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Nr. 167. Samstag den 19. Juli 1884.
EeLanntmachNNgen KönigL. LandrathsKMts.
In Anbetracht der uns drohenden Cholerogefahr sehe ich mich veranlaßt, die für die Stadt Hanau erlassene Polizei-Verordnung vom 24. Juli 1854, daS Begießen der Straßen betreffend, nachstehend wieder zur Kenntniß zu bringen und zugleich weiter zu bestimmen, daß fortan die Straßenrinnen täglich mehrmals durch Wasserspülung und Auskehren vom alten Schmutze gründlich befreit werden.
Seitens der Hausbesitzer ist sodann ferner darauf zu sehen, daß die Höfe der Häuser thunlichst reingehalten, die Aborte nach vorgängiger Desinsection regelmäßig entleert und dieselben täglich durch Eingießen einer genügenden Quantität wirksamer Desinficientien möglichst gefahrlos gemacht werden.
Für den Unterlassungsfall vorstehender Bestimmungen wird eine Strafe von 1 bis 9 Mark angedroht.
Hanau am 19. Juli 1884.
Der Königliche Landrath
P. 6567 Freiherr v. Broich.
Aus Gesundheitsrücksichten ist das tägliche Begießen der Straßen während anhaltender großer Hitze nothwendig.
ES werden daher die Hauseigenthümer, bzw. da, wo diese die Häuser nicht selbst bewohnen, die Bewohner des unteren Stockes hiermit aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, daß während der gegen- wärtigen großen Hitze die Straßen hiesiger Stadt täglich wenigstens ein Mal mit frischem Wasser mittelst einer Gießkanne begossen werden.
Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Rinnen der Straßen stets gehörig gereinigt werden müssen.
Hanau am 24. Juli 1854.
Kurfürstliche Polizeidirektion. Cornelius.
Der Tagelöhner Christian Reuter aus Eschersheim, welcher aus der Strafanstalt zu Diez entlassen worden ist und über welchen Polizei- Aufsicht verfügt wurde, hat sich aus seiner Heimath entfernt und ist sein Ausenthaltsort unbekannt.
ES wird ersucht nach demselben zu fahnden und im Ermittelungs- falle Nachricht hierher zu geben.
Havau am 15. Juli 1884.
Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Gefunden: Ein Messer. Vier schmutzige weiße Kragen. Eine Wagenkette.
Verloren: Am 16. b. M. in Wilhelmsbad oder in dessen Umgebung ein Kinderarmband, weiß glatter silberner Reif. Eine goldene Broche; dem Wiederbringer eine Belohnung. Eine Granat Broche. Ein Portemonnaie mit ca. 7 Mark.
Hanau am 19. Juli 1884.
Aus Königl. LandrathSamt.
Die Straßburger Mordthaten.
Wie jüngst mitgetheilt wurde, hat der Anarchist Kämmerer in Wien eingestanden, an den Straßburger Mordthaten betheiligt gewesen zu sein. Inzwischen sind der „Straßb. Post" über das Verbrechen und seine Entdeckung noch weitere wichtige Mittheilungen zugegangen. Dieselben laufen im Wesentlichen darauf hinaus, daß die Straßburger Morde von drei Anarchisten verübt worden sind: dem Stellmacher, der gegenwärtig in Wien zum Tod verurtheilt ist, dem Kämmerer, gegen den der Prozeß gegenwärtig in Wien beim Militärgericht schwebt, und einem Dritten, der bisher noch unermittelt geblieben ist. Der geistige Urheber des schaurigen Verbrechens war Stellmacher. Derselbe hatte am 20. Oktober dem Kämmerer geschrieben, er solle in Basel mit ihm zusammentreffen. Kämmerer folgte diesem Befehle und fand in Basel den Stellmacher und einen anderen Anarchisten, dessen Name ihm, wie er behauptet, unbekannt geblieben sein soll. Stellmacher entwickelte nun den Genossen seinen Plan. In Straßburg sollten — so führte er aus — verschiedene Apotheken aufgesucht werden. Einerseits wolle man dort
