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Beilage zu Nr. 170 des Hanauer Anzeiger.

t Die Nothwendigkeit einer Steuerreform beweisen von Neuem die zahlreichen, zum Theil erfolglosen Executionen auf dem Gebiete der Gemeinde-, Kreis- und Provinzialsteuern, sowie der Schulsteuern und Schulabgaben. So sind in der Zeit vom 1. April 1882 bis 31. März 1883 folgende Ergebnisse der Beitreibung der Ge' meinde-, Kreis- und Provinzialsteuern zu constatiren:

Die fällig gewordenen Steuerposten betragen zusammen 60,156,947, die zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Steuerposten 6,197,001, die zur wirklichen Vollstreckung gelangten Steuerposten 1,468,670 die frucht­los vollzogenen Pfändungen 783,370. Was die Schulsteuern und Schulabgaben betrifft, so sind

A. an Schulsteuern fällig geworden: 10,756,873 Posten, davon zur Zwangsvollstreckung überwiesen 720,846 Posten, wirklich vollstreckt sind 118,322 Posten, und fruchtlos gepfändet 61,920 Posten.

B. an Schulgeld fällig geworden: 13,262,505 Posten, davon zur Zwangsvollstreckung überwiesen 938,618 Posten, wirklich vollstreckt sind 155,435 Posten, und fruchtlos gepfändet 154,446 Posten.

Wenn man bedenkt, wie viel Unzufriedenheit eine Zwangs Voll­streckung hervorruft und welche nachtheiligen Folgen in wirthschafllicher wie in moralischer Beziehung mit ihr verbunden sind, so wird man überzeugt sein, daß es eine weise Politik ist, auf die Verringerung der direkten Abgaben hinzuwirken. Bisher ist diese Politik nur zu einem kleinen Theile durch Aufhebung der zwei untersten Stufen der Staatsklasfensteuer mit Erfolg gekrönt worden. Das Meiste bleibt noch zu thun übrig. Freilich läßt sich die Verminderung der direkten Steuern, sowohl der Staats- wie Corporationsabgaben, nur durch Ver­mehrung der indirekten erreichen. Wer gegen letztere ankämpft, ist nothwendigerweise auch für die Beibehaltung, bezw. Vermehrung der direkten Abgaben und also auch für die Aufrechterhaltung der Zwangs­vollstreckungen. Daß diese keine dauernde Institution sein und bleiben dürfen, kann jedoch nicht zweifelhaft sein.

Zeitungsstimmen.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffent­licht weiter folgende Adressen, welche dem Fürsten Bismarck in Betreff der Subventionirung deutscher Postdampferlinien zugegangen sind. Wir erwähnen u. a. folgende:

Der Deutsche Exportverein in Berlin schreibt:

Ew. Durchlaucht!

Angesichts der ablehnenden Haltung, welche ein großer Theil un­serer Reichstagsabgeordneten dem ihnen vorgelegten Gesetzentwürfe, be­treffend die Subventionirung deutscher Postdampferlinien, gegenüber eingenommen hat, einer Haltung, welche sich wohl mit den Ansichten eines großen Theiles der Wähler dieser Reichstagsmitglieder, sicherlich aber mit denen der Mehrheit des deutschen Handels- und Fabrikanten- standes in Widerspruch befindet, läßt es uns, den Vertretern einer großen Anzahl auf die Ausfuhr ihrer Erzeugnisse nach überseeischen Absatzgebieten angewiesener deutscher Fabrikanten als Pflicht erscheinen, Ew. Durchlaucht hiermit unsere volle Uebereinstimmung mit dem von unserer Reichsregierung in dem genannten Gesetzentwürfe eingenommenen Standpunkte auszudrücken, von dessen Festhalten wir unbedingt einen großen Aufschwung unserer Handelsbeziehungen zu dem Auslande und damit unseres Volkswohlstandes und nationalen Ansehens erwarten.

Der Vorstand des Deutschen Exportvereins.

(Unterschriften.)

Berlin, den 7. Juli 1884.

Ein Schreiben aus Guben, den 10. Juli 1884, lautet:

. ... In einer öffentlichen Versammlung von ca. 150 Männern aller Parteirichtungen ist den Unterzeichneten der ehrenvolle Auftrag zu Theil geworden, nachstehende in dieser Versammlung gefaßte Resolution Ew. Durchlaucht hochgeneigter Kenntnißnahme zu unterbreiten.

In verehrungsvollster Ergebenheit Ew. Durchlaucht ganz gehorsamste (Unterschristen).

Resolution. , ,

Die Versammlung erkennt in vollem Umfange die Nothwendigkeck für das Deutsche Reich an, aus seiner bisherigen Reserve in kolonial­politischer Beziehung herauszutreten und, wenn auch mit großer Beson­nenheit, so doch auch mit nicht minder großem, seiner heutigen Macht- und Weltstellung würdigem Nachdruck in diejenigen Bahnen einzulenken, welche in unverkennbarster Weise auf Hebung und dauernde Förderung de« nationalen Wohlstandes in Gegenwart und Zukunft gerichtet sind.

