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scheinenden Leute aus den von dem Exekutivkomit^ bezeichneten Persön­lichkeiten auszuwählen. Nicht dem Denkmal galt der Anschlag. auf den kaiserlichen Zug war er berechnet. Eine Mine mußte gelegt weiden an einer Stcllemöglichst nahe dem Platze des Denkmals, am Wege, den der kaiser- liche Zug zu passiven hatte, und doch weit genug ab, um unbemerkt von der Menge das Attentat vollführen zu können. Die Jubelrufe der Fest- theilnehmer sollten kaum v rhallt, der kaiserliche Train sich kaum in Be­wegung gesetzt haben, da sollte das Schreckliche sich vollziehen. Wer die That verüben sollte, überließ Reinsdorf, nachdem er selbst alle Vor­bereitungen getroffen hatte, dem Loos. Der Schriftsetzer Küchler und der Sattler Rupsch waren es, weichen die Ausgabe zufiel. Rup ch, welcher, wie gesagt, geständig ist, wurde später in Naumburg verhaftet und ist nun in Elberfeld inhaftirt Ueberüstet von einem Beamten, hat derselbe alsbald ohne Umschweife alles bekannt Zu beiden Seiten der Fahrstraße zum Niederwalde laufen Fußwege her, und neben diesen, ebenfalls zu beiden Seiten, liegen übermauerte, weiter unten jedoch wie­der freiliegende Gräben. Links und rechts von der Straße tritt der Wald bis dicht an die Gräben heran, den südlichen der Gräben hielten die Verbrecher zur Ausführung ihres Planes am geeignesten. Wie und wann sie es fertig gebracht haben, das Dynamit in diesen Graben hin- einzubekommen, w ssen wir nicht; aber es ist einerlei: am Tage des Festes war die Mine von Rupsch gelegt. Die etwa neun Meter lange Zündschnur führte, vom Gesträuch verdickt, hinein in den Wald, wo Küchler des Augenblickes harrte sie zu entründen. Und er entzündete sie auch Weiter und weiter glimmte der Faden, langsam, aber sicher. Minute auf Miaute verann, erneuter Juvel dort oben verkündete dem waldeinwärts fliehenden Küchler, daß das Fest zu Ende, die von Mund zu Munde sich fortpflanzenden Hochrufe, daß der Kaiser auf dem Rück­weg sei. Doch was war das! Noch immer kein Knall! Weiter immer weiter eilt Küchler querbuschein hinab nach RüdeLheim, um dort mit Rupsch zusammenzutreffen. Dort trifft bald darauf auch der Festzug ein, das Altentat ist mißglückt. Der Himmel hatte es anders gefügt. In der Brust des Rupsch hatte das letze Fünkchen eines besseren Men­schen den Sieg davon getragen; rasch wie der Blitz, daß nur Küchler es nicht merke, hat er die Zündschnur unter dem Gewölbe etwa 2 Meter ab von der Patrone entzwei geschnitten. Nun aber, nachdem der Plan also gescheitert, überkam ihn die Angst vor seinen Auftraggebern. Um den Schein des Verdachts von sich abzuwenden, half er am Nachmittag eifrig mit an den Vorbereimngen zu jenem Attentat an dem einen Restau­rationszelte. Die plausible Ursache aber, warum die Mine oben auf dem Berge nicht gesprungen war, war für die anderen der Regen. So un­gefähr stellt Rupsch selber den Fall dar. Küchler bestreitet diese Dar­stellung, hingegen steht der Ortsbefund dm Aussagen Rupsch's nicht im Wege. Und jedenfalls liegen die im Prozesse aufzuklärenden Zweifel nicht bei der Thatsache des Attentatrplanes selber, sondern bei der Thäterschaft rc, denn die Thatsache selbst steht einfach schon deshalb fest, weil jetzt unter den Augen des Elberfelder Gerichts genau auf der von Rupsch bezeichneten Stelle etwa 12-13 Pfund Dynamit aus dem Graben herausgeschofft wurden. Der Graben ist an dieser Stelle 372 Fuß tief und überwölbt mit einer Mauer, welche sammt dem darauf- liegenden Erdreich ebenfalls noch 27» Fuß dick ist. Rupsch, was noch erwähnt sein wag, ist in Breslau zu Hause. Küchler lebte die letzte Zeit vor seiner Verhaftung in Elberfeld. Gleichzeitig mit der Orts- aufnahme, über welche ein genauer Plan skizzirt wurde, verband die Ge­richts kommission das Verhör mehrerer Wirthe und sonstiger Personen hier, sowie in Aßmannshausen und vielleicht noch anderwärts. Um 3 Uhr 45 Min. gestern Nachmittag hat das Gericht sich nach Elb-rfeld zurückbegeben. Damit dürfte dann wohl die letze, nachträglich nothwen­dig gewordene Erhebung in dieser Untersuchungssache erfolgt sein; bis­her war also, wie wir zur Zeit aus Elberfeld berichteten, die Unter­suchung noch nicht abgeschlossen.

