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ALbrNch 9 Mark. $albj. 4M. LvPfg.

BierreljöhrUch

1 Mark 25 Psg. Für auswärtige Sbcnnenten «il dem betreffen« ten $oftaufid)lag. Lte einzelne Num­mer 10 Psg.

Hananer Anreißer.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erschein; täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Sambags mit der Berliner Promnzwl Corretpoudenz.

}u sei I lau®« frei»;

Die iWtige «nrmondzeile *. deren Raum 10 *fg.

Die «fpalt Z-N- 20 Psg.

Lie3spaltig-Zeil« 30 Psg

Nr. 121. , Samstag den 24. Mai 1884.

BekannLmachunken Königl. LandrathsaMts.

Dem am 21. Februar 1870 zu Seligenstadt geborenen I Hann Friedrich Günther ist auf den Antrag seines Stiefvaters des Bahn. Wärters Christoph Wilhelm Schwarze zu Ginnheim und mit Zustim­mung seiner Mutter als Vormünderin, gestattet worden, den Familien­namenSchwarze" fortan führen zu dürfen.

Hanau am 20. Mai 1884.

Der Königliche Landrath 4485 Freiherr v. Broich.

Der Tagelöhner Felix Kempel, 45 Jahre alt, von Oberbimbach, Kreis Fulda, gebürtig, hat im Jahre 1880 die hiesige Stadt unter Hinterlassung von 2 schulpflichtigen Kindern in hülfsbedürftigem Zu­stande heimlich verlassen und ist dessen jetziger Aufenthaltsort unbekannt.

Es wird ersucht nach demselben zu fahnden und im Ermittelungs. falle Nachricht Hierher zu geben.

Hanau am 21. Mai 1884.

Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.

Den Herren Bürgermeistern des Kreises bringe ich die Erledigung der diesseitigen Beifügung vom 2. Dezember 1867, wonach spätestens 8 Tage vor dem 1. März, Juni, S ptember und Dezember eines jeden Jahres sog. Polizei-Berichte anher einzureichen sind, hierdurch in Er­innerung und veranlasse dieselben zugleich bezüglich der daselbst sub pos. 3 5 und 11 des hierzu vorgeschriebenen Formulars gestellten Fragen recht eingehend zu berichten, auch erwarte ich für die Folge genaue June- Haltung der festgesetzten Termine.

Hanau am 23. Mai 1884.

Der Königliche Landrath

4659___________________Freiherr v Broich.______________________ Wiefinverpachlung.

Die 5 ha hastende Restfläche der Domanialwiese Plan Nr. 833 im Heurieth" in der Gemarkung von Ostheim soll in 50 Parcellen vom laufenden Jahre ab auf 12 Jahre öffentlich meistbietend ver. pachtet werden.

Termin hierzu ist auf

Freitag, den 30. dieses Monats,

Vormittags von 8 Uhr ab, in den Saal der Schütz' schen Gastwirthlchast zu Ostheim anberaumt. Auf angemessene Pachtgebote erfolgt der Zuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.

Hanau, am 23. Mai 1884.

Der Königliche Domainen-Rentmeister _________Bell.______________________5013

Tagesschau.

Berlin, 23. Mai. Se. Maj. der Kaiser arbeitete Mittags mit dem Militärkabinet und empfing im Beisein des Staatsministers Grafen Hatzfeldt in besonderer Audienz den seitherigen argentinischen Ge­sandten Caue zur Ueberreichung seines Abberufungsschreibens und danach bissen Nachfolger Dr. Carlos Calvo zur Ueberreichung seines Beglau x bigungsschreibens, später unternahm der Kaiser eine Spazierfahrt. Morgen früh 11 Uhr findet die feierliche Grundsteinlegung der engli­schen Kirche im Monbijou-Garten im Beisein der kronprinzlichen Familie statt.

Berlin, 23. Mai. Die Rordd. Allg. Ztg. führt bezüglich der von der Bosfischen Zei ung angeführten Fälle, wo die Regierung den vom Abgeordnetenhause an sie gerichteten Aufforderungen, gegen Beamte tinzuschretten, nachgekommen ist, aus, daß alle diese Fälle den Tenor der Bersassuna nicht ändern und das Recht des Königs nicht vermindern könne. Die Nachgiebigkeit der Minister, damit nützliche Gesetze nicht an der Verstimmung der Gesetzgeber scheiterten, könne dem Könige niemals das Recht verkümmern, die gesetzmäßigen und versassungsmäßigen Rechte der Krone zu wahren. Dergleichen Nachgiebigkeiten führten bei dem ununterbrochenen Vorwärtsstreben nach Herrschaft, welches den Parteien i «gen ist, allmälig dahin, daß icheinbar gleichmütige Concessionen in der l Form als Basis für Rechtsdeduk-ionen benutzt werden, um auf dem Ge­

biete des Artikels 45 der Verfassung, welcher die vollziehende Gewalt dem Könige reservirt, Eroberungen zu machen.

