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Hamaer Amtigtr.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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Die ifpaltige Germondzeile ob.
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10 Pjg.
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30 Psg
Nr. 211.
Dienstag den 9. September
1884.
Bekanntmachrmgen Königl. LandrathsaWts.
Brod-Preise vom 3. September 1884 an.
1 Laib 4 Pfd. gemischtes Brod 52 Pf.
1 „ 4 „ Roggenbrod 1. Sorte 50 „
1 „ 4 „ „ 2. „ 42 „
1 „ 6 „ „ 3. „ (Commiß) 52 „
1 „ 4 „ Hersfelder Art 40 „
Vorgewogen pr. Laib 4 Pfd. 2 Pfennig mehr. Hanau am 6. September 1884.
P. 7934 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Gefunden: Ein Impfschein auf den Namen Leopoldine Raben au. Auf dem Wochenmarkt am 6. d. Mts. stehen geblieben: ein schwarzer Sonnenschirm und ein weiß und schwarzer Henkelkorb. Ein Portemonnaie mit etwas Geld.
Verloren: Ein Rotenheft.
Entlaufen: Ein junger grauer Spitzhund m. Geschl.
Hanau am 9. September 1884.
Aus Königl. Landrathsamt.
f Die bevorstehendeKamerikanische Präsidentenwahl hat dieses Mal auch für die Nicht-Amerikaner ein außerordentliches Interesse.
Seit nächstens 24 Jahren liegt die Regierung der großen Republik des Westens in den Händen der republikanischen Partei, die die Aufhebung der Sclaverei durchgesetzt und als Partei der strengen Unterordnung der Einzelstaaten unter die Unionsregierung und der Vorherrschaft der Elemente des Nordens eine tiefgehende Umgestaltung aller amerikanischen Verhältnisse zu Wege gebracht hat. Da die nördlichen Staaten bedeutende industrielle Interessen vertreten, sind ihre republikanischen Vorkämpfer von jeher eifrige Schutzzöllner gewesen, die die Con- currenz der . europäischen Industrien am liebsten völlig ausgeschlossen hätten, — ein Umstand, der seit lange der Gegenstand des Kummers unserer sonst für amerikanische Zustände begeisterten freihändlerischen Fortschrittsleute bildete. Das Regiment dieser bisherigen Regierungspartei hat sich überlebt und wird einer neuer Gruppirung Platz machen. Die „Demokraten", d. h. die vornehmlich den Süden beherrschenden Anhänger möglichster Selbstständigkeit der Einzelstaaten haben sich mit demjenigen Theil der Republikaner, der Reform des Beamtenthums und Beseitigung der eingerissenen Corruptions- und Cliqaenwirthschaft an- strebt, zur Aufstellung eines gemeinsamen Kandidaten verbunden, unter dessen Führung eine Umgestaltung der bestehenden Verhältnisse ins Werk gerichtet werden soll. Neuerdings sind die Kandidaten beider Parteien (Blaine als Vertreter der bisherigen Regierungspartei und Cleveland als Führer der verbündeten Demokraten und Reform-Republikaner) mit ihren Programmen (nach amerikanischer Bezeichnung: Plattformen) an die Oeffentlichkeit getreten. Zur schmerzlichen Überraschung unserer Freisinnigen, die stets verkündet haben, daß der wahre Liberale zugleich Freihändler sein müsse, enthält keiner dieser Aufrufe aber auch nur ein Wort von Freihandel. Im Gegentheil wird die Nothwendigkeit eines Schutzes der einheimischen Arbeit so allgemein anerkannt, daß es in Amerika nur noch gemäßigte und strenge Schutzzöllner gibt: auch die Demokraten haben sich veranlaßt gesehen, den „berechtigten Interessen" der Industrie ausreichenden Schutz zu versprechen, Herrn Clevelands Programm thut des Freihandels nirg nd Erwähnung und der bevorstehende amerikanische Regierungswechsel wird aller Wahrscheinlichkeit nach an den Tarifen der Union nichts Wesentliches ändern.
Für uns ist das keine Enttäuschung gewesen. Wir haben immerdar gewußt, daß die höchst gemäßigte deutsche Schutzzollpolitik nach amerikanischem Maßstabe immer noch halbe Freihandelspolitik ist, daß unser wirthschaftlicher Standpunkt wesentlich demjenigen der s. g. Demokraten entspricht und daß die Amerikaner viel zu praktische Leute sind, als daß von einer Preisgebung ihrer Wirthschafts-Jnteressen zu Gunsten allgemeiner Schul- und Lehrsätze auch nur die Rede sein könnte. Wenn der jenseit des Weltmeeres bevorstehende Umschwung der europäischen Industrie etwas größeren Spielraum lassen sollte, als bisher der Fall war, so werden wir das freudig begrüßen, — ein Mehreres haben wir niemals erwartet. — Für unsere fortschrittlichen Freihändler und frei
händlerischen Fortschrittler liegt die Sache dagegen ganz anders: die Herren sind mit ihrer Lehre von dem nothwendigen Zusammenhang wahrhaft liberaler und sreihändlerischer Grundsätze und mit der Verherrlichung amerikanischer Zustände zu kurz gekommen und müssen sich zu dem Eingeständniß bequemen, daß das „sreie", aber außerordentlich praktische Amerika sie im Stiche gelassen habe. Die Ersahrung lehrt abermals, daß politische und wirthschaftliche Theorien von einander un. abhängig sind und daß in aller Herren Länder die wirklichen Politiker nicht von allgemeinen Theorien, sondern von wirklichen Interessen und Bedürfnissen ausgehen.
