e6»ttttemt«W» PreiS:
ILbrlich 9 Morl. »aIbj.4M.L0Pfg.
Bierteljährlich
2 Mark 25 Pfg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Die einzelne Nummer 10 Psg.
hanaiitr Anztiaer
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Fei rloge, mit belieiristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzrol Correspondenz.
AnsertionS«
PreiS:
Die ttpaltige Starmondzeile ok deren Sioum
10 Pig.
Die SIpalt. gelte 20 Psg.
Die^ältigeZeile so Pfg
Str. 101.
Mittwoch den 30. April
1884.
Bekanntmachunßen Königl. LandrathsaMtS.
Polizei-Ordnung.
Auf Grund des §. 5 der Verorvnung vom 20. September 1867, die Polizeiverwaltung betreffend, wird nach Berathung mit dem Herrn Oberbürgermeister dahier Folgendes erordnet:
Das Stehenlassen von nicht zur Personenbeförderung bestimmten Fahrzeugen, beladenen oder unbeladenen, vor den Häusern hiesiger Stadt zur Nachtzeit, ist verboten.
Ausnahmen können auf Nachsuchen in solchen Fällen zugelassen werden, wo es sich um das Stehenlassen von Fuhrwerken an außer dem Verkehr gelegenen Plätzen handelt.
Zuwiderhandlungen werden mit 1 bis 9 Mark eventuell entsprechen. J der Haft bestraft.
Hanau am 26. April 1884.
Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Die für dieses Jahr angeordnete allgemeine Pferdemusterung findet an nachstehenden Orten und Tagen statt:
Dienstag den 27. Mai c. zuLangeuselbold,Morgens 8 Uhr: Für die Ortschaften Langeuselbold, Oberrodenbach, Nieder- rodenbach, Rückingen, Langendiebach, Ravolzhausen, Rüdigheim, Rüdig- Heimer-Hof, Hüttengesäß, Neuwiedermuß, Marköbeli und Beiersröder- Hof.
Mittwoch den 2 8. Mai c. zu Wilhelmsbad, Morgens 71/« Uhr: Für die Stadt Hanau, Gutsbezirk Wilhelmsbad mit Wil- hetmsbader>Hof.
Donnnerstag den 29. Mai c. zu Wilhelmsbad, Morgens 7Vr Uhr: Für die Ortschaften Großauheim, Großkrotzenburg, Keffelstadt, Dörnighetm, Hochstadt, Wachenbuchen, Mittelbuchen, Bruch- köbel, Oberissigheim, Niederissigheim und Kinzigheimer-Hof.
Freitag den 30. Mai c. zu Bergen, Morgens 7 Uhr: Für die Ortschaften Bergen, Brschofsheim, Fechenheim, Seckbach, Berkersheim, Gronau und Gronauer-Hof.
Sonnabend den 31. Mai c. zu Bockenheim, Morgens 7 Uhr: Für die Stadt Bockenheim.
Dienstag den 3. Jnni c. zu Bockenheim, Morgens 7 Uhr: Für die Ortschaften Eckenhem, Eschersheim, Ginnheim, Praunheim und Preungesheim.
Mittwoch den 4. Juni c. zu Windecken, Morgens 7‘/a Uhr: Für die Stadt Windecken und für die Ortschaften Niederdorfelden, Oberdorfelden, Dottenfelder-Hof, Kilianstädten, Roßdorf, Ostheim, Erb- stadt und Eichen.
In Langenselbold sind die Pferde vor dem Gasthaus „zum weißen Roß", in Bockenheim in der „oberen Königsstraße" und der „unbebauten Falkenstraße", in Windecken auf dem „Marktplatz" vorzuführen.
Die Herrn Ortsvorstände haben dafür Sorge zu tragen, daß sämmtliche Pferde mit Ausnahme der nachstehend bezeichneten vorgeführt werden:
a. der Fohlen unter drei Jahren,
b. der Hengste,
c. der Stuten, die entweder hochtragend sind oder noch nicht länger als acht Tagen abgesohlt haben.
In beiden Fällen ist eine vom Ortsvorstände ausgefertigte Bescheinigung vorzulegen,
d. der zum Dienstgebrauch der Beamten im Reichs- oder Staatsdienste, sowie der zur Ausübung des Berufes nothwendigen Pferde der Aerzte und Thierärzte und derjenigen Anzahl Pferde der Posthalter, welche zur Beförderung der Posten gehalten werden müssen,
a. der Pferde, welche laut obrigkeitlichen Attestes auf beiden Augen blind sind,
f. die in Bergwerken dauernd unter Tage arbeitenden Pferde.
Die Herrn Ortsvorstände haben sich in den anberaumten Terminen persönlich einzufinden.
Hanau am 25. April 1884.
