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Nr. 166.

Freitag den 18. Juli

1884.

Amtliches.

Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.

Auf Grund des § 11 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefähr­lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 ist die in Altona beschlagnahmte DruckschriftRepublik oder Mo­narchie" von John Greis, Druck und Verlag von Charles Petersen zu Chicago im Jahre 1849, unterm heutigen Tage von der unterzeich­neten Landespolizeibehörde verboten worden.

Schleswig den 2. Juli 1884.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern, von Frank.

Die zu Nürnberg im Verlage von C. Grillenberger (Druck von Woerlein & Comp.) 1884 erschienene Druckschrift:

Aus den Verhandlungen über die Verlängerung deS Sozialisten- gesetzes, Reden der Abgeordneten Geiser und Bebel,

wird hierdurch auf Grund von §. 11 des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 verboten.

Erfurt den 10. Juli 1884.

_________Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Tzschoppe.________ , GeLarmtwachUtMN Kömgl. ^aNdratysamts.

Unter Bezugnahme auf §. 120 der Instruktion zur Ausführung der §§ 19 bis 29 des Gesetzes vom 23. Juni 1880, betr. die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen (Beilage zum Amtsblatt Nr. 17 de 1881), wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Schafheerde der Gemeinde Oberissigheim der Räudekrankheit verdächtig ist.

Hanau am 17. Juli 1884.

Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.

Tagesschau.

Berlin, 17. Juli. Heute früh ist folgendes Bulletin ausge­geben worden: Marmorpalais, den 17. Juli 1884. In dem Befinden Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin Wilhelm und des neuge­borenen Prinzen ist keine Störung eingetreten. Schröder. Ebmeier.

Berlin, 17. Juli. DerR. u. St.-A." publicirt einen Er. laß des Ministers v. Goßler an sämmtliche Regierungspräsidenten über Maßnahmen zur Verhütung der Einschleppung und Verbreitung der Cholera, sowie Instruktion zur Vornahme der Desinfection. Besonders anempfohlen wird die unverzügliche Bildung von Sanitätscommissionen auch in Städten unter 5000 Einwohnern und ländlichen Bezirken, so­weit nur irgendwie die Verhältnisse es gestatten.

Berlin, 16. Juli. Die Nachricht, daß Herr v. Bennigsen wieder ein Mandat für den Reichstag annehmen werde, wird bereits als unbegründet berichtet. DieRh.-Wests. Ztg." will aus eingeweihten Kreisen zuverlässig dahin unterrichtet sein, daß derselbe, trotz des heftigen Drängens seiner Freunde, dabei beharre, seine parlamentarische Thätig­keit in Berlin einstweilen nicht wieder aufzunehmen.

Berlin, 17. Juli. Die Politischen Nachrichten melden: Hiesige politische Kreise betrachten den Zwischenfall in Paris in Folge der Erklärungen des hiesigen französischen Botschafters für erledigt.

Danzig, 17. Juli. Das aus den PanzercorvettenBaden", Bayern",Württemberg" undSachsen", vier Panzerkanonenbooten und den AvisosBlitz" undGrille" bestehende Panzergeschwader hat früh die hiesige Rhede verlassen, um nach Kiel zu gehen.

B romberg, 17. Juli. Divisionskommandeur General v. Radecke wurde heute früh, als derselbe den militärischen Uebungen im Scheibenschießen beiwohnte, durch eine Gewehrkugel am linken Ober- schenket verletzt.

Haag, 17. Juli. Die feierliche Beisetzung der Leiche des Prinzen von Oranien hat heute Vormittag stattgefunden. Dem Leichen- zuge, welcher um 9 Uhr das Palais des Verstorbenen verließ, folgten zu Wagen der König, der Großherzog von Sachsen-Weimar, der Prinz Albrecht von Preußen, der Fürst zu Wied, der Graf von Flandern, so tote die offiziellen Vertreter Frankreichs, Englands, Rußlands, Schwe- ;

dens, der Türkei, Rumäniens, Italiens, Württembergs, Waldecks und des Herzogs von Nassau.

Bern, 17. Juli. Der Gesandte Bavier ist abgereist und überbringt dem italienischen Ministerium eine Note des Bundesraths betreffs der Quarantänemaßregeln.

Toulon, 16. Juli, Abends. Im Laufe des Tages sind hier 11 Cholera Todesfälle vorgekommen.

Marseille, 16 Juli. Von heute Vormittag 10 Uhr bis Abends 7 Uhr sind hier 22 Personen an der Cholera gestorben.

