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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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Nr. 115. Freitag den
BekanntmachuNgen König!. Landrathsamts.
Der Herr Ober Präsident hat genehmigt, daß zum Besten der Arbeiter-Colonie Wilhelmsdorf in Westfalen, nachdem der Anschluß des Regierungsbezirks Kassel an den Aufnahmebereich derselben stattge- funden hat, im Laufe des JahreS eine einmalige Sammlung freiwilliger Beiträge bei den Einwohnern des Regierungsbezirks Kassel durch polizeilich zu legitim rende Collectanten verunstaltet werden darf.
Kassel den 23. April 1884.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Indem ich die vorstehend abgedruckte, durch das Amtsblatt Nr. 17 b. I. veröffentlichte Bekanntmachung der Königlichen Regierung vom 23. April c. hierdurch zur allgemeinen Kenntniß bringe, veranlasst ich die He-rn Bürgermeister und Ortspolizei Verwalter des Kreises den be- treffenaen Collectanten die erforderliche polizeiliche Legitimation zu ertheilen und diese Angelegenheit in jeder Hinsicht thunlichst zu fördern.
Gleichzeitig mache unter Bezugnahme auf den in den Nummern 94 und 95 dieses Blattes lausenden Jahres veröffentlichten Aufsatz „die Maßregeln gegen die Vagabundennoth" sowohl die gedachten Beamten, als alle Interessenten des Kreises darauf aufmerksam, daß denselben Gelegenheit geboten werden wird, die monatlich erscheinende, von dem Central-Vorstände für Arbeiter-Co onien herausgegebenen Schrist „die Arbeiter-Colonie, Correspondenzblatt für die Interessen der deutschen Arbeiter-Colonien und Naturalverpflegungs- Stationen", für einen Abonnementspreis von jährlich 1 Mk. 25 Pf. zu beziehen und bezweifle ich nicht, daß diese Schrift auch im hiesigen Steife um so mehr Absatz finden wird, als dieselbe über die Lage der in Rede stehenden, für ganz Deutschland höchst wichtigen Angelegenheit stets einen genauen Ueberblick bietet und als gemäß Beschluß des Kreistages vom 26. April c. nunmehr auch im hiesigen Kreise auf dessen Kosten Raturalverpflegungs- Stationen in angemessenen Entfernungen von einander errichtet werden sollen.
Die Zusendung von Correspondenzartikeln und ganz besonders in Bezug auf die Verpflegungs-Stationen sowohl in längeren Abhandlungen, als auch kleine Notizen jeglicher Art, welche die gute Sache für- dern sönnen, würden dem gedachten Central Vorstände besonders angenehm sein.
Hanau am 14. Mai 1884.
Der Königliche Landrath
3952 Freiherr v. Broich.
Tagesschau.
— Berlin, 15. Mai. Se. Maj der Kaiser hatte heute Nach- mittag um 4 Uhr eine längere Conferenz mit dem Fürsten BiSmarck und empfing Abends um 101/« Uhr den halbstündigen Besuch deS Prin- zen Wilhelm, welcher sich vor seiner Abreise nach Petersburg verabschiedete. — Prinz Wilhelm mit dem Grafen Waldersee, Hofmarschall Liebenau und den Adjutanten Krosigk und Bülow ist Abends kurz nach 11 Uhr nach Petersburg vom Centralbahnhose aus abgereift, wo der Botschafter Orloff, Fürst Dolgoruki und sämmtliche Mitglieder der russischen Botschaft in großer Uniform sich eingefunden hatten.
— Berlin, 15 Mai Dem Vernehmen nach trifft die Kaiserin von Rußland am 20. Mai hier auf der Durchreise von Petersburg ein. —'Fürst BiSmarck wurde Mittags vom Kronprinzen in längerer Au- dienz empfangen. — Die G-oßherzogin von Baden wird in nächster Zeit zum Besuche des Kaisers hier erwartet.
— Berlin, 15. Mai. Die Commission betreffs Entschädigung unschuldig Verurtheilter beendete die Berathungen und bestellte Schwartze zum Referenten. Die Entschädigungspflicht soll der Strafrichter, welcher im Wiederaufnahmeverfahren auf Freisprechung erkennt, die Entichädi- gungssumme soll der Civilrichter im C-vilveifahren seststellen. Sind unschuldig Verurlheilte und Staatsanwalt über die Entschädigungssumme einig, soll der Strafrichter die Entschädigungssumme alsbald definitiv feststellen. Die endgiltige Redaktion und Feststellung der heutigen Beschlüsse erfolgt morgen.
16. Mai 1884.
— Berlin, 14. Mai. Nach einer telegraphischen Mittheilung der „Wes.-Ztg." von hier bestätigt es sich, daß die Reichsregierung das Protectorat über die Colonie Angra Pequena (in südl. Westafrika) übernimmt. In derselben wird für alle Nichteinheimischen deutsche Gesetzgebung in Kraft gesetzt.
