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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feurtage. mit beOetrift idje B ilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correipondenz

Nr. 128.

Dienstag den 3. Juni

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1884

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t Politische Pfingstbetrachtungen.

Die Festzeit, welche die Kirche uns vorschreibt, ist auch für das gesammte sociale und bürgerliche Leben eine Zeit der Ruhe und Erho­lung, und ein solcher Augenblick ist auch besonders geeignet, Umschau und Einkehr in die politischen Verhältnisse zu halten. Soll doch auch die politische Thätigkeit des Einzelnen wie des Volkes dem Zwecke die­nen, Bausteine zu dem Gebäude derjenigen sittlichen Vollkommenheit herantragen zu helfen, welche in wahrer Religiosität und wahrem Christenthum ihre Erfüllung findet. Mögen scheinbar auch die nächsten politischen Ziele, um welche man streitet, fernab liegen von diesem End­ziel: die Kämpfe hätten sicherlich keinen Werth und keinen Zweck, wenn ihnen nicht das Streben nach einem Ideal zu Grunde läge, welches seine Läuterung erst durch den Geist des wahren Christenthums erhält. Und so wird es auch angemessen sein, die Festzeit zu einer Prüfung der politischen Verhältnisse zu benutzen.

Wir streben gerade in der gegenwärtigen Zeit nach einer harmo­nischen Ausgleichung und Ordnung in Staat und Gesellschaft, nicht nach der größtmöglichen Befriedigung des Einzelnen, sondern darnach, daß alle Einzelkräfte sich zufammenthun zum Wohle der Gesellschaft, sich aber derselben auch zu diesem Zwecke unterordnen, weil hiermit auch für den Einzelnen die beste Gewähr der Befriedigung gegeben wird. Die vergangenen Wochen haben manche erfreuliche Beweise dafür gegeben, daß das Verständniß für dieses Ziel im Fortschreiten begriffen ist. Die nach harten Kämpfen erfolgte Annahme des Socialistengesetzes hat ge- zeigt, daß das Wohl des Ganzen doch selbst infreisinnigen" Kreisen noch etwas mehr Geltung hat, als das Recht des Einzelnen, diesem Wohle entgegenzuarbeiten. Die zunehmende Macht des Staatsgedankens hat sich ferner in der Abkehr der Rationalliberalen von dem Radikalis- mus derFreisinnigen" und in der neuerwachten nationalen Bewegung offenbart, die von süddeutschen Liberalen ausgehend, nun auch den Nor­den ergriffen hat. Die Kundgebungen in Heidelberg, Neustadt und Berlin, was waren sie. Anderes als ein Bekenntniß zu dem Gedanken, daß das nationale und staatliche Interesse einer schärferen Betonung bedarf und daß die Wege, welche das Königthum zu diesem Zwecke ein­geschlagen, der nachhaltigen Unterstützung der Nation bedürfen? Von demselben Geiste haben sich die Verhandlungen in der Unfallversicherungs. kommission leiten lassen: hier haben die nationalliberalen Mitglieder einen anerkennenSwerthen Beweis dafür abgelegt, daß ihnen das Ziel höher steht, als Fraktionsinteressen und Parteiwünsche. In gewissem Sinne haben auch die Verhandlungen der Actiengesetzkommission, die gleichfalls zu einem vorläufigen Abschluß gediehen sind, dafür Ver- ständniß bekundet, daß die schrankenlose Freiheit des Einzelnen ihre Grenze finden muß an den wirthschaftlichen und sittlichen Interessen der Gesammtheit.

Auch nach Pfingsten wird der Reichstag noch viel Gelegenheit haben, zu zeigen, in wie weit die in ihm herrschenden Parteien im Stande sind, sich von den falschen Grundsätzen und Schlagwörtern des wirthschaftlichen Interesses und der wirthschaftlichen Freiheit des Ein­zelnen loszumachen und die Pflichten gegenüber der Gesammtheit zu erfüllen. Abgesehen von den Schlußverhandlungen über die beiden letzterwähnten Gesetzentwürfe wird er über ein Börsensteuergesetz, eine Vorlage wegen Errichtung von Postdampfschiffverbindungen und über ein Gesetz wegen einiger Zollerhöhungen zu berathen haben. Ob diesen Entwürfen ein unmittelbarer Erfolg zur Seite stehen wird, kann heute nicht mit Bestimmtheit vorausgesagt werden. Der Geist, aus dem sie entsprungen sind, und der Zweck, dem sie dienen, sichert ihnen aber eine Zukunft und Verständniß und Beifall bei der Bevölkerung, m der das nationale Bewußtsein neuerdings einen kräftigen Aufschwung genommen hat. Die Feierlichkeit, zu deren Theilnahme der Reichstag gleich beim Wiederbeginn seiner Arbeiten berufen ist, die Grundsteinlegung zu bim neuen Reichstagshause, wird hoffentlich auch von wohlthätigen Folgen für die Volksveriretung sein und in ihr das Bewußtsein wachrufen, daß auch ihre politische Thätigkeit den Grund legen soll zu einem starken und mächtigen Bau, in welchem sich das deutsche Volk wohl und hei­misch sugtt, in welchem es den Schutz seiner Interessen nach außen und innen findet und in welchem die Parteien und Klassengegensätze immer mehr zu Eintracht und Frieden gelangen.