f Während die übrigen deutsch-freisinnigen Organe Berlins ein nationalliberales Organ besitzt die Reichsaauptstadt bekanntlich nicht sich in ihren Besprechungen des nationalliberalen Parteitages bisher noch eine vorsichtige Zurückhaltung aufet legen, bricht das Berliner Tageblatt über denselben den Stab. Namentlich greift das Blatt die beiden Führer der nationalliberalen Partei von Bennigsen und Miguel in rückhaltloser Weise an.Wie wenn er große parlamentarische Er­folge unmittelbar hinter sich hätte", heißt eS in dem Mosse'schen Organ, so selbstbewußt, so anspruchsvoll, so auf die Gegner herabsetzend trat von Bennigsen auf; und Miguel gefiel sich in einer gleicher Position;. . . . dieser sprach von den nichtnationalliberalen Liberalen mit einem an Hoch­muth grenzenden Hohn u. f. w." Um seinem Aerger über diese Kund« gebungtn Ausdruck zu geben, nimmt es dasBerliner Tageblatt" in gewohnter Weise mit der Wahrheit keineswegs genau.Davon daß der Reichskanzler", sagt das Blatt,neulich im Reichlage dem Lieberalis- mus schlechtweg den Krieg erklärt hat, war nicht die Rede. Bennigsen und Miquel glauben, der kanzlerische Angriff richte sich nur gegen Eugen Richter und dessen politische Freunde." Und das glauben die beiden nationalliberalen Führer, wie auch dasTageblatt" f hr wohl weiß, allerdings mit vollem Fug und Recht. Denn der Reichskanzler sagte in seiner angezogenen Rede ausdrücklich, daßder Liberalismus, wie ihn der Vorredner (Richter) vertritt, d. h. die fortschrittliche Demo­kratie, keine Zukunft habe, und daß er es als die Aufgabe seines Lebens, als seine Pflicht dem Kaiser und dem Lande gegenüber halte, diesen Li- beralismus zu bekämpfen bis zum letzten Athemzuge." Ebenso un­wahr ist dann die weitere Bemerkung desTageblatts":Bennigsen und Miguel haben das ausgesprochene Bedürfniß, aus den Nationalst- beraten eine Partei des Kanzlers zu machen, und sie erstreben diese Position ohne zu wissen, ob dem Kanzler die angebotene Unterstützung genehm sein wird." Der Reichskanzler hat aber ausdrücklich erklärt:

Das Letzte, was er (Richter) sagte: meine Liebe zu den National­liberalen ist das ein Vorwurf? Warum soll ich für diese Pariei keine Neigung haben? Ich bin sehr lange mit ihr zusammengegangen, und es war nicht mein Gesühl, das unS getrennt hat, sondern eine Empfindung, die aus dem Schooße der Partei kam. Meine Neigung zu den Herren, meine Achtung vor ihnen und das Bedauern, mit dem ich znrückdenke an die guten Beziehungen zu dieser Partei, sind nicht erstorben. Ich unterhalte zu allen denjenigen, die nationalliberal geblieben sind, die nicht zur Fortschrittspartei übergegangen sind, immer dieselbe Freund­schaft in politischer Beziehung, sobald sie ihrerseits bereit sind, sie anzu- knüpsen, und beff n schäme ich mich gar nicht."

Zur Charakteristik des Tones, welchen dasTageblatt" gegen die Nationalliberalen anschlägt, zitiren wir noch solgende auf jener Unwahr­heit weiter aufgebauten Sätze:Sie verharren dabei, für Liberale ge­halten zu werden, für Männer jener Richtung, die Fürst B smar ck mit feinem ausgesuchtesten Hasse verfolgt Wenn sie den Wählern sagen würden, daß sie eigentlich nur Regierungsiruppen mit besonderem Ab- zeichen sind, so wäre es mit der nationalliberalen Herrlichkeit wohl bald zu Ende.... Der Nationalliberalismus hat sich dem Fürsten Bismarck völlig zu Füßen gelegt."

DieKreuzztg." bemerkt zur Erklärung Lord Derby s tm eng­lischen Oderhause über Angra -P-quena:Die Thatsache, daß Deutsche in Angra-Pequena zuerst eine Niederlassung angelegt haben, steht fest; wenn die Engländer preteftiren wollten, so hätten sie es auf der Stelle thun tollen; nicht erst jetzt nachträglich. Augenscheinlich haben sie sich den Gang der Dinge aber so gedacht, daß die Deutschen eine Colonie anlegen und dieselbe unter den Schutz Englands stellen würden, tote das ja vor zwei Jahrzehnten noch jedenfalls geschehen wäre. Daß das Deut­sche Reich, mit dem man in Europa sehr gut zu rechnen gelernt hat, auch außerhalb desselben etwas zu bedeuten habe davon scheint man in London bis jetzt keine rechte Vorstellung zu besinn.

Karlsruhe, 23. Mai. Der Landtag nahm mit 42 gegen 13 Stimmen den Gesetzentwurf, betreffend Einführung einer allgemeinen Einkommensteuer, wozu auch die Actiengefellschasten und Commanditg>- sellschaften aus Aktien herangezogen werden an.

Brüssel, 23. Mai. Der König und die Körfttzin von Holland sind heute Vormittag nach herzlicher Verabschiedung abgereift.