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Unter Hinweis auf die in Rr. 73 und 114 dieses Blattes vom laufenden Jahr enthaltenen Publikationen, die Fahrpreisermäßigungen auf Eisenbahnen für mittellose Personen, welchen Seitens der Vorstände von Kuranstalten der Gebrauch der Bäder oder anderer Kureinrichtun- gen unentgeldlich bewilligt ist, betreffend, wird hiermit weiter zur Kenntniß der Herrn Ortsvorstände gebracht, daß in Folge Ministerial Vet- fügung vom 20. April er. von der Beibringung eines Armuthsattestes im S nne des §. 106 der Civrlproztßordnung abgesehen wird. Die Königliche Eisenbahn-Direktion ist angewiesen, lediglich eine Bescheinirunq der OrtSbehörde darüber zu fordern, daß die Vermögens. Verhältnisfe des Gesuchsstellers die Aufwendung der für den Gebrauch des Bades bezw. der Kureinrichtungen erforderlichen Mittel ohne eine Ermäßigung der Eisenbahnfahrpreffe nicht gestatten.
Hanau am 24. Mai 1884.
Der Königliche Landrath 4492_____________Freiherr v. Broich.
Friedensbürgschaftr«.
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Die Reise des Prinzen Wilhelm nach Rußland und die Auf- nähme, welche er dort nicht allein bei Hofe, sondern auch bei dem rüst fischen Volke gefunden hat, ist wohl dazu angethan, die Friedenshost- nungen aufs neue zu beleben und zu stärken. Während hei dem Feste der Großjähiiakeit des russischen Thronfolgers andere Staaten durch ihre Botschafter, resp. Gesandten vertreten waren, glaubte Kaiser Wilhelm durch die Entsendung seines Enkels Rußland sowohl wie ganz Europa gegenüber ein Zeugniß für die Innigkeit der freundschaftlichen Beziehungen des deutschen Kaiserhauses zu dem russischen Zarenhause geben zu müssen. Auch den bereinstigen Herrschern auf ben beiden mächtigsten Th omn Europas ward dadurch Gelegenheit gegeben, Freundschaft mit einander zu schließen, was sie denn auch nach den darüber vorliegenden Berichten im schönsten Sinne des Wortes gethan haben.
Daß derartige Vorgänge nicht vorübergehen konnten, ohne beim deutschen Bolle eine freudige Stimmung hervorzurusen, lag auf der Hand, ob dasselbe aber auch bei der österreichischen Bevölkerung der Fall sein würde, ob man in der Wiener Hofburg ohne Reib auf diese innigen Freundschaftsbezeigungen blicken würde, das war die Frage, weiche hier, bei ganz besonders in Betracht gezogen werden mußte.
Auch diese Frage hat ihre überaus günstige Lösung gesunden. Oesterreich, von der Friedensliebe Deutschlands aufs innigste überzeugt, sieht in dem snundschafilichen Act, der sich zwischen dem deutschen und ihm russischen Herrscherhause vollzogen, nichts weiter als eine neue Bürgschaft für die Erhaltung des europäischen Friedens. Die Zeit der diplomatischen Schachzüge, das weiß man in O-sterreich so gut wie bei uns, ist vorüber. Die Freundschaft, welche Deutschlands Heldenkaiser eingeht, ist eine unwandelbare, dre kein diplomatischer Kunstgriff zu er- schüttern vermag. Hat Kaiser Wilhelm den Bund der Freundschaft mit Oesterreich geschloffen, so kann dieses bei der Stärkung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland nur ge. winnen
Den besten Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung finden wir in den Kundgebungen der österreichischen Presse. Anknüpfend an die Thatsache, wonach der Prinz Wilhelm einen Kranz auf das Grab des Za en Alexander II. gelegt hat, sagt das Wiener „Tagebl.":
„Mit dem Kranz auf dem Zarengrade ist bekräftigt und besiegelt, daß die alte Freundschaft zwischen den briden kaiserlichen Familien wie. der in ihre volle Macht und ihre alten Rechte getreten sei. Um diese Symbolik erscheint eben deswegen als eine so ganz besonders beredte und überzeugangski ästige, da sie sich in den ureinsacken Formen hält, durch welche auch die bescheidensten Menschenkinder ihren Gefühlen Aus. druck zu leihen pflegen."