Der Königliche Landrath
2422 Freiherr v. Broich.
Tagesscha«.
— Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach dem „R.- u. St.-A." Nr. 101 wurde unterm 29. April verboten: die periodische Druckschrift „Der Rebell", Organ der Anarchisten deutscher Sprache".
— Berlin, 29. April. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute den Vortrag des Polizeipräsidenten und sodann militärische Meldungen entgegen, empfingen den kommandirenden General des III. Armeekorps, von Pope, und ließen Sich von dem Chef der Admiralität und dem Chef des Militärkabinets Vortrag halten.
— Berlin, 29. April. Die Unfallversicherungs-Commissio» nahm heute in der Abstimmung über die Paragraphen 9 bis 11 die Anträge der vereinigten Conservativen und Clericalen an, welche gegen den Fortbestand der Privatversicherung und gegen die Versicherung auf Gegenseitigkeit gerichtet sind und territorial abgegrenzte Berufsgenofsen- schaften zur Basis der Versicherung machen.
— Wieviel mehr das Trinken kostet als die Heere wird von der „Sozialcorrespondenz" an der Hand eines Buches über den Schnapsmißbrauch (von dem Belgier Cauderlier) nachgewirsen. In diesem Buche heißt es: „Deutschland opfert seinem furchtbaren Heere 5—600 Millionen Franks. Dagegen wendet es bei 13,70 Liter Branntwein und 86 Liter Bier jährlich auf den Kopf, 2200 Millionen Franks — also 1760 Millionen Mark — an geistige Getränke d. h. etwa v ermal nuhr als uns das Heer kostet." Die Franzosen brauchen etwa dreimal mehr für ihren Durst als für ihre Vertheidigung, die Engländer viermal mehr. Den Belgiern kostet die Armee 44,765,000 Francs, die Gläschen Schnaps 140 Millionen, und an geistigen Getränken aller Art geht bei ihnen mehr als das zehnfache durch die Gurgel. Ueber die „unproductiven" Heeresausgaben wird aller Orten, am meisten aber in D-utschland geklagt. Gegenüber dem deutschen Trinkbudget fällt aber das Heeresbudget gar nicht in's Gewicht, und dabei wird Niemand behaupten können, daß die Ausgaben für geistige Getränke produktiver seien als die Ausgaben für die Landesvertheidigung. Sie sind sogar in vieler Beziehung recht schädlich, unter Anderem auch deshalb, weil sie die unglückselige politische Kannegießerei so sehr fördern.
— Wien, 29. April. Der Kronprinz und die° Kronprinzessin sind um 12 Uhr 10 Min. hier eingetroffen. Unter den Anwesenden am Bahnhose befand sich auch der türkische Botschafter. — Im Abgeordnetenhause brächte die Regierung das Uebereinkommen mit der Rord- bahn ein.
— Madrid, 29. April. Regierungs- Ingenieure stellten fest, daß das Eisenbahnunglück bei Badajoz durch ein Verbrechen herbeigeführt wurde. Die Urheber hatten durch Losschrauben der Schienen daS Entgleisen des Eisenbahnzuges und das Einstürzen der Brücke veranlaßt. Schuldige wurden noch nicht entdeckt. — Nach einer Depesche aus Granada ist die Telegraphenverbindung mit Motril unterbrochen. — Der Führer der Nordarmee, General Pavia, meldet, die Bande Mangado werde lebhaft verfolgt.
— Paris, 29. April. Ferry hatte heute Vormittag mit dem ersten Sekretär der spanischen Botschaft eine Unterredung, wobei, wie verlautet, die jüngsten Vorgänge an der spanischen Grenze besprochen wurden.
— Portsmouth, 29. April. Der Transportdampfer „Croco- dile" ist mit Truppen von Bombay heute morgen auf der Rhede von Spithead eingetroffen; derselbe hißte eine gelbe Flagge auf, weil an Bord vor der Ankunn in Gibraltar ein Cholerafall vorgekommen war. Nach dem Verlassen Gibraltars ist kein neuer Cholerafall an Bord ein. getreten, dennoch wurde dem „Crocodile" nicht gestattet, daß er sich Portsmouth nähere, derselbe wird der Quarantäne unterworfen.
— Portsmouth, 29. April. Ein Arzt besuchte den Dampfer „Crocodile" und brächte in Erfahrung, daß seit der Abfahrt von Suez sechs Cholerafälle, darunter drei Todesfälle, an Bord stattfanden; die übrigen Patienten sind in der Genesung begriffen. Die Behörden ordneten Vorsichtsmaßregeln zur Verhinderung des Verkehrs mit dem User an.
— Portsmouth, 29. April. Aerztliche Autoritäten erklärten, eine Ansteckungsgefahr sei nicht vorhanden. Der „Crocodile" landet die Truppen morgen.