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Nr. 173.

Samstag den 26. Juli

1884.

EetanntMachKNgen Königl. LandrathsAMLs.

Der Schreiner Friedrich Wilhelm Reußwig aus Neuenhaßlau, Kreis Gelnhausen, hat sich unter Zurücklassung seiner Hülfs bedürftigen Tochter Karoline, welche sich in Pflege der hiesigen Armenpflege befin­det, von hier entfernt und ist dessen Aufenthalt unbekannt.

Es wird ersucht, nach demselben zu fahnden und im Ermittelungs- falle Nachricht hierher zu geben.

Hanau am 23. Juli 1884.

Der Königliche Landrath

P. 6755 Freiherr v. Broich.

Die den Herrn Ortsvorständen per Couvert zugehenden Ersatz- Reserve- und Ausmusterungs.Scheine wollen Sie den Militairpflichtigen am Dienstag den 29. d. M. behändigen und daß dies geschehen bis zum 2. August c. hierher anzeigen.

Hanau am 26. Juli 1884.

Der Königliche Landrath

M. 4669 Freiherr v. Broich.

Gefunden: Ein Armband (Kette). Zwei Stellscheeren. Ein Handtuch. Eine Hundekette. Ein Wägelchen mit Puppen.

Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscher, w. Gefchl.

Zugeslogen: Ein Kanarienvogel.

Verloren: Eine goldene Brochen-Berzierung, Rosenknospe dar­stellend.

Hanau am 26. Juli 1884.

Aus Königl. Landrathsamt.___

Tagesschau.

G a st e in, 25. Juli. Kaiser Wilhelm machte heute trotz des Regens eine Promenade und besuchte Nachmittags die Fürstin Hohenlohe. Zur Tafel fanden keine Einladungen statt. Bei dem gestrigen Ausflug nach Böckstein nahm der Kaiser auch an dem Kegel­schieben Theil. Den durch das Hagelwetter geschädigten Einwohnern des Gasteiner Thales spendender Kaiser 1000 Mark.

DerR. u. St.-A." veröffentlicht: 1) Verordnung, die Aus­führung der Bestimmung in §. 109 Absatz 1 des Unfallversicherungs- gesetzes vom 6. Juli 1884 betreffend, vom 19. Juli 1884. 2) Ver­fügung des Ministeriums des Innern, betreffend den Vollzug des Un- fallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 (Reichs-Ges. Bl. S. 69), vom 20. Juli 1884.

Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach demR.- u. St.-A." Nr. 173 wurden unterm 22. und

23. Juli verboten: l) die angeblich bei Conzett und Ebner in Chur gedruckte, nichtperiodische Druckschrift:Trotz alledem! Ersatz für das Gestohlene! Nr. 21 1884", enthaltend einen Neuabdruck mehrerer Ar tikel aus der Nummer 21 der in Zürich erscheinenden, durch den Herrn Reichskanzler unter dem 18. Oktober 1879 (Reichs. Anzeiger" Nr. 242, 1879) verbotenen Zeitung:Der Sozialdemokrat". 2) die nichtpe- riodlsche Druckschrift:Vorwärts!" Eine Sammlung von Gedichten für das arbeitende Volk. Heft 1. Zürich. Verlag der Volksbuchhand­lung in Hottingen. 1884.

Berlin, 25. Juli. (Die Kaiserzusammenkunft in Jschl) Der Kaiser gedenkt, wie dasFr. I." schreibt, nach heute hier eingetroffenen Nachrichten am 5. August sich von Gastein nach Salzburg zu begeben, am 6. August mit dem Kaiser von Oesterreich in Jschl zufammenzu- treffen und am 7. August die Reise nach Berlin anzutreten.

~ Berlin, 24. Juli. In Hofkreisen gilt es als gewiß, daß Zar Alexander die für den Anfang des August angesetzte Reise nach Warschau trotz der Entdeckung des nihilistischen Komplottes unternehmen wird. Die Annahme, dre mit Sicherheit austritt, sußt auf direkten Nachrichten und wird durch die Erwägung unterstütz:, daß die Nihilisten, nachdem thre neueste Verschwörung gründlich gestört und unschädlich gemacht ist, nicht im Stande fein werden, jetzt einen ernstlichen Anschlag auszusüh. ren. Die Polen aber haben dem Komplott thatsächlich fern gestanden, auch sind sie zu klug, um von einem Mordanfalle gegen den Zaren sich günstige Wirkungen für ihre Sonderbestrebungen zu versprechen. Wie glaubhaft verlautet, hat anläßlich der Endeckung des Warschauer Atten­

tats ein Austausch von Briefen zwischen zwischen den Höfen von Berlin und Petersburg stattgefunden. (Rh. K.)

Berlin, 25. Juli. Betreffs der Reisepläne des Fürsten Bis« marck für den Rest des Sommers und für den Herbst ist noch nichts entschieden. Der Varziner Aufenthalt bekommt nach übereinstimmenden Mittheilungen dem Kanzler so gut, daß wahrscheinlich von der Kissinger Kur wird Abstand genommen werden können.