die Ladenkassen u. s. w. berauben, um Geldmittel für die Partei zu verschaffen, andererseits sich Gifte und Essenzen erwerben, um mittels der letzteren Betäubungmittel (wie den sog. „Bändiger" u. s. w.) herzustellen. Am 22. Oktober trafen die drei Anarchisten in Straßburg ein. Sie gingen etwas in der Stadt umher, besuchten einige Wirthschaften (wie Kämmerer sagt, „eine Wirthschaft am Wasser" und „eine am Wall") und kamen auch an diejenige Stelle auf dem Wall, wo Nachts der Soldat Adels ermordet wurde. Die Anarchisten bemerkten nicht, daß ein Posten an jener Stelle stand; sie hielten den Ort für vollständig einsam und verlassen und beschlossen deshalb, am Abend dort hinzugehen und für ihre gräßliche Expedition die nöthigen Vorbereitungen zu tr< ffen. Vorher aber galt es noch, etwas Anderes zu thun: nämlich, sich eines Fuhrwerks zu bemächtigen. Um möglichst schnell von der Stelle zu kommen, wollten die Räuber ihr Werk bei den verschiedenen Apotheken zu Wagen abmachen. Um sich einen solchen zu verschaffen, gingen sie zum Bahnhof, nahmen eine Droschke und bestimmten den Kutscher zu einer Fahrt nach Kronenburg. Kämmerer setzte sich zu dem Kutscher auf den Bock, Stellmacher und der dritte Anarchist nahmen im Wagen Platz. Als der Wagen die Stadt verlassen hatte, klopfte einer der im Wagen Sitzenden an die Fensterscheibe. Der Kutscher sprang sofort herunter, öffnete den Wagenschlag und fragte: „Was beliebt?" Gleichzeitig war aber auch Kämmerer vom Bock gesprungen und hatte den Kutscher gepackt, während Stellmacher, der aus dem Innern des Wagens herausgekommen war, dem Kutscher einen mit Chloroform getränkten Schwamm vorzuhalten versuchte. Der Kutscher aber wehrte sich aus Leibeskräften, schrie und lärmte so laut, daß die drei Kerle fürchteten, das Geschrei des Angegriffenen werde Leute herbeilocken und schleunigst entflohen. Die Anarchisten begaben sich jetzt zu ihrem Sammelplätze auf dem Wall, wo sie daran gingen, sich falsche Bärte anzulegen und alles für den Raubzug in die Apotheken vorzubereiten. Während sie mitten in dieser Thätigk-it begriffen waren, kommt plötzlich ein Soldat auf sie zu; es war Adels, der zu jener Zeit gerade auf Posten stand. Der Soldat ging mit gefälltem Gewehr auf die 3 Menschen zu und rief: „Halt", machte dabei auch eine Geberde, als ob er laden wollte. Stellmacher stürzte sich sofort auf den Soldaten, entriß ihm das Gewehr und schlug damit auf ihn los. Auch Kämmerer kam mit dem Soldaten ins Handgemenge, wobei er den falschen Bart, und das später am Ort der Unthat gefundene Buchbindermesser verlor. Stellmacher führte dann noch einige Streiche gegen den Soldaten, bis dieser besinnungslos niedersank. Die drei Anarchisten eilten von dem Orte hinweg, nach der Neeb'schen Apotheke, und klingelten dort. Der Provisor Lienhardt öffnete die Thür, Stellmacher trat ein und überreichte ihm das bekannte Recept, unterzeichnet Dr. Schultes. Kämmerer und der dritte Anarchist blieben vor der Thür stehen und beobachteten die Vorgänge, die sich im Innern abspielten. Auf einmal bemerkte Kämmerer, wie der Apotheker Lienhardt beim Lesen des Receptes stutzig wurde und den Versuch machte, sich zurückzuziehen. Jetzt sprang Kämmerer in die Apotheke hinein und griff den Lienhardt an. Lienhardt floh in das Nebenzimmer hinein, wohin ihm Kämmerer folgte und wo sich dann im Dunkeln ein Handgemenge entspann, bei dem Kämmerer seine stählerne Uhrkette und seinen Papierkragen verlor. Bei diesem Kampfe schlug Kämmerer auf den Lienhardt mit einen sogenannten Haubajonett, das Stellmacher mitgebracht hatte, so lange ein, bis der unglückliche Apotheker kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Während dessen raubte Stellmacher die Ladenkasse, in welcher sich kleine Münze im Betrage von etwa 20 M. befand. Der dritte Anarchist, der sich an der Ermordung des Adels nicht betheiligt hatte, war während dieser Vorgänge in der Apotheke draußen vor ter Thür stehm geblieben und hatte dort Wache gehalten. Wie bereits vorher erwähnt, hatten die Anarchisten es, außer dem Raube von Geld, auch noch besonders auf die Erwerbung von Giften u. s. w. abgesehen. Diesen letzteren Zweck haben sie aber nicht erreicht; die Ermordung des Lienhardt hatte Lärm gemacht, jeden Augenblick konnten Leute eintreffen und somit mußten die Mörder auf schleunigste Flucht bedacht sein. Sie eilten aus der Apotheke fort, warfen die Cassete, in der sich das geraubte Geld befunden hatte, fort („in den Bach", wie Kämmerer sagt, in Wirklichkeit aber auf dem Leinpfad) und