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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,

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Nr. 208.

Freitag den 5. September

1884.

Amtliches.

Bekanntmachungen auf Grund des Neichsgefehes vom 21. Oktober 1878.

Die Königliche Kreishauptmannschaft als Landespolizeibehörde hat die nichtperiodische Druckschrift:

Die freie Gesellschaft. Eine Abhandlung über Prinzipien und Taktik der kommunistischen Anarchisten. Nebst einem polemischen Anhang von Johann Most, 50 Erste Straße, Rew-Iork. Im Selbst­verläge des Verfassers. Zweite Auflage. Druck von Samisch u. Goldmann, 190 William Str. N I. 1884."

auf Grund von §§ 11 und 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeinge­fährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verboten

Leipzig den 26. August 1884.

Königliche Kreishauptmannschaft.

___________________Graf zu Münster.___

Des Königs Majestät haben mittelst Allerhöchsten Erlasses vom 30sten v. Mts. zu genehmigen geruht, daß von der Gemarkung Frank­furt a/M. (Bornheim) zwei Flächen von 71 qm bezw 5 a 91 qm, zusammen von 6 a 62 qm, abgezweigt und mit der Gemarkung Seck> bach im Kreise Hanau vereinigt und daß dagegen von der letzteren Ge­markung eine Fläche von 98 qm abgezweigt und der Gemarkung Frank­furt a/M. (Bornheim) zugelegt werden. Des KönigS Majestät haben dabei zugleich der dadurch bedingten Aenderung der Grenze zwischen den Kreisen Frankfurt a/M, Regierungsbezirk Wiesbaden, und Hanau, Re­gierungsbezirk Kassel, sowie zwischen diesen beiden Regierungsbezirken Allerhöchst Ihre Genehmigung zu ertheilen geruht.

Kassel am 26. August 1884.

_________Königliche Regierung, Abtheilung des Innern._________

Wetanntmschrmgen Königl. LandrathsaMts.

Gefunden: In einer Wirthschaft liegen geblieben: ein Porte­monnaie mit etwas Geld. Eine goldene Bleistifthülse.

Vom Wasenmeister ein gefangen: Ein schwarz und weißer Hofhund sowie ein schwarzer Dachshund mit gelben Abzeichen; ein scheckiger Hofhund; ein grau-schwarzer Pinscher, sämmtliche m. Geschl.

Verloren: Am 2. d. M. auf dem Wege von Bergen bis Hanau zwei neue weiße baumwollene Wickelschnüre.

Hanau am 5. September 1884.

____________________Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

Berlin, 4. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute militärische Meldungen entgegen und hörten darauf die Vorträge des Kriegsministers, General-Lieutenants Bronsart v. Schellen- dorff sowie des Chefs des Militärkabinets, General Adjutanten General- Lieutenants von Albedyll.

Berlin, 3. Septbr. Wie alljährlich so hat der Kaiser auch am gestrigen Sedantage verschiedene Auszeichnungen und Beförderungen vollzogen. Zu den ersten gehörte auch die Verleihung eines Ordens an den Reichskanzler Fürsten Bismarck, welche um so mehr Aufsehen macht, als man zu wissen glaubte, daß sich der Reichskanzler im Besitz aller preußischen Orden befinde. Nun hat aber der Kaiser seinem Reichskanz­ler und Vorsitzenden des preußischen Staatsministeriums den Orden pour le märite" und zwarmit Eichenlaub" verliehen. Eine nicht geringere Auszeichnung als der Orden soll das Handschreiben sein, von welchem die Verleihung begleitet ist und welches, wie zu hoffen steht, der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten bleiben wird.

Berlin, 4. Sept. Dem zum argentinischen Vize-Konsul in Karlsruhe ernannten Siegmund Niebuhr ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.

Berlin, 4. Sept. Der Kaiserliche Botschafter in Paris, Fürst von Hohenlohe, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Während seiner Abwesenheit fungirt der Botschafts-Sekretär Freiherr v. Rotenhan als interimistischer Geschäftsträger.

Berlin, 4. Sept. Die Nordd. Allg. Ztg. meldet: Ueber die französischen Maßnahmen zum Schutz der Fremden in China ging dem Auswärtigen Amte von dem französischen Botschafter folgende Mitthei­lung zu: Dem Commandirenden des französischen Geschwaders in den

chinesischen Gewässern war gleich bei Beginn der Feindseligkeiten beson­ders anempfohlen worden, alle mit der Natur der Operationen verein- barlichen Vorkehrungen für die Sicherheit der Fremden und zum Schutze ihrer Interessen zu treffen. Um offene Städte und deren Fremdenviertel möglichst vor Rückwirkungen zu bewahren, wurde der Operationsplan derartig kombinirt, daß dieselben möglichst außerhalb der direkten Ak­tionssphäre der französischen Flotte bleiben. In Futscheu war das von Courbet ausgeführte Bombardement ausschließlich gegen die Flotte, das Arsenal und die Befestigungen des Minflusses gerichtet; die Stadt selbst, welche abseits von den befestigten Punkten liegt, litt keinen Schaden. In Shanghai erließ der chinesische Gouverneur, nach vorheriger Ver­ständigung mit dem französischen Consul, eine Proklamation zur Be­ruhigung der Einwohner, in welcher Ruhestörer mit strenger Strafe be­droht werden.