Tagesschau.

DerR. u. St-A." veröffentlicht: 1) Gesetz, betr. die Fest- stellung eines zweiten Nachtrags zum Reickshaushalts - Etat für das Etatsjahr 1884 85, vom 7. Juli 1884. 2) Gesetz, betr. Abänderung des § 13 des Gesetzes vom 20. August 1883 über die Befugnisse der Strombauverwaltung gegenüber den Uferbesitzern an öffentlichen Flüssen, vom 31. Mai 1884.

DasReichsgesetzblatt" veröffentlicht heute das Unfallversiche­rungsgesetz. Das Unfallversicherungsgesch trägt das Datum vom 6. Juli 1884.

Berlin, 10. Juli. Der Kaiserliche Botschafter am russischen Hofe, General Lieutenant von Schweinitz hat einen ihm Allerhöchst be­willigten Urlaub angetreten. Während feiner Abwesenheit von St. Pe- tersburg fungirt der Botschasts-Rath von Bülow als interimistischer Ge­schäftsträger.

Berlin, 9. Juli. Bekanntlich hat der Bundesrath vor Kur­zem die Genehmigung der Wiederverleihung der Staatsangehörigkeit an ausgewiesene katholische Geistliche ertheilt. Es geschah dies auf Grund einer Mittheilung Preußens, wonach der Bischof von Kulm beantragt hatte, hinsichtlich einer Anzahl Geistlicher die Hindernisse zu beseitigen, welche ihrer Anstellung in den über sie auf Grund des Reichsgesetzes

vom 4. Mai 1874 verhängten Maßnahmen entgegenstehen. Unter den Betheiligten befinden sich drei Geistliche, Konrad Helfrich aus der Diö- cese Fulda, Heinrich Fortkamp aus der Diöcese Münster, Mathias Käs aus der Diöcese Trier, welche in den Jahren 1875 und 1876 durch die zuständige preußischen Minister auf Grund des gedachten Reichsgesetzes der preußischen Staatsangehörigkeit verlustig erklärt worden sind. Nach Inhalt der erforderten Berichte der betheiligten preußischen Oberpräsi­denten ist hinsichtlich der genannten drei Geistlichen keinerlei Bedenken gegen die Wiederverleihung der Staatsangehörigkeit geltend zu machen. Die preußische Regierung hat daher die Wiederverleihung beantragt und der Bundksrath hat dieselbe beschlossen.

Kiel, 10. Juli. Prinz Heinrich ist auf derHansa" heute Morgen um 8l/a Uhr hier eingetroffen.

Düren, 8 Juli. DieRoer-Ztg." berichtet über eine That großartiger Freigebigkeit. Herr Eberhard Hoesch hat dem hiesigen frei­willigen Armenverein in dessen gestern Abend abgehaltener Generalver­sammlung 50000 M. geschenkt. Das Vertrauen, welches der rührige Vorstand des Armenvereins in die Opserwilligkeit der Bürger setzt, hat durch diese edle Gabe eines auch sonst um die Stadt hochverdienten Mannes eine überraschend glänzende Rechtfertigung erfahren. Der frei­willige Armenverein wird fortab in der Lage sein, seiner Wirksamkeit weitere Grenzen zu stecken wie bisher, er wird manches ausführen kön­nen, wozu bis jetzt die Mittel fehlten.

