— (Eisenb ahn-Eröffnung ) Für den 1. August d I. ist die Eröffnung der neuen Bahnlinie Schwarza-Blankenburg bestimmt worden, wodurch das idyllische Schwarzathal, dieser prächtigste Gau Thüringens, unmittelbaren Anschluß an das europäische Eisenbahnnetz er- hält. (Hess. 3 )
— Marburg, 24 Juli. Heute Vormittag kurz nach 11 Uhr wurde unsere Stadt durch das Läuten der Sturmglocken erschreckt. Im Keller des Kaufmanns Max Brunn war eine Benzin-Explosion erfolgt. Ein Lehrling desselben hatte sich mit einem Lichte in den Keller begeben und war auf der Treppe ausgeglitten. Indem er nun ein Zündholz anzündete und auf dem Boden damit herum leuchtete, explodirte eine in f> der Nähe und in einem Korb befindliche große Flasche mit Benzin. Durch die Gewalt der Explosion wurde die Kellerthüre herausgeschleudert und das Gewölbe durchgeschlagen, sodaß Steine und Mörtel im Laden herumflogen; auch in den Häusern gegenüber wurden die Fenster eingedrückt. Der Lehrling wurde an Gesicht und Händen nicht unerheblich verletzt, sodaß er in die Klinik geschafft werden mußte. Das Feuer, ' welches in dem Petroleumfässer enthaltenden Keller, leicht noch größeres Unheil hätte anrichten können, wurde indessen bald gedämpft. (M. T) — Hersfeld, 22. Juli. Ausweislich des Katalogs der Hessischen Landesausstellung kunstgewerblicher Alterthümer sind auch aus unserer Stadt eine Anzahl Gegenstände eingesandt worden. Die Stadt selbst hat u. a. einen silbernen, theilweise vergoldeten Becher und roch einen kleinen silbernen, die beide aus dem 17. Jahrhundert stammen, ausgestellt. Aus der Zahl der Privatleute betheiligte sich Herr Stadtsekretär Demme, der als ein kunstverständiger Sammler antiker Sachen bekannt ist, mit nicht weniger als 15 Gegenständen. (H. M.)
— Fulda, 24. Juli. Dem heutigen Viehmarkte waren 979 Stück Rindvieh zugetrieben. Der Handel war mit Rücksicht auf die ungünstige Zeit bet Ernte ein recht lebhafter. (Fld. Ztg)
— Kapellmeister Friedrich Lux, Festdirigent des 10. Mittel- rheinischen Musikfestes zu Mainz, wurde von feiner Vaterstadt Ruhla zum Ehrenbürger ernannt.
— Rüdesheim, 23. Juli. (Die Oesterreicher am Germania-Denkmale.) Der Wiener Männergesangverein „Schubertbund" traf heute Vormittag ^19 Uhr mit der Eisenbahn von Wiesbaden hier ein und fuhr, nachdem die Sänger in der „Rheinhalle" das Frühstück eingenommen, mit der Niederwald-Zahnradbahn nach dem Nationaldenk- mal. Die Betriebs-Direction der Zahnradbahn hatte zu Ehren der Wiener Gäste Lokomotiven und Wagen geschmackvoll bekränzen lassen. Die Hauptstraßen der Stadt Rüdesheim waren festlich beflaggt. Der „Schu- fe bertbund" brächte dem Denkmal in echt süddeutscher Weise ein herzliches „Grüß Gott!" Herr Schuldirektor Bobies sprach in warmen Worten über die Entstehung und Bedeutung beS Denkmals und über die Wichtigkeit der dadurch