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Nr. 148.

Freitag den 27. Juni

1884.

Amtliches.

Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes^ vom 21. Oktober 1878.)

Die in dem Amtsbezirk Schwetzingen aufgegriffenen Nrn. 114, 116 und 117 der91 empörter Volks ze itun g" vom 12., 14. und 15 Mai 1884, sowie die Rrn. 18 und 19 des Sonntags­blatts derNew Iorker Volkszeitung" vom 4. und 11. Mai 1884 werden auf Grund des §. 11 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozmldemokratie vom 21. Oktober 1878 verboten.

Mannheim den 17. Juni 1884.

Der Gr. bad. Landeskommissär für die Kreise Mannheim, Heidelberg und Mosbach.

Frech.

Nachdem durch die Bekanntmachung der Königlich preußischen Re­gierung zu Minden vom 15. Mai v. I. (Reichs-Anzeiger Nr. 114) und durch die Bekanntmachung der Königlich sächsischen Kreishauptmannschaft in Dresden vom 5. Mai d. J. (Reichs - Anzeiger Nr. 107) mehrere Nummern der in Nerv-Aort erscheinenden periodischen Druckschrif­tenNew.Iorker Volkszeitung" undSo nn tags blatt der New-Iorker Volkszeitung" verboten worden sind, wird auf Grund der §§ 11 und 12 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 2L Oktober 1878 die fernere Verbreitung der BlätterNew Dorker Volkszeitung" undSonntags­blatt der New - Iorker Volkszeitung" im Reichsgebiete hierdurch ver­boten.

Berlin den 19. Juni 1884.

_______________ Der Reichskanzler. I Vertr.: E ck.__________________ Bekanntmachung.

Postkarten mit Antwort nach Ecuador.

Denjenigen Ländern des Weltpostvereins, nach welchen Post­karten mit Antwort abgesandt werden können, ist neuerdings auch Ecuador hinzugetreten. Das Porto für derartige Postkarten beträgt 20 Pfennig.

Berlin W., 22. Juni 1884.

Der Staatssekretair des Reichs-Postamts. ______________________Stephan.______________________

Revue der Presse.

Nachdem die Kölnische Zeitung hervorgehoben hat, daß der von den Freisinnigen und den Centrumsmitgliedern der Budgetkommission gefaßte Beschluß, die weitere Berathung der Postdampfer-Vorlage bis zum Freitag zu vertagen, thatsächlich das Begräbniß der Vorlage bedeute, spricht sie die Ueberzeugung aus:die deutschen Wähler, welche sich mit der ebenso gemäßigten als wohl überlegten Politik des Reichskanzlers in der Kolorialfrage einverstanden fühlen, wissen wenigstens jetzt, was sie bei den Wahlen in dieser Richtung von beiden Parteien, die für diese Session die Vorlage vereiteln, zu erwarten haben."

An einer anderen Stelle weist das Blatt nach, daß Herr Eugen Richter mit seinen finanziellen Prophezeiungen entschiedenes Unglück gehabt habe, und richtet dann an die Herren von der freisinnigen Partei die Frage, ob sie es nicht in ihren eigenen Interesse finden,einen an­dern als diesen Propheten zu ihrem Führer in Fmanzsachen zu bestimmen, trotzdem derselbe bei seinem nähern Anhang für ein großes Finanzzenie gilt?"

In einer sehr ausführlichen Betrachtung über Ostasien als Wirth­schaftsgebiet schildert Emil Deckert in der Allgemeinen Zeitung den außerordentlichen Bodenreichchum, die Produktions- und Korsamtions- fähigkeit Chinas und führt zugleich aus, daß China eins von den we­nigen Haust gebieten freier Konkurrenz für die wirthschaftlichen Bestre­bungen der europäischen Nationen geblieben sei. Der große Umwand­lungsProzeß, der sich gegenwärtig bezüglich der Abgeschlossenheit Chinas vollzieht, datire aus den 60er und 70er Jahren unseres Jahrhunderts. Die Zeit der wirthschaftlichen Aufschließung Chinas falle ziemlich genau zusammen mit der Zeit der politischen Wiedergeburt Deutschlands. Man möchte beinahe behaupten, es sei ein ganz besonderes Glück für uns, daß Chma so lange verschlossen geblieben ist, bis wir wieder ein starkes Volk geworden sind. Wollen wir nun versäumen, aus unserer politischen

