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Hananer Amciacr.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Gönn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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Nr. 79.

Mittwoch den 2. April

1884.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Für den Reservist Andreas Rauch aus Großauheim, geboren am 24. November 1853, ist um Entlassung aus dem Preußischen Unter­thanen Verbände behufs Verbleibens in Amerika nachgesucht.

Hanau am 28. März 1884.

Der Königliche Landrath Freiherr v. B r o i ch.

Gefunden: Zwei Portemonnaies mit je etwas Inhalt. Ein großer Hundemaulkorb. Zwei Kindertaschentücher. Eine goldene Broche mit schwarzem Stein.

Zugelaufen: Ein grauer Silberpinscher. Ein schwarzer junger Hund.

Hanau am 1. April 1884.

____________________Aus Königl. Landratbsamt.____________________

Bekanntmachung.

ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Grund- und Gebäudesteuer-Rolle hiesiger Stadt für das Jahr 1884/85 vom 2. bis 9. April d. J. zur Einsicht der Betheiligten im Lokale der Königlichen Steuerkasse I Hierselbst (Badergasse Rr. 2) offen liegen wird.

Hanau, am 29. März 1884.

Der Oberbürgermeister _________________________Rauch.________________________

Tagesschau.

Berlin, 1. April. Se. Maj. der Kaiser ließ dem Fürsten Bismarck durch einen Flügeladjutänten seine Glückwünsche abstatten, der Kronprinz, Prinz Heinrich und Prinz Alexander gratulirten persönlich. Die Minister, viele Generale und höhere Militärs, viele Herren und Damen der Hofgesellschaft und Notabilitäten aus allen Kreisen brachten ihre Glückwünsche persönlich dar. Die Gratulatiostelegramme zählten Mittags bereits nach vielen Hunderten.

Berlin, 1. April. Zum heutigen Geburtstage des Fürsten Bismarck trafen auS allen Gegenden Deutschlands, des Auslandes und aus überseeischen Ländern von Vereinen, Corporationen und Privat­personen sehr zahlreiche Glückwunschtelegramme, sowie Adreffen ein. Die Bundesfürsten, und allen voran der König von Bayern, gratulirten te. (--graphisch oder durch ihre Vertreter. Um 10 Uhr brächte das Musik- korps des Kaiser Alexander-Garderegiments eine Morgenmusik. Von vielen Seiten waren Blumenspenden und Geschenke eingegangen. Das Befinden des Fürsten Bismarck hat sich wesentlich gebessert.

Berlin, 31. März. Der Antrag Bremens auf Anschluß an den Zollverein wird derKöln. Ztg." zufolge in den nächsten Tagen beim Bundesrath einlaufen. Voraussichtlich wird der Antrag an einen Ausschuß verwiesen und dann zur Ernennung von Commissarien ge­schritten werden

Berlin, 1. April. Der hiesige amerkanische Gesandte Sargent hat in Erwartung des Einganges des ihm von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten in Aussicht gestellten Abberufungsschreibens einen Urlaub angetreten. Als interimistischer Geschäftsträger fungirt bis auf Weiteres der Legations-Sekretär Sidney Everett.

Ber lin, 1 Ap.il. Die Verhandlung gegen KraSzewski und Hentsch wegen Landesverräths findet am 12. Mai vor den vereinigten zweiten und dritten Strafsenaten des Reichsgerichts in Leipzig statt. Der Vertheidiger Kraszewski's ist Rechtsanwalt Säul, derjenige Hentsch's Rechtsanwalt SaMter. Did Verhandlung ist nicht öffentlich.

P. (Aus dem Abgeordnetenhause) Berlin, 31. März Im Abgeordnetenhause gelangte heute zunächst die Interpellation des Abg. Dr. v. Jazdzewski, bett, die Wiederaufnahme der Leistungen aus Staatsmitteln für den Umfang der Erzdiözesen Gnesen und Posen zur Verlesung. Nach kurzer Begründung derselben durch den Inter­pellanten beantwortete d r Herr Kultusminister Dr. v. Goßler die In terpellalion dahin, daß die Staatsregierung nicht gesonüen sei, die Wie­deraufnahme der Staatsleistüngen anzuordNen, und daß sie es ablehnen müsse, die Gründe für ihre ablehnende Haltung anzügeben. Abg. v. Stablewski sprach sein Bedauern über die Antwort des Ministers aus. Allerdings habe ihn dessen ablehnende Haltung nicht verwundert, denn

