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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzral Correspondenz.
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Nr. 84.
Dienstag den 8. April
1884.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Der Königliche Steuerempiänger Leiß zu Bockenheim hat unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehülfen Andreas Jäger zu seiner Vertretung bei der Steuerk sie dortselbst sür die Dauer seiner gegenwärtigen Krankheit bevollmächtigt.
Kassel, am 31. März 1884.
Königliche Regierung,
Abtheilung sür direkte Steuern, Domänen und Forsten.
3578 ____________________Sch önian.
Getarmtumchmr gen Königl. Landrathsamts.
Gefunden: Ein evang. Gesangbuch.
Zugelaufen: Eine Ente.
Auf gefangen: Ein Pfau; Empfangnahme beim Feldschützen Schäfer zu Dörnigheim.
Verloren: Eine Brieftasche mit Inhalt.
Hanau am 8. April 1884.
___________________Aus Königl. Landrathsamt.___
Tages schau.
— Berlin, 7. April. Dem zum Vize - Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Aachen ernannten Herrn Wilhelm Math^e ist Namens des Reiches das Exequatur ertheilt worden.
— Berlin, 7. April. Se. Majestät der Kaiser und König waren gestern einige Stunden länger außer Bett, die Nachtruhe wurde durch Hustenreiz öfter unterbrochen. Se. Majestät stand heute um 12 Uhr auf und empfing den Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths v. Wilmowski, zu kurzem Vortrag.
— Ber.lin, 7. April. Der Kronprinz ist Abends 8'/- Uhr von London hier eingetroffen und startete gleich mach seiner Ankunft dem Kaiser einen Besuch ab. Die Großherzogin von Baden ist Abends nach Karlsruhe abgereist.
— Berlin, 7. April. Auf die Glückwunschadresse deS Aeltestew Kollegiums der Berliner Kaufmannschaft zum Geburtstage erwiderte der Kaiser: ^Jch ersehe zu meiner Freude, daß meine Bemühungen um die Sicherung des Weltfriedens und um die Erhaltung und Förderung fruchtbarer internationaler Beziehungen auch im Handelsstande lebhaft und dankbar empfunden werden. Ich hoffe mit Ihnen, daß diese Frie- denspolitik in ihren Folgen auf die Entwickelung und Hebung von Handel und Industrie einen segensreichen Einfluß üben werde."
— München, 7. April. (Landtag) Der Minister des Innern erklärte in Beantwortung der Getreidezoll. Interpellation des Abg. Off: Dem Bundesrathe liegen hierüber verschiedene Eingaben der bayerischen Regierung vor, er sehe sich demnach zu einer Initiative nicht veranlaßt, sei aber bereit, jede mäßige Erhöhung der GetrAdezölle zu unterstützen.
■ Die Kammer beharrte bezüglich der Beamtenaufbesserung bei ihrem früheren Beschlusse und lehnte die Modification des Reichsrathes in namentlicher Abstimmung mit 101 gegen 36 Stimmen ab.
— Wien, 7. April. Der ornithologische Congreß wurde vom Kronprinzen mit einer schwungvollen Ansprache eröffnet, in welcher derselbe namentlich betonte, daß die Naturwissenschaften diesem Jahrhundert den Stempel ausdrücken- und daß die Naturforscher unter dem Zeichen einer wahren, weil w ssenschaftlich begründeten Aufklärung auf allen Gebieten siegreich vordrängen.
— Brüssel, 6. April. Der deutsche Kronprinz ist Abends 110» Uhr nach Berlin zurückgereist, vom König und dem Grafen von Flandern zum Bahnhof geleitet. Die hier wohnenden Deutschen waren in großer Anzahl auf dem Bahnhöfe erschienen und begrüßten den Krön Prinzen enthusiastisch. t
— Madrid, 7. April. Der oberste Gerichtshof änderte das Ur- theil des Gerichtshofes zu HereS in dem Prozesse gegen die Mitglieder der Schwarzen Hand und verurtheilte alle Angeklagte zum Tode.
— Paris, 7. April. Bei der Deputirtenwahl in Moulins wurde Bruel (Republikaner) mit 5859 Stimmen gewählt; der Monarchist Corne erhielt 4604 Stimmen.
- Paris, 7 April. Der Senat lehnte mit 170 gegen 69 r Stimmen den Gesetzentwurf bezüglich der Pariser Municipalwahlen im Ganzen ab. Somit ist jede Hoffnung auf Erzielung eines Einverständ
nisses des Senats und der Kammer geschwunden; daher verbleibt der Status quo, wonach jedes Stadtviertel ein Mitglied deS Munizipalraths wählt.
