siger Gegend falsche Zehnmarkstücke in Umlauf, welche den echten Goldmünzen täuschend ähnlich finb. Die Vergoldung ist galvanisch, die Randverzierung durch eine Maschine eingepreßt, der Klang ist h-ll, aber dünn, und das Gewicht um ein Gramm leichter als das eines echten Zehnmarkstückes.
— Altona, l3. Aug. Die verhafteten Matrosen, von denen zwei wieder in Freiheit gesetzt wurden, scheinen keineswegs, wie eine Reuter'sche Depesche aus London zu berichten wußte, „Mitglieder einer in Hull bestehenden und angeblich weitverbreiteten Verschwörerbande" zu sein, sich vielmehr ohne jede politische Absicht nur des jedenfalls sehr einträglichen Schmuggels der verbotenen Blätter schuldig gemacht zu haben. Vielleicht haben sie nicht einmal gewußt, was ihnen in Hull oder London zur Ablieferung an den ihnen vielleicht gänzlich unbekannten Adressaten in Altona übergeben worden. Mit diesen unseren Vermuthungen glauben wir zur Beruhigung der sensationell aufgeregten Gemüther nicht zurückhalten zu dürfen, wenn schon die Entdeckung der schmuggelnden Colporteure für die endliche Unterdrückung der auf so geh imnißvollem Wege nach Deutschland eingeführten Freiheit ein gewiß ebenso gewichtiger als glücklicher Schritt unserer und der Altonaer Polizei gewesen ist. (F. I.)
— Hamburg, 13. Aug. Ganz ungeahnte Ausdehnung hat, Nach dem Kl. Tgbl, die seit etwa 14 Tagen anhängig gemachte Untersuchung wegen Forischaffung deutscher Militairpflichtigen über Hamburg angenommen. Eine bei dem zuerst verhafteten Auswandererwirth vor- genommene Haussuchung hat so viel belastendes Material geliefert, daß inzwischen ein Polizeiofficiant, der dieser Angelegenheit wegen schon einmal verhaftet war, auf's Neue in Haft genommen und auch mehrere Agenten englischer Linien gestern dingfest gemacht worden sind
— Dresden, 12. Aug. Hier wu de gestern ein Fleischermeister aus Lommatzsch, R. Hemmann, der von der Gutsbesitzersfrau Wllh. Fritzsche aus Zöthain eine hochgradig perlsüchtige und lungenkranke Kuh angekauft und das Fleisch theils frisch verkauft, theils zu 3000 Stück Kochwürstchen verabreicht hatte, die auf dem Pfingstschießen zu Lommatzsch abgesetzt wurden, wegen Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz zu der exemplarischen Strafe von 1 Jahr Gefängniß und 3 Jahren Ehrenrechtsver- lust verurtheilt. Die Mitangeklagte Frau Fritzsche erhielt 4 Monate Gefängniß. Von den Consumenten des verdorbenen Fleisches waren sehr viele an heftigen Leibschmerzen und Diarrhöe, zum Theil verbunden mit Uebelsein und Erbrechen, erkrankt.
— Das Postamt auf dem Festplatze für das achte deutsche Bundesschießen in Leipzig hat während einer zwölftägigen Betriebsdauer 12 943 Postsendungen und 1097 Telegramme zu behandeln gehabt.
— München, 15. Aug In der Postanweisungs.Hauptkasse der hiesigen Stadtpost wurde heute Nacht mittelst Nachschlüssels eine große Geldkiste geöffnet und die darin aufbewahrten Handkassen der Beamten theils aufgeschlossen, theils erbrochen und beinahe des gesammten Werth Papiereinhalts beraubt.
