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Nr. 171. Donnerstag den 24. Juli
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BeZMntmachungen Königl. LandrüthsÄMts.
Das unter dem 26. Juni c. im Hanauer Anzeiger Nr. 150 gegen den Tagelöhner Georg Mohn aus Langenselbold erlassene Ausschreiben . wird hiermit als erledigt zurückgezogen.
Hanau am 22. Juli 1884.
Der Königliche Landrath P. 6645 Freiherr v. Broich.
Im Anschluß an meine im hiesigen Kreisblatt Nr. 167 erlassene Verfügung vom 19. Juli er. P. 6567, das Reinigen der Straßenrinnen betreffend, ordne ich hierdurch bis auf Weiteres ferner an, daß die Gossen in hiesiger Stadt, nach vorausgegangenem Begießen, täglich bis 9 Uhr Vormittags von jeglichem Schmutze gründlich gereinigt sein müssen und Zuwiderhandlungen hiergegen entsprechend geahndet werden.
Hanau am 24. Juli 1884.
Der Königliche Landrath
P. 6710 Freiherr v. Broich.
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Gefunden: Eine stählerne Uhrkette. Eine Peitsche. Eine Hundekette nebst Klotz. Eine große Milchkanne. Ein Tafelmesser. Eine Leiter. Ein Farbzeichen.
Verloren: Ein Arbeitsbuch, auf den Namen Damian Winter aus Fulda lautend.
Hanau am 24. Juli 1884.
_____________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________
f Die Natiesaalliberalen.
Vor zwei Jahren wurde bei Beginn der Wahlbewegung für den preußischen Landtag von Rationalliberalen, Fortschrittlern und Secessio- nisten die Varole der Bildung einer einheitlichen großen liberalen Partei zur Bekämpfung der „Reaktion" ausgegeben; als gemeinsames Ziel wurde von Herrn Hänel ausgestellt und von sämmtlichen Liberalen mit Beifall begrüßt die Erlangung der „Herrschaft, des maßgebenden Einflusses", um „die Regierung selber in konstitutioneller Weise zn leiten." Hundert Sitze im Abgeordnetenhaus mehr gegen früher — das war der nächste Zweck des gemeinsamen Vorgehens.
Diesen hohen Erwartungen haben bekanntlich nicht die Erwartungen entsprochen: die Fortschrittler und Secessionisten blieben auf ihrem alten Standpunkt, die Nationalliberalen mußten die Zeche bezahlen. Das war namentlich das Werk der Fortschrittler, die „den Cours zu stark nach links" gehalten hatten. Natürlich konnten auch die weiteren Ziele nicht erreicht werden. Erst jetzt werden sie wieder von Fortschrittlern und Secessionisten in's Auge gefaßt, die Nationalliberalen aber sind durch die Erfahrung klug geworden.
Die gegenwärtige, freilich erst im Entstehen begriffene Wahlbewegung hat bereits erfreuliche Anzeichen von der Entschlossenheit der Nationalliberalen geliefert, jene Worte wahr zu machen, welche ein natio- nalliberales Blatt in Folge der Eroberung des alten Bennigsenschen Wahlkreises durch die Fortschrittler im Oktober vorigen Jahres aus- sprach, nämlich das Tafeltuch zwischen sich und jenen zu zerschneiden und die Fortschrittspartei als eine feindliche Partei zu behandeln. Erleichtert ist ihnen dieser Entschluß durch die Vereinigung der Fortschrittler und Secessionisten und durch die feindselige Stellung, welche die „Freisinnler" gegenüber der nationalen Politik und deren obersten Leiter einnehmen. Ebenso wie sich diese Leute gegen die „Schnaps-, Schweine-, Holz- und Zuckerpolitik", und neuerdings gegen das Unfallversicherungs. gesetz und gegen die Handels- und Colonialpolitik des Reichskanzlers wandten, in demselben Maße und mit derselben Erbitterung und Gehässigkeit haben sie sich gegen die Nationalliberalen und deren patriotische Kundgebungen in Heidelberg, Neustadt und Berlin gewandt. Es genügte nur ein regierungsfreundliches Wort der Herren Miguel, v. Bennigsen, v. Schauß und neuerdings des Herrn V. Benda, um sofort die freisinnige Presse auf sie zu hetzen.
