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Nr. 219.

Donnerstag den 18. September

1884.

t Die Drei-Kaiferzusammenkunft, auf welche die Welt seit Wochen gespannt war, wird beendet sein, wenn diese Blätter in die Hände ihrer Leser gelangen. Zugleich werden die Leser erfahren haben, daß dieses Ereigniß in allen Theilen Europas mit gleicher Befriedigung ausgenommen worden ist, weil man dasselbe allent­halben als Bürgschaft für eine dauernde Erhaltung des Friedens und der bestehenden staatlichen Ordnung ansieht. Durch eine lange Reihe von Erfahrungen ist dargethan worden, daß daS Einverständniß der drei Beherrscher des östlichen Europa Niemanden bedroht, der es mit dem Frieden wohl meint, daß Verdächtigungen der von denselben geheg. ten Absichten nirgend mehr versucht werden können. Mit kaum dage­wesener Uebereinstimmung bezeugen die leitenden Preßorgane der euro­päischen Kulturvölker, daß sie die Zusammenkunft von Skierniewice für ein ebenso segensreiches und dem allgemeinen Interesse entsprechendes Ereigniß ansehen, wie weiland die Dreikaiser-Begegnung von 1873.

Verglichen mit den Verhältnissen, die vor elf Jahren obwalteten, bietet die heutige europäische Lage ein wesentlich befriedigenderes Bild. Die Wunden, welche der Krieg von 1870/71 geschlagen hatte, sind ver­narbt, das Mißtrauen, welches damals gegen das neue deutsche Reich und dessen Weltstellung herrschte, ist geschwunden, statt der Unruhe und Verwirrung, die damals auf der Balkanhalbinsel herrschten, finden wir eine neu begründete staatliche Ordnung, die in der Befestigung begriffen ist, und die Besorgnisse vor kriegerischen Verwicklungen in Europa haben sich vermindert.

Daraus ist zu erklären, daß die diesmalige Dreikaiser-Zusammen- kunst kaum andere als zustimmende und befreundete Zeugen und Be- urtheiler hat.

Ein verdientes Vertrauen ist es, das der Welttheil der gegen­wärtigen Zusammenkunft der drei Kaiser entgegenträgt, die der Sache des Friedens zwischen den Völkern ebenso große Dienste geleistet haben, wie der Aufrechterhaltung und Befestigung des inneren Friedens.

Die Dreikaiser.Zusammenkunft ist der Frieden in dieses Wort läßt sich die Summe dessen zusammenfassen, was in Veranlassung des Tages von Skierniewice von den maßgebenden Or­ganen der europäischen Presse gesagt worden ist.

Tagesschau.

Zur Drei - Kaiser - Zusammenkunft.

Skierniewice, 16. Sept. Zwischen 10 und 11 Uhr machten die Minister dem Kaiser von Oesterreich und dem deutschen Kaiser ihre Aufwartungen. Um 11 Uhr begann die Parade über je ein Bataillon der hier garnisonirenden zwei Regimenter ihrer Majestäten. Die Bataillone rückten bereits um lOVs Uhr mit Fahnen und klingen­dem Spiele in den Park ein, wo sie in zwei langen Reihen zu beiden Seiten des großen mit einer Fontaine geschmückten Blumenparterres vor dem Schlosse Aufstellung nahmen. General Pajutin war an der Spitze des österreichischen Bataillons, welches links stand, General Konarzewski an der Spitze des rechts stehenden preußischen Bataillons. Gleichzeitig versammelten sich vor dem Schlosse die beiden Großfürsten, der Prinz von Sachsen-Altenburg, Fürst Bismarck in Kürassier-Uniform mit seinen beiden Söhnen, Graf Kalnocky in Husaren - Uniform, die Generale von Schweinitz, von Werder, von Klepsch, sowie eine glänzende Suite russischer Officiere. Um 11 Uhr wurden beide Bataillonsfahnen unter den üblichen Ehrenbezeugungen aus dem Schlosse hinausgetragen. Nun übernahm der Generalgouverneur Gurko den Befehl. Seine Commandorufe, von beiden Generalen wiederholt, pflanzten sich echoartig durch die langen Reihen; dann erschienen die drei Kaiser in russischer Generals-Uniform, der deutsche Kaiser in der Mitte, der Zar rechts und der Kaiser Franz Joseph links. Zuerst wurde die Front des linksstehenden österreichischen Bataillons unter den Klängen der Volkshymne abgeschritten, sodann gruppirlen sich die Majestäten in folgender Weise: Kaiser Franz Joseph in der Mitte, der deutsche Kaiser links, der Zar rechts und so wurde das preußische Bataillon in derselben Weise abgeschritten. Kaiser Franz Joseph führte hierauf sein Bataillon dem Zaren vor, schritt dann auf General Gurko zu, welchem er warm die Hand drückte und seine An­erkennung aussprach. Der deutsche Kaiser, durch den raschen Marschir- jchritt nicht im mindesten angestrengt, führte sodann sein Bataillon vor, hinier ihm schritt der Zar. Während der Vorführung beider Truppen, welche strammste Haltung zeigten, trat jeder der gerade unbeschäftigten

Monarchen zu der Kaiserin und Großfürstin, welche unter der Einfahrt dem fesselnden Schauspiele beiwohnten. Der deutsche Kaiser drückte dem General Gurko in längerem Gespräche gleichfalls seine Anerkennung aus. Nach Beendigung der Parade, an welcher auch Trommler, Pfeifer und zwei Musikkapellen Theil nahmen, begaben sich die Kaiser auf die Terasse, von wo sie den Abmarsch ansahen. Später fand das Dejeuner und hierauf die Jagd statt, an welcher zwölf Schützen Theil nahmen, wo­runter die drei Majestäten, die Großfürsten Wladimir, Nikolai, Prinz von Sachsen - Altenburg, sowie die Generale von Woronzoff Daschkoff, v. Mondel, v. Lehndorff, v. Schweinitz und v. Werder.