— In Troppau kam es am Mittwoch zu einer deutschfreundlichen Demonstration. Bei dem Festkommers des Lehrertages gelangte ein Telegramm des Abgeordneten Ritter von Schoenerer zur Verlesung, welches mit einem Hoch auf Bismarck schließt. Es wurden Hochrufe und Zischen laut. Der Lehrertag gelobte in einer Resolution, die anvertraute Jugend in deutscher Zucht und Sitte zu erziehen und ein widerstandsfähiges Geschlecht heranzubilden. Ein nach Verlesung des Telegramms sich erhebender Widersp uch wurde durch Hochrufe auf Schoenerer übertönt. Hierauf folgte eine lärmende Scene, viele Lehrer verließen den Saal. Der Vorsitzende, Landtagsabgeordneter Horny, verherrlichte Schoenerer, brächte ein demonstratives Hoch auf Schoenerer und Fürst Bismarck aus und ließ die Capelle „Die Wacht am Rhein" spielen. Ein Lehrer aus Wien vertheilte Kornblumen. Eine Anzahl Lehrer aus Wien versuchte Protest gegen die Vorgänge zu erheben. Der Präsident erklärte jedoch, der Lehrertag sei für die Vorgänge auf dem Sommers nicht verantwortlich. Der Verteter der Behörde nahm das Telegramm Schoenerers an sich. (Kl. Tgbl.)
— Kopenhagen, 15. Aug. Der Aerztecongreß beschloß gestern auf den Antrag William Gull's die Einführung internationaler sollet« tiver Untersuchungen von Krankheiten durch ein internationales Comit^. Mitglieder des Comitäs sind für Deutschland Ewald und Bernhardt, für Frankreich Bouchard und Lrpine, für Großbritannien Gull, Hum- phrey, Mac Cornac und Generalsekretär Omen in London.
— Rom, 15. Aug. Gestern kamen in der Provinz Parma 2 Cholerafälle und 1 Todesfall, in den Provinzen Tourin und Cunco je 1 Erkrankungs- und 1 Todesfall, und in der Provinz Cosenza 2 Erkrankungsfälle vor. Das Lazareth in Varichnano wurde geschlossen, nachdem sämmtliche Kranke geheilt entlassen worden waren.
— Paris, 15. Aug. In der Kammer beantragten nach Annahme der Credite Sadicarnoi und Proust eine Tagesordnung, welche das Vertrauen der Kammer zu dem festen Entschluß der Regierung aussprickt, dem Vertrage von Tientsin Achtung zu verschaffen. Ferry erklärte sich mit der Tagesordnung einverstanden und wurde über dieselbe sodann abgestimmt. Da aber die Rechte und die äußerste Linke sich der Ab
stimmung enthielten, war die Zahl der Stimmenden ungenügend. Die Kammer stimmt Abends nochmals ab.
— Paris, 15. Aug. Der Ackerbau-Minister legte heute dem Bureau der Kammer einen Gesetzentwurf vor, betr. die Erhöhung des Eingangszolls für fremdes Vieh. Der Gesetzentwurf schlägt vor, den Eingangszoll für Ochsen von 15 auf 25 Francs, für Stiere und Kühe von 8 auf 12, für Hämmel von 2 auf 3, für Lämmer von 0,50 auf 1 Francs, für Schweine von 3 auf 6 und für gesalzenes Fleisch von 4^2 auf SVa Francs zu erhöhen.
— Paris, 15. Aug. Die Kammer nahm mit 173 gegen 50 Stimmen die von Sadicarnoi und Proust beantragte Tagesordnung an, welche Vertrauen zur Regierung ausspricht.
— Paris, 15. Aug. Seit gestern kamen in Toulon 3, in Marseille 18 Choleratodesfälle vor. Einige Choleratodesfälle sind in anderen südlichen Departements constatirt.
— London, 15. Aug. (F. I) Pall-Mall Gazette sagt, der Artikel der Nordd. Allg. Ztg. über die deutsch-englischen Beziehungen dürfte nicht zu ernst genommen werden, da eine ähnliche Sprache auch gegen das befreundete Rußland, gegen Belgien und Frankreich geführt wurde. Die Freundschaft zwischen Deutschland und England ruhe auf so soliden Grundlagen, daß dieselbe manches zeitweilige Mißverständniß aushalten kann.