verherrlichten großen Ereignisse auch für Oesterreich. Die mächtig dahinbrausende „Wacht am Rhein" gab den Patriot schen Gefühlen unserer Gäste von der Donau beredtesten Ausdruck. Herr Dr. Stigle aus Wien betonte in seiner von Begeisterung getragenen Rede noch besonders, daß die Germania auch nach ihrem Lande blicke und daß ein festes Band Deutsch-Oesterreich und Deutschland umschlinge. Am Fuße des erhabensten Denkmals gelobten er und die Mitglieder des „Schubertbundes" aufs neue, treu zu bleiben für immer deutschem Wort und deutscher Sitte und ihrem Vaterlande Deutsch Oesterreich. Die nach Hunderten zählende Versammlung der gleichzeitig anwesenden Besucher des Denkmals aus allen Gauen Deutschlands begrüßten die sympatische Worte des gewandten Redners mit jubelndem Hochrufe. Darauf ertönte das „Deutsche Lied" von Kalliwoda. Nach einem kurzen Besuche der schönsten Aussichtspunkte des Niederwaldes sammelten sich wieder die Sänger am Denkmale. Damen von Rüdesheim bekränzten in sinniger Weise die Standarte der Wiener Gäste mit Eichenlaub, wofür Herr Direktor Bobies herzlich dankte und versprach, ihren in der Heimat zurückgebliebenen Brüdern ein Eichenblatt vom rheinischen Niederwald« zum Andenken zu überbringen. Eine zufällig anwesende Militärkapelle von Mainz intonirte die österreichische National-Hymne, in welche die Sänger entblößten Hauptes einstimmten. Zum Schlüsse spielte die Musik noch „ den Radetzky-Marsch und die Sänger verließen mit dem Abschieösgruße C „Wer har dich, du schöner Wald" den Niederwald. Die Zahnradbahn brächte sie wieder nach Rüdesheim, wo sie in der „Rheinhalle" dinirten. Ein besonderer Dampfer von Coblenz entführte gegen 3 Uhr die Sangesbrüder von der blauen Donau auf dem grünen deutschen Rheine nach Coblenz. (Rh. K) DHt- Fortsetzung dieser Rubrik in der Beilage. *^g
Auszüge aus dem Amtsblatt Königlicher Regierung zu Kassel.
Langendiebach. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das im Grundbuche von Langendiebach auf den Namen der Ehefrau des Pflasterers Caspar D i t t e r 2r, Christina, geb. Dörr, zu Langendie- bach eingetragene, in der Gemarkung von Langendiebach belegen« Grund, stück am 25. September 1884, Vormittags 9l/s Uhr, vor dem Kö. niglichen Amtsgericht Langenselbold versteigert werden.
K r e s s e n b a ch. Im Wege der ZwangsvollstreMng sollen die im Grundbuche von Kressenbach auf den Namen des Müllers Anton Hensler zu Schmidtmühle eingetragenen, in der Gemarkung von Kressenbach belegenen Grundstücke am 16. September 1884, Vormittags 9 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht Steinau versteigert wer- den.
Thermometerstand.
24 Juli Mittags 2 Uhr + 20°, Abends 7 Uhr 4- 151/»0;
25 Juli. Morgens 7 Uhr + 13°, Vormittags 10 Uhr + löVs“.
Mamwafferwärme: 16‘/s Grad R.
Allgemeiner Deutscher Handwerkertag zu Frankfurt a. M.
