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Nr. 65.

Montag den 17. März

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1884.

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Auszug aus dem Jahresbericht des Hanauer Geschichtsvereins vom 13. März 1884.

Der Verein verlor zwar 10 Mitglieder, davon 3 durch Tod (die Herren Gioth, Kittsteiner, Pfarrer Rullmann), dagegen traten über 40 ein, und die Mitgliederzahl ist so hoch gestiegen wie noch nie; es sind 182, außerdem noch die Ehrenmitglieder: Fürst Karl zu Jsenburg in Birstein, Freiherr von Eber st ein in Dresden, Lan- desbibliothekar Vr. Duncker in Kassel, Architekt von Rößler in Rieuburg, Lehrer Schaack in Groß-Krotzenburg.

Dem entsprechend war das Vereinsjahr auch in finanzieller Be­ziehung günstig. Die Stadt Hanau erhöhte ihren Jahresbeitrag frei- willig von 25 Mark auf das Doppelte, wofür wir diesem hochgeschätzten Mitglied zu besonderem Dank verpflichtet sind. Eine im Verein selbst veranstaltete Sammlung von außerordentlicher Beisteuer zu den Kosten der Ausgrabungen ergab 445 Mark. Zum ersten Mal blieb am Schlüsse des Jahres ein für die Verhältnisse nicht unbedeutender Ueberschuß. Doch darf dies den Verein keineswegs zur Ueppigkeit verleiten, und zu einem Reservefonds, der zUr Herausgabe von selbständigen Bereinsschriften so nöthig wäre, kann jetzt erst ein Anfang gemacht werden. Unser Ver­ein hat zwar einen guten Namen erlangt, aber neben den anderen immer noch einen schweren Stand. Die Aufgaben, die ihm obliegen, sind be­sonders mühevoll und kostspielig; in seinen Bereich gehört nicht nur das dunkelste römische Grenzgebiet, sondern auch die ebenso dunkle älteste Hanauer Geschichte.

Die vermehrten Geldmittel machten es möglich die Forschungen nach altrömischen Anlagen beharrlich fortzusetzen und in größerer Aus­dehnung systematisch zu betreiben. Bei Groß-Krotzenburg wurde die rö­mische Ziegelei, wovon eine Tradition ging, wirklich an der ange­gebenen Stelle gesunden und ein merkwürdiger großartiger Brennofen genau untersucht, wobei die Thätigkeit des Herrn Baumeisters Wolfs von Frankfurt lobend hervorzuheben. Die Richtung des Grenzwalls bei dieser Ziegelei wurde fonftatüt; es stellte sich heraus, daß der Graben desselben genau in den Castellgraben mündete. Das kleine Castell am neuen Wirthshaus wurde sorgfältig erforscht, mehrere Thürme am Pfahl- graben entdeckt, die Beschaffenheit der ganzen Vertheidigungslinie vom Main bis zur Kinzig weiter ermittelt, dann im Herbst die Hauptarbeit vorgenommen, die Aufdeckung und Aufzeichnung des bisher unbekannten Castells bei Rückingen. Vorausgegangen war eine interessante Entdeckung am linken Mainufer zwischen dem Steinheimer Bahnhof und der Main­spitze ; dort kamen nämlich beim Sandgraben römische Gräber zum Vor- schein, die natürlich einer eingehenden Untersuchung unterzogen wurden. Alle diese Ausgrabungen brachten viel Mühen und Beschwerden, fanden auch oft Hindernisse in Gründen der Agrikultur, sie waren aber lohnend, bereicherten die Wissenschast durch mancherlei Ausschlüsse und lieferten unserem Museum einen ansehnlichen Zuwachs von wichtigen Fundstücken. Eine Zusammenstellung aller Resultate bleibt spaterer Publikation Vor­behalten, wobei leider der Geldpunkt wieder sehr in Betracht kommt. Unsere Rückmger Studien erfreuten sich einer besonders dankenswerthen Förderung von Birstein. Dort befand sich eine Anzahl Gegenstände, die in den Jahren 1802 bis 1804, als Fürst Karl von Jsenburg das Rö­merbad bei Rückingen ausgraben ließ, gefunden und zuerst in dessen Schloß zu Large^-Selbold aufbewahrt waren. Durch Fürsprache deS Leibarztes Dr. Robert Suchier in Birstein gelangten Dieselben als Geschenk Sr. Durchlaucht des Fürsten Karl in unser Museum, das nun mit Ausnahme von wenigen Sachen, die dort behalten wurden, die wich­tigen römischen Alterthümer von Rückingen sämmtlich vereinigt.