Berlin, 24 Juli. Die japanische Gesandtschaft, an deren Spitze der japanische Kriegsminister Oyama steht, hat Berlin wieder verlassen und sich zunächst nach Petersburg begeben, von wo sie nach dem Kaukasus reisen wird. Im Herbst wird sie hierher zurückkehren, um dem Kaiser vorgestellt zu werden und dann an den Manövern in Westfalen und am Rhein theilzunehmen.

In demSüddeutschen Bank- und Handelsblalt" (München) lesen wir:

Im Reichstag ist bei Gelegenheit der Vorlage über die beantragte Subvention für Dampferlinien nach Ostasien und Australien von libe­raler Seite wieder das beliebte Steckenpferd des Sparens geritten wor­den.....Der volle Brustton, womit jeder Versuch zur Auswendung reichlicherer Mittel für einigermaßen ferner liegende Zwecke Perh rros- zirt wird, beweist durchaus nicht, daß das Glaubensbekenntniß in finan­ziellen und wirthschaftiichen Fragen, das nur immer auf Sparen und Einschränken hinausläuft, wirklich ausschließlich Ansp uch auf unanfecht­bare Richtigkeit und Gemeinnützigkeit erheben darf.

Mit dem ewigen Beutelzuhalten kann unseren wirthschastlichen Verhältnissen gewiß nicht aus die Beine geholfen werden. Sollen wir einen größeren und reichlicheren Antheil am Welthandel erlangen, so dürfen wir vor neuen Aufwendungen nicht zurüstfchrecken. Wenn der ostasiatisch-australische Verkehr heute noch ein sehr geringer ist, so liegt hierin um so mehr eine Veranlassung, etwas zu dessen Hebung zu thun. Mit der Kleinlichkeit und Pfennigfuchserei aber kann dem wirtschaftlichen Aufschwung nicht gedient werden. Wenn der Staat immer nur solche wirthschaftliche Aufgaben in die Hand nehmen sollte, wofür die Ren­tabilität siffermäßig nachzuweisen wäre, dann würde seine Einwirkung auf die wi thfchastlichen Interessen immer eine minimale sein. Richtig ist, daß der Staat unter Umstanden neue Wege zeigen und das Risiko für derartige Versuche auf sich nehmen muß. Was der einzelne nicht kann, das vermag eben der Staat zu leisten. Ein großer Staat namentlich muß dafür sorgen, daß sich seine w rthschastliche Expansionsfähigkeit nach allm Seiten entwickele. Mit btm engherzigen Philisterdestreben, daß nur ja tin Groschen nach irgend einer neuen Richtung verwendet w.rde, kann nur eine ärmliche Krämerwirthschaft geführt werden. Deutschland ist aber mächtig, und wenn es will, auch reich genug, um seine Weltstellung auch im Außenhandel zu beweisen.

DerWcf.-Ztg." wird berichtet:Die deutsche Militärverwal­tung hat sich entschlossen, die Co fervenfabrik in Mainz, für deren Er- richmng ein Betrag von 4'/» Mill. Mark ausgesetzt ist, in eigene Regie zu nehmen, nachdem der provisorische Betrieb einer Dampfmühle sich als vortheilhaft herausgestellt hat. Für den technischen Betrieb wird ein Ingenieur nebst mehreren Unterbeamten bestellt, während der Verwal­tungsvorstand aus den Beamten des Proviantamtes entnommen wird. Die Fabrik kann täglich liefern: 500 060 Kaff, eportionen, 6000 Pferde­rationen, 62 500 Portionen Büchsenfleisch, 83 500 Portionen Suppen« gemüse, 160 000 Portionen Preßmehl und 92 500 Portionen Sauer« brod oder Zwieback.

Bensberg, 22. Juli. DieKöln. Ztg." schreibt: Eine grauenerregende Woche liegt hinter uns. Zunächst am Sonntag den 13. ds. entlud sich über Bensberg Abends gegen 11 Uhr ein heftiges Ge­witter, welches uns einen Hagelschlag mit Schloßen in der Größe von Taubeneiern brächte und namentlich an den eben schnittreifen Rog­genfeldern erheblichen Schaden anrichtete. Es sollte jedoch schlimmer kommen. Am Mittwoch den 16. b. M., Mittags um 1 Uhr, zog aber­mals ein Gewitter über Bensberg und Umgegend herauf, von einem Hagelwetter begleitet, wie es hier noch nicht erlebt worden ist. In we- i lügen Minuten befanden wir uns mitten in einer Winterlandschaft, denn ? Straßen, Gärten und Fluren waren von einer mehrzölligen Eisschicht . bedeckt. Hagelstücke in der Gr öße von Hühnereiern waren massenhaft I gesellen und hatten in 10 Minuten unsere in prächtiger Fülle stehenden ! Saatfelder in eine Wüstenei verwandelt. Roggen, Weizen, Gerste, Ha«