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Beilage zu Nr. 190 des Hanauer Anzeiger.

Berlin, 14 Aug. Gegenüber der Times, welche in ihrer Nummer vom 7. d. Mts. die Deutschen als übellaunig bezeichnete und die Hoffnung ausdrückte, daß dieser Anfall bald vorübergehe, wobei Hin- zugefügt wurde, es sei schwierig, Leute zu befriedigen, welche den ver­achten, der ihnen nachgibt, und den anmaßend nennen, der es nicht thut, sagt die Nordd. Allg. Ztg, es gebe keinen ungerechteren Vorwurf gegen eine Politik, welche wie die deutsche nichts erstrebe, als die Ver­tretung berechtigter Interessen ihrer Reichsangehörigen und die Wahrung der Rechte der deutschen Souveränität auf dem Fuße der Gleichheit mit allen anderen Staaten, England nicht ausgeschlossen. Wir wissen nicht, wo England jemals sich gegen uns nachgiebig gezeigt hätte, wissen aber wohl, daß Deutschland seit Jahren die englische Politik in uneigennütziger Weise unterstütze, ohne dasür etwas Anderes zu ernten, als übelwollende Behandlung seiner überseeischen Interessen seitens Englands selbst und seiner Colonialregierungen. Die Frage Deutschlands, ob England An­spruch auf Angra Pequena besitzt, habe das englische Cabinet acht Mo­nate lang unbeantwortet gelassen. Das Vorgehen der Capregierung, welches bezwecke, das Aufkommen der deutschen Niederlassungen in Afrika zu hindern und deren Existenzbedingungen zu verschlechtern, scheine bei den australischen Colonien Nachahmung finden zu wollen. Die Colonien beuleten die Suprematie des Mutterlandes zur See aus und behandelten es als Anmaßung, wenn Andere gleiches Recht und gleiches Licht mit ihnen beanspruchten. Wir dagegen verachteten niemals denje­nigen, der uns nachgibt und erklären für anmaßend nur solche, die uns ungerecht behandeln. Wenn Deutschland in seiner Gewissenhaftigkeit sich versichern wollte, ob ihm unbekannte Rechte auf Angra Pequena bestän­den, so war das eine Höflichkeit, wie sie die Regierungen von befreun­deten Mächten zu üben pflegen und ein Ausfluß der traditionellen Vor­liebe der Deutschen für die Freundschaft mit England. Derartige Freundschaften müßten aber, sobald sie nur einseitige sind, aus Mangel an Nahrung zu Grunde gehen. Wenn die Times annimmt, der Anfall werde vorübergehen, so sehen wir darin nur den Ausdruck ihrer Ansicht, daß England seine bisherige Behandlung der deutschen Interessen in fremden Welttheilen ändern werde. Geschieht das nicht, so würde sich das, was die Times einen vorübergehenden Anfall schlechter Laune nennt, zu einer dauernden Verstimmung herausbilden. Die deutsche Politik wird auch künftig den Grundsatz verfolgen, Freund ihrer Freunde und Gegner dessen zu sein, welcher die deutschen Interessen in unberechneter Weise schädigt.

Berlin, 13. August. Ueber die Zusammenkunft des Reichs- tanzlers Fürsten Bismarck mit dem Grafen Kalnoky schreibt dieKrzztg.": Ueber die politische Bedeutung dieser Zusammenkunft der leitenden Staatsmänner der zwei alliirten mitteleuropäischen Kaiserstaaten herrscht in der gesammten öffentlichen Meinung in sofern Uebereinstimmung, als man ihr ausnahmslos einen ungewöhnlichen Werth beilegt. Dieses ist denn auch berechtigt, und es läßt sich kaum etwas dagegen einwenden, daß man jetzt schon die Begegnung der beiden Staatsmänner als eine bedeutsame Ergänzung der jüngsten Jschler Kaiserzusammenkunft auffaßt und bezeichnet. Wie die letztere, so wird auch die bevorstehende Zusam­menkunft ein weithin sichtbares Zeichen für das überaus innige Verhält­niß zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn und zwischen allen maßgebenden Persönlichkeiten der beiden Reiche bilden. Wenn man je­doch schon im Vorhinein in der Beurtheilung des kommenden Ereig­nisses weit hinausgeht und allerlei Combinationen über besondere poli- tische Themata aufstellt, die zwischen den beiden Staatsmännern erörtert werden sollen, so halten wir dies, da ja Niemand außer den beiden Staatsmännern selber darüber insormirt sein kann, für gewagt und für einen Fehler, in den wir unsererseits nicht verfallen wollen."

