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hanaitcr Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hana«.
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Nr. 95.
Mittwoch den 23. April
1884.
Bekanntmachungen Königl. LandrathsÄmts.
In der Gemeinde Bergen ist ein Pferd rotz- und wurmkrank gefunden und deshalb sofort getödtet worden, was der Vorschrift gemäß hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
Hanau am 22. April 1884.
Der Königliche Landrath
3654 Freiherr v. Broich.
Gefunden: Ein Notizbuch. Ein Paar Strümpfe. Ein Geldtäschchen mit Inhalt. Eine Pferdedecke.
Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Wachtelhund m. Geschl.
Hanau am 23. April 1884.
Aus Königl. Landrathsamt.
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Tagesschau.
— Berlin, 22 April. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute in Gegenwart des kommandirenden Generals deS Garde- Corps, deS Gouverneurs und des Kommandanten zahlreiche militärische Meldungen sowie demnächst den Bortrag deS Generallieutenants von Albedyll entgegen. Später empfingen Se. Majestät Se. Kaiserliche Hoheit den Großfürsten Sergius von Rußland, welcher auf der Durchreise nach St. Petersburg von Darmstadt hier eingetroffen ist, sowie vor dem Diner den Oberst-Kämmerer Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode.
— Berlin, 22. April. (Reichstag 15 Sitzung) Bei Beginn der heutigen Sitzung, ehrte das HauS das Andenken Schorlemers - Vehr durch Erheben von den Sitzen und trat hierauf in die zweite Berathung der Novelle zum Hülfskasfengesetze ein.
— Berlin, 22. März Dem Abgeordnetenhaus wurde in seiner heutigen (72.) Sitzung das Ableben des Äbg. v. Schorlemer Vehr mitgetheilt, das Haus erhebt sich von den Sitzen. Hierauf wurden in dritter Lesung die Gesetzentwürfe, betr. die Abänderung verschiedener baupolizeilicher Bestimmungen in Frankfurt a. M., die Abänderung des § 13 des Gesetzes über die Befugnisse der Strombauverwaltung gegenüber den Uferbesitzern an öffentlichen Flüssen und betr. die Auflösung der gemeinschaftlichen Kirchenkassen in Norderharde und Süderharde auf Alsen de. battelos genehmigt.
Die Vorlage des Gesetzentwurfs betr. den weiteren Erwerb von Eisenbahnen wird an die Eisenbahnkommission verwiesen; die Gesetzesvorlage betr. den Betrieb des HusschlagegewerbeS in dritter Berathung und schließlich der Bericht der Eisenbahnverwaltung über Bauausfüh. rungen und Beschaffungen pro 1882/83 durch Kenntnißnahme erledigt.
— Berlin, 22. April. Der Börsenzeitung zufolge hätte Mommsen bestimmt erklärt, ein ReichstagSmandat nicht wieder anzu- nehmen.
— Kiel, 22. April. Der Chef der Admiralität, Generallieutenant v. Caprivi ist heute Vormittag hier eingetroffen. DaS Uebungsgeschwa- der ist mit dem heutigen Tage in Dienst gestellt.
— Wien, 22. April. Gestern fand in den Alexander-Zimmern der Hofburg ein Galadiner statt, an welchem der Erzherzog Albrecht, der deutsche Botschafter Prinz Reuß nebst den Mitgliedern der deutschen Botschaft, der Kriegsminister Graf Bylandt-Rheydt und die Deputation des Ostpreußischen Grenadier Regiments Nr. 3 theilnahmen.
— Wien, 22. April. (Fr. I.) Die Mädchenmörder Schenk und Schlossarek wurden heute jnftificiit. Beide waren zerknirscht und reuig. Schlossarek hielt ein Rosenbouquet, das seine Frau ihm schickte, in den Händen und rief: „Verzeiht liebe Christen! Ist Keiner da, der mir flucht? Gott verzeihe meine schweren Sünden und schütze meine Frau!" In 7 Minuten war sein Leben entwichen. Schenk, anfangs gefaßt, zitterte furchtbar bei der Entblößung seines Oberkörpers. Er rief dem Seelsorger blos zu: „Grüßen Sie meine Frau!" Sein To^es. kamps währte 3 Minuten Die Justizsoldaten knieten betend nieder. Der Seelsorger hielt eine Ansprache, in welcher er den Reumuth und die Bußfertigkeit der Delinquenten konstatirte.
— Paris, 22. April Temps glaubt, Frankreich dürfte der Uebernahme der Garantie der egyptischen Schuld seitens Englands schwerlich zustimmen, weil dies ein vorbereitender Schritt sür die An-
nexion Egyptens wäre.
