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Nr. 165.

Donnerstag den 17. Juli

1884.

GekarrntmachNNgerl KömgU LaNdrathsSIKts.

Gefunden: Auf dem letzten Wochenmarkt stehen geblieben: ein Handkorb, enth ein grünes Kleid und gedruckte Schürze. Ein schwarz- feidener Sonnenschirm. Ein goldenes Riugchen mit Stein. Eine Hunde­kette nebst Halsband, an einem Klotz befestigt. Eine Peitsche.

Hanau am 17. Juli 1884.

Aus Königl. Landrathsamt.

Ueber den kürzlich stattgehabten

Besuch der Trausvaal-Gaers tu Deutschland spricht sich ein überseeisches Blatt, die in Milwaukee erscheinende Germania" vom 2. Juli d. I. (Wochenausgabe), in sür uns recht erfreulicher Weise wie solgt aus:

Für den Deutschen, der auch in der neuen Heimath seine Helle Freude hat an der Macht und Größe des alten nun glücklich geeinten Vaterlandes, gibt es in diesem Augenblick kaum ein interessanteres Er- eigniß als den Besuch, den kürzlich eine Abordnung der Transvaal-Boers in der deutschen Reichshauptstadt abgestattet hat. Diese kernigen Boers, deren Republik im südlichen Afrika an jene uralten norddeutschen Bauern­freistaaten erinnert, die einst bei den Stedingern und Dithmarschen blühten, sind nicht rein holländischer Abkunft, sondern mit echt-deutschen und sranzösisch-hugenottischen Elementen durchsetzt. Sie haben sich aber in früheren Zeiten kaum daran erinnert, daß sie einen Zweig des ger­manischen Völkerbaumes bilden, und am allerwenigsten haben sie Liebe oder Sympathie für Deutschland empfunden. Vielmehr lebte auch in ihnen jene unsäglich lächerliche Geringschätzung des Deutschthums, in der sich gerade die nächsten Verwandten der Deutschen, die Holländer, Dänen, Schweden und vielfach auch die Engländer bis vor anderthalb Jahr­zehnten gefielen. Deutschland war politisch das Aschenbrödel der ger­manischen Familie und ward von den hochmüthigen Schwestern ganz wie im Märchen behandelt. Es war gut genug dazu, Arbeit zu verrichten; daß es einmal in Glanz und Macht strahlen werde wer hätte es geglaubt?

Die Schlachtendonner von 1870 haben den mißgünstigen germa­nischen Vettern wesentlich andere Begriffe von deutscher Art beigebracht. Erst ärgerten sie sich und fühlten Neid, dann erwachte in ihnen die Achtung für die gewaltige Kraft des jungen Reiches, die Bewunderung für seine weise Mäßigung und Friedensliebe. Kurz zuvor war der Deutsche im Busland noch verachtet gewesen, jetzt ward er mit einem Male angesehen, und Nationen, die ihn vordem am lautesten gehöhnt, besannen sich nun auf die Verwandtschaft und wurden liebenswürdig. Es wieder­holte sich die tägliche Geschichte von dem armen Teufel, der plötzlich eine große Erbschaft macht, im Völkerleben. Von allen Seiten erwies und erweist man dem deutschen Reiche Ehren und Huldigungen und es ist eines der merkwürdigsten Zeichen dafür, wie groß und stark Deutschlands Stellung geworden, daß jetzt Abgesandte der Boers nach Berlin gekom­men sind, um einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit dem deutschen Reiche abzuschließen. Diese Abgesandten haben dort auch der Grund­steinlegung des neuen Reichstagsgebäudes beigewohnt und durch ihre Anwesenheit das Bewußtsein des Zusammenhanges geweckt, der zwischen dem deutschen Volke und seinen kühnen Vettern in Südafrika besteht, aber auch leibhaftig den Riesenunterschied dargethan, welcher die Gegen­wart von der Vergangenheit trennt. In überaus treffender Weise ruft eine deutsche Zeitung aus:Abgesandte der Boers in Berlin! Nichts vermöchte den Wechsel der Zeiten, die völlige Umwälzung, die in den Machtverhältnissen Europas vor sich gegangen, besser zu schildern als diese wenigen Worte. Unwillkürlich überspringt die Phantasie sieben Jahrhunderte, und man denkt an jenen großen Reichstag, den Friedrich Barbarossa in Mainz gehalten. Damals kamen viele Abgesandte aus fernen Landen, um den deutschen Kaiser zu begrüßen, dessen Macht auf ihrem Gipfel stand. Heute empfängt der greise Kaiser Wilhelm, dessen Alter eine ununterbrochene Kette von Erfolgen und Triumphen ist, die Vertreter einer afrikanischen Republik, denen der Anblick Berlins einen deutlichen Beweis von dem Wachsthum und Gedeihen des neuen Reiches gibt. Zwischen jenem Reichstage zu Mainz und dem gestrigen Feste mag man wohl einen Vergleich ziehen, und er wird nicht zu Ungunsten