Aus diesem Grunde begrüßt die Versammlung mit hoher Freude die bereits nach dieser Richtung hin in neuester Z it Seitens der Reichs­regierung dokumentirten Bestrebungen, insonderheit auch die vom Herrn Reichskanzler Fürsten von Bismarck während der jüngsten Reichstags­sitzungen gemachten Mittheilungen über seine kolonialpolitische Auffassung und Initiative.

Der Chemnitzer Verein für Handels geographie be­grüßt die erwähnte Vorlage als einen weiteren glückverheißenden Schritt zur Hebung der Wohlfahrt des Deutschen Reiches.

Die altmärkische Abtheilung des deutschen Kolonialvereins in Stendal erklärt, daß der Reichskanzler in der Kommissionssitzung vom 23. Juni und in der Reichstagssitzung vom 26. Juni das er­lösende Wort gesprochen habe,welches, wie in dem Herzen jedes pa­triotischen Deutschen, so besonders in dem Herzen jedes echten Altmärkers wiederklingt."

Die Plenarversammlung des 752 Mitglieder zählenden land- wirthschaftlichen Bezirksvereins Riedlingen bedauert, daß die Vorlage zum Zwecke der staatlichen Unterstützung der Postdampfer- limen dieselbe Behandlung, wie dereinst die Samoavorlage, gefunden hat, und bittet den Reichskanzler, seine Pläne zum Heile Deutschlands unbeirrt weiter zu verfolgen.

Die Handelskammer zu Jserlohn, welche darauf hinweist, daß gerade die Fabrikate ihres Bezirks, besonders märkische und ber- gische Metallwaaren, nach allen Ländern der Erde exportirt werden, bezeugt, daß die Vorlage in den gewerblichen Kreisen den lebhaftesten Beifall gefunden hat, weil die sichere Erwartung gehegt wird, daß durch die Erweiterung der deutschen Dampfschiffverbindungen nach Ostasien und Australien auch der Ausfuhrhandel dorthin größeren Aufschwung nehmen werde.

Die Handelskammer zu Worms bringt der Vorlage, die darauf gerichtet ist, ihr Absatzgebiet zu sichern und zu erweitern, ein lebhaftes Interesse entgegen.

Es sind nicht unbestimmte und vage Gefühle", heißt es,die hier das Urtheil beeinflussen, es ist vielmehr die nüchterne Erwägung sehr reeller Faktoren, die zu dem Schlüsse führen, daß eine direkte deutsche Postverbindung mit fernen Gegenden für uns von großem Nutzen sein wird.

Schon die Thatsache, daß der deutsche Handel und ber deutsche Export sich immer mehr ausgebreitet haben, seitdem unsere Kriegsschiffe die fremden Meere regelmäßig befahren, ist ein Beweis dafür, wie sehr durch die Entfaltung der nationalen Flagge der Unternehmungsgeist und das Selbstvertrauen bei der eigenen Nation und der Respekt und das Zutrauen zu der Leistungsfähigkeit derselben bei dem Ausländer unter­stützt un gehoben wird.

Ebenso ist von der Errichtung deutscher Postdampferlinien ein moralischer Effekt nach beiden Richtungen hin zu erwarten.

Neben dem unmittelbaren Nutzen, den jede direkte Postlinie dem einheimischen Handelsstande und jede Vermehrung unserer Handelsmarine der deutschen Rhederei und Kriegsflotte bringt, ist es gerade dieser mit­telbare Vortheil, dem wir den größten Werth beilegen. Er wird sicher dahin führen, daß die angeforderten Geldopser in kurzer Zeit durch eine sehr fühlbare Erweiterung unserer auswärtigen Handelsbeziehungen aus­gewogen werden.

Wir haben deshalb mit Bedauern die Behandlung der Vorlage durch den Reichstag gesehen, die einer Ablehnung gleichkommt, aber wir hegen das feste Vertrauen zu Ew. Durchlaucht, dieselbe werde sich hier­durch nicht abhalten lassen, mit gewohnter Energie das erstrebte Ziel weiter zu verfolgen, und wir hoffen, die nun bald neu zu wählenden Vertreter des deutschen Volkes werden nach dem allerwärts ausgesproche­nen Willen des Volkes einer erneuerten Vorlage Ew. Durchlaucht ihre Zustimmung nicht versagen."

Auszüge aus dem Amtsblatt Königlicher Regierung zu Kassel.

K i l i a n st ä d t e n. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuche von Kilianstädten auf den Namen der a. Johann Heinrich Bröll, b. Katharina Elisabeth Bröll (Heinrichs Kinder) zu Kilianstädten eingetragenen, in der Gemarkung von Kilianstädten belege* nen Grundstücke am 17. September 1884, Vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht Windecken versteigert werden.

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