Die Delegirten von Transval mit ihrem
Präsidenten Krueger sind heute hier eingetroffen und werden morgen von Ferry empfangen.
— London, 22. April. Heute früh fand in JpSwich und mehreren anderen östlich gelegenen Orten eine ziemlich starke Erderschütte« rung statt. Erheblich heftiger war dieselbe in Colchester, wo auch ein starkes unterirdisches Getöse hörbar war. Alle Gebäude waren in zitternder Bewegung, eine große Anzahl Schornsteine ist eingestürzt und ein 150 Fuß hoher Kirchthurm zusammengebrochen. Die Erderschütte- rung dauerte 30 Secunden Die Bevölkerung, welche äußerst beunruhigt war, eilte auf die Straßen ins Freie. Menschenleben sind nicht verloren gegangen.
— Petersburg, 22. April. Prinzessin Elisabeth von Sachsen- Altenburg ist mittelst Separatzuges Nachmittags hier eingetroffen, vom Kaiserpaar, der Mutter und dem Bruder des Bräutigams, den Hofstaaten, dem diplomatischen Corps und den Ministern am Bahnhöfe begrüßt. Constantin Constantinowitsch war derselben entgegengesahren. Am Bahnhose war eine Ehrencompagnie des Jsmaikoff'schen Leibgarde- Regiments, welchem der Bräutigam angehört, mit der Fahne und dem Musikkorps aufgestellt. Vom Bahnhof begaben sich die Fürstlichkeiten in vierspännigen Galakutschen noch dem Marmorpalais, wo die Gemächer für die Braut hergerichtet sind. — Die Trauung des Großsürsten Constantin Constantinowitsch mit der Prinzessin Elisabeth von Sachsen- Altenburg ist auf den 27. April anberaumt. Am 28. April findet Theaterfestvorstellung statt und für den 1. Mai ist eine Gratulationscour in Aussicht genommen.
— Konstantin opel, 22. April. DaS österreichische Kronprinzenpaar besuchte heute nochmals den Stambulbazar und sodann das Kriegsministerium, wo dasselbe einer Truppenparade beiwohnte. Abends sinket ein Bankett an Bord deS „Miramar" statt, wo das Kronprinzenpaar übernachtet. Der „Miramar" geht früh 2 Uhr nach Mudania ab. In Brusia werden große Vorbereitungen getroffen.
— Rew-Aork, 21. April. Der Dampfer „The Queen" von der National-DaurpfschiffS-Compagnie (C. Meffingsche Linie) ist hier eingetroffen.
— Philadelphia, 18. April Der Postdampfer „Baderland", Kapt. Benck, ist von Antwerpen angekommen.
— New-Aork, 18. April. Der Postdampfer „Belgenland", Kapt. Stokes, ist von Antwerpen angekommen.
ReichSgerichtH-Entscheidnuge».
— Durch die Vorschrift deS § 5 des preußischen Pfandleihegesetzes vom 17. März 1881, nach welchem der Pfandleiher ein Pfandrecht an den ihm übergebenen Gegenständen erst dadurch erwirbt, daß er daS Geschäft in ein Pfandbuch einträgt, ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Civilsenats, vom 12. März d. I., an den landesgesetzlich vorgeschriebenen allgemeinen Formen der Verpfändung nichts geändert worden; vielmehr sind neben der Eintragung des Geschästs in das Pfandbuch zugleich auch alle übrigen Erfordernisse für die Entstehung und Fortdauer eines Pfandrechts zu erfüllen. So würde beispielsweise sür die Verpfändung einer verbrieften Forderung an einen konzessionirten Pfandleiher in der Ausübung seines Pfandleih • Gewerbes neben der im §. 5 des Pfandleihgesetzes vorgeschriebenen Form noch die Ausstellung eines Verpsändungsscheines Seitens des Verpfändexs nothwendig sein, und diese Form würde nicht durch die Hingabe der über die Fonerung ausgestellten Urkunde an den Pfandleiher ersetzt werden können.
Lokales, Provinzielles nnd Umgegend.
Hanau, den 23 April 1884.
Oeff entliche Sitzung deS Gemeinde-Ausschusses vom 21. April 1884.
Anwesend die Herren: Ausschußvorsteher Weishaupt; Bier, Beyer, Gerhardt, Gruber, Herold, Hoffmann, Hopff, Jung, Koch, Körner, Sanitätsrath Dr. Roll, Ott, Schäfer, Schleißner, Treusch, Wal- ther und Weber; sowie Herr Oberbürgermeister Rauch.
Der Abschluß der 1882/83 Stadtkassen - Rechnung wird genehmigt und dabei dem Stadtrathe empfohlen, für die im freien Maine Badenden einen Platz zum AuS- und Ankleiden herstellen zu lassen.