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Nr. 145.
Dienstag den 24. Juni
1884.
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Mit dem 1. Juli 1884 beginnt ein neues Abonnement auf den „Hanauer Anzeiger"» amtliches Organ für den Kreis und StaM Hanau, mit Provinzial-Correspondenz.
Derselbe bringt täglich die neuesten Telegramme, amtliche Bekanntmachungen, die wichtigsten politischen u. Tagesereignisse, Cours- u. Marktberichte, kirchliche, lokale und provinzielle Nachrichten, Geschäfts- und Privat Anzeigen. Das Unterhal- Inngsblatt enthält neben spannenden Erzählungen reiches Mannichfaltige.
Zur Veröffentlichung von Inseraten jeder Art eignet sich der „Hanauer Anzeiger" seiner starken Verbreitung halber ganz besonders und kostet die ispaltige Zeile nur 10 Pf.
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_________Die Expedition des „Hanauer Anzeiger“. . Tagesschau.
— Ems, 23. Juni. Zur kaiserlichen Tafel waren gestern die Generale Boyen, Selchow, Oberpräsident Graf Eulenburg, der Rektor der Universität Bonn, Professor Langen, Geh. Bergrath Brockhoff, Schloßhauptmann Graf Eltz, Oberbürgermeister Miguel und Geh. Commerzienrath de Neufville aus Frankfurt a. M. besohlen. Nach der heutigen Trinkkur und Promenade nahm Se. Majestät der Kaiser die Vorträge Perponcher's und Albedyll's entgegen.
— Berlin, 23. Juni. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz wohnte gestern Nachmittag in Begleitung Ihrer Königlichen Hoheiten des Prinzen Wilhelm und des Prinzen Heinrich der Ruderregatta bei Grünau bei.
— Berlin, 23. Juni. Der französische Botschafter, Baron de Courcel, ist vom Urlaub nach Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Botschaft wieder übernommen.
— Berlin, 23. Juni. (Reichstag. 39. Sitzung) In heutiger Sitzung ist der Entwurf, betreffend die Reichsstempelabgaben, eingegangen. Der Gesetzentwurf, betreffend die Beschaffung eines Dienstgebäudes für das Generalkonsulat in Shangai wurde unverändert in erster und zweiter Lesung genehmigt Es folgte hierauf die zweite Berathung des Actiengesetzes, bei Titel 3 (von den Aktiengesellschaften) beginnend.
— Berlin, 23. Juni. Die Nordd. Allg. Ztg. bespricht die jüngsten Aenderungen in der Organisation des belgischen Ministeriums, welche auf dem Wege königlicher Verordnung vorgenommen worden seien, ohne daß gegen die Rechtsgiltigkeit der neuen Organisation von £ irgend einer Seite Bedenken erhoben wurden. Die gleiche Praxis lasse sich für Frankreich aus der Zeit des classischen Constitutionalismus unter dem König Louis Philipp nachweisen: Kurzum, gerade in jenen Ländern, auf welche sich unsere Liberalen mit Vorliebe zum Beweise *• ihrer constitutionell-n Maximen berufen, ist der Grundsatz, daß eine ' Aenderung in ministeriellen Departements ohne Gesetz erfolgen kann, seit Jahrzehnten in zweifelloser Geltung gewesen. Dennoch ist im Jahre 1878, als im preußischen Abgeordnetenhause von der Regierung die Errichtung eines eigenen Eisenbahnministeriums und die Uebertragung der Domänen- und Forstverwaltung auf das Landwirthschaftsministerium beantragt wurde, von den Liberalen vermieden worden, auf die Praxis jener Länder zurückzugreifen, obgleich dieselbe, wie damals von einem ihrer rechtskundigsten Mitglieder nachgewiesen wurde, keine willkürliche ist, sondern in dem Wesen der conftitutioneden Verfassung ih-e Begründung findet. Auch die nationalliberale Partei, mit Ausnahme Gnei st's, trennte sich damals vom preußischen Ministerpräsidenten, der kurz vorher mit ihrem Führer über dessen Eintritt in das Ministerium verhandelt hatte. Dem Gegenüber glauben wir um so mehr, von den jüngsten Vor Längen in Belgien Act'mhmen zu sollen.
— (Militärisches Verbrüderun gsfest.) Wie in militärischen Kreisen verlautet, wird Anfang nächsten Monats in der österreichischen Grenzstation Oswiecim ein sogenanntes Berbrüderungsfest zwischen Offizieren der österreichischen und preußischen Armee stattfinden. Zu diesem Feste, bei welchem über 300 Offiziere aller Waffengattungen erwartet werden, trifft man bereits große Vorbereitungen, da die beiderseitigen Kriegsministerien dazu namhafte Summen bewilligt haben. (RH. K.)
