GöaitueAerRlG Vrel«:
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Hanaver Artigst.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hauau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
PrriS:
Die Ifpalttge ' Garmondzeile »k deren Siaum
10 Ptg.
Li« Sld-lt. Seite
20 Psg.
ri-SI-altigeZM«
30 Ptg
Nr, 224.
Mittwoch den 24. September
1884.
Abottnewents-EinlÄdung.
Mit dem 1. Oktober 1884 beginnt ein neues Abonnement auf den „Hanauer Anzeiger", amtliches Organ für Len Kreis und Stadt Hanau.
Derselbe bringt täglich amtliche Bekanntmachungen, die wichtigsten politischen und Tagesereignisse, Cours- und Marktberichte, kirchliche, lokale und provinzielle Nachrichten, Geschäfts- und Privat Anzeigen. Das Unterhaltungsblatt enthält neben spannenden Erzählungen reiches Mannichfaltige.
Zur Veröffentlichung von Inseraten jeder Art eignet sich der „Hanauer Anzeiger" seiner starken Verbreitung halber ganz besonders und kostet die ispaltige Zeile nur 10 Pf.
Der Abonnementspreis beträgt M. 2.25 pro Quartal und nehmen sowohl die Expedition (Waisenhaus) als auch sämmtliche Postanstalten Bestellungen entgegen.
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_________Die Expedition des „Hananer Anzeiger".
Mi. Der Termin der Reichslags-Neuwahlen
ist nunmehr anberaumt, und zwar auf den 28. Oktober. Die Parteien schauen auf diesen Tag mit ähnlichen Gefühlen, wie der Lotteriespieler auf die Hauptziehung, wenn das große Loos bis dahin noch im Glücksrad verblieben ist. Unter dem „großen Loose" in parlamentarischer Beziehung versteht natürlich jeder Parteikandidat den Triumph seiner speziellen Richtung. Sehr gut und schön, wenn die Partei stets den Grundsatz vor Augen und im Herzen hat, daß sie dem Ganzen dienen, nicht aber das Ganze kommandiren soll. Es will uns bedünken, als wenn hiergegen von den verschiedensten Seiten bislang arg gesündigt worden wäre, am meisten von denjenigen, die sich der öffentlichen Meinung gegenüber mit Vorliebe als die geborenen Paladine der Verfassung und der Volksrechte auszuspielen pflegen. Niemand kann aufrichtiger als wir von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß unser Volk sein Heil nur in konstitutionellen Bahnen finden wird, aber wir werden uns so lange nicht eines normalen konstitutionellen Lebens in Deutschland erfreuen, als einige ehrgeizige Führer sich anmaßen, das Urtheil der Wählerschaft und die Abstimmungen der Volksvertretung zu tyrannisiren. Daher vor allen Dingen: Fort mit dem Fraktionsterrorismus!
Die Arbeiterstrikes in New-York im Jahre 1883.
Welch' ungeheures Capital an Geld und Arbeitskräften die jetzt in der ganzen civilistrten Welt in Scene gesetzten Arbeiterstrikes umfassen, zeigt recht deutlich die unlängst veröffentlichte Statistik der Strikes in New York im Jahre 1883. Danach gab es im Laufe des Jahres 44 950 strikende Personen verschiedener Beschäftigung; dieselben verloren 366 150 Arbeitstage zum Lohnwerth von 125 OÖO Pfd. St., wozu noch die Verluste der Arbeitgeber zu rechnen sind. Die Hauptstrikes waren die der Cigarren- und Cigarrettenarbeiter, die 163 000 Tage und 63 000 Pf. St. in Löhnen verloren; dre Teppichweber mit 77 OÖO Tagen und 20 000 Pfd. St. in Löhnen; die Bauarbeiter mit 25 000 Tagen und 19 000 Pfd. St. in Löhnen; die Telegraphisten mit 34 500 Tagen und 15 000 Pfd. St. in Löhnen und die Seidenbandwirker mit 11 250 Tage und 4000 Pfd. St. in Löhnen. Nur ein einziger großer Strike war erfolgreich, der der Verfertiger von Cuba. Cigarren, die eine Lohnerhöhung von 8 Schillingen pro Woche erzielten. Die Telegraphisten erlitten eine Niederlage; eS sind ihnen aber seitdem Concessionen gemacht worden. Von den weniger bedeutenden Strikes waren nur zwei erfolgreich, die der Schriftsetzer und der Zimmerleute; die ersteren erzielten gleichfalls eine Lohnerhöhung von 8 Schillingen per Woche. Jedenfalls war das Jahr 1883 in New York ein merkwürdiges hinsichtlich der Anzahl von Strikes; aber die erlangten Erfolge standen in keinem Ver« hältniß zu den gebrachten Opfern.____(Kl. Tgbl.)___
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— Berlin, 23. Septbr. Se Majestät der Kaiser und König und Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die
Kronprinzessin haben Sich heute früh 9 Uhr zu Wagen nach Kierberg, und von da mittelst Extrazugs nach Derkum begeben, um dem Corpsmanöver des VIII. Armeekorps beizuwohnen. Ihre Majestät die Kaiserin begab Sich um 10 Uhr nach dem Manöverfelde.