Skierniewice, 16. Sept. Die drei Kaiser kehrten Nach­mittags um 41/4 Uhr von der Jagd zurück. Hierauf fand das Diner und Abends eine Balletvorstellung statt.

Skierniewice, 17. Sept. Gestern um 12 Uhr wurde das Dejeuner für die Majestäten und Großfürsten im intimsten Kreise servirt. Sodann fuhren die Herrschaften nach dem in der Nähe gelegenen Thier­parke zur Jagd auf Dammwild. Die Czarewna fuhr mit dem Kaiser Franz Joseph, während Kaiser Alexander mit Kaiser Wilhem fuhr. Kaiser Franz Joseph trug die russische Generalsuniform, Kaiser Wilhelm, der Zar und die Großfürsten befanden sich im Jagdgewand. Nach 4 Uhr kehrten die Herrschaften zurück, Kaiser Wilhelm an der Seite der Czarewna, während Kaiser Franz Joseph mit dem Zar fuhr. Mittler­weile war der Großfürst Michael Nikolajewitsch mit feinen Söhnen Michael und Georg hier eingetroffen. Der Großfürst machte unmittel­bar nach seiner Ankunft in österreichischer Uniform dem Kaiser Franz Joseph, sodann in preußischer Uniform dem Kaiser Wilhelm einen Besuch. Während die Monarchen auf der Jagd waren, halten Fürst Bismarck, Graf Kalnoky und Herr von Giers eine etwa zweistündige Conferenz. Später unternahm Fürst Bismarck eine Spazierfahrt durch den Park. Gelegentlich fanden sich die drei Minister bei dem Photographen wieder und ließen sich die gemachten Aufnahmen der einzelnen Scenen der En­trevue zeigen. Um 6^/2 Uhr Abends wurde Graf Kalnoky vom Kaiser Wilhelm empfangen. Um 7 Uhr fand Familiendiner im Schlosse und gleichzeitig Marschalltafel im Specialbahnhose statt. Anwesend waren die Kaiserin, die drei Kaiser, die drei Großfürsten, die Großfürstin Maria Paulowna, die Fürstin Kotschoubey, die Gräfin Apraxin, Fräulein Oserow, Fürst Bismarck, Graf Kalnoky, Mondel, Wolkenstein, Albedyll, Lehndorff, Radziwill, Schweinitz, Werder, Woronzow-Daschkoff, Tolstoi, Giers, Wennewsky, Gurko, Lobanow und Tscherewin.

Skierniewice, 17. Sept. Bei der gestrigen Balletauffüh- rung erschienen im Theatersaale zuerst die Hofherren und Hofdamen, die Minister, die Generalität und die Suiten. Sodann traten Kaiser Wil­helm, die Kaiserin, Kaiser Franz Joseph, die Großfürstin Maria Pau­lowna führend, Kaiser Alexander und die Großfürsten ein. Die Kaiserin saß in der Mitte des ersten Ranges, rechts von derselben Kaiser Franz Joseph, links Kaiser Wilhelm. Neben dem Ersteren saßen rechts die Großfürstin Maria Paulowna, Kaiser Alexander, die Hofdame Rostwo- rowska, Graf Kalnoky, Herr v. Giers, neben dem Kaiser Wilhelm links die Gräfin Kotochubey, Fürst Bismarck, die Großfürsten und die Gene- ralin Gurko. Gestern Nachmittag um 5 Uhr stattete Fürst Bismarck nebst seinen beiden Söhnen dem Generalgouverneur General Gurko ei­nen Besuch ab. General Gurko erhielt den Leopold-Orden 1. Klasse.

Skierniewice, 17. Sept. Die Abreise der deutschen Gäste erfolgte pünktlich heute 8 Uhr Morgens. Eine glänzende Suite ver­sammelte sich auf dem Perron, während die Herrschaften in den weiten Räumen des Specialbahnhofes sich auf die herzliche Weise verabschiedeten. Fünf Minuten vor Abgang des Zuges traten dieselben auf den Perron hinaus; Kaiser Wilhelm die Kaiserin, Kaiser Franz Josef die Groß­fürstin führend, dann der Kaiser Alexander und die Großfürsten, von welchen der Großfürst Michael Nikolajewitsch mit seinen zwei Söhnen und General Richter zur Theilnahme an den Manövern am Rhein mit- fuhren. Erneut Abschied nehmend, küßte Kaiser Wilhelm der Kaiserin erst den Mund, dann zweimal die Hand. Die Augen des greifen Mo­narchen waren feucht von Thränen. Auch die Kaiserin war sichtlich er­griffen; hierauf küßte Kaiser Wilhelm der Großfürstin die Hand, um­armte und küßte dreimal die Kaiser Franz Josef und Alexander, sowie die Großfürsten und sprach sodann den im Halbkreise versammelten russischen und österreichischen Suiten den Dank für die herzliche Auf­nahme aus. Nachdem der Kaiser den Waggon bestiegen, trat er saluti-