— Breslau, 23. Juni. Die Breslauer Zeitung meldet, daß auf der Grube „Deutschland" am 20. ds Nachmittags in Folge eines Tagebruches Wasser in die Grube drang, welches 30 bis 40 Leute unter Wasser setzte. Ein anderer Schacht, wodurch die Leute hätten gerettet werden können, war wegen ungesunder Wetter nicht zu befahren. Sechs Leute, welche zur Rettung einfuhren und bereits für verloren gehalten wurden, sind jedoch gerettet worden.
— Detmold, 20. Juni. Nach langen schweren Leiden starb heute der nächstälteste Bruder des Fürsten Woldemar, der Erbprinz Hermann, im Alter von nahezu 55 Jahren.
— Wie der „R. Fr. Pr." aus Jschl gemeldet wird, soll dort am
9. August d. I eine Zusammenkunft der Kaiser von Deutschland und Oesterreich stattfinden.
— Lemberg, 23. Juni. Der Wasserstand ist feit gestern vorwiegend abnehmend. An der Weichsel haben aber gestern Nachts an zwei Punkten Dammbrüche stattgefunden, in Folge dessen mehrere tausend Joch kultivirter Grundstücke und ganze Dörfer überschwemmt wurden. Der Regen hat nachgelassen, aber das Wetter ist fortgesetzt trübe.
— Warschau, 23. Juni. Seit Samstag Abend ist die Weichsel 16 Fuß gestiegen. Sämmtliche an die Weichsel grenzenden Straßen und Hunderte von Dörfern stehen unter Wasser. Die noch unbeendete Eisenbahnbrücke bei Jwangorod ist eingestürzt. Der Schaden ist bedeutend, das Wasser steigend.
— Rom, 23. Juni. Der Cardinal Du Falloux ist gestorben.
— Rom, 23. Juni. Aus den Trümmern der explodirten Pulvermühle zu Pontremoli wurden 20 Todte und Verwundete hervorgezogen. Die Explosion rasirte ein Wäldchen hundertjähriger Kasta- nienbäume. Das Magazin, 184 Centner Pulver enthaltend, blieb unversehrt.
— Paris, 23. Juni. Das Journal des Debats spricht sich abfällig über die englisch-französische Verständigung aus und bezeichnet dieselbe als eine Nieverlage Frankreichs; das Blatt gibt sich der Hoffnung hin, daß die französischen Kammern das Uebereinkommen nicht annehmen werden. Der Moniteur spricht sich in demselben Sinne aus.
— Paris, 23. Juni. Die Agence Havas meldet aus Toulon, daselbst seien mehrere Todesfälle vorgekommen, welche für Cholerafälle gehalten würden; am Donnerstag starb eine Person, am Freitag 2, am Samstag 4 und am Sonntag 13 Personen. In Marseille trat das Sauitäts-Comil^ zusammen, um Vorsichtsmaßregeln zu treffen.
— Paris, 23. Juni. Nach einem Telegramm der Angence Havas ist die Cholera in Toulon nunmehr konstatirt. Die Epidemie wüthet besonders unter der Marine-Infanterie und den Hafenarbeitern. In Folge des plötzlichen Todes eines Schülers des Lyceums wurden sämmtliche Schüler ihren Familien zugeschickt. Für die Flottenmann- schasten werden Feldlager hergerichtet. Gegen 8000 Personen sind gestern von Toulon geflüchtet. Temps konstatirt, daß bei keinem von Tongking eingetroffenen Transporte während der Fahrt ein Cholerafall vorgekommen sei.
— Paris, 23. Juni. Eine vom Handelsmimster ausgehende Mittheilung besagt: Nach eingeborenen Informationen sei die in Toulon ausgetretene Epidemie nicht die asiatische Cholera, sondern eine sporadische, welche ihre Entstehung in-lokaler Ansteckung, nicht in einer Ueber« t.agung von außerhalb, habe. Die Erkrankungsfälle würden also voraussichtlich sich über den Entstehnugsherd hinaus nicht erstrecken. Seitens der Regierung sind die Doktoren Bronardel und Proust nach Toulon gesandt, um Maßnahmen zu ergreifen; dieselben treffen morgen dort ein.
— Rew-Dor?, 21. Juni. Dir Dampfer „Spain" und „Den-