— Ber lin, 23 Sept. Der „Reichsanzeiger" meldet aus Ben- rath: Auf eine im Namen von etwa 75 pCt. aller industriellen Arbeiter des Landkreises Düsseldorf von 3 Arbeitern, resp. Meistern überreichte Adresse mit 3123 Unterschriften, welche für das große Wohlwollen und die ernste landesväterliche Fürsorge dankt, die der Kaiser stets dem Arbeiterstande gewidmet habe und von welcher durch des Kaisers persönliches Einschreiten das ins Leben gerufene Krankenkassengesetz und das Unfallgesetz einen glänzenden Beweis geben, erwiderte der Kaiser sichtlich freudig bewegt etwa Folgendes, es sei ihm nicht immer ver- gönnt, Dank zu ernten für seine Bestrebungen zum Wohle des Volkes; umsomehr freue es ihn, heute solchem Danke zu begegnen aus einem Stande, dem er in der gegenwärtigen Zeit eine ganz besondere Fürsorge widme und für dessen Wohl durch die Gesetzgebung schon wichtiges geschehen sei; er freue sich auch, daß man anscheinend mit dem eingeschlagenen Wege zufrieden sei. Allen könne auch er freilich es nicht recht machen.
— Berlin, 23. Septbr. Se. Excellenz der Vize-Präsident des Staatsministeriums, Minister deS Innern von Puttkamer, ist nach der Provinz Westfalen und Se. Excellenz der Staatsminister, Staatssekretär des Innern v. Boetticher, nach der Rheinprovinz abgereist.
— Die Kaisermanöver am Rhein haben sich zu einer ununterbrochenen Kette patriotischer Kundgebungen gestaltet, in deren Mittelpunkt die ehrwürdige Gestalt unseres allgelrebten kaiserlichen Herrschers steht. Der mächtige Impuls nationaler Begeisterung, den die Bevölkerung der Rheinlande aus der Anwesenheit des Kaisers in ihrer Mitte zieht, und der in den übrigen Gauen des Vaterlandes ein tau- tendfältiges Echo findet, ist uns ein Unterpfand dafür, daß die höchsten idealen Güter unseres Volkslebens vor Beeinträchtigung durch die Leidenschaft der tagespolitischen Streitigkeiten gesichert find und hoffentlich auch für alle Zukunft gesichert bleiben.
— Die gesetzgeberischen Vorbereitungen sind bereits im vollen Gange. Sowohl im Reichsschatzamt als im preußischen Finanzministerium ist man mit der Aufstellung des Etats pro 1885/86 beschäftigt und da die Berufung des Reichstags für den November in Aussicht steht, so dürfte der Reichsetat wohl in Bälde zum Abschluß gebracht werden.
— Die deutsche Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, soweit der Stand der Fabrikarbeiter in Betracht kommt, hat neuerdings bedeutend nachgelassen. Dank der Schutzzollpolitik haben die nationale Industrie und die mit derselben in Zusammenhang stehende Erwerbsthätigkeit einen Aufschwung erfahren, der auch auf die Lohnvelhältnisse der Arbeiter günstig gewirkt hat, wozu noch kommt, daß die in den wichtigsten amerikanischen Industrien herrschende Krise drüben einen hochgradigen Nothstand zu Folge hatte, die in unserer diesseitigen Arbeiterbevölkerung die Lust zum Auswandern stark gedämpft hat.
— Elberfeld, 20. Sept. Die „RH. - Wests.-Volksztg." bringt folgenden Beitrag zu dem Kapitel Submissionswesen. Der Bauunter-' nehmer K. von hier, welcher als Mindestfordernder die Aufführung der Quaimauer am Brausenwerth zum Preise von 31 000 Mk. übernommen hatte, hat die Arbeit eingestellt, denn obgleich das Mauerwerk erst bis etwa zur Hälfte der Höhe ausgeführt ist, übersteigt schon jetzt die Summe seiner Auslagen diejenige seiner Gesammtforderung. Der Nächstmindest- order nde hatte 50 000 Mk. verlangt.
— Köln, 22. Sept. Der „Verein deutscher Buchdruckereibe- sitzer" hielt gestern und heute in Köln seine 16. Generalversammlung ab. Den Vorsitz führt Dr. Brockhaus in Leipzig. In der gestrigen Hauptversammlung, welche im Hansasaale des Rathhauses abgehalten wurde, bildete namentlich die Unfallversicherung und des Krankenkassen- Wesen Gegenstand der Debatte und erklärte der Verein sich einstimmig gegen die Errichtung von eigenen Betriebs- (Fabrik.) Krankenkassen. Sodann gelangte noch eine Resolution zur Annahme, welche sich für die Gründung eines deutschen Museums und einer Akademie für das Buchgewerbe und die graphischen Künste in Leipzig ausspricht.