Bonn, 4. Sept. Die Bonner Zeitung meldet: Se. Maj. der Kaiser richtete an die Familie des Generalfeldmarschalls Herwarth v. Bittenfeld folgendes Telegramm: Berlin, Palais, 2. Sept. Soeben er­fahre ich das Ableben des Feldmarschalls von Herwarth, eines Mannes, den ich von meinem frühsten Militäreintritt kannte und zu dessen raschem Emporsteigen ich vielfach beitragen durfte. Ueberall ein edler Charakter, trefflicher Soldat und der treueste Diener seiner Könige, war er mir ein nahestehender Freund. Mein Schmerz ist der Theilnahme gleich, die ich Ihnen hiermit bei dem Verluste eines solchen Vaters und Ehrenmannes aussprechen muß. Wilhelm.

Hamburg, 3. Sept. Der Attentäter bei dem Geldwechsler Kaner wurde heute von einem Arbeiter mit Bestimmtheit recognoscirt als ein Schornsteinfeger Louis König aus Criwitz. Es wurde festgestellt, daß ein Mensch dieses Namens von der Behörde in Otterndorf wegen einer von ihm begangenen schweren Köperverletzung steckbrieflich verfolgt wird, auf den das Signalement des Verhafteten vollkommen paßt. Wie bisher, erklärt er selbst, daß alle die Angaben anderer falsch seien und simulirt Geistesschwäche. Der Arbeiter, welcher ihn recognoscirte, konnte ihn mit Bestimmtheit als den von ihm Genannten bezeichnen, da er im Stande war, die Stelle und Größe einer an seinem Handgelenke befind­lichen Narbe anzugeben, ehe er ihn gesehen hatte. Im Laufe des Tages haben sich noch mehrere Personen gemeldet, welche den Attentäter zu kennen glauben.

Dem raffinirten Betrüger, welcher in München vor einigen Tagen die 18,000 Mark Werthpapiere stahl, glaubt die dortige Polizei auf der Spur zu sein; er soll identisch mit demjenigen sein, welcher im Jahre 1877 in Frankfurt in gleicher Weise 12,000 Mark erschwindelte, zu 8 Jahren Gefängniß verurtheilt wurde, wegen Krankheit jedoch seine Strafe nur theilweise abbüßte. In Frankfurt nannte er sich Dr. Hasler aus Berlin. In München war er angemeldet als Ingenieur Becker aus Köln und Architekt Rudorff aus Prag. In Wirklichkeit heißt er Hans von Unwerth, ist 1847 in Storkow in Pommern geboren und diente als Seconde-Lieutenant in Saarlouis. Schon 1875 versuchte er in München gleicherweise einen Betrug auszuführen.

Amberg, 4. Sept. Katholikenversammlung. Hergenröther (Rom), Bruder des Cardinals, sprach über die Lage des Papstes. Windthorst forderte die katholischen Bayern auf, für die paritätische Be­handlung der Katholiken Deutschlands einzutreten, betonte die Nothwen­digkeit einer energischen Wahlagitation, forderte die Aufhebung aller Culturkampfgesetze und schloß mit einem Protest gegen die Wegnahme des Kirchenstaates und der Güter der Propaganda. Zum nächsten Ver­sammlungsorte wurde Münster bestimmt.

Wien, 4. Septbr. Die Polizei verhaftete in der verflossenen Nacht den Zimmermaler Bachmann und dessen Frau, den Schuster Tiel (Schlesier), den Setzer Hübner und das Brüderpaar Springer und sai« sirte zahlreiche revolutionäre Flugschriften, sowie eine Druckhandpresse. Im Besitze Hübner's wurde ein vierläufiger, scharf geladener Revolver vorgefunden.

Rom, 4. Sept. Der Tag des nächsten Consistoriums ist noch unbestimmt. Im Falle des Cholera-Ausbruches in Rom würde dasselbe hinausgeschoben. Die Propaganda erhielt seit mehreren Tagen von den chinesischen Missionen keine Nachrichten.

Rom, 4. Septbr. In den inficirten Orten sind gestern 181 Erkrankungen und 89 Todesfälle an Cholera vorgekommen; davon in Neapel 84 Erkrankungen und 49 Todesfälle.