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Nr. 78.

Dienstag den 1. April

1884.

t Fürst Bismarck

vollendet am 1. April sein 69. Lebensjahr Wer auf seine Nation und auf die Stellung, die sie erworben, stolz ist, wird an diesem Tage in freudiger Theilnahme des Geburtsfestes desjenigen Mannes gedenken, dessen Königstreue und deutscher Sinn, dessen Geist und Thatkraft die Nation zu dieser Stellung emporgehoben.

Mit Freude und Genugthuung haben, wir den Fürsten in den vergangenen Wochen sich wieder öffentlich an den Arbeiten des Parla­ments betheiligen sehen, ein Zeichen wiedergewonnener Kraft und Gesundheit. Möchte das neue Lebensjahr ihm diese Kraft und Gesund­heit erhalten und vermehren, damit er seine Dienste noch ferner dem Vaterlande widmen könne. Es bedarf derselben in den jetzigen bewegten Zeiten ganz besonders. In dem neu entbrannten Kampfe gegen den Radikalismus, für Königthum und nationale Reform, trägt er uns nicht nur die Fahne voran: sein Name, seine Autorität und geschichtliche Per­sönlichkeit sind es, die uns für diesem Kampf auch immer neue Hilfs. truppen zuführen, selbst aus solchen Volksschichten, die sonst unrettbar der politischen Phrase und dem Radikalismus selbst verfallen würden. Wenn sich heute im ganzen Volke ein Sturm der Entrüstung über die wieder ausgegebene Parole:Fort mit Bismarck" erhebt, so dürfen wir hierin nicht nur ein Gefühl der Dankbarkeit, der Anhänglichkeit und des Vertrauens für den großen Staatsmann erblicken, sondern auch ein Zeichen dafür, daß sein Wirken und Schaffen dem Volke Verständniß bereitet hat für die Prinzipien, von denen fein ganzes Leben getragen ist: er hat durch sein glänzendes Beispiel den monarchischen Sinn in unserem Volk befestigt, in den weitesten Kreisen Widerwillen gegen Par. lamentsherrschaft und Parteiwirthschaft verbreitet, das Interesse von po­litischen Machtfragen abgelenkt und den Grundbedingungen unserer na­tionalen Wohlfahrt, nämlich der Sorge für Besserung unserer wirth- schaftlichen und socialen Verhältnisse zugewandt, daS nationale Selbst- bewuhlitin gehoben und den Werth zielbewußter Thatkraft, verbunden mit Goltvertrauen, uns höher schätzen lehren. Das Alles braucht unsere Nation wie daS liebe Brod, namentlich auch in den gegenwärtigen Kämpfen, und darum braucht die Nation den Fürsten Bismarck heute mehr, wie je, damit sie nicht wieder in die alten Fehler zurückverfalle und damit die gegenwärtigen inneren Wirren zu einem glücklichen Aus- gange führen.

Möchte die Vorsehung uns diesen Vorkämpfer für Königthum und rationale Reform noch recht lange erhalten und ihn mit neuer Kraft ausstatten, daß er sich an diesen hochwichtigen, für die Zukunft ent- scheidungsvollen Kämpfen auch weiter in unmittelbarer Weise als Führer und Feldherr betheiligeu könne: das wird unS und der Sache gewiß zum Siege und Segen gereichen!

Tagesschau.

Berlin, 31. März. Heute Vormittag 11 Uhr nahmen Se. Majestät der Kaiser und König militärische Meldungen und darauf den Vortrag des Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski entgegen.

Berlin, 31. März. Se. Moj. der Kaiser konferirte Nach­mittags längere Zeit mit dem Fürsten Bismarck.

Berlin, 31. März. Der Kronprinz wird morgen Abend räch London abreisen, um der Beisetzung des Herzogs von Albany bei. zuwohnen.

Berlin, 31. März. Amtlicher Mittheilung aus Triest zufolge sind Seitens der K. und K. österreichisch ungarischen Regierung alle bisher noch bestehenden Quarantänevorschriften für Provenienzen aus dem Orient aufgehoben worden. Diese Verfügung findet auch An­wendung auf alle aus dem Orient angekommeuen Schiffe, welche sich gegenwärtig in den österreichischen Häfen unter Beobachtungsquarantäne befinden.

Berlin, 31. März. Das Garde-Schützen-Bataillon wird am 30. September d. I. von Berlin nach Lichterfelde verlegt werden, ferner nach den diesjährigen Herbstübungen das 2. Bataillon 4. West- sälischen Infanterie-Regiments Nr. 17 von Neu-Breisach nach Mül- hausen i. E. und das Füsilier-Bataillon desselben Regiments von Mül- Hausen i. E nach Neu-Breisach, endlich die reitende Abtheilung 1. Pommerschen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 2 zum 31. März 1884 von Gartz a. O. nach Belgard.