— St. Pet ersburg, 15. August. Nach einer Meldung der „Deutschen Petersburger Zeitung" hat die Bankfirma Gebrüder Felser in Kiew ihre Zahlungen eingestellt; die Passiva sollen 400 000 Rubel übersteigen.
— Petersburg, 15. Aug. Das Journal de St. Petersbourg meldet: Anläßlich der am 3. August in Rowno vorgekommenen Ausschreitungen gegen die Juden begab sich der Gouverneur von Wolhynien persönlich nach Rowno.
— Kairo, 15. Aug. Sämmtliche für die Expedition nach Khartum bestimmten Truppen sollen sobald als möglich nach Wady- Halfa abgehen und von dort nach Senneh auf dem Wege nach Dongola dirigirt werden.
— Bremen, 15. Aug. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Hannover" ist am 11. d. M in Montevideo angekommen.
— Rew-I ork, 14. Aug. Der Dampfer „Denmark" von der Rational-Dampfschiffs-Compagnie (C. Meffingsche Linie) ist hier eingetroffen.
Reichsgerichts-Entscheiduirgen.
— Unter die Bestimmung des § 114 des Strafgesetzbuchs, wonach mit Gefängniß nicht unter drei Monaten Derjenige bestraft wird, welcher es unternimmt, durch Gewalt oder Drohung eine Behörde oder einen Beamten zur Vornahme oder Unterlassung einer Amtshandlung zu nöthigen, fällt nach einem Urtheil des Relchsgerichts, IV. Strafsenats, vom 6 Mai d. I., jede Androhung einer auch nicht strafbaren, ja selbst einer berechtigten Handlung, welche aber für den Bedrohten ein Uebel enthält.
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Lokales, Provinzielles und Umgegend.
Hanau, den 16. August 1884.
Auszug aus dem Jahresbericht der hiesige« Handelskammer für 1883.
Leuchtgas. Im Betriebsjahre 1882/83 des städtischen Gaswerks betrug die Gesammtabgabe an Gas 860,307 cbm; Zunahme gegenüber dem Vorjahre 3,76 %. Im Ganzen wurden vergast: 2,953,343 Ko. Gaskohlen. Die Preise der zur Verwendung gelangenden Saar-, sowie Ruhrkohlen und der australischen Boghead waren wiederum gestiegen. Gleichwohl wurde durch Beschluß der städtischen Be- Hürden der Gaspreis von 22 auf 21 Pfg. per cbm ermäßigt. Die Arbeiterlöhne haben ihre bisherige Höhe beibehalten. Coaks fand wiederum nur geringen Absatz und mußte ebenso wie Theer und Gaswasser nach auswärts vekauft werden.
Maschinenbau. Der Geschäftsgang war im Lanfe des Jahres 1883 insofern befriedigend, als man vollauf beschäftigt war, nur hat ' die Branche noch immer unter den stark gedrückten Preisen, die im Laufe des Jahres noch weiter zurückgingen, sehr zu leiden.
Eisenwaaren. Der Geschäftsgang war trotz sinkender Eisen- Preise im Jahre 1883 ein besserer als derjenige der vorhergegangenen Jahre, was sich wohl aus der in hiesiger Gegend im Allgemeienen gut ausgefallenen Ernte herleiten läßt. Die Eisen-Preise gehen täglich zurück und es ist nicht abzusehen, wann ein Stillstand eintritt. Schutz' zölle können hierbei nicht helfen, sondern erschweren nur das Geschäft. Das einzige Mittel wäre Einschränkung der Produktion.
Sehr erschwerend wirken, besonders auf die Klein-Eisenwaaren, die hohen Frachtgebühren der Stückgut-Classe. Es wäre darum sehr zu wünschen, daß für Eisenwaaren, welche weder durch Druck oder Stoß leiden und große Strecken zu durchlaufen haben, eine andere Stückgut- classe geschaffen würde, welche es dem Detailisten erlaubt, seine Waaren direct am Fabriksorte zu kaufen, um nicht vom Grossisten abhängig zu -