Die Heidelberger Erklärung, die Neustädter Kundgebung und die Berliner Resolution sind nicht wirkungslos verhallt. Zunächst haben die Nationalliberalen ihr Versprechen, an dem Zustandekommen des Un- fallversicherungsgesetzeS mitzuwirken, im Reichstage eingelöst, und jetzt haben an verschiedenen Orten, namentlich neuerdings in Elberfeld, nationalliberale Versammlungen stattgefunden, welche von demselben Geiste durchdrungen waren, ihre vollständige Uebereinstimmung mit der natio-
1884.
nalen Polink des Kanzlers bekundeten und in scharfen Gegensatz zu den Freisinnigen traten. Dieser Bewegung, die auf gesundem Boden erwachsen ist, brauchen wir nicht nachzuhelfen, sie wird sich von selber entwickeln. Eine Verständigung der Nationalliberalen mit den Freisinnigen darf nach dem gegenwärtigen Stande der Beziehungen derselben zu einander für ausgeschlossen gelten. Um so mehr wird man überall da den Rationalliberalen sich, bereitwillig nähern, wo man überzeugt sein muß, daß Zersplitterung der Kräfte , den gemeinsamen Gegnern zum Siege verhelfen könnte. Es stehen die Interessen des Reichs, nicht die einer Fraktion auf dem Spiel. Möchte das gemeinsame Bekenntniß zu den gleichen Zielen der Bekämpfung des Parlamentarismus, der Förderung der nationalen Reformpolititik auf wirthschaftlichem und socialem Gebiete, der Aufrechterhaltung der ungeminderten Heereskraft in geebneten Fällen auch zu einer kräftigen und erfolgreichen Waffenbrüderschaft gegen den von den Freisinnigen erstrebten demokratischen Radikalismus führen!______________________________________________________________________ '
Tagesschau.
— Gast ein, 23. Juli. Se. Maj. der Kaiser machte heute bei schönem Wetter eine längere Promenade. Zur Tafel war der preußische Minister Goßler und der österreichische Sektionschef des Aeußeren, Baron Kraus, geladen.
— Gast ein, 23. Juli. Kaiser Wilhelm wohnte heute Abend einer größeren Soirse in der. Villa des Grafen Lehndorff bei. Gegen Ende des Monats trifft Erzherzog Albrecht hier ein, um den Kaiser zu besuchen. Der Erzherzog nimmt in Villa Meran einen zweitägigen Aufenthalt.
— Berlin, 22. Juli. (Marine) Die Probemobilmachung in Kiel und die bisherigen Flottenmanöver sollen der „Danz. Ztg" zufolge die Ansicht der Admiralität, daß eine Vermehrung des Mä^aschafts- personals der Marine dringend erforderlich sei, in jeder Weise befestigt haben. Die gegenwärtige Etatsstärke von 10,063 Mann reicht nicht aus, den Bestand an Schiffen im Kriegsfalle genügend zu besetzen. Werden nun die Neubauten und die schnelle Vermehrung des Torpedomaterials in Betracht gezogen, so ergiebt sich, daß eine Erhöhung des Mannschaftspersonals unabweislich erscheint. Die Marine-Verwaltung hat dem zu Folge die Erhöhung der Etatsstärke in den nächsten 3 Jahren von 10,063 auf 11,663 Mann vorgesehen. Auch soll eine Vermehrung der Schiffsjungen von 400 auf 500 erfolgen.
— Berlin, 22. Juli. Im „Militärwochenblatt" findet sich ein beachtenswerther Aussatz über den nächtlichen Angriff, Der Verfasser will in Uebereinstimmung mit vielen militärischen Autoritäten neuerer Zeit das besonders durch die modernen Feuerwaffen (Repetirgewehr rc.) bedingte Uebergewicht der Defensive dadurch brechen, daß er den Angriff in die Dunkelheit der Nacht verlegt. Nach des Verfassers Ansicht sind die formellen Schwierigkeiten eines nächtlichen Angriffes durchaus nicht unüberwindlich, während seine Vorzüge vor dem mit den ungeheuersten Verlusten verbundenen Angriff am Tage immer auffälliger werden. Auch die moralischen Schwierigkeiten schätzt der Verfasser nicht hoch und glaubt, daß Instruktion und nächtliche Felddienstübungen zur völligen Ueberwindung der Furcht vor der Dunkelheit beitragen werden. Der Aufsatz erscheint darum erwähnenswerth, weil er positive Vorschläge bringt, durch welche die großen Verluste, die jetzt auch der glücklichste Angriff zur Folge hat, einigermaßen vermieden werden können.
— Berlin, 23. Juli. Mit Allerhöchster Genehmigung wird das Kriegsministerium im Anschluß an die „Rang- und Quartierliste" eine „Stammliste" der Armee, vorläufig für die Zeit vom Jahre 1840 ab bis auf die Gegenwart, bearbeiten lassen.
— Das Militär-Wochenblatt gibt folgende Berechnung der Landwehr und des Landsturms der europäischen militärischen Großmächte außer Deutschland: Frankreich 820 000 Mann Landwehr, 864 Geschütze und 625 000 Mann Landsturm; Rußland 400 000 Mann, 768 Geschütze und 2 COO 060 Mann; Oesterreich-Ungarn 343 000 Mann (excl. Tyroler Landesschützen), keine Geschütze und 125 000 Mann: Italien 200 000 Mann, 324 Geschütze und 300 000 Mann.
— Halle, 23. Juli. Das Concessionsgesuch der Gesellschaft „Kette" für Kettenschifffahrt auf der Saale bis Halle ist von der Regierung genehmigt worden.
— E l b e r f e l d, 23. Juli. In der gestern Abend stattgefundenen