Davon wird auch bei den bevorstehenden Wahlen Akt genommen werden müssen. Dem Geschrei vor den Gefahren des deutschen Schutzzolls kann die durch Thatsachen bewiesene Behauptung entgegen gesetzt werden, daß der deutsche Tarif von 1878 nach amerikanischen Begriffen kaum ein schutzzöllnerischer zu nennen ist und daß die Grundsätze unserer nationalen Wirthschastspolitik auf beiden Seiten des Oceans als die richtigen und zweckmäßigen anerkannt werden.
Tagesschau.
— Berlin, 8. Sept. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz traf, wie „W. T. B." meldet, heute früh öVs Uhr in Weiden ein, wurde auf dem reich mit Flaggen und tropischen Gewächsen geschmückten Bahnhöfe von dem Kriegsminister von Maillinger, sowie von dem preußischen Militär • Attach^, Oberst - Lieutenant von Panwitz, dem Bezirksamtmann und dem Bürgermeister empfangen, und setzte nach b/Ftündigem Aufenthalte mittelst Extrazuges seine Reise über Wernberg nach Deindorf fort.
— Berlin, 8. Sept. Der „Reichsanzeiger" meldet: Nach telegraphischer Anzeige des kaiserlichen Consuls in Canton ist die Mündung des Cantonflusses von den chinesischen Behörden für Seedampfer gesperrt worden.
— Bekanntmachung aus Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach dem „ R.- u. St.-A." Nr. 211 wurde unterm 5. September verboten: das mit der Überschrift: „An die Landleute der Um* gegend von Köln" und der Unterschrift: „Das Centralwahlcomitä der Arbeiter für den Landkreis Köln" versehene Flugblatt.
— S. M. Kbt. „Hyäne", 4 Geschütze, Kommandant Kapt. - Lieut. Geiseler, ist am 6. September er. in Sidney eingetroffen.
— Potsdam, 8. Sept. Ueber eine Bahnentgleisung, welche bei Neuendorf stattgehabt hat, wird authentisch mitgetheilt: Ein gestern Abend 7 Uhr 51 Min. nach Neuendorf-Wannsee abgelassener leerer Per- sonenzug gerieth bei Neuendorf in Folge einer falschen Weichenstellung auf einen todten Strang. Die am Ende desselben befindliche Control- apparatbude Nr. 33 wurde vollständig zertrümmert. Der Packwagen lief auf die Lokomotive auf und wurde zertrümmert. Der Maschinist wurde getötet, der Zugführer schwer, der Heizer leicht verletzt. Keine Verkehrsstockungen sind vorgekommen.
— Der „Weinbote", Wochenschrift für Weinbau und Weinhandel der preußischen Rheinprovinz, schreibt von der Ahr, 30. Aug.: „Das Auftreten der geflügelten Reblaus im Gebiete der Ahr ist jetzt mit absoluter Sicherheit konstatirt worden: am 25. ds. wurden sechs Stück geflügelte Insekten durch den Aufsichtskommissar Major Dr. Heyden und ben Lokastachverständigen Garten- Inspektor Ritter an aufgehängten mit Klebstoff bestrichenen Tüchern aufgefunden Nymphen wurden bereits im Vorjahre sowie in diesem Sommer zahlreich gefunden, und da solche zur Entwicklung als fliegendes Insekt nur noch einer einzigen Häutung bedürfen, so konnte der Sachkenner schon lange nicht mehr zweifelhaft sein, daß auch geflügelte Insekten vorhanden sein mußten, allein der positive Beweis fehlte bis dahin noch. Solcher ist jetzt zur Evidenz erbracht, und damit stehen wir auch vor der sicheren Aussicht, daß noch eine Menge inficirter Rebstöcke früh oder spät aufgefunden werden muß, sowie daß die verlausten Rebengebiete von Heimersheim und Lohrsdorf als verloren anzusehen sind; denn an eine Rettung derselben ist jetzt nicht mehr zu denken. Von Jahr zu Jahr werden sich durch das geflügelte Insekt soww durch Verschleppung der Reblaus stets neue inficirte Stellen bilden, bis endlich der ganze Rebenbestand daselbst zu Grunse gegangen und vernichtet ist. Unter diesen Verhältnissen kann auch die Wiederanpflanzung der älteren Reblausherdflüchen keinen Nutzen bringen; denn das fürchterliche Insekt würde sich alsbald wieder in den Neuanlagen ansiedeln und