Tagesschau.

Berlin, 2. Juni. Se. Maj. der Kaiser begab sich heute

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Vormittag 11 Uhr mittelst Extrazuges nach dem neuen Palais bei Potsdam, nahm daselbst nach Begrüßung der kronprinzlichen Familie und der übrigen dort anwesenden Fürstlichkeiten an der Feier des Stiftungsfestes des Lehr - Infanterie - Bataillons und demnächst an dem Diner im Grottensaale des neuen Palais Theil. Nach Aufhebung der Tafel beabsichtigte der Kaiser um 4 Uhr mit der Großherzogin von Baden von der Wildparkstation aus wieder nach Berlin zurückzukehren.

Berlin, 31. Mai. Der Reichsanzeiger meldet: Der Regie­rungsrath Graf v. Bismarck- Schönhausen ist zum Geh. Regierungsrath, der vortragende Rath im Staatsministerium, Geh. Regierungsrath Ku- rowski, ist zum Geh. Oberregierungsrath ernannt worden.

Berlin, 1. Juni. Dr. Strousberg ist gestern plötzlich gestorben.

Vom 27. Mai bis 20. Juni findet in Berlin eine Gutenberg- Ausstellung statt, welche zahlreiche seiner Druckwerke, sowie die 1441 von ihm erfundene Druckpreffe enthalten wird. Die kostbarsten dieser Druckwerke stammen aus der Sammlung des Verlagsbuchhändlers Klemm in Dresden und haben bereits auf der vor einigen Tagen geschloffenen Ostermeß-Ausstellung des Börfenvereins deutscher Buchhändler ru Leipzig die Bewunderung aller Kenner erregt.

Einem dirDanz. Ztg." zur Verfügung gestellten Privat« briefe des KanonenbotsAlbatroß", datirt aus Molineux Sound, White Channel, Westpatagonien, entnehmen wir folgendes:DerAl- batroß" hat sich auf einer Entdeckungs- und Vermefsungsexpedition be­funden. Dieselbe wurde auf Antrag der Hamburger Dampfschiffslinie Kosmos" angetreten und hatte zum Zweck, eine sichere Fahrstraße für tiefgehende Dampfer zu suchen. Es ist demAlbatroß" denn auch ge­lungen, eine große und zwei kleine Wasserstraßen zu finden, die in den Stillen Ocean münden und einen Wasserstand von 50100 m haben. Auch hat derAlbatroß" einige Buchten, welche auf dieser Strecke als Ankerplatz benutzt werden können, ausgemessen und denselben unter an­dern folgende Namen beigelegt:Albatroß-Bai",Deutsche Untiefen", Flottenhafen". Das Land hier ist wenig einladend, die Ufer bestehen fast ausschließlich aus Felsen, von denen sich einige bis zu einer Höhe von 2000 m und darüber erheben. Am Fuße dieser felsigen Höhen wachsen verkrüppelte Bäume. Menschen sind uns in diesen Einöden nur sehr wenige begegnet, ab und zu ein Canoe mit Feuerländern, häßliche, scheue und anscheinend sehr dumme Menschen, Fische und Vögel dagegen gibts in Menge . . . ." Voraussichtlich weroen amtliche Nachrichten über diese interessante Fahrt desAlbatroß" publicirt werden. Das Schiff befindet sich jetzt bekanntlich auf der Reise nach der austra­lischen Station.

Kopenhagen, 31. Mai. Der Reichstag wurde heute ge­schlossen. Der König ist Nachmittags zum Gebrauch einer Badekur nach Wiesbaden abgereist. Die Führung der Regierungsgeschäfte wurde im Namen des Königs dem Kronprinzen übertragen.

Antwerpen, 31. Mai Der mit Mineralien beladene, von Ergasteria kommende Hamburger HandelsdampferPrinz Friedrich Karl" ist infolge eines Zusammenstoßes mit dem von Hamburg kom­menden englischen DampferBahrenfeld" gesunken; man hofft aber, denselben wieder flott zu machen. Der englische Dampfer ist nur leicht beschädigt.

Lilie, 1. Juni, Alben- s. Der mit 20 Personen besetzte Korb an dem auf der Esplanade der Citadelle aufgestellten hydraulischen Aufzug stürzte heute aus einer Höhe von 40 Meter herunter. Drei Personen wurden getödtet, die anderen sind mehr oder weniger schwer verletzt.

Paris, 2 Juni. Nach weiteren Meldungen aus Lille ist ber dem gestrigen Unfälle bei dem dortigen At censeur' nur eine Person sofort getödtet worden, 7 oder 8 andere wurden aber tödtlich verletzt.

Aus Petersburg vom 30. Mai läßt sich dieKöln. Zta " telegraphiren:Das Unglück auf der Morkauer Bahn ist in der That durch BörwilligkeN angestiftet worden. Der Bahnwärter Alexandrow 2^^:g, b-e That vollfüdrt zu haben, um sich an seinem Nachbar, dem Wärter auf Nummer 307, zu ? ächen. Er hat auf dessen Strecke nne Schwelle abgelöst, um ihn für Unachtsamkeit strafbar zu machen. Die Kaiserm wird hier einen Tag vor der Ankun.it der Braut des Großfürsten Serarus zurückerwartet; die Hochzeit wird bekanntlich in Rußland abgehalten.