Lokales, Provinzielles und Umgegend.

, - Kasse l, 13. August. Die von Herrn Dr. Albert Duncker ver­faßte Festschrift zur Feier des fünfzigsten Stiftungstages des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde ist soeben im Comnussionsver- läge der Hofbuchhandlung von A. Freyschmidt hierselbst erschienen und liefert ein äußerst übersichtliches Bild von der Entstehung des Vereins in seiner fortschreitenden Entwickelung bis zum heutigen Tage. Die Festschrift wird durch ein Titelblatt geziert, welches die vier Stifter des Vereins: Rommel, Bernhardt, Landau und Schubart in künstlerischer Ausführung vor uns verlebendigt. Herr Maler Katzenstein ist der Au­tor des Tttelbildes. (K. Tpst.)

Kassel, 13. August. Mit der ersten deutschen Colo.ie des

Wcisma«tcl'sche Kohlenkasse.

Samstag Abend von 910 Uhr: 7339

Mitglieder-Aufnahme.

I K f e r K t s«

Gesucht:

ein tüchtiger Hausbursche mit guten Zeugnissen.

Wo? sagt die Expedition. 7496

Herrn Lüderitz, Angra Pequena an der Westküste Afrika's, ist auch un­sere Stadt bereits in Beziehungen getreten, indem die hiesige Eisenmöbel­fabrik Schmidt u. Keerl im Januar d. I. eine erste und in dieser Woche eine zweite Sendung eiserner Bettstellen nach dort beförderte. (Tgbl.)

Kassel, 14. Aug. An verschiedenen Brunnen unserer Stadt werden jetzt steinerne Tröge, für die Viehtränkung bestimmt, angebracht, eine Neuerung, die nur mit Freuden zu begrüßen ist. (H. M.)

Fulda, 14. August. Gestern Abend ereigneten sich hier zwei höchst beklagenswerthe Todesfälle. Gegen ^27 Uhr stürzte die Frau WUtwe Restaurateur Schmitt am Steinweg, eine allgemein bekannte Persönlichkeit, plötzlich zusammen und war eine Leiche. Zwei Stun­den später fiel in der unmittelbaren Nachbarschaft der bei Herrn Möbel­händler Krämer wohnende Werkmeister Wagner von einer Altane seiner im 3, Stockwerk gelegenen Wohnung in den Hosflur hinunter und gab augenblicklich seinen Geist auf. Wie hier erzählt wird, äußerte Wagner bei seiner Heimkehr von der Eisenbahnwerkstätte, als er den Tod seiner Nachbarin Schmitt gehört hatte:Wie man doch so rasch von der Welt sein kann!" Zwei Stunden später war auch er eine Leiche. (Fld. Ztg.)