Pola, 9 Juli. Die Manöver wurden heute Mittag beendet. Um 9 Uhr Abends verließ der Kaiser Pola unter enthusiastischen Loya- litäts-Kundgebungen der Bevölkerung. In dem Flottenbefehl an die Kriegsmarine spricht der Kaiser seine vollste Anerkennung und Befriedi- gung über die gemachten Wahrnehmungen aus, welche ihn für die Zu­kunft mit größter Beruhigung erfüllen und den ausdauernden und hin­gebungsvollen Eifer aller Organe der Kriegsmarine bewiesen hätten. Der Befehl schließt: Die jüngsten im Kreise meiner wackeren Kriegs­marine verbrachten Tage, in welcher der Geist Tegethoff's ungeschwächt fortlebt, gereichen mir zur wahren Herzensfreude.

Bern, 10. Juli. Der Bundesrath lehnte das Begehren deS Cantons Tessin, eine Quarantäne von 5 Tagen für alle in die Schweiz führenden Eingänge anzuordnen, ab, jedoch wurden die vorgestern für die westlichen sch venerischen Bahnen und Cantone beschlossenen Cholera­maßregeln auf die ganze Schweiz ausgedehnt.

Ma rseil le, 10. Juli. Seit gestern Abend 8 Uhr bis heute Vormittag 97a Uhr hier 25 Cholera- Erkrankungssälle.

Toulon, 10. Juli. Seit gestern Abend 10 Choleratodessälle, darunter die Oberin der Schwestern von St. Maur.

T oulon, 10. Juli. Seit heute Morgen kamen hier 2, in Marseille 26 und in Aix ein Cholera-Todesfall vor.

Paris, 10. Juli. Die Regierung beschloß, die Truppen- Revuen am 14. Juli fortfallen zu lassen, und forderte den Municipal­rath auf, zu erwägen, ob nicht dem Rathe der mediclnischen Akademie Folge zu geben und die Feier des 14. Juli zu verschieben fei. Der Municipalrath wird morgen hierüber berathen. Die Transatlantische Schifffahrts Gesellschaft hat wegen der Quarantäne die Abfahrten von Marseille nach Algier suspendirt. Die Packetboote werden künftighin den Dienst zwischen Port Vendres und Algier übernehmen.

Rom, 10. Juli. Der Papst hat die Absicht kundgegeben, im September ein Konsistorium abzuhalten. Die Steuereingänge im ersten Semester 1884 weisen ein Plus von 672 Millionen gegen die gleiche Periode des vorigen Jahres auf.

Rom, 10. Juli. Der König und die Königin haben den Hilfscomitäs in Marseille und Toulon 10 000 Frcs. zur Unterstützung der von der Epidemie betroffenen Familien ohne Unterschied der Natio­nalität übermittelt.

London, 10. Juli. Die Versammlung der liberalen Mit­glieder des Parlaments fand heute im Hauptsaale des Foreign Office statt. Gladstone erklärt, in Folge der Ablehnung der Wahlreformbill durch das Oberhaus habe das Cabinet einstimmig beschlossen, die gegen­wärtige Session baldigst zu schließen. Die neue Session sollte dann in nicht zu langer Zeit eröffnet werden. In dieser Session würde die Re« sormbiü nochmals zuerst im Unter hause berathen und wenn aufs neue angenommen, auch aufs neue dem Oberhause vorgelegt werden (Leifall).

Athen, 10. Juli. Der deutsch-griechische Handels- und Schifffahrtsvertrag ist gestern hier vom Minister Coutostavios und dem deutschen Gesandten Brinken unterzeichnet worden.

Bremen, 10. Juli. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Rhein" ist in New Aork angekommen.

Lokales, Provinzielles und Umgegend.

Hanau, den 11. Juli 1884.

(Conservatorium.) Im Raff - Conservatorium zu Frank­furt a. M fanden vergangenen Dienstag und Mittwoch die Prüfungen der Oberklassen statt. Ueber dieselben entnehmen wir demG.-A." fol­gende in Hanau interessirende Bemerkungen:

Mit ganz prächtiger Mezzo - Sopranstimme und sehr herzlich trug Fräulein Ottilie Härtung den Psalm 86 .Miserere mei Domine*