In den regelmäßig abgehaltenen Monatsversammlungen wurde von den zumeist beteiligten Herren Dr. Wolfs, Major Dahm, Direktor Hausmann und Dr. Suchier über die Ausgrabungen und die wich­tigsten Erwerbungen Bericht erstattet. Außerdem hielt Herr Sanitäts- rath Dr. Roll zwei Vorträge über das Altstädter Hospital, dem Haupt­inhalte nach abgedruckt in den Kasseler Mittheilungen. Pfarrer Rull­mann gab Auszüge aus einem Tagebuch von KessWadt aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Herr Major Wille schilderte im Anschluß daran die Schlacht bei Detlingen, sowie in drei Vorträgen die Schicksale und Zustände Hanaus, besonders in militärischer B ziehung, vom Bau der N ustudt an bis 1629 Herr Pfarrer Jun ghans be­

richtete über drei alte Stammbücher in der fürstlichen Bibliothek zu Birstein, hielt einen Vortrag über die Ritterburg zu Rückingen, der im Unterhaltungsblatt zum Hanauer Anzeiger erschien, und widmete dem am 18. Januar verstorbenen verdienten Pfarrer Dr. Rullmann einen Nekrolog. Herr Rößler hielt einen Vortrag über die beiden alten Todtenhöfe, der nachher im Beiblatt zum Anzeiger abgedruckt wurde. Kammerherr von Donop sprach über die Wichtigkeit von Sammlun­gen und legte aus seiner Autographensammlung eine reiche Auswahl vor. Wenn also auch das Antike diesmal sehr in den Vordergrund trat, wurde doch auch die andere Seite, die engere vaterländische Geschichte, nicht stiefmütterlich behandelt.

Von wohlwollendem Entgegenkommen erhielt der Verein vielfache Beweise. Die Zeit erlaubt auch hier nicht alles geziemend hervorzuhe­ben und näher zu begründen; unser Dank muß kurz sein. Wir erstatten ihn den Herren von der Pulverfabrik für kalligraphische und andere schöne Leistungen, auch für ein dort gefundenes Geräth aus der uralten Steinzeit, Herrn H. Emmel für sorgfältige Ausführung der Aufnahmeurkunde für S. Durchlaucht den Fürsten von Jsenburg. Das Museum dankt seinem Conservator Direktor Hausmann, sowie Herrn Hofbuchhändler Alb erti für römische Münzen von Rückingen. Biblia- thck und Archiv wurden bereichert durch die Herrn Pfarrer Jung- hans, Postsekretär Lerpp, Ed. Rößler, Pfarrer Rullmann (sein Werk über den Aufenthalt der Hohenstaufen in Gelnhausen), Lehrer Zehner, Hofmetzger Ohl, Pfarrer Bernbeck in Höchst, Kasernen- inspektor Menne (feine Schrift über das hiesige Lazareth 1870 bis 1871), das Hiesie Amtsgericht II., Kaufmann L. Bauer, Stadt­baumeister Thyriot und durch viele fremde Vereine. Die Ausgra­bungen wurden in dankenswerther Weise durch die Forstbehörde, das hiesige Osficiercorps, die Eigenthümer und Pächter der Aecker gefördert. Die Bereitwilligkeit, die wir in Groß Krotzenburg fanden, fehlte auch in Rückingen nicht. Bei den dortigen Ausgrabungen leisteten die Herren Studiosus Küch und Candidat Reul mit ausdauernder Jugendkraft Hülfreiche Hand, unbeirrt durch Wind und Wetter. Besonders verdient machte sich Herr Major Dahm, dem der Verein schon so viel verdankt; er setzte seinen Verdiensten dadurch die Krone auf, daß er es übernahm auf eigene Kosten den Platz des Rückinger Römercastells durch Inschrift- steine (mit den Namen der Thore) zu bezeichnen. In Groß Krotzenburg war selbstverständlich Herr Schaack unverdrossen thätig; er bedauert nur, daß seiner Thätigkeit schon Schranken gesetzt sind und daß sein Wirkungskreis immer kleiner wird.

Zum Schluß ist noch eine Neuerung zu erwähnen, über die wir uns mit dem Vorstand des hessischen Hauptvereins verständigt haben. Derselbe gibt jährlich zweimal Mittheilungen für feine Mitglieder heraus, deren Inhalt Vereinsangelegenheiten bilden, wie Zuwachs der Samm­lungen, Vorträge in Kassel, Marburg und Hanau, und worin auch kleinere selbständige Aufsätze ausgenommen werden. Diese Mittheilungen werden von jetzt an auch allen unseren Mitgliedern, die dem hessischen Verein nicht angehören, eingehändigt, ein abermaliges uneigennütziges Entgegenkommen von Kassel aus, das alle Anerkennung verdient, um io mehr, da nicht der vierte Theil von den Mitgliedern des hiesigen Ver­eins dem hessischen angehört.

Rechnen wir noch das Grimm-Denkmal hinzu, das Dr. Wolfs anregte, und wozu unser Verein in Verbindung mit der wetterauischen Gesellschaft die ersten Schritte that, so dürfen wir wohl ohne Ueberhe- bung sagen: der Geschichtsverein hat viel gethan.

Tagesschau.

Berlin, 15. März. Se. Maj der Kaiser tonferirte heute Nachmittag mehr als eine Stunde mit Bismrrck

Berlin, 16. März. Der Reichskanzler hat anläßlich des Geburtstages Sr. Maj.stät des Kaisers auch dem Gesandten der Ver­einigten Staaten von Nordamerika eine Einladung zum Diner am 22. März zugehen lassen. Mr. Sargent hat diesel e angenommen.

Berlin, 16. März. Windthorst brächte wieder im Reichs­tage den Antrag, betreffend Aufhebung des Gesetzes vom 4