Frankfurt a. M., 14. August Der Ehrenpreis des Land­grafen Friedrich von Hessen, welchen derselbe wieder für die diesjährigen Pferde-Rennen am 16, 17. und 18. August gestiftet hat, ist im Erker des Schürmann'schen Juwelierladens auf der Zeil ausgestellt. Er be­steht in einem prächtigen Schilde mit reichen Reliefornamenten, die sich um den Mittelpunkt, einen Löwenkopf, gruppiren. Der Bildhauer von Nordheim, dessen schwere Erkrankung wir bereits meldeten, ist gestern im Heiliggeistspital gestorben. Er erlag einem langjährigen Kehlkopfs« leiden. Eine vorige Woche vorgenommene Operation vermochte seine Auflösung, die man in den letzten Tagen stündlich erwartete, nicht zu verhindern. (Wenn die Schwalben heimwärts ziehen".) Den Passanten am Mainufer bot sich gestern ein interessantes Schauspiel. Eine unzählige Menge Schwalben hatte sich dort auf den Telephon- und TelegraphenDrühten niedergelassen und rüstete sich zur Abreise. Gleich­zeitig sammelte sich eine Menge Bachstelzen auf dem Dache des hl. Geist­spitals, welches dieser Zugvogel seit Jahren schon zum Sammelplatz vor jeinem Abzug gewählt. (Fr. I.)

Große Entrüstung erregte gestern Abend nach 10 Uhr die an Rohheit grenzende Aussetzung eines Weißbindergesellen. Der Mann soll sich vor 10 Tagen durch einen Fall vom Gerüst das linke Bein schwer verletzt und am Kopfe eine Wunde davongetragen haben. Gestern Abend wurde er von seinem Miethsherrn ausgesetzt und konnte er sich nur bis zu einer Vortreppe schleppen, wo er liegen blieb. Ein Schutzmann machte die Anzeige auf dem Revier, so daß der Mann in's Hospital überführt wurde. Die Menschenmenge, die sich versammelt hatte, gab ihren Gefühlen vollen Ausdruck, indem sie den hartherzigen Miethsherrn beschimpfte. Unsere hiesigen Wirthe klagen lebhaft darüber, daß ihnen ihre Streichhölzchengenassauert" würden. Kaum ist ein Kästchen auf­gesteckt, so wird es von irgend einem Gast beraubt. Um diesem Miß­stand Abhilfe zu schaffen, hat man nun aus Hamburg, wo diese Unsitte auch herrschte, eine ganz allerliebste Einrichtung importirt. Auf einem schön gearbeiteten, wohl verschlossenem Kästchen sitzt ein bekannter Lang- schnäbler. Will nun irgend Jemand ein Zündhölzchen haben, so drückt er dem Vogel auf den Schwanz. Derselbe gibt ein bekanntes Geklapper von sich, beugt seinen Hals, senkt den Schnabel in die Tiefe und bringt nicht mehr als wie ein Hölzchen zum Vorschein, das sich beim Zurück­schnellen des Kopfes an der rauhen Wandung entzündet. Da die Leute kein Interesse daran haben, ungebrannte Zündhölzchen mit zu nehmen, so hat der Unfug aufgehört. (G -A.)

Frankfurt a. M., 15. August. Als sich gestern Morgen Herr Major von O. zu seinem mit dem 81. Jnf.-Regt. nach Darmstadt abrückenden Bataillon begeben hatte, benutzten ein oder mehrere Diebe die Gelegenheit, um in seine Wohnung einzubrechen und eine Menge Silbersachen zu stehlen. Der Diebstahl wurde zwar kurz, nachdem er begangen morsen, entdeckt, allein es gelang noch nicht, die Diebe zu er­mitteln. Vor einigen Wochen begab sich ein hier fremder junger Handwerker nach der Schweiz und stellte seinen Koffer, der ihm später nachgesandt werden sollte, bei einem Spediteur ein, der ihm darüber einen Legschein gab. Vor einigen Tagen erschienen bei dem Spediteur zwei Leute, überreichten den Schein und ließen sich den Koffer aushändigen. Run traf der Eigenthümer des Koffers selbst aus Basel ein, um seine Sachen in Empfang zu nehmen, doch er kam zu spät. Der Schein war ihm in Basel gestohlen worden. (Fr. R)

Ein tüchtiges Ladenmädchen findet Stellung in einem hiesigen Manufaktur-Waaren-Geschäft.

Gest. Offerten unter F. H. H 27 an die Ex­pedition d. Bl. 7474