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Hmmner Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Fei rtoge, mit belletristischer Bilage, und Samstags mit der Berliner Provmztal Correlpondenz

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Nr. 126. Freitag den 30. Mai 1884.

Meliniten

auf den

Hanauer Anzeiger für den Monat I u n i nehmen alle Post anstalten sowie die Expedition (Waisenhaus) entgegen.__

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Da in neuerer Zeit wiederholt Klagen darüber laut geworden sind, daß die Anlagen und Wege zu WilhelmSbad durch Abreißen von Sträuchern, Ueberschreiten der Wege rc. beschädigt und verunreinigt werden, sehe ich mich veranlaßt dieselben dem Schutze des Publikums während der bevorstehenden Pfingstseiertage speciell zu empfehlen, indem ich hierdurch zugleich darauf aufmerksam mache, daß etwa vorkommende Zuwiderhandlungen auf Grund des § 30 des Feld- und Forstpolizei- Gesetzes vom 1. April 1880, falls der §. 304 des Straf-Gefetz-Buches nicht Anwendung finden sollte, mit entsprechender Geldstrafe oder Haft geahndet werden.

Hanau am 30. Mai 1884.

Der Königliche Landrath

I. B.: Thamer.

Gefunden: Ein Cigarren-Etui. Ein Portemonnaie mit Inhalt.

Verloren: Ein Frauenrock mit schwarzen Streifen.

Hanau am 30. Mai 1884.

____________________AuS Königl. Landrathsamt.__

Tagesschau.

DerR. u. St.-A " veröffentlicht: 1) Gesetz, betriff, nd die zur Erforschung der Cholera nach Egypten und Ostindien entsandte wissen­schaftliche Kommission, vom 27. Mai 1884. 2) Bekanntmachung, betr. den Verkehr mit Erzeugnissen und Geräthschaften des Weinbaues in den deutsch-französischen Grenzbezirken, vom 24. Mai 1884. 3) Bekanntmachung, betr. die Einfuhr von Pflanzen und sonstigen Gegen­ständen des Gartenbaues, vom 26 Mai 1884.

Berlin, 29. Mai Die große Frühjahrsparade der Berliner und Spandauer Gardetruppen auf dem Templhofer Felde verlief aufs Glänzendste. Der Kaiser zu Pferde, vom Kronprinzen, den Prinzen Wilhelm und Heinrich gefolgt, welchen die Kionprinzessin, die Großher- zoginnen von Baden und Mecklenburg, sowie die Prinzessinnen des kö­niglichen Hauses zu Wagen sich anschlossen, ritt zunächst die Front der in zwei Treffen aufgestellten Truppen ab, und ließ dieselben hierauf zweimal an sich vorbeimarschiren. Die Parade wurde vom General Oppell, das zweite Treffen (Cavallerie, Artillerie und Train) vom Ge­neral Winterfeld kommandirt In der glänzenden Suite des Kaisers befanden sich österreichische, russische, französische, italienische, englische, türkische und spanische Officiere. Aus der Hin- und Rückfahrt wurde der Kaiser von den zu beiden Seiten des langen Weges in dichten Massen versammelten Voltsmengen mit stürmischen Jubelrufen begrüßt.

Berlin, 29. Mai. Heute Nachmittag um 4 Uhr fand das Paradediver im Königl. Schlosse statt, wozu 400 Einladungen ergangen waren, darunter außer an die Mitglieder des königlichen Hauses solche an die landsässigen Fürstlichkeiten, die Hofchargen, die Minister, die Militärbevollmächtigten, die Vormittags in der Parade gestandenen Ge neräle und Stabsoffiziere, sowie die morgen in Potsdam in Parade stehenden; außerdem an viele andere Personen von Distinction. Die Tafelmusik führte die Kapelle der Gardefüsiliere aus. Abends wohnen die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften der Galavorstellung im Opernhause bei. Das Befinden des Kaisers nach der Parade war recht befriedigend.

' Berlin, 28. Mai. Zur Vornahme von Versuchen mit dallons captifs ist die Formirung eines dem Allgemeinen Kriegsdepartement direkt unterstellten Ballondepartements vom 1. Juni er ab vorläufig auf die Dauer eines Jahres angeordnet worden. Dasselbe wird bestehen aus 1 Hauptmann als Vorsteher der V-rsuchsstation, 1 Prenueriieute- nant als Mitglied und Führer des Detachements, 2 SecondelieutenantS, 1 Lustschiffer als technischen Beirath der Commission und Werkstatt?.

inspektor und 4 Unteroffizieren, 25 Mann der Infanterie. Als Vor­steher der Versuchsstation ist bekanntlich der Hanp-mann Buchholtz vom Eisenbahnregiment designirt; die Unteroffiziere und Mannschaften, letztere zum größten Theil Handwerker, werden vom Gardecorps und den ersten 8 Armeekorps gestellt. Das Detachement tritt am 1. Juni er. im Berliner Ostbahnhofe zusammen, woselbst auch die Unteroffiziere und Mannschaften untergebracht werden.

