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Hanmer Anzeiger.
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Nr. 181.
Dienstag den 5. August
1884.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Einschränkung des PacketverkehrS mit Spanien und Portugal.
Bis auf Weiteres kann der Weg über Frankreich zur Beförderung von Packeten mit oder ohne Werthangabe nach Spanien und Portugal nicht benutzt werden. Für Packet- sendungen nach diesen Ländern sind die Wege über Belgien und England bz. Hamburg benutzbar. Ueber das Nähere ertheilen die Postanstalten Auskunft.
Berlin W., 26. Juli 1884.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.
Stephan.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Polizei-Ordnung.
Im Anschluß an die Polizeiver Ordnungen vom 3. Juni 1790, vom 23. Mai 1822 und vom 27. September 1833, die regelmäßige Straßenreinigung in Hanau betr., wird nach Berathung mit dem Herrn Oberbürgermeister auf Grund des §. 5 der Allerhöchsten Verordnung vom 20. September 1867 hiermit angeordnet:
In der Zeit vom 15. März bis 1. November des Jahres sind bei trockener Witterung die TrottoirS und Straßen vor dem Kehren mit Wasser derart zu besprengen, daß ein Auswirbeln von Staub nicht stattfinden kann. Die Zuwiderhandlung hat Strafe von 1 bis 9 Mark eventuell Haft zur Folge.
Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Publikation in Kraft Hanau am 15. April 1884.
Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Die oben angezogenen Polizeiverordnungen vom 3. Juni 1790 §. 18, vom 23. Mai 1822 und vom 27. September 1833 lauten:
Die Straßen der Stadt müssen Mittwochs und Samstags Nachmittags, soweit eines Jeden Haus reicht, gereinigt werden. Verantwortlich sind die Eigenthümer der Häuser oder Diejenigen, welche solche in Miethe haben.
Um irrthümlichen Auffassungen Seitens der Herren Ortsvorstände über die Visirung der Feuerversicherungspolicen inländischer und ausländischer Versicherungs. Gesellschaften zu begegnen, mache ich darauf aufmerksam, daß meine Verfügung vom 31. Juli c, V. 6991, in Nr. 178 des Kreisblattes, wie ersichtlich, lediglich bezweckt, das vorgeschriebene R e g i st e r da, wo solches seither mangelte, wieder einzuführen.
Da die Visirung der sämmtlichen Policen, gleichviel ob inländischer oder ausländischer Gesellschaften, zufolge Verfügung der König- lichen Regierung vom 7. Juli 1882 (Amtsblatt Seite 157) dem Königlichen Landrath obliegt, bevor die Visirung geschieht, die Ortsvorstände aber darüber gehört werden, ob keine Ueberversicherung vorliegt, so bleibt bei dem Eintrag der Police in das obenerwähnte Register, also in den Fällen, wo Anstände nicht bestehen, die Rubrik 2 — Datum des er- theilten Visa — selbstredend unausgefüllt. Wo Ueberversicherungen bestehen, findet überhaupt ein Register-Eintrag nicht statt.
Hanau am 1. August 1884.
V. 7163 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Für die Pferde der am 14. und 15. August c. zu Rückingen ein* zuquartierenden 1. reitenden Batterie des Hessischen Feld-Artillerie.Regi- mentS Nr. 11 soll Sonnabend den 9. d. Mts., Vormittags SVs Uhr, die Fourage aus dem hiesigen Bureau verdungen werden.
Hanau am 4. August 1884.
M. 4930 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Verloren: Ein s. g. französischer Teppich. Eine Schnupfta- baksdose.
Entflogen: Ein Kanarienvogel.
Gesunden: Ein karrirtes Kindertaschentuch. Ein Zollstock. Ein kath. Gebetbuch. Ein Kinderschuh.
Hanau am 5. August 1884.
____________________AuS Königl. Landrathsamt.____________________
Politische Wochenschau.
Aus dem Inlande.
