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Nr. 85.

MMer Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samnags mit der Berliner Provurzial Correipondenz.

Mittwoch den 9. April

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Dir ifpoltige •etmanbgeile * beten Staun

10 Pfg.

Dir tfyalt gelte 80 »fg.

Die afsalttgegelle *0 Psg

1884.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamls.

Den Herrn Standesbeamten des KreiseS wird zufolge Verfügung der Königlichen Regierung vom 17. v. Mts. 4. I. 2381 bekannt ge­geben, daß da wiederholte Verletzungen der in den §§ 28 und folg des ReichSgesetzeS vom 6. Februar 1875 über die Eheschließung enthaltenen Bestimmungen vorgekommen sind, die genaueste Beachtung der gesetzlichen Vorschristen hiermit eingeschärst wird. Gleichzeitig wird auf den §. 69 deS GesetzeS vom 6. Februar 1875 aufmerksam gemacht, wonach der Standesbeamte eintretenden Falles eine Geldstrafe bis zu 600 Mark verwirkt, wenn er sich eine Nichtbeachtung der gesetzlichen Vorschriften zu Schulden kommen läßt.

Bei den Revisionen der Standesämter wird eine dahin gehende Prüfung der Einträge rc. erfolgen.

Hanau am 2. April 1884.

Der Königliche Landrath

2701 Freiherr v. Broich.

Der Metzger und Gastwirth F. H. Emmel zu Seckbach beab­sichtigt in seiner Hofraithe, BrandversicherungS-Nummer 5 und 7 da­selbst, eine Metzgerei anzulegen.

Diejenigen Personen, welche Einsprache dagegen zu erheben haben, haben solche innerhalb 14 Tagen, vom Tage der Veröffentlichung an gerechnet, hier vorzubringen, widrigenfalls sie unberücksichtigt bleiben.

Antrag und Zeichnungen liegen zur Ansicht bereit.

Hanau am 2. April 1884.

Der Königliche Landrath

3159 Freiherr v. Broich.

Tagesschau.

— Berlin, 8 April. Se. Majestät der Kaiser und König hatte eine recht gute Rächt, stand um 10 Uhr auf und empfing den Hofmarschall von Perponcher und General von Albedyll.

— B er li n, 8 April. In einer gestern zu Charlottenburg ge­haltenen Rede hat der Reichstagsabgeordnete Mommsen sich über die Verlängerung deS Socialistengesetzes folgendermaßen ausgesprochen: „Ich kann mir gar nicht denken, daß ein Mitglied der deulsch freisinnigen Partei es nicht als seine Gewissenspflicht betrachten sollte, die Beseiti­gung deS Socialistengesetzes anzustreben, aber vor die einfache Frage ge­stellt, das Gesetz annehmen oder ablehnen, wird die Entscheidung doch nicht so einstimmig aussallen, als Sie vielleicht denken. Die einfache Ablehnung des GesetzeS würde ein schwerer politischer Fehler sein, den ich mich wohl hüten werde mitzumachen und auch eine ganze Reihe mei­ner Gesinnungsgenossen wird sich dazu nicht verstehen. Die Einführung mag ein großer Fehler gewesen sein, aber für die Aufhebung pure et simple werde ich in keinem Falle stimmen "

— In dem „Metallarbeiter" lffen wir:

Unsere französischen Nachbarn merken mit Schrecken, wie die Ein­fuhr nach Frankreich sich steigert und wie auf dem Weltmärkte beson- de s deutsche Industrie mit Erfolg ihre frühere Machtstellung nament­lich in den Kunstgewerben untergraben hat. Thatsächlich geht im Großen und Ganzen die französische Industrie im Auslande immer mehr bergab Es fehlt nicht an Leuten, weiche diesen Zustand bemer­ken und beheben tooÜ.n und ist es besonders interessant zu hören, wie allseitig nur Deutschland die Schuld an diesen schlechten Verhältnissen zugeschoben wird. Gelegentlich eines Berichtes, welchen der Profi ssor an der technischen Hochschule (leole < entrale) in Paris, Hr. Vorbau, über eine Studienreise nach Deutschland erstattet hat und in welchen er die unverhältnißmäßig große Anzahl ausländischer Studenten in Drusch- land der besseren Einrichtung und reichen Ausstattung unserer deutschen technischen Hochschulen, und zwar mit Recht zuschre-bt, kommt^ derfilbe nach „le genie civil' zu dem interessanten Schlosse: „kaß das Deutsche Reich den Kampf gegen Frankreich ausgenommen habe aus dem Gebiete der Industrie, 'was die französischen Fabrikanten und Handwerker nur zu sehr empfinden; es habe sich gelüst t und rüste sich zu diesem Kampfe in weit höherem Maße als Frankreich. Die junge R'pubtik, w lche soviel für den Elementarunterricht gethan habe, zum Nutzen der Jugend und zur Ehre der Regierung, dürfte seine Industrie viat ungewaffmt lasten gegenüber den Rüstungen der fremden . Industrie."

