Beilage zu Nr. 218 des Hanauer Anzeiger.
Lokales, Provinzielles und Umgegend.
— (Grimm-Denkmal.) Aus Amsterdam wird uns folgendes mitgetheilt:
Eine Commission, aus folgenden Herren bestehend: Dr. M. de Vries, Vorsitzender; Dr. B Symons, Sekretär; Dr. W. G. Brill, do.; I. ten Brink; Dr. P. I. Cosyn; Mr. S. I. Fockema Andreae; Dr. I. H. Gasige; Baron Geer van Jntphas; Dr. F. I. Halber'sma; Dr. A. G. van Hamel; Dr. W. L. van Hellen; Dr. W. I. A. Jouckbloet; Dr. G. Kalff; Dr. H Kern; Dr. H. E. Moltzer; Mr. C. Pynacker Hordyk; Baron Sloet van de Belle; I. A. Alberdingk-Thym; Dr. I. Verdam; Dr. I. Beckering - Vinchers und Mr. I. de Wall, haben sich an alle Gelehrten und Literaturkundigen sowie an Alle, die mit ihnen der Ansicht sind, daß ein Volk, das seine Sprache und Vorzeit nicht in Ehre hält, verloren ist, mit der Bitte gewendet, Beiträge zu steuern für das Denkmal, welches man in Hauau für die Gebrüder Jacob und Wilhelm errichten will. Das betr. Circular lautet in deutscher Uebersetzung u. a. wie folgt:
„Die Gebrüder Grimm, besonders Jacob, haben auch dem Nieder- „ländischen Volke unschätzbare Dienste erwiesen. Sie haben auch bei „uns die vornehmlichste Veranlassung gegeben, um die Schätze der „Vergangenheit für das Leben der Jetztzeit wieder zu gewinnen. Sie „haben auch bei uns die Ueberzeugung geweckt, daß das Studium „unserer Vorzeit nicht allein die Domäne der Gelehrten, sondern eine „nationale Sache im schönsten und vollsten Sinne des Wortes ist.
„Mit dem genialen Blick und dem emsigen Fleiße des großen Ge- „lehrten vereinigten sie das eu psängliche Gemüth und die schöpfende „Phantasie des Dichters. Sie sind tiefer als irgend Einer in das „Seelenleben der Germanischen Stammes eingedrungen. Sie haben „zuerst ein erwärmendes Licht über Sprache und Volkspoesie, Gottes - „dienst und Recht, Sitten und Gewohnheiten, Mythen und Sagen der „Vorfahren ausgebreitet. Sie haben die herrlichen Mährchen aus „dem Volksmunde gesammelt und in so kostbarer Einfachheit unseren „Kindern weitererzählt.
„Mit ihrem gemüthlichen Ernste, ihrer großen Einfachheit, ihrer „tiefen Auffassung und ihrer männlichen Widersetzung gegen Willkür und „Gewissenszwang vereinigten sie die schönsten Züge des germanischen „Geistes zu einem ewig denkwürdigen Bilde."
— (W ilhe l m > A u g u sta - Sti ftun g.) Nach dem veröffentlichen Rechnungs-Abschluß der communalständischen Wittwen- u. Waisen- Versorgungsanstalt des Regierungsbezirks Kassel (Wilhelm-Augusta-Stif- tung) vom Jahre 1883 betrug (unter Weglassung der Pfennigbeträge) die Gesammt - Einnahme 41 200 Mk., davon Beiträge der Mitglieder 29 142 Mk., Zinsen von Capitalien 11 712 Mk., die Ausgaben betrugen 40 645 Mk. An Pensionen wurden gezahlt 4610 Mk., Capitalien angelegt 36 000 Mk. Das Vermögen hat gegen das Jahr 1882 eine Zunahme von 36 215 Mk. erfahren und betrug Ende des Rechnungsjahres 1883 318 275 Mk.
— Kassel, 15. Septbr. Der ständische Verwaltungsausschuß, welcher in der Zeit vom 8. September bis zum Heutigen unter dem Vorsitze des Herrn Kammerherrn von der Malsburg seine Sitzungen ab. hielt, erledigte eine große Zahl laufender Verwaltungssachen. Von diesen wollen wir diejenigen, welche von Interesse sind, soweit als möglich erwähnen. Als wesentlichster Beschluß ist die auf den 1. Januar 1885 festgesetzte Ueberleitung der Hessischen Brandversicherungs-Anstalt in das neue Klassifikations System, sowie die damit im Zusammenhang stehende Bestellung besonderer ständischer Bezirksbeamten oder Rendanten zu be- zeichnen. Nach diesem Beschluß sollen 22 solcher Beamten, also für jeden Kreis einen, mit einem Gehalt von 1200 Mk. bis 3600 Mk. neben entsprechender Entschädigung für Bureau- und Reisekosten bestellt und
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Den Mitglieder sämmtlicher Kranken- sowie Sterbekassen zur Nachricht, daß sie ihren Bedarf an Arzneien unter denselben Bedingungen, wie sie Herr Apotheker Schäfer gewährt, auch von den Unterzeichneten beziehen können.