Berlin, 31. März. Die Post sagt anläßlich des morgigen

Geburtstages des Fürsten Bismarck: Die zweiunddzwanzigjährige un­unterbrochene Führung eines so ungeheuren Geschäftskreises mit einer ebenso ungeheuren Fülle von Initiative und Erfolgen ist ohne Beispiel. DaS Blatt hebt hervor, daß Fürst Bismarck mit der Richtung seiner Politik auf dem Boden der öffentlichen Meinung überall vorgedrungen sei, was sich aus einem Vergleich der öffentlichen Meinung von 1875 und der heutigen bezüglich der Social- und der Steuerreform ergebe. Wenn aber die Stellung Deutschlands auf Generationen befestigt werden solle, so müssen dem Wirken des Kanzlers weniger Hindernisse bereitet werden.

Berlin, 31. März. In der heutigen (68.) Sitzung des Ab» geordnetenhauses wurde nach Erledigung der Interpellation des Abg v. Jazdzewski u. Gen. die zweite Berathung der Jagdordnung zu Ende geführt.

Seitens der Militärbehörde ist es den Bataillonen zur Pflicht gemacht, bei solchen Mannschaften, welche bei der periodisch vorzuneh- menden ärztlichen Untersuchung durch ihre ungünstige Körperbeschaffen- Heit auffallen und angeben, daß ihre Eltern, resp. Anverwandten an Brustkrankheiten leiden, bezw. gestorben sind, bei den heimathlichen Be­hörden amtliche Ermittelungen anzustellen.

Im 12. Breslauer Wahlbezirk (Glatz) ist an Stelle des verstorbenen Abg. von Ludwig Frhr. von Huene-Mahlendorf (Centrum) mit 6493 Stimmen zum Mitgliede des Reichstags gewählt worden. Oberbürgermeister von Forckenbeck erhielt 654 und Schneidermeister Kühn in Langenbielau, Sozialdemokrat, 78 Stimmen.

München, 31. März Die Abgeordnetenkammer genehmigte die von den Reichsräthen in den Etat eingestellte Professur der Anatomie in Würzburg und die von Marquardsen beantragte Erbauung von Ba­racken für Pockenkranke in Erlangen. Bei Berathung des Forstetats erklärte der Finanzminister, daß die Regierung bei dem Bundesrathe für die Erhöhung der Holzzölle eintreten werde.

Wien, 31. März. Die Reue Freie Presse meldet den Aus­bruch eines Aufstandes in Tschako na (Ober Albanien). 3000 bewaffnete Muhamedaner drangen in die Stadt ein, drohten den Commandanten und die Garnison niederzumachen, falls sie nicht die Stadt räumten. Details fehlen.

P est, 30 März. Von den neunzehn verhafteten Anarchisten sollen blos die fünf schwer Gravirten, nämlich: Fried, Präger, Ruß, Schäffler und Ragy in Hast verbleiben. Die übrigen vierzehn sollen ausgewiesen und heute behufs Abschiebung der Polizei übergeben wer­den.

Laut einer Meldung aus Prag soll die dortige Handelskammer, deren Mehrheit deutsch ist, aufgelöst werden Die Neuwahlen sollen auf Grund der neuen, von der Handelskammer-Mehrheit abgelehnten Wahl­ordnung erfolgen. Dies wäre ein bedeutsamer czechischer Erfolg.

Chrrstiania, 31. März. Staatsrath Schweigaard (im ersten Anklagepunkte nicht angeklagt) wurde heute zu einer Geldstrafe von 8000 Kronen und den Prozeßunkosten von 200 Kronen verurtheilt.

Rom, 29. März. Gestern Nachmittag ist auf der Insel Jschia eine Erderschütterung wahrgenommen worden, die indessen kei­nerlei Schaden verursachte. Die im ersten Augenblick erschreckte Bevöl­kerung beruhigte sich bald wieder.

Paris, 31. März Der Temps bezeichnet es als unrichtig, daß Millot erklärt habe, daß 18 000 Mann zur Occupation TongkingS erforderlich seien. Er meint, 6000 Mann französische Truppen, unter­stützt von aus Eingeborenen gebildeten Hilfstruppen, deren Organisation fortschreite, würden genügen.

Paris, 31. März. DieRepublique Fran^aise" fordert die Regierung auf, der großen republikanischen Mehrheit des Landes durch festere Haltung in der allgemeinen Verwaltung Genugthuung zu gewäh­ren; ein zweiter Artikel derselben bezichtet die Orleanisten der Conspira- tion. Der Graf von Baris ertheile zwar nicht ausdrücklichen Befehl, der Regierung Hindernisse und Erschwerungen zu bereiten, rege dazu aber unaufhörlich an. Die Regierung müsse Maßregeln gegen die Orleanisten ergreifen.

London, 31. März. Gladstone ist Nachmittags wieder hier eingetroffen und in seiner Amtswohnung, Downing Street, abgestiegen. Die Beisetzung des Herzogs von Albany findet nicht, wie zuerst be-