— Der „Schwäbische Merkur" bemerkt zu der am Freitag, den 9. d. M, im Reichstage stattgehabten Diskussion über daS Sozialistenge- sitz:
. . . Des Kanzlers R de ist geeignet, den großen Gegensatz zwischen staatsmännischer und fraktionsmäßiger Auffassung wieder einmal recht deutlich erkennen zu lassen. Auf der einen Seite große Gesichtspunkte, fester Blick auf die Zukunft- kühne Erfassung der Dinge, wie sie sind, offene Benennung derselben, ob die Weit auch davor erschrecke; auf der andern daS Fortwirthschaften mit den alten, verbrauchten Schlagwörtern, das Suchen nach neuen Verhüllungen der immer sich gleichbleibenden Verneinung. . . .
— Der Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller hielt dieser Tage seine Generalversammlung unter Vorsitz des Generaldirektors Richter in Berlin ab. Dem von dem Geschäftsführer Fr. Rentzsch erstatteten Jahresberichte entnehmen die „B. P R", daß dem Vereine im ab» gelaufenen Jahre 356 Mitglieder angehörten, welche 240 000 Albeiter beschäftigten und ein Anlage- und Betriebskapital von 1 050 000 000 Mark repräsentiern. Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins sind in den noch nicht 5 Jahren, welche seit Einsührung des neuen Zolltarifs verflossen sind, die Zahl der in den Werken beschäftigten Alberter um 33,2 pCt., die Gesammtlöhne um 52,1 pCt. und der Lohn des einzelnen Arbeiters um 14 2 pCt. gestiegen. Besonders bemerkenswerth ist es, daß trotz der ungünstigen Konjunktur, der die Hüttenwerke in der zweiten Hälfte deS JahreS 1883 unterworfen gewesen sind, die Zahl der Arbeiter, ebenso wie die Auslohnung eine zum Glück nur unwesentliche Abschwächung erfahren, während sie bei den Maschinenbauanstalten weitere Fortschritte in der Steigerung erfahren haben.
— Den Freunden deutscher Colonialbestrebungen wird es nicht uninteressant sein, zu erfahren, daß ein Hamburger Konsortium die bisher in englischen Händen (Baring Brothers u. Comp. in London) befindlichen Actien der „Deutschen Handels- und PlantagcngeseUschaft der Südsee Inseln" im Nennbeträge von etwa zwei Millionen aufgetauft hat, und zwar nach Börsenmittheilungen zum Course von etwa 55 pCt. Die „Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft der Südsee-Jnfeln" wurde, nach dem „Fr. Jl.", bekanntlich in demselben Augenblick gegründet, als der Reichstag die Samoavorlage ablehnte und der Colonialbesitz deS Hauses Godeffroy unter den Hammer zu kommen drohte. Jedenfalls ist es erfreulich, daß die Godeffroy'schen Anlagen auf den Samoa- Inseln jetzt ganz wieder in deutschen Besitz zurückgekehrt sind.
— Leipzig, 15. Mai Der Prozeß KraSzewski begann heute um 10 Uhr. Briefe von Hentsch an Adler wurden verlesen, worin Hentsch fecrete Sachen anbietet. Hentsch erklärt, er habe die Sachen als secret bezeichnet, obgleich sie es nicht waren. KraSzewski sagt, Adler habe ihn einige Male besucht, um Correspondenzen abzuholen.
— Leipzig, 15 Mai. (Proceß KraSzewSki.) In der heutigen Sitzung werden die Briese Adler's an Hentsch aus dem Jahre 1883 birltfen, worin er die Denunciation Hentsch's und Kraszewski's in Aussicht stellt. Die Geheimsitzung dauerte bis 1 Uhr.
— Pest, 15. Ma-. Im Preßproceß der Anarchisten bejahte die Präger Jury sämmtliche Schuldfragen. Der Angeklagte wurde zu fünfzehnmonailichem Staaftgefängniß, sechshundert Gulden Geldstrafe und Tragung der Gerichtskosten verurtheilt. Der Angeklagte m-ldete die Nullitätsklage an. — Das Oberhaus genehmigte den Gesetzentwurf, betreffend den Bau eines neuen Parlamentsgebäudes, mit großer Majorität.
— Bern, 15. Mai. Die von hier verbreitete Meldung, der Bundesrath beschäftige sich mit gesetzgeberischen Arbeiten bezügl-ch der wegen Fürstenmordes nach der Schweiz Flüchtenden, wird unterrichteter« seits als nicht richtig bezeichnet.
— Amsterdam, 14 Mai Die niederländische Bank hat den Diskont von 3l/s auf 3 pCt. herabgesetzt.