sie sei nur die Konsequenz des von dem Herrn Minister befolgten Systems. Die polnische Bevölkerung aber verlange keine Gnade, sondern einfach ihr Recht. Es sei auf das Tiefste zu beklagen, daß der Herr Minister Fragen, welche die polnische Bevölkerung berühren, so wenig objektiv zu beurtheilen vermöge. Abg. Frhr. v. Schorlemer-Blst betont die Solidarität sämmtlicher Katholiken des preußischen Staates in der verhandelten Frage. Durch ein Verfahren, welches die Katholiken polni­scher Nationalität anders behandele, wie die der anderen Diözesen, würde nur eine revolutionäre Gesinnung erzeugt, und die Verantwortung dasür treffe die Regierung allein. Er seinerseits möchte die Regierung war­nen, auf diesem Wege fortzufahren. Abg Dr. Windthorst bezeichnet gleichfalls die Antwort des Herrn Ministers nach Form und Inhalt als schwer verletzend. Er habe darin nur eine Erinnerung an autokratrschen Uebermuth erblickt, der zu gleicher Rücksichtslosigkeit herausfordere. Das Zentrum sei fest entschlossen, unerschrocken weiter zu kämpfen, um zu siegen oder ehrenvoll unterzugehen. Damit war der Gegenstand erledigt. Das Haus setzte darauf die Spezialberathung über die Jagdord- nung fort und beendete dieselbe. Zur Debatte standen noch außer den Bestimmungen über die Staatsaufsicht, den Straf und Uebergangs- und Strafbestimmungen, insbesondere ein Theil der Bestimmungen über den Wildschaden und diejenigen Paragraphen, welche sich als Konsequenz des zu § 62 gefaßten Beschlusses über die Eingatterung des Hochwildes er« geben. Es ist als sicher anzunehmen, daß § 62 in der Fassung, wonach auch Roth- und Damwild eingegattert werden muß, in dritter Lesung nicht aufrecht erhalten wird. Wesentliche Aenderungen wurden an den Kommissionsbeschlüssen im Uebrigen nicht mehr vorgenommen, die letzte­ren fanden mit wenigen Ausnahmen unverändert die Zustimmung der Hauses.

Meiningen, 1. April. Bei der Reichstagsstichwahl wurden bis jetzt gezählt: für Witte 6581 und für Viereck 3339 Stimmen.

Pest, 1. April. Dr. Rosenberg, welcher den Grafen Bat- thyany im Duell erschoß und hierfür in erster Instanz zu 2jährigem Gefängniß verurtheilt war, erhielt heute in zweiter Instanz eine Ge­fängnißstrafe von 6 Monaten.

Christiania, 1. April. Der Staatsrath Herzberg, in den zwei ersten Anklagepunkten nicht angeklagt, wurde heute verurtheilt zu einer Geldstrafe von 8000 Kronen und in die Proceßunkosten von 200 Kronen.

Paris, 31. März. In der Budget - Commission brächte der Abg. Viette den Antrag ein, eine Commission von fünf Mitgliedern zu ernennen zu dem Zweck, eine genaue Liste aller Beamten in den Ministe­rien (Direktoren, Unter-Direktoren, Bureau-Chefs,. CabinetS-Chefs, Unter- Chefs, Privatsekretäre u s. w.) aufzustellen, ebenso von den respektiven Bureau-Kassen. Man glaubt, daß es möglich sein wird, die Hälfte dieser Beamten als überflüssig beseitigen zu können.

Cannes, 1. April Der Prinz von Wales, der Graf und die Gräfin von Paris, der Herzog von Sachsen- Coburg und viele an­dere hervorragende Persönlichkeiten sind heute Nachmittag abgereist, um die Leiche des Herzogs von Albany zunächst flach Parts zu geleiten, wo die Ankunft morgen Vormittag um 10 Uhr erfolgt. Ber der Abfahrt werden der Leiche die üblichen militärischen Ehren erwiesen und Artil­leriesalven abgegeben. Von Paris wird die Leiche mittelst ExtrazugS nach Ch-rbourg übergeführt.

Rio de Janeiro, 31. März. Der Ertrag der nächsten Kaffee-Ernte in Brasilien wird auf 5 Millionen Pack geschätzt. Wie es heißt, hätten die Kaffee-Großhändler in Rio Santos sich dahin ge. einigt, trotz Rückgang des Kaffee-Preises in Europa und Nord-Amerika an den bisherigen Preisen festzuhalten.

Lokales, Provinzielles nnd Umgegend.

Hanau, den 2. April 1884.

ß (Festessen.) Zu Ehren des Geburtstages des Fürsten Bismarck hatten mehrere hiesige Bürger gestern imHotel Adler" ein Festessen v.ianstiltet. :j

Der erste Trinkspruch wurde auf den Gefeierten, nämlich auf deS deutschen Reiches Baumeister, den Fürsten Bismarck, in kernigen Worten von einem Festgenoss^n aus gebracht, sodann auch ein entsprechendes Tele­gramm an den Reichskanzler abgesandt.

Eine gehobene Feststimmung war unter den Theilnehmern sehr bald