Die erste Hauptversammlung des allgemeinen deutschen Handwerkertags wurde am Montag Vormittag in den imposanten, mit zahlreichen Fahnen und Wappen auf's geschmackvollste decorirten großen Saale des „Saalbaues" von dem Vorsitzenden, Schneidermeister Cremer (Köln) mit einem dreifachen Hoch „auf den Schutz- und Schirmhern des deutschen Handwerks, Se. Majestät den Ka ser Wilhelm" eröffnet. — Der als Ehrengast erschienene Polizeipräsident v. Hergenhahn (Frank- surt a. M.) begrüßte hierauf die Versammlung und versicherte dieselbe seiner vollsten Sympathien. — Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Frage:
„In welchem Umfange und in welchen Grenzen erstrebt der deutsche Handwerkerbund die Beschränkung der zügellosen G<wsrbefreiheit?" Folgende Resolution wurde nach längerer Debatte der Redaktionskommission überwiesen: „Der allgemeine deutsche Handwerkertag spricht die Hoffnung aus, daß die Reichsregierung baldigst positive Maßregeln zur Erhaltung und Hebung des gewerblichen Mittelstandes ergreift, als welche der Handwerkertag nur allein die Beschränkung der zügellosen Gewerbefreiheit durch Einführung der obligatorischen Innungen erkennt!" An die gleiche Kommission ging eine Resolution über die Stellung des deutschen Handwerkerstandes zum veränderten Jnnungsgesetz: „1) Das Jnnungsgesetz ist als ein erster Versuch, die Organisation des Handwerkerstandes zu erstreben, dankbar anzuerkennen. 2) Aus der Thatsache, daß das Jnnungsgesetz in seiner jetzigen Gestalt nur Lasten auf. erlegt, ohne irgend welche entsprechenden Rechte zu gewähren, erhellt, daß dasselbe eine Aenderung bedarf, wenn es die Einigung des Handwerks erreichen soll. 3) Als ein Minimum solcher Änderungen muß bezeichnet werden: a) die Aufhebung der sogenannten diskretionären Gewalt und an deren Stelle die Einsetzung sachlicher Bedingungen und Merkmale; b) die Statuirung der Beitragspflicht aller Handwerker zu allen Kassen, welcke der § 97a des Krankenkassengesetz s ermöglicht.
4) Der allgemeine Deutsche Handwerkertag begrüßt den Antrag Windt- horst-Ackermann und erachtet als letztes Ziel die Einführung obligatorischer Innungen." Zu der Handwerkerkammerfrage wurde folgende Resolution beantragt: „In Erwägung, daß eine Vertretung der wirklichen JnterZsen des Handwerkerstandes, ein gesunder Ausbau seiner Organisation und seiner Hilsskräste nur möglich ist, wenn die Handwerkerkammern aus dem Jnnungsgesetz gebildet werden, beschließt der Handwerkertag, den Centralvorstand zu beauftragen, einen Entwurf zum Gewerbekammerstatut, sowie einen dahin wirkenden Gesetzentwurf auszu- arbeiten und der Regierung zur Kenntnißnahme und zur Erwägung zu unterbreiten." Von einer Beschlußfassung über die Resolution wurde noch abgesehen.
Am Dienstag genehmigte der Handwerkertag -nach der Han. Z. die Resolutionen, welche am Tage vorher einer Redaktionskommission überwiesen waren und außerdem noch die folgenden: In Erwägung, daß der Antrag Ackermann eine Abschlagszahlung für berechtigte Forderungen der Handwerker sei, spricht die Versammlung die Hoffnung aus, daß der Bundesrath diesem Anträge vor den nackten Reichstagswahlen seine Genehmigung ertheilen werde. Am Nachmittage wurde die Einstellung entsprechender Summen in die staatlichen Etats zur Unterstützung der Entwickelung des Fachschulwesens der Innungen empfohlen. Ferner bezeichnet der Handwerkertag die Beschränkung des Vagabundenwesens als nothwendig, ebenso die Beschränkung der Gewerbefreiheit, der Paßfreiheit und der Freizügigkeit. In einer letzten Resolution wurde endlich die Beschränkung einer weiteren Ausdehnung der Consumvereine für wünschenswerth erklärt.
Alsdann wurde nach der Hess. Z. noch bezüglich der politischen Wahlen rc. beschlossen: „Der deutsche Handwerkertag empfiehlt allen deutschen Handwerkern, bei den nächsten Reichstagswahlen nur solchen Männern ihre Stimme zu geben, von denen sie die Garantie haben, daß dieselben für die Forderungen der Handwerker, namentlich obligatorischer Innungen, Arbeitsbücher, größte Beschränkung des Hausirhandels, Beseitigung der Wanderlager und Wanderauktionen, Regelung des Sub- miss.onswesens, der Sträflings- und Militärar besten, eintreten. Wo es geeignet erscheint, sind Candidaten aus dem Gewerbstande aufzu- stellen.
Man beschloß weiter: „Die Ausführung dieses Beschlusses wird