Werter daran erinnernd, daß Alexander III., als er den Be-
28. Mai 1884. weis erhielt, daß er durch den ehemaligen Kanzler des russischen Reiches, den nunmehr verstorbenen Fürsten Gortschakow, in Bezug auf die Ziele und Gesinnungen des Deutschen Kaisers irre geführt worden sei, alles aufbot, um den Irrthum wieder gut zu machen, sagt dasselbe Blatt:
„Wie aber die rein politische Wiederannäherung Rußlands an Deutschland von unseren Politikern als ein erfreuliches Anzeichen begrüßt werden mußte, daß auch die letzte Wolke verschwunden sei, welche die Aussichten auf E Haltung des allgemeinen Friedens noch verdüstern konnte, so ist auch die Rückkehr der alten herzlichen Beziehungen zwischen den beiden, mit dem unserigen verbündeten Höfen eine Thatsache, die uns zu den besten Erwartungen berechtigen müßte. Bei der gesicherten Fortdauer dieser Beziehungen ist ja der Gedanke ausgeschlossen, daß der Petersburger Hof politischen Rathschlägen zugänglich gemacht würde, die einen künstlichen Gegensatz zu unserer Politik sch ffn und den Grundcharakter der Beziehungen ändern könnten, die heute, zur Beruhigung und Genugthuung der Völker, zwischen den verbündeten Regierungen bestehen. Wir in O-sterreich dürfen es daher erwarten, daß die rufst- schell Staatsmänner jetzt mehr denn je sorgfältig bemüht fein werden, unsere berechtigten Interessen zu schonen und die Richtungen unserer Politik nicht zu durchkreuzen. Wir sind dazu wohl berechtigt und wir soffen davon Proben recht bald zu sehen."
Aehnlich lauten auch die Kundgebungen in anderen politischen Blättern Oesterreichs. Man fühlt überall heraus, daß der Wunsch der Völker auf Erhaltung des europäischen Friedens mit dem Wunsche der Fürsten übereinftimmt und d ß damit auch die kleinste Wolke an dem politischen Horizont verschwunden ist, w.lche die Friedenshoffnungen trüb n könnte.
Tages schau.
— Berlin, 27. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König nahm heute Vormittag die regelmäßigen Vorträge und zahlreiche militärische Meldungen entgegen, conferirte darauf mit dem Admiralitätsches v. Caprivi und dem Kriegsminister, arbeitete später mit dem Chef des Militär kabinets und machte Nachmittags eine Ausfahrt, nach deren Rückkehr der Kaiser längere Zeit mit dem Minister v. Puttkamer conferirte.
— Berlin, 27 Mai. Der „Reichkanzeiger" meldet: Durch Bestimmung des Kaisers ist die feierliche Grundsteinlegung des Reichstags- gebäudes auf den 9. Juni, Mittags 12 Uhr, festgesetzt worden.
— Berlin, 27 Mai. Die Commission der Äeltesten der hiesigen Kaufmannschaft beschloß in Verfo g der von verschiedenen Handelskammern eingegangenen Wünsche eine Conferenz derjenigen Handelskammern zu berufen, welche seinerz-it an der Berathung über die Auslegung des Stempelsteuer ges tz s vom 1. Januar 1881 theilnahmen. Der Conferenz soll vorgffchlrgen werden, eine gemeinschaftliche Eingabe an den Bundesrath zu richten.
— SMS „Freyr", 8 Geschütze, Kommdt. Korv -Kapt. Schulze, traf am 28. April er. in Bermudas ein und ist am 4. Mai er. nach Norfolk in See gegangen. — S. M. Kbt. „Nautilus", 4 Geschütze, Kommdt. Korv Kapt. Aichenborn, ist am 6 April er. in Hongkong ein- getrost n, am 10. April er. wieder in See gegangen und ankerte an demselben Tage in Canton. — S. M. S „Marie", 10 Geschütze, Kommdt. Kapt. z. S. Krokisius, ist am 1 April er. in Valparaiso ein» getroffen. — S. M. Kbt. „Iltis", 4 Geschütze, Kommdt Korv Kapt. Rötger, traf am 20 Ap il cr in Hongkong ein und ist am 21. April er. behufs Vornahme von Vermessungen nach den Paracels- Inseln in See gegangen.
t Neuere statistische Ermittelungen haben ergeben, daß die Gemeinde- und sonstige Corporationsabgaben im Vergleich zu dem Aufkommen an Klassen- und Einkommensteuer sich für die Stadtgemeinden auf 299,3 Procent und für die Landgemeinden auf 585 Procent belaufen. Im Ganzen gibt es — abgesthen von Schleswig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau — in Preußen 1129 Gemeinden, in denen sich die Abgaben auf mehr als 150 Procent aller directen Staatssteuern belaufen. Zufckläge von mehr als 200 Pr ocent der Grundsteuer wurden im Jahre 1b 83/84 in 584. Zuschläge von mehr als 2 t 0 Procent der Gebäudesteuer in 848, Zuschläge von mehr als 300 Pro deut der Klassen- und Einkommensteuer in 233 Gemeinden erhoben. Mehr alL 500 Procent