 20. September d. I. werden die Wählerlisten zu den durch Kaiserliche Ver­ordnung vom 18. September d. I. angeordneten Reichtagswahle« vom

30. September d. J. an

8 Tage lang auf dem Neustädter Rathhause (Lokal der Steuer. Com­mission, 1 Treppe hoch, rechts) zu Jedermanns Einsicht ausgelegt sein, und zwar während der Wochentage in den üblichen Büreaustunden, da­gegen Sonntag den 5. Oktober d. J. von Vormittags 11 Uhr bis Nach, mt ags 1 Uhr.

Einsprachen sind binnen 8 <Tagen nach Beginn der Auslegung bei dem Stadtvorstaude anzubringen.

Nur Diejenigen sind zur Theilnahme an der Wahl berechtigt, welche in die Wählerlisten ausgenommen sind.

Die Abgrenzung der sieben Wahlbezirke hiesiger Stadt wird dem­nächst im Näheren veröffentlicht werden.

Hanau, am 26, September 1884.

Der Oberbürgermeister Rauch.

Tagesschau.

Berlin, 29. Septbr. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin empfingen gestern in Baden-Baden den Besuch des Großher- zogs, der Großherzogin und des Erbgroßherzogs von Baden, welche auch an dem um 5 Uhr stattgehabten Diner theilnahmen.

Berlin, 28. Septbr. Offiziös wird geschrieben:Wiederholt ist bei den Verhandlungen des Landtags auf die Schwierigkeit und Un- Zweckmäßigkeit hingewiesen worden, welche die Uebertragung der Erhe- bung der Gerichtskosten an die Verwaltung der indirekten Steuern nach sich zieht. Die Staatsregierung hatte seiner Zeit sich bereit erklärt, in eine eingehende Erörterung der Frage wegen Wiederübertragung der Kostenerhebung an die Gerichtsbehörden einzutreten. Voraussichtlich wer­den diese Erörterungen dem Abschluß nahe gebracht sein und es dürfte die Frage schon im nächsten Etat im Sinne der Wünsche der Landes­vertretung ihre Erledigung finden."

Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach demR.- u. St.-A." Nr. 229 wurde unterm 27. Sep­tember verboten: das mitDie Vertretung der deutschen Sozialdemo« kratie" unterzeichnete und vom lausenden Monat datirte, anläßlich der bevorstehenden Reichstagswahlen zur Veröffentlichung sertiggestellte sozial- demokratische Manifest,herausgegeben, gedruckt und verlegt von J. H. W. Dietz in Stuttgart".

In einer Wahlversammlung in Dortmund erzählte Dr. Jerusa­lem : Erst vor Kurzem sagte mir ein Franzose: Was wollt Ihr eigent­lich in Deutschland, wollt Ihr vielleicht englische Verhältnisse mit der jetzigen irischen Agitation und den Dynamit-Attentaten? Wollt Ihr die russischen Verhältnisse mit dem Nihilismus? Wollt Ihr unsere parla­mentarischen Verhältnisse in Frankreich? Ihr lebt als der gesichertste, ruhigste Staat in Europa; Ihr habt einen herrlichen Herrscher an der Spitze, einen Staatsmann, der die Welt regiert durch seine geniale Kunst, und Ihr schreit:Fort mit ihm." Ja, wir im Auslande begreifen das nicht, und besonders Bismarckqui a fait la grandeur et la gloire de sa patrie, wollt Ihr wegjagen? Ja, dann seid so freundlich und borgt ihn uns auf zwei Jahre (Anhaltender stürmischer Beifall); wir werden euch dann beweisen, was dieser Mann in kurzer Zeit fertig zu bringen vermag." (Dfz.)

Leipzig, 29. Sept. Das Reichsgericht verwarf den Revi- sions-Antrag des Redaktmrs Sigl zu München gegen das Urtheil des Schwurgerichts zu München vom 8. Juli, wodurch Sigl wegen ver­leumderischer Beleidigung des Kriegsministers rc. zu 9 Monaten Ge- sängniß verurtheilt wurde.

Eisenach, 28. Sept. Heute Nachmittag wurde in Gegenwart ter Prinzessin Marie von Meiningen, Liszts, einer Deputation aus Lon­don und zahlreicher anderer Theilnehmer das Bach-Denkmal enthüllt. Archidiakonus Kiefer hielt die Festrede, worauf die Uebergabe des Denk­mals an die Stadt erfolgte.

Pest, 29. Sept. Die Thronrede erwähnt, daß die Reorgani­sation der Magnatentafel nunmehr nicht mehr hinausgeschoben werden könne und eine Lösung dieser Frage für lange Zeiten von großer Trag, weite sei; sie zählt eine Reihe der Lösung harrenden Fragen auf, als das Pensionsgesetz betr. der Staatsbeamten, die Ergänzung der Straf- gesetzgebung durch Regelung des strafgerichtlichen Verfahrens, die Schaf­fung eines bürgerlichen Gesetzbuches, die Regulirung der Donau, die Beseitigung der Schifffahrtshindernisse am Eisernen Thore. Die größte Sorgfalt werde darauf zu richten sein, daß die Erfolge, welche betreffs der Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalte erreicht seien, nicht nur nicht gefährdet werden, sondern der Fortschritt zur gänzlichen Herstellung des Gleichgewichts ein beständiger sei. Dieses wichtige Ziel wird die Regierung mit Festigkeit anstreben. Die Thronrede hebt her­vor, daß eine Verlängerung der Dauer der Reichstagssession zweckmäßig erscheine, in der Erwartung, daß betreffs der Erneuerung des Zollbünd­nisses zwischen Oesterreich und Ungarn billiges Entgegenkommen auf keiner Seite fehlen wird. Die Thronrede fordert dazu auf, das bestehende Freundschaftsverhältniß mit den auswärtigen Staaten zu benützen, um innere Uebelstände zu beheben, und die zu Reibungen zwischen den Na­tionalitäten, Confessionen und Gesellschaftsklassen führenden Aufreizungen zu beseitigen, damit Alle vereint zur Hebung des Wohls und Ruhmes des Vaterlandes zusammenwirken können.

Pest, 29. Sept. Der auf das Ausland bezügliche Passus der ungarischen Thronrede lautet: Unsere Beziehungen zu Deutschland sind die möglichst innigsten und stehen wir auch mit den übrigen Staaten im besten Freundschaftsverhältnisse, was mit Sicherheit erwarten läßt, daß Sie unbeirrt durch äußere Verwickelungen Ihre Thätigkeit dem Wohle unseres getreuen Ungarns weihen können.

Antwerp en, 29. Septbr. An dem Bankett zu Ehren deS Chefredakteurs desHandelsblad" nahm der Minister des Innern theil. Derselbe äußerte in einer Rede:Die Revision des Schulgesetzes bildete einen Theil unseres Wahlprogramms und erfolgte nicht ohne den hef­tigsten Widerstand unserer Gegner. Dieselben werden aber nicht wagen können zu behaupten, daß wir ihre Rechte und Freiheiten verletzten. Sie haben in den Gemeinden, wo sie die Herren sind, den Unterricht nach ihrem Belieben eingerichtet und werden nun nicht mehr in den Gemein­den herrschen, wo wir die Majorität haben. Wir werden unsere Gewalt nicht mißbrauchen und bei der Verwirklichung unserer Absichten aus die Freiheit rekurriren. Das Schulgesetz ist der beste Beweis dafür. Die Kammern werden wir mit einem Gesetzentwürfe beschäftigen, der uns ge- stattet, das Provinzial- und Kommunalgesetz wahrhaft freisinnig zu revi« diren. Den Gegnern wird es nicht gelingen, eine Aenderung der öffent­lichen Meinung herbeijuführen, obschon bei den Kommunalwahlen die lokalen Interessen eine große Rolle spielen. Ich bin überzeugt, daß der mächtige Wind bei den Kommunal- und Senatswahlen vom 10. Juni und 8. Juli auch ferner unsere Segel füllt."

Paris, 29. Sept. Die werteren Operationen Courbet's be­ginnen voraussichtlich nicht vor Mittwoch. Gestern Abend fand bei dem Privatwächter des Direktors des Bergwerks in Monceau les Mines eine Dynamitexplosion statt; es wurde jedoch Niemand verletzt.

Paris, 29. Sept. Im Departement Ostpyrenäen kamen gestern 2 Choleratodesfälle, in Arwge 4, in Nimes 3, darunter der Ge« neralvicar, in Alais 2, in Correnze 3, in Drome 1 vor.

London, 29. Sept. DieTimes" veröffentlicht Briefe ihres Khartumer Correspondenten, welche bis zum 31. Juli reichen und die letzten Erfolge Gordon's, sowie die Aufhebung der Belagerung seitens der Rebellen voll bestätigen. Der Verlust der Garnison betrug seit dem 7. März 700 Mann an Todten. Oberst Steward wurde verwundet.

London, 29. Sept. Reuter's Bureau meldet aus Tientsin: Man glaubt an eine friedliche Beilegung der Differenzen zwischen China und Frankreich. Die Kaiserin von China sei zu einem Verständigungs­abschluß mit Frankreich entschlossen.

In den Banken in England sind Heuer 4 Millionen Pfund Sterling weniger an Reisegeldern ausgezahlt worden als im vorigen Jahre. Das heißt, die Cholera in Südfrankreich und Italien hat viele Engländer von Reifen abgehalten. Am meisten spüren diesen Ausfall die Wirthe rc. in der Schweiz, die auch als gefährdet galt.

St. Petersburg, 29. Septbr. Die realisirten Reichsein­nahmen betrugen im ersten Semester 1884 299100 000 Rubel gegen