Eine ähnliche Bewegung, ein gleiches Streben zeigt sich in den jüngsten Verhandlungen der „Society des ingduieurs civils“ welche an die Regierung die dringende Mahnung richtet, durch Entsendung geeigneter Techniker die ausländischen Absatzgebiete und Fabrik»tions- methoden zu erforschen, um der immer drohender sich gestaltenden Ein­fuhr fremder Erzeugnisse begegnen zu können.

Ferner veröffentlichen soeben die französischen Blätter eine lange Erklärung des Hrn. Simon Legrand. . . .

Diese Beobachtungen sind duraus richtig; Deutschlands Industrie gewinnt immer mehr Fuß auf dem Weltmärkte, was sebstverständlich mit der Gesundung seiner heimischen gewerblichen Verhältnisse nur Hand in Hand gehen kann, da ersteres ohne letzteres kein natürlicher Zustand ist.

— Lübeck, 8. April. Nach einer Bekanntmachung des Senats wird, um der Trauer über den Heimgang Emanuel Geibel's, Ehren­bürgers der Stadt Lübeck würdigen Ausdruck zu verleihen, das Be- gräbmß des Dahingeschiedenen mit einer öffentlichen Feier begangen werden, die am Samstag, 9 Uhr Morgens, in der Marienkirche statt* findet. Vereine und Körperschaften sind zur Betheiligung aufgefordert worden. Der Bürgerausschuß hielt gestern eine besondere Sitzung dieser« halb.

— In München ist der Freiherr v. Cramer-Klett aus Nürnberg gestorben. Deutschland hat in ihm einen seiner größten und hochherzig­sten Industriellen verloren, den nur die eigene Begabung und Tüchtig­keit über viele Andere hinaus gehoben hat. Sein Ansang war klein, seine erste Gründung der „Friedens- und Kriegs-Courier" in Nürnberg, den er selbst schrieb. Seine großen Werke und e.eln Stiftungen über­leben ihn. In rascher Folge wurde er in den Freiherrnstand und zum erblichen ReichSrath erhoben und die Universitäten setzten ihm den Doc- torhut auf. Er wurde 67 Jahre alt.

— Paris, 8. April. Die Kammer beschloß, die Specialbera- thung des Rekrutirunqsgesetzes nach dem Wiederzusammentritt am 20. Mai zu beginnen. Clovis HugueS interpellirte wegen der Intervention der Truppen bei dem Strike in Anzin. Der Minister des Innern er­klärte: Die Regierung entsandte vorsichtshalber Truppen nach Anzin, weil man dort versuchte, den Strike in eine politische Bewegung zu ver­wandeln. Die Kammer nahm mit 327 gegen 66 Stimmen die Tages­ordnung an, worin dieselbe ihr Vertrauen zu den guten Absichten be­züglich der Arbeiter aut spricht Fallieres beantragte einen Credit von 785 000 gr. für die Mission Brazza's. Die Kammer hat sich bis zum 20. Mai vertagt.

— London, 8 April. Die Abreise der Königin nach Darm- stadt ist auf den 15. April festgesetzt; Prinzessin Beatrice wird dieselbe begleiten.

— B ukare st, 8. April. In Folge des gestrigen Votums der Kammer bezüglich der Feststellung der Tagesordnung, welches den Vor­schlägen des Ministerpräsidenten nicht entsprach, demissionirte das Ca« binet.

— Bukarest, 8. April. Der Senat botirte einstimmig die Motion, Bratiano ersuchend, seine Demission zurückzuziehen. — Die Kammer beschloß gleichfalls mit 98 Stimmen (25 Stimmen enthielten sich der Abstimmung) ein Vertrauensvotum. Man glaubt, in Folge dieser Voten werde Bratiano bleiben.

— New York, 8. April. Von dem verunglückten Dampfer „Daniel Steinmann" sind els Leichen, alle sehr verstümmelt, an's Ufer gespült worden, aber kein Theil bir Ladung; das Wrack liegt noch an derselben Stelle. Der Menschenverlun ist deshalb so bedeutend, weil in Samdro kein Rettungsbcot war. Aus Ottowa wird gemeldet, daß eine officieUe Untersuchung hinsichtlich des Schiffrbruchs des „Steinmann" angeordnet ist.

— Rew-D ork, 7. April. Der Dampfer „Spam" von der Rational- DsMpfsÄisss-Compagnie (T. Mrsfingscke Linie) ist hier eingetroffen.

Lokales, Provinzielles nnd Umgegend.

— Philippsruhe, 8 April. Ihre Königliche Hoheit die Frau Landgräfin von Hessen und bie Prinz ssin Tochter Elisabeth sind heute Morgen von Berlin hierher zurückgekehrt.

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