Wiedergeburt frisch alle die praktischen Vortheile zu ziehen, die uns in Ostasien eben geboten werden? Andere Nationen verkennen die Aussichten, die das große und reiche chinesische Wirthschastsgebut dem Welthandel und Weltverkehr gerade in dem gegenwärtigen Augenblick bietet nicht, und sie zeigen sich entschlossen, als große Gemeinwesen daselbst zu thun, was sie in ihrem Interesse für nützlich erachten. Wollen nur wir Deutschen auch ferner noch als zusammenhangslose Individuen draußen in der Welt austreten? Ein deutsches Parlament, welches einen Beschluß saßt, nach dem das in Ostasien geschehen müßte, dürfte die Stimme des Volkes, das es vertritt, schlecht verstehen. Wirthschaftspolitischer Ato­mismus kann uns in dem Wellkampse mit solchen großen Organisatio­nen, wie England und Frankreich sich darstellen, sicherlich wenig frommen. Wie und wann soll sich bei der übermächtigen englischen Konkurrenz eine deutsche Dampferlinie aus sich selbst heraus und durch bloße pri­vate Jnitative zu der Bedeutung der englischenPeninsular und Orien- tal Cowpagny" entwickeln? Wir halten es für ein absolutes Bedürfniß des selbstständigen direkten und intimen Verkehrs unserer Nation mit China, daß das geschieht, daß wir eine so bedeutende nationale Dampfer­linie erhalten, aber nur wenn wir sie gleich von vornherein konkurrenz­fähig etabliren, wird sie dereinst so weit gedeihen können. Angesichts des chinesischen Wirthschaftsgebiets sollten wir den alten Welthandels­grundsatz , der sich an England so glänzend bewährt hat:Der Handel folgt der Flagge!" wenigstens mit unserer Postflagge befolgen.

Die Bremer Hrndelszeitung äußert sich zur Postdampfer-Vorlage u. A. wie folgt: Sache des Volkes ist es, diese Bestrebungen thatkräf­tig zu unterstützen, und Pflicht der Handels- und Gewerbekammern wäre es, der Stimmung unserer Geschäftswelt Ausdruck zu geben und Protest dagegen einzulegen, daß die Eniwickluug unseres Handels und unserer Industrie dem Parteiinteresse zum Opfer gebracht werde. Falls die öffentliche Meinung sich mit Macht gegen dieses Parteigetriebe aufbäumt, ist es noch nicht ausgeschlossen, daß die sachlichen Erwägungen von Kon­sul H. H. Meier den Sieg davon getragen über die Phrasen der Herren Bamberger, Richter und Konsorten, und daß die Mehrzahl unserer Volksvertreter sich wieder auf ihren wahren Beruf, aus ihre Pflicht besinnt."_______________________________________________________________

Tagesschau.

Ems, 26. Juni. Zum Diner bei Sr. Maj. dem Kaiser waren gestern Prinz Nicolaus von Nassau, die Regierungspräsidenten v. Bernuth, v. Hoffmann und Hasse, Oberlandesgerichtspräsident Albrecht, Bürgermeister Spangenberg und Geheimer Sanitätsrath Orth befohlen. Später arbeitete der Kaiser allein und besuchte Abends das Theater. Heute fanden nach der Kur und Promenade die Vorträge des Grafen Perponcher und v. Albedyll's statt.

Berlin, 26. Juni. In heutiger Reichstagssitzung wurde die literarische Convention mit Italien und die Convention mit Smm in erster und zweiter Berathung debattelos erledigt.

Breslau, 26. Juni. Die Zahl der in der GrubeDeutsch­land" Verschütteten ist jetzt auf 42 festgestellt.

Breslau, 26. Juni. Die Breslauer Zeitung meldet, acht Arbeiter seien aus der Grube Deutschland lebend heraufgebracht worden. Es sei Hoffnung auf Rettung mehrerer Anderer vorhanden.

Beuthen, 26. Juni. Um 8V2 Uhr Abends wurde die Bcuthrner Feuerwehr zur Hilfeleistung nach Schwientochlowitz allarmirt. Die sämmtlichen verschütteten Bergleute sollen noch am Leben sein. Zehn wurden bereits herausbefördert.

Schwerin, 24. Juni. Wie dieMeckl. Anz." hören, hat der Großherzog der Bitte um Uebernahme des Protektorats über den mecklenburgischen Kriegerverband gewillfahrt.

Pest, 26. Juni. In dem Prozesse wegen der vorjährigen antisemitischen Unruhen wurden sämmtliche Angeklagte von der Aufruhr- Anklage freigesprochen, hinge en 26 Angeklagte wegen Gewaltthätigkeit gegen Private zu einjähriger bis dreiwöchentlicher Kerkerstrafe verur- therlt, 19 wurden freigesprochen.

Kopenhagen, 26. Juni. Die Parteien des Folkethings stellen sich nach den gestrigen Wahlen wie folgt: Ministerielle: 19 von der Rechten; Antiministerielle: 74 von der Linken, 4 Liberale, 4 So- ciaüstm (früher waren dieselben nicht vertreten). Die Socialisten haben wesentlich zu dem für die Linke günstigen Resultate beigetragen.