Der Aufenthalt unseres Kaisers in Wildbad Gastein, der leider diesmal wenig vom Wetter begünstigt wer, geht seinem Ende entgegen. Am Dienstag dürfte der Kaiser Gastein verlassen und zunächst nach Salzburg fahren, von wo am nächsten Tage die Reise zum Besuche des Kaisers Franz Joseph nach Jschl fortgefitzt werden soll. Am Donnerstag gedenkt der Kaiser von dort aus in direkter Fahrt nach Schloß Babelsberg zurückzukehren, wo die Ankunft am Freitag erfolgen dürfte. Der Begegnung der beiden engbefreundeten Monarchen in Jschl schauen beide Völker mit den gleichen Gefühlen der Freude und Genugthuung über dieses neue Zeichen freundschaftlicher Beziehungen zu; aber auch die anderen Nationen wenden ihre Blicke dieser nun seit einer Reihe von Jahren alljährlich wiederkehrenden Zusammenkunft mit Interesse, aber auch-mit dem beruhigenden Gefühle zu, daß die Begegnung nur dem Frieden dient und ein neues Unterpfand des Gott sei Dank von keiner Seite bedrohten europäischen Friedens ist.
Von der Kaiserin liegen erfreuliche Berichte über ihren Gesundheitszustand vor: die stärkende Luft auf der Insel Mainau und die Fahrten auf dem Bodensee üben eine wohlthätige Wirkung auf das Befinden der hohen Frau.
Die Kronprinzliche Familie weilt zum Besuch der Königin von England in Osborne, und wird der Kronprinz von dort erst gegen Ende August zurückkehren, um wie alljährlich süddeutsche Truppentheile zu inspiziren.
Die Vorbereitungen zur Ausführung des Unfallversicherungsgesetzes sind eifrig im Gange. Das Reichsversicherungsamt hat auf bezügliche Anfragen über die freiwillige Bildung von Berufsgenossen« schaften den Betheiligten eröffnet, daß die betreffenden Anträge bis zum 9. November beim Reichsversicherungsamt eingereicht sein müssen und daß, wenn die Anträge berücksichtigt werden sollen, dieselben mindestens von dem zwanzigsten Theile der Unternehmer derjenigen Betriebe, für welche die Berufsgenossenschaft gebildet werden soll, oder von solchen Unternehmern gestellt werden müssen, welche mindestens den zehnten Theil der in diesen Betrieben vorhandenen Versicherungspflichtigen Personen beschäftigen. Für diejenigen Betriebe, für welche bis zum 9. November genügend unterstützte Anträge aus freiwillige Bildung von Be- rufsgcnossenschaften nicht gestellt worden sind, sollen Berufsgenossenschaften durch den Bundesrath gebildet werden. Wie es heißt, beabsichtigen die Textil-Jndustriellen eine einzige Berufsgenossenschaft für ganz Deutschland zu bilden, wenigstens will der Verein norddeut- scher Baumwollen-Industrieller einen daraushin gerichteten Antrag einreichen.
Die Wahlbewegung hat sich bisher dadurch charakterisirt, daß sich der Gegensatz zwischen Nationalliberalen und Freisinnigen in der Presse noch verschärft hat, daß erstere in Alzey-Bingen, Elberfeld, Solingen und Meiningen, dem alten LaSker'schen Wahlkreise, durch Aufstellung eigener Candidaten den Angriff gegen die Freisinnigen ihrerseits mit Entschlossenheit eingeleitet haben, und daß wie in Elberfeld, so auch an anderen Orten sich eine erfreuliche Annäherung zwischen Rationalliberalen und Conservativen vollzieht. Unzweifelhaft ist dies die Sig- natur des gegenwärtigen Standes der freilich noch nicht sehr flotten Wahlbewegung. Man darf hierauf die Hoffnung gründen, daß sich die Bewegung in derselben Richtung weiter entwickeln wird. Zwischen nationalliberalen und freisinnigen Blättern wird ein sortwährender Kempf unterhalten. Mit R-cht macht ein nationalliberales Blatt darauf aufmerksam, daß Herr Rickert vor vier Jahren bei der Militär- Vorlage die Gesammtpolitik der Nationalliberalen und namentlich ihr Zusammengehen mit den Conservativen gegenüber dem Fortschritt, der nur immer der Negation huldige, in glänzender Weise vertheidigt habe, daß die Nationalliberalen keinen Schritt breit von dieser Linie des Verhaltens abgegangen seien, während Herr Rickert sich jetzt derjenigen Po-