Paris, 16. Juli. Zu dem Borfalle vor dem Hotel Conti­nental wird derK. Z." von ihrem Korrespondenten noch Folgendes berichtet:

Die Angabe hiesiger Blätter, Fürst Hohenlohe habe gestern im Quai d'Orsay einen Besuch gemacht, ist nicht begründet, im Gegentheil erschien der Minister des Auswärtigen, Ferry, gestern Abend in der deutschen Botschast und hinterließ, da er den Botschafter nicht fand, seine Karte. AlS Ferry diesen Morgen 11 Uhr seinen Besuch wiederholte, sprach er dem Botschafter das lebhafteste Bedauern der Regierung über den Zwischenfall aus. Zugleich zeigte er dem Fürsten Hohenlohe an, daß er das Verfahren, wie der Polizeikommissar Gallien vorgegangen, der die Ausschreitungen nicht verhindert habe, für durchaus tadelns- werth und unverzeihlich halte. Ferry fügte hinzu, er habe es für seine Pflicht gehalten, Gallien sofort zu entlassen. In betreff der Person desPrussien", der beschuldigt wurde, Beleidigungen gegen Frankreich ausgestoßen zu haben, bin ich im Stande, zu erklären und im Nothfalle zu beweisen, daß die ganze Geschichte vollständig erfunden ist. Ich kenne den Namen des Herrn, der ein bayrischer Doctor der Philosophie ist. Er war aus Neugier zu dem Standbilde der Stadt Straßburg gegangen und hatte sich durchaus schweigend verhalten, bis er von jemand gefragt wurde, ob er ein Deutscher sei. Da er des Französischen nur unvoll­kommen mächtig ist, so antwortete er nur einige Worte, um die Frage zu bejahen, worauf die Volksmenge auf ihn einzuhauen begann. Er ergriff hierauf die Flucht. Kein anderer sprach ein Wort, das für Frank­reich mißliebig erscheinen konnte. Ich verbürge die Richtigkeit dieser Darstellung. Ob Deutschland andere Schritte thun wird, läßt sich nicht sagen, aber nach den freiwilligen Entschuldigungen und nach der Ent- lassung Galliens gilt es für wahrscheinlich, daß der Vorfall beigelegt ist."

DieKreuzztg." knüpft an die Affaire folgende Betrachtung. Sie sagt der Vorgang lehrt, daß unsere Beziehungen zu Frankreich nur so lange gut sein werden, als man uns fürchtet; die Erhaltung der Furcht aber ist durchaus gleichbedeutend mit der unserer militärischen Schlag­fertigkeit. An diescr also darf nicht gerührt werden, das ist das punc- tum saliens für uns und für jeden, der aus dem Ereigniß des 14. Juli lernen will, was daraus gelernt werden muß.

Paris, 17. Juli. Von gestern Abend bis heute früh 10 Uhr sind in Toulon 14 und in Marseille 21 Personen an der Cholera ge­storben. Unter den Cholera-Todten in Toulon befinden sich der Cassirer der Bavque de France und bissen Frau.

London, 17. Juli. Der gestrige Schnellzug von Manchester nach Sheffield ist unweit Peniftone in Folge eines Achsenbruchs an der Lokomotive beim Passiren der Brücke entgleist. Der Zug stürzte auf die Straße, wobei 20 Personen getödtet und 30 verletzt wurden. Unter den Passagieren befanden sich einige Deutsche, welche über Grimsby nach Deutschland reisten.

London, 17. Juli. Im Unterhaus erklärt Gladstone, daß die Finanzkommission Heme die Arbeiten beendet habe, und hofft auf eine baldige Conferenzsitzung. Er glaubt nicht, daß die Berathungen der Conferenz bedeutende Zeit beanspruchen werden, weiß jedoch nicht, ob die Bevollmächtigten bei ihren Regierungen vor einem endgiltigen Abkommen Instruktionen einholen müssen, und gaubt nicht, daß eine derartige Noth­wendigkeit entstehe. Hartington erklärt, daß ein Bataillon Infanterie von Malta nach Egypten beordert sei und ein anderes in Bereitschaft gehalten werde Fitzmaurice theilt mit, daß der König von Abyssinien wahrscheinlich Kassala nach dem Abzüge der Egypter besetzen werde und ebenfalls die Absicht habe, Amedib zu besetzen. Berbera werde von den britischen Behörden nicht annektirt; Holland habe in Englands Vorschläge ; zur Besreiung derRisero"-Mannschaft gewilligt. Verweigert der Rad-