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mianer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
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Nr. 206.
Mittwoch den 3. September
1884.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Postkarten mit Antwort im Verkehr mit Egypten.
Denjenigen Ländern des Weltpostvereins, nach welchen Postkarten mit Antwort abgesandt werden können, tritt zum 1. September 1884 Egypten hinzu. Das Porto für derartige Postkarten beträgt 20 Psennig.
Berlin W., 28. August 1884.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.
______________________Stephan.______________________
B e k a n n t m a ch u n g.
Zugehörigkeit von Patagonien zum Weltpostverein.
Patagonien, Feuerland, die Staateninsel, sowie die übrigen an der Südspitze Amerikas belegenen Inseln mit den Postämtern in Punta Arenas, Chubut, Puerto Deseado und Santa Cruz sind dem Weltpostverein einverleibt. Es kommen mithin von jetzt ab für Briefsendungen nach und aus den oben bezeichneten Gegenden die Vereinsportosätze in Anwendung, nämlich 20 Pfennig für frankirte Briefe, 40 Pfennig für unfrankirte Briefe, 10 Pfennig für einfache Postkarten, 20 Pfennig für Postkarten mit Antwort, 5 Pfennig für je 50 Gramm Drucksachen, Geschäftspapiere und Waarenproben, mindestens jedoch 20 Pfennig für Geschäftspapiere und 10 Pfennig für Waarenproben.
Berlin W., 29. August 1884.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.
______________________Stephan._____________________
Bekanntmachung.
Vertrieb der Patentschriften durch die Reichs-Postanstalten.
Im Einvernehmen mit dem Reichs-Patentamt ist versuchsweise die Einrichtung getroffen worden, daß die nach Maßgabe des Reichs- Patentgesetzes zur Veröffentlichung gelangenden Beschreibungen und Zeichnungen, auf Grund deren die Ertheilung der Patente erfolgt, die sogenannten Patentschriften, welche bisher ausschließlich durch, die Reichsdruckerei vertrieben wurden, auch durch Vermittelung der Reichs- Postanstalten bezogen werden können.
Es werden Bestellungen entgegengenommen auf
a) einzelne Klassen von Patentschriften (zum fortlaufenden Bezüge aller Patentschriften einer und derselben Klasse),
b) zwanzig oder mehr Exemplare einer bestimmten Patentschrift und c) einzelne Exemplare einer bestimmten Patentschrift.
Im Allgemeinen sind für die Bestellung auf Patentschriften die für den Zeitungsverkehr bestehenden Bestimmungen maßgebend. Nähere Auskunft wird von sämmtlichen Reichs-Postanstalten ertheilt.
Berlin W., 30. August 1884.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.
______________________Stephan._____________________
Tagesschau.
— Berlin, 2. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König fuhr kurz vor 107« Uhr nach dem Tempelhofer Felde, wo vom schönsten Wetter begünstigt, die Parade des Gardekorps stattfindet. Der Kaiser wurde von dem sehr zahlreich versammelten Publikum enthusiastisch begrüßt. Die Stadt ist anläßlich des Sedantages reich beflaggt.
— Berlin, 2. Sep. Die Parade des Gardecorps vor Sr. M. dem Kaiser, welcher die Kaiserin zu Wagen und die Erbprinzesfm von Meiningen zu Pferd beiwohnten, verlief bei prachtvollem Wetter auf das glänzenste. Der Kaiser, von dem Kronprinzen, dem Prinzen Ar- nulph von Bayern und dem Prinzen Heinrich begleitet, von einer glänzenden Suite und vielen fremdherrlichen Offiziren gefolgt, ritt zunächst die Front der in zwei Treffen aufgestellten und von General Pape kommandirten Truppen ab, ließ letztere dann Compagnie- resp. Zug-, und dann in Bataillons-, resp. Escadronsfront an sich vorübermarschiren. Der Kaiser und die Kaiserin, sowie die übrigen Mitglieder des Königs
Hauses wurden bei der Hin- und Herfahrt von den Kopf an Kopf gedrängten Menschenmassen mit unausgesetzten stürmischen Hochrufen begrüßt.
— Berlin, 2. Sep. Heute Nachmittag findet im weißem Saale des Schlosses das übliche Paradediner statt, wozu die Prinzen und Prinzessinen des Königlichen Hauses, Prinz Arnulph von Bayern, die landsässigen Fürsten, die activen Staatsminister, die Militärbevollmächtigten, sämmtliche heute in Paradefront gestandenen Generale und die Stabsoffiziere, insgesammt 350 Personen geladen sind. — Der Kronprinz reist heute Abend zu den Cavallerimanövern nach Rawitsch in Posen ab.