des heutigen deutschen Reiches ausfallen. Es ist nicht die einzige Groß­macht, wie es im zwölften Jahrhundert das alte Reich gewesen, aber es überragt dieses weit an innerer Einheit. Im alten Reiche sank der Kai­ser schon zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts zu einem Schatten herab, dem die Fürsten offen Trotz boten, und der alte Drache des Par- tikularismus, der wahre Lindwurm der deutschen Sage, den noch kein Siegfried erschlagen, verpestete mit seinem Gifthauch das Leben Deutsch­lands bis in die letzten Jahrhunderte herab. Wenn man dieser trauri­gen, schmählichen Vergangenheit gedenkt, deren klägliche Zustände Deutsch­land zum Spielballe und zum Spotte der fremden Völker gemacht haben, dann sieht man die Anwesenheit der Transvaalmänner in Berlin erst im rechten Lichte. Aus demselben Afrika, wohin deutsche Fürsten des alten Reiches für englisches Geld ihre Landeskinder verkauften, kommen die Vertreter jener Tapferen, denen englisches Gold und englische Kugeln gleich wenig gelten, ein Zeugniß abzulegen für die Macht und die Be­deutung des neuen deutschen Reiches. Die Männer aus Transvaal ha­ben sich mit Einemmale daraus besonnen, daß deutsches Blut in ihren Adern stießt. Präsident Krüger äußerte dem Kaiser Wilhelm gegenüber, er sei stolz daraus, einem germanischen Volksstamme entsprossen zu sein. Die Transvaal-Boers hätten sich stets als zur deutschen Ration gehörig betrachtet, und sie suchten nun, wie das Kind bei den Eltern, bei dem starken und mächtigen Mutterlande Rückhalt und Schutz. So erweitert sich mit dem Glücke die Verwandtschaft! Niemand wird den Boers darum grollen, daß sie sich erst jetzt ihrer germawschen Abkunft erinnern. Was hätte sie an das zerrissene, gelähmte Deutschland der Fünsziger- Jahre fesseln sollen? Das war kein Land, das ihnen gefallen konnte. Jetzt aber b'geben sie sich unter die Fittige des deutschen Adlers, weil man ihr Rauschen auch im fernen Afrika hört."

Die Abgesandten der Boers erregten natürlich das größte Interesse in Berlin und überall begegnete man ihnen mit ausgesuchter Zuvor­kommenheit. Einige interessante Angaben über die Persönlichkeiten der Transvaaler Herren finden wir im Berl. Tageblatt. Dasselbe schreibt u. A.:

Im ersten Stock desKaiserhofes" (des ersten Gasthofes in Ber­lin) haben unsere südafrikanischen Gäste ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Kaiser Wilhelm, welcher sich für die Vertreter des tapferen Transvaal­staates persönlich sehr interessirt, hat den Herren kaiserliche Equipagen und Diener zur Verfügung gestellt. Vor der Thür des Präsidenten der Transvaal-Republik Herrn Krüger halten zwei stattliche Lakaien die Wache. Auf einem kleinen Tisch im Korridor ist eine Einschreibeliste zur Unter- zeichnung ausgelegt für Diejenigen, welche unsern stammverwandten Gästen aus Süd-Afrika ihre Achtung und Sympathie bezeigen wollen. Präsident Krüger hat zum Beispiel, wie er selbst sagt, deutsches Blut in den Adern. Er äußerte gestern sein lebhaftes Bedauern darüber, daß er leider nicht des Deutschen mächtig sei, um in der Sprache jenes Landes sich hier verständigen zu können, aus welchem seine Vorfahren kamen.

Präsident Krüger, ein Mann Ausgangs der Fünfziger, ist eine außerordentlich stattliche Erscheinung. Auf einem mächtigen Körper sitzt ein Willensstärke!' kräftiger Kops. Ruhig und gemessen in seinen Bewe­gungen, von Zeit zu Zeit mit sonorer Stimme ein Wort in die Unter- Haltung werfend, macht sein vom kurzen Kinnbart umrahmtes Gesicht den Eindruck abwägendster Ruhe und kaltblütigster Entschlossenheit. Seine staatsmännische Tüchtigkeit im Frieden, seine persönliche Tapferkeit im Kriege find in der Geschichte des Transvaalstaates ruhmreich einge» zeichnet.

Das militärische Element in der Gesellschaft ist General Smit, ebenfalls eine große kräftige Erscheinung mit scharfgeschnittenem, tiesge- bräunten Gesicht und langem blonden Vollbart. Er, der unermüdlich im Unabhängigkeitskampfe die Transvaaler führte, hat mit blutiger Schrift den Engländern seine Kriegskunst ins Antlitz geschrieben. In der Unterhaltung ist der im kräftigsten Mannesalter stehende General etwas lebhafter als der Herr Präsident. Er äußerte u. A. einem der Besucher gegenüber, daß ihnen Berlin, soweit sie es bei der ersten Aus­fahrt sehen konnten, recht gut gefiele. London sei eine mächtige Stadt, auch Paris, das Leben pulsire dort gewaltig, aber Berlin habe die