— Paris, 7. April. In der vergangenen Nacht ist der Postzug Avricourt-Paris zwischen Barleduc und Longeville entgleist. Die Loco- motive und mehrere Wagen wurden zertrümmert, der Locomotivführer und Zugführer schwer verletzt, zwei Reisende und mehrere Beamte er- litten leichtere Verletzungen. Der Zug traf mit zwei Stunden Verspätung ein.
— Paris, 7. April. Ein Telegram auS Hanoi vom 6. April meldet: Die Expedition gegen Honghoa hat begonnen. Die Conceniri- rung der Brigaden Briöres und Negriers erfolgte bei Songtay Beide Brigaden werden am Ufer des Schwarzen Flusses — die erstere am linken, die zweite am rechten Ufer — vorgehen. Die Mitwirkung der Kanonenboote ist durch sehr hohen Wasserstand erschwert. Es heißt, der Feind würde von Leonvir loc befehligt. Die Zahl der Schwarzen Flog- gen wird auf 3000 Mann, diejenige der Chinesen auf 12 000 ManN geschätzt. Ein Theil der letzteren soll den Weg auf dem linken Ufer des Rothen Flusses vor Hong-Hoa besetzt hatten.
— Sofia, 7. April. Der frühere Finanzminister Ratschovitoch ist zum diplomatischen Agenten in Bukarest ernannt worden, derselbe reist heute ab. Der diplomatische Agent für KonstaUtinopel, Jakofgheroff, tritt im Laufe des Monats seinen neuen Posten an.
— Tagarog, 7. April. Die Schifffahrt ist wieder eröffnet.
— Halifax. 4. April. Der Dampfer „Daniel Steinmann" von der White Croß Linie, in Fahrt von Antwerpen nach New - Aork, sank in der vergangenen Nacht bei Sambro, etwa zwanzig Meilen von Hatt, fax. Von 140 Personen, die sich auf dem Schiffe befanden, sind bisher nur 9 ans Land gekommen.
— Kairo, 7. April Ein Telegramm Hussein Paschas meldet: Alle Straßen oberhalb Berbers sind von. den Aufständischen besetzt und abgesperrt; es ist unmöglich Depeschen aus Khartum durchzubrinaen, weil die Stämme zwischen Shendy und Khartum sich in offenem Aufstande befinden. Hussein Pascha befürchtet, daß auch Berber und Don- gola bald von den Aufständischen umzingelt sein werden. Bon Gordon fehlt seit dem 23 März jede Nachricht
— Bremen, 5. April. Der Dampfer deS Norddeutschen Lloyd „Amerika" ist in Baltimore und der Dampfer „Elbe" von derselben Gesellschaft in New Jack angekomMen.
— Trieft, 7. April. Der Lloyddampfer „Achille" ist mit der ostindisch-chinesischen Ueberlandpost aus Alexandrien gestern Abend hier angekommen.
Lokales, Provinzielles und Umgegend.
Hanau, den 8. April 1884.
— (Grimm-Denkmal) Erst drei Monate sind vergangen, seitdem in einer wissenschaftlichen Ausgaben gewidmeten Versammlung zu Hanau die erste Anregung gegeben wurde, den Brüdern Jakob und Wilhelm Grimm durch Errichtung eines ehernen Standbildes den Dank der Nation darzubringen, den dieselbe zweien ihrer edelsten Söhne schuldet In zahlreich besuchter Volksversammlung, in der die verschiedensten Berufskreise vertreten waren, wurde alsdann der Beschluß gefaßt, der Angelegenheit der Errichtung eines Grimmdenkmals in energischer Agitation näher zu treten, nachdem sich zunächst in Hanau, der Vaterstadt der beiden zu feienden Geistesheroen, sowie in dem ganzen Hessen- lande, das Jakob und Wilhelm Grimm bis an ihr Ende mit-echt deutschem Heimathsgefühl geliebt haben, alsbald eine lebhafte Begeisterung für den angeregten Gedanken kund gegeben hatte. Wenn wohl anfangs hier und da Zweifel laut wurden, ob das Unternehmen einen allgemeinen Ar klang finden würde und man wirklich sich darauf Hoffnun g machen könnte, daß die Kosten für eine eherne Doppelstatue aufzubrmgen feien, so verstummten diese Zweifel mehr und mehrmals schon nach Verlauf weniger Wochen die günstigsten Erfolge die Aussichten auf Verwirklichung des schwierigen Unternehmens näher rückten. Die Leitung der ganzen Angelegenheit liegt in den Händen eines „Comitds für Errichtung eines Grimmdenkmals", dessen ausführende Organe der „gefchäftssührende Ausschuß", der „Correspondenzausschuß" und der „Finanzausschuß" sind. Dank energischer Agitation war in kurzer Zeit die Angelegenheit der Bekanntschaft weitester Kreise zugeführt, und auf allen Seiten fand der