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diesen alle Funktionen übertragen werden: die Besorgung der Geschäfte der Brandkasie und der Schatzkasse, bezügl. dem Landstraßen- u. Landwegebau, sowie Viehseuche-Verwaltung ; ferner die Führung der Kassen der ständischen Institute und Anstalten mit Ausschluß der Leihanstalten. Die Geschäfte der Landeskreditkasse, welche gegenwärtig von den Steuerkassen im Nebenamt mitversehen werden, verbleiben zunächst noch bei den Steuerkassen, werden aber später den ständischen Bezirks - Rendanten ebenfalls übertragen werden. Die Stellen, für welche die Qualifikation im Kassen-, Rechnungs- und Verwaltungsfach erforderlich ist, sollen ausgeschrieben werden. Weiter kamen sodann zum Vortrage die sehr umfassenden Jahresberichte der ständischen Verwaltung von den Jahren 1881, 1882 und 1883 und der Bericht der Brandkasse über die Ueberleitungsarbeiten. Diese Berichte werden dem Kommunallandtage, der im künftigen Monate Zusammentritt, erstattet und können daher Mittheilungen aus demselben zur Zeit nicht gemacht werden. Die übrigen Gegenstände betrafen Gesuche um Leistung von Beihilfen an arme Armenverbände, um Ermäßigung oder Erlaß der Verpflegungskosten für in den Krankenanstalten untergebrachten Personen, um Gewährung von Unterstützungen zu Landwegebauten u. s. w. Diesen Gesuchen wurde soweit thunlich entsprochen. (Fld. Ztg.)
— Frankfurt a. M, 16. Septbr. Ein Nachtwächter ist ver- wichene Nacht von zwei Knechten aus Preungesheim auf der Friedberger Landstraße aufs schwerste mißhandelt worden, weil er sie wegen der an ihrem Fuhrwerke fehlenden Laterne nach ihrem Namen rc. frug. Die Burschen sind verhaftet. Der eine ist vom Wächter, der den Säbel ge.- zogen, verwundet worden. Der Wächter selbst ist gleichfalls erheblich verletzt. Er hat 4 Löcher im Kopf, von denen eines 5 Zoll lang ist. — Gestern Vormittag gerieth ein Bube, welcher sich an dem Geistpfört- chen vor dem Dampfschiff auf einem Nachen umhertrieb, unter den linken Radkasten und ging sammt seinem Fahrzeug unter. Er wäre unfehlbar ertrunken, wenn er nicht durch die Geistesgegenwart des Herrn Rothenburger, der schon mehrere Kinder aus dem Maine gezogen, gerettet worden wäre. (Fr. Jl.)
— Frankfurt a. M., 17. September. Der vorgestrige „Nickel- chestag" ist, trotz der großen Merschenmassen, die sich auf der Messe bewegten, ruhig und ohne irgend ein bemerkenswerthes Ereigniß verlaufen. — Der neue Aepfelwein, welcher bereits in zahlreichen Wirthschaften in und vor der Stadt verzapft wird, wird allgemein gelobt. Der Vorjährige soll gegen den Heurigen an Qualität bedeutend zurückstehen. — In der Messe wurde im Gedränge einem kleinen Mädchen der Ohrring, den es erst seit acht Tagen trägt, aus dem Ohr getiffen, wodurch die kaum vernarbte Wunde zu bluten anfing. In einem in der Nähe befindlichen Gummiwaarengeschäft wurde der erste Verband angelegt. Hier stellte es sich heraus, daß eine zwei Centimeter lange Wunde entstanden war. (Fr. N.)
— Darmstadt, 13. Sept. Wie der „Schulbote für Hessen" mit- theilt, so hat Se. Königl. Hoheit der Großherzog das Mit - Protektorat über den „Verein deutscher Lehrer" in England übernommen und demselben eine Unterstützung von 20 Lstr. zugewendet.
— Worm 8, 15. Sept. Am Sedanfeste wurden auf der Kieselswiese von einer fröhlichen Tischgesellschaft eine Partie farbiger Ballons gekauft und ein Zettel mit Angabe des Aufstugortes daran befestigt; die dem Winde überlassenen Ballons stiegen rasch in die Höhe und waren in kurzer Zeit dem Auge entschwunden. Wie sich jetzt herausstellt, flogen die Ballons bis in die Gegend von Potsdam, denn dieser Tage kam der angehängte Zettel durch den Bauerngutsbesitzer Ferd. Hagen in Röß- dorf bei Brelitz hierher zurück, mit dem Vermerk, daß die Ballons am 3. Siptember in seinem Forste gefunden worden seien. (W. Z.)
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