— Berlin, 2. Sept. Se. Maj. der Kaiser war, da er sich von den Anstrengungen der Parade etwas angegriffen fühlte, dem Paradediner ferngeblieben, erledigte aber schon gegen Abend wieder Regierungsgeschäfte und trat wiederholt aus Fenster, um den vor dem Palais versammelten Menschenmassen, die ihn am Arbeitspulte stehen sahen, für ihre unausgesetzten stürmischen Ovationen zu danken. Abends empfingen der Kaiser und die Kaiserin den Besuch der Großfürstin Michael mit ihren Söhnen, welche auch zum Thee verblieben.
— Berlin, 2. Sep. Anläßlich der Sedansfeier wurden heute rüh in allen Schulen und Unterrichtsanstalten Festakte, in mehreren Kirchen Festgottesdienste abgehalten. Mittags wurden Choräle von dem Rathhausthurme geblasen und Nachmittags fanden zahlreiche festliche Vereinigungen in Privatlokalen und Volksfeste in fast allen Stadtbezirken statt. Die Stadt war auf das festlichste mit Flaggen geschmückt und alle Straßen von früh an von festlich bewegten Menschenmassen durchzogen. In den Theatern sind für den Abend Festvorstellungen angekündigt. Aus BreSlau, Posen, Bremen, Leipzig und anderen Städten liegen ähnliche Festfeierberichte vor.
— Berlin, 2. Sept. Den Morgenblättern zufolge wurde dem Direktor des Reichsgesundheitsamtes, Geheime Rath Dr. Struck, die erbetene Entlassung ertheilt.
— Bonn, 2. Sept. Der Universitätscurator, Geh. Oberregie' rungsrath Beseler, ist gestorben.
— Bonn, 2. Sept. Der Bonner Zeitung zufolge ist General- Feldmarschall Herwarth von Bittenfeld vergangene Nacht gestorben.
— Der Statthalter von Elsaß. Lothringen hat einen bemerkenswerthen Erlaß an den Staatssekretär v. Hofmann gerichtet, der gegen die stete Vermehrung der in den Reichslanden wohnenden „Rati onal.Franzosen und ursprünglich giltig optirt habenden Elsaß-Lothringer" gerichtet ist. Ihre Zahl ist bereits auf 14 924 Personen gestiegen und würde bei Heirathen in solchen Familien sich derart mehren, daß sich vollständige französische Colonien in den Reichslanden zu bilden vermöchten. Der Statthalter verordnet nun unter Anderm, daß jeder junge Mann mit 17 Jahren aus solcher Familie, wenn er oder sein Vater sich nicht naturalisiren läßt, auszuweisen und nur zu einem jährlich dreiwöchentlichen Besuch bei seinen Ver- wandten in Elsaß-Lothringen zuzulassen sei. Den als Ausländer anerkannten Unverheiratheten ist der Aufenthalt im Lande zu gestatten, bei ihrer Verheirathung aber sind die Verhältnisse zu prüfen, ob sie vor der Verheirathung auszuweisen, oder ob ihnen zu bedeuten ist, daß ihre Nachkommen im wehrpflichtigen Alter ohne Naturalisation ausgewiesen werden würden. Endlich wendet sich der Statthalter noch gegen die meist reichen Familien ungehörige Kategorie Jener, welche mit Entlassungsurkunde ausgewandert, aber im wehrpflichtigen Alter zurückgekehrt sind, ohne im Heer zu dienen. Die Ausnahmsstellung dieser 359 jungen Leute mache bösen Eindruck im Lande, weshalb sie binnen vier Wochen nachzuweisen haben, ob sie eine andere Staatsangehörigkeit als die deutsche erworben und nicht wieder verloren haben. Können sie diesen Nachweis nicht sühren, so sind sie sofort in die kaiserliche Armee einzu- stellen, im Gegenfall aber sofort auszuweisen.
— In Chemnitz ist von einsichtigen und wohlthätigen Industriellen ein Heim für Arbeiter begründet worden. Das betr. große Grundstück liegt frei und schön, ist gesund und nur 10 Minuten von der berühmten Hartmann'schen Maschinenfabrik entfernt. Die hübschen und praktisch eingerichteten Arbeiterwohnungen werden zum Selbstkosten-