Vor etwa einem Jahre (im April 1883) errichtete die Bremer Firma F. A. C. Lüderitz in Angra Pequena an der Westafrika, nischen Küste (nördlich vom Oranje Fluß und südlich von der Walfisch­bai) eine Handelsniederlassung. Die genannte Firma taufte- dort von den Hottentotten in Bethanien eine große Strecke Landes und richtete sich häuslich ein. Dieser deutschen Handelsniederlassung hat sich neuer­dings die allgemeine Aufmerksamkeit zugewandt. Auch in dem englischen Oberhause kam am 19. Mai die Frage zur Sprache, indem ein Mit­glied die Frage an die Regierung richtete, welche Nationalflagge in Ingres Piquena wehe. Der Staatssekretair Lord Derby sprach sich hie­rüber nicht direkt aus, er meinte aber, daßEngland vor anderen Mäch­ten einen moralischen Anspruch auf jenes Gebiet wegen der Nähe der englischen Besitzungen" habe; ferner theilte er mit, daß gegenwärtig ein Schriftwechsel mit der deutschen Regierung in Betreff des Schutzes der englischen Interessen stattfinde.

Zur Richtigstellung der anderweit von den Zeitungen über die An- gra-Pequena Angelegenheit gebrachten Nachrichten ist nun soeben von der N. A. Z" der Wortlaut eines Telegramms veröffentlicht worden, wel­ches der Reichskanzler Fürst von Bismarck unterm 24 April dieses Jahres an den Kaiserlichen Consul in Kapstadt gerichtet hat. Dasselbe lautet:

Herrn W. A. Lippert Deutschem Konsul

Kapstadt ;Capetown).

Nach Mittheilungen des Herrn Lüderitz zweifeln die Kolonialbehör». den, ob seine Erwerbungen nördlich vom Orange - Fluß auf deutschen Schutz Anspruch haben. Sie wollen amtlich erklären, daß er und seine Niederlassungen unter dem S chutze desReicheS stehen. gez von Bismarck."

Weiteres liegt bisher in dieser Angelegenheit nicht vor. In jedem patriotisch fühlenden Deutschen wird dieses Telegramm daS Gefühl leb­hafter Genugthuung hervorrufen, weil eS nicht nur zeigt, daß der lei­tende Staatsmann die Interessen deutscher Angehöriger in fernen Landen kräftig in die Hand nimmt, sondern auch daß die Machtstellung Deutsch­lands es gestattet, diese Interessen zu wahren. Blickt man auf frühere Zeiten zurück, so springt an diesem einen Beispiel die Größe in die Augen, zu der sich Deutschland in den letzten zwanzig Jahren emporge­schwungen hat.

Köln, 29 Mai. Die Stadtve» ordneten haben heute einstim­mig Hoskapellmeister Wüllner als Nachfolger Hiller's zum städtischen Kapellmeister und Leiter des ConservatoriumS gewählt.

Wien, 29. Mai. Dem Fremdenblatt zufolge ist die Unter­suchung, betreffs des Brandes des Stadttheaters, beendigt. Sechs Per­sonen werden wegen sträflicher Fahrlässigkeit vor das Bezirksgericht ge­stellt. Der Fürst von Bulgarien besuchte heute den Minister des Aeußern, Kalnoky welcher später den Besuch erwiederte.

Paris, 29. Mai Der Senator Graf d'Hauffonville ist ge­storben. Der Graf wurde am 27. Mai 1809 zu Paris geboren. Be­kannt sind die Bemühungen des Grasen, den elsaß lothringischen Optan­ten sür Frankreich in Algier ein Unterkommen zu schaffen; Bemühun­gen, die für Manchen recht verhängnißvoll geworden sind. Der Ver- storbene war Mitglied der Akademie und hat eine Anzahl geschichtlicher Schriften verfaßt Auch feine Frau, eine geborene Fürstin Broglie, war schriftstellerisch thätig.

London, 29. Mai. Die Abendblätter melden aus Dover: Bei der gestern erfolgten Ankunft des Herzogs von Cambridge wurde ein verdächtig aussehender Mann, welcher sich auffälliger Weise an den Herzog herandrängte, verhaftet. Es wurde bei demselven ein Revolver gesunden.

Bremen, 29. Mai. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd