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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.
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Nr. 221.
Samstag den 20. September
1884.
Amtliches.
Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefähr- lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Flugblatt:
„An die Wähler des dritten Hamburgischen Wahlkreises", mit der Unterschrist: „Mehrere Arbeiter im dritten Hamburgischen Wahlkreise", Verlag von J. Auer, Schwerin, Druck von I. H. W. Dietz, Hamburg, nach § 11 des genannten Gesetzes von der unterzeichneten Landespolizeibehörde verboten ist.
Hamburg den 11. September 1884.
Die Polizeibehörde. Senator Mönckeberg.
Nachdem durch die Bekanntmachung der Königlich preußischen Regierung in Posen vom 25. August d. I. (Reichs-Anzeiger Rr. 203) das in Genf im Monat Mai dieses Jahres erschienene erste Heft der Monatsschrift „Walka Klas“ verboten worden ist, wird auf Grund der §§. 11 und 12 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 die fernere Verbreitung des Blattes „Walka Klas“ im Reichsgebiete hierdurch verboten.
Berlin den 12. September 1884.
Der Reichskanzler. In Vertr.: von Boetticher.
Tagesschau.
— Bekanntmachung auf Grund des ReichsgesetzeS vom 21. Oktober 1878. Nach dem „R.- u. St.-A." Rr. 220 wurde unterm 16. September verboten: die im Verlage des vormaligen Holzbildhauers Herrn Hugo Rödiger zu Sera erschienene, von Dr. Bruno Schönlank in München redigirte und in der Druckerei von M. Ernst (vormals Gg. Poll- mer) daselbst gedruckte periodische Druckschrift: „Politische Wochenschrift für das „Deutsche Volk".
— Berlin, 19. Sept. Der Bundesrath hielt gestern unter dem Vorsitz deS Staatsministers v. Boetticher eine Plenarsitzung ab. Der Präsident des Großherzoglich hessischen Finanzministeriums, Weber, ist für das Großherzogthum Hessen zum Bevollmächtigten, und der Königlich bayerische Ministerialrath Frhr. v. Stengel zum stellvertretenden Bevollmächtigten zum Bundesrath ernannt worden. Der Großherzogliche Ministerial-Präsident Schleiermacher ist aus dem Bundesrath ausgeschie- den, der Königlich bayerische Ministerialrath Frhr. v. Raesfeldt wird mit Ablauf dieses Monats ausscheiden. Nachdem die durch die Versetzung des bisherigen Protokollführers erforderlich gewordene Neuwahl eines solchen vollzogen worden war, machte der Vorsitzende Mittheilung von der erfolgten Zustimmung des Reichstages zu dem internationalen Vertrag zum Schutz der unterseeischen Telegraphenkabel. Den zuständigen Ausschüssen wurden folgende Borlagen überwiesen, nämlich: der Entwurf einer Verordnung über die Kaution des Rendanten der Patentamts - Kasse, eine Vorlage wegen Aenderung der Bestimmungen des Eisenbahn- BetriebSreglements über die Beförderung von geldwerthen Papieren und Antiquitäten, der Entwurf von Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetze wegen Abänderung der Maß- und Gewichtsordnung, eine Vorlage wegen Regelung der Angaben über die Maschinenkräfte der Seedampfschiffe in den amtlichen Verzeichnissen, endlich eine Vorlage über das Format der Formulare zu den Registerauszügen über die Beurkundung des Personenstandes. Einem Anträge Württembergs auf Zulassung gemischter Privat-Transitlager von Getreide in Friedrichshafen ist die Zustimmung ertheilt worden. Den Anträgen Preußens bezw. Hamburgs wegen Erneuerung der Anwendung der im § 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vorgesehenen Anordnungen auf Berlin und dessen Umgebung bezw. Hamburg und angrenzende Theile der preußischen Provinzen Hannover und Schleswig- Holstein wurde Seitens der Versammlung Folge gegeben. Endlich wurde über die geschäftliche Behandlung von Eingaben Beschluß gefaßt.
— Berlin,'19. Septbr. Nach einer Mittheilung der sranzösi- schen Postverwaltung werden die zwischen Marseille und Egypten bezw. Ostasien verkehrenden Postdampfer der Messageries Maritimes aus Anlaß der Choleragefahr in Neapel bis auf Weiteres nicht mehr anlegen.
In Folge dessen werden bis auf Weiteres Briefsendungen aus Deutschland nach Egypten mit den bezeichneten Schiffen nicht mehr zur Absenkung gebracht, solche nach Asien aber, soweit sie mit den französischen Postdampfern Beförderung erhalten sollen, über Marseille geleitet, von wo der Abgang der Schiffe jeden zweiten Sonntag (zunächst am 28. September) um 10 Uhr Vorm. erfolgt.
— Düsseldorf, 19. Sept. Se. Maj. der Kaiser drückte gestern Abend, nach Beendigung des Ständefestes, dem Landtagsmarschall Fürsten v. Wied und dem Oberbürgermeister Becker seinen Dank für das schöne Fest aus. Der Kaiser wohnte demselben bis zum Schlüsse bei, die Kaiserin hatte sich früher zurückgezogen. Heute Morgen um 9 Uhr begab sich der Kaiser nach Wevelinghoven, wo um 10 Uhr die große Parade des 7. Armeecorps stattfindet. Auf der Fahrt nach dem Bahnhöfe in Benrath wurde der Kaiser von der aufgestellten Schuljugend begrüßt.
— Kapellen, 19. Sept., Vormittags. Bei zwar trübem, aber regenfreien Wetter fand bei Wevelinghofen die Parade des 7. Armeekorps statt, welche der Kaiser, umgeben von den königlichen Prinzen und den übrigen fürstlichen Herrschaften zu Pferde abnahm. Die Kaiserin wohnte der Parade zu Wagen, die Kronprinzessin zu Pferde bei. Nach dem Abreiten der Fronten defilirte das Corps 2 Mal, wobei die Chefs der Regimenter dieselben vorführten, so der Kronprinz das 53. Regiment, der Großherzog von Oldenburg das 4. Kürassierregiment, der Fürst von Lippe das 55. Regiment. Der Kaiser wurde vom Publikum und den Kriegervereinen enthusiastisch begrüßt.
— Benrath, 19. Sept. Heute Nachmittag um 5 Uhr fand das Paradediner im Orangeriehause dahier statt. Der Kaiser trank auf das Wohl des siebenten Armeecorps. Generallieutenant von Witzev- d orff dankte und toastete aus den Kaiser. Abends findet großer Zapfenstreich statt.
— Förde in Westphalen 16 Sept. Heute Nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr flog ein Gebäude der hier neuerbauten, seit ungefähr 4 Wochen im Betriebe stehenden Dynamit-Fabrik infolge Explosion in d>e Luft und von einem nebenanstehenden Gebäude wurde das Dach abgerissen. Zwei noch jugendliche Arbeiter im Alter von 17 bis 20 Jahren blieben dabei sofort todt.
— Danzig, 17. Sept. Gestern wurden hier die Geschäftslo- cale der Firma G. Schrange & Co. polizeilich geschlossen. Der „Chef des Hauses" ist der frühere Laufbursche und spätere Kolporteur Heinr. Schlange; seine Helfershelfer sind der zweite Chef Rudolf Albrecht, die Reisenden Heinrich Ehrke, Albert de Laski, Karl Lewandowski und der Cassirer Albert Pranz. Das Hauptgeschäft der Firma bestand in dem Vertriebe von Anth ilscheinen auf Sachsen - Meininger Staatsloose vom Jahr 1870. Die Scheine sind werthlos. Die Gauner haben leider eine größere Anzahl Antheilscheine abgesetzt und erhebliche Geldbeträge eingezogen. G. Schlange wurde verhaftet. Ferner sind in Bromberg der zweite Chef der Firma, Rudolf Albrecht, und der Reisende Heinrich Ehrke verhaftet worden. In dem Besitze des „Banquiers" wurden 65 Pfg. vorgefunden. (Kl. Tgbl)
— Wie aus dem Regierungsbezirk Danzig berichtet wird, ist dort, wie in anderen Gegenden, bei der mit hohen Schulden und Abgaben belasteten ländlichen Bevölkerung ein Zurückgehen des Wohlstandes unverkennbar. Dies zeigen auch die im Laufe des verflossenen Vierteljahres vorgekommenen gerichtlichen Zwangsversteigerungen größerer und kleiner Güter, sowie der UWstand, daß die ländlichen Besitzungen im Preise erheblich gefallen und schwer verkäuflich sind! So ist ein Rittergut, welches vor zehn Jahren für 126 000 M. gekauft war, für 44 000 Mark subhastirt worden. Die gewöhnlichen ländlichen Arbeiter haben bei den Bauten, den Feldarbeiten und den gewerblichen Anlagen vollauf Beschäftigung und reichlichen Verdienst, jedoch haben sich ihre Bedürfnisse in den letzten Jahren so wesentlich gesteigert, daß sie trotz der günstigen Einnahme nichts zurückzulegen vermögen.
— Wien, 18. Septbr. In Reich enberg ist es in der letzten Zeit wiederholt zu tumultuarischen Auftritten zwischen Deutschen und Ezechen gekommen. Der Abg. Mattusch rnterpellirte heute im böhmischen Landtage dieserhalb den Statthalter, welcher seine Antwort für eine der nächsten Sitzungen zusagte. Inzwischen hat ein Bataillon des in Jung- bunzlau stationirten Infanterie-Regiments Befehl erhalten, sich marschbereit nach Reichenberg zu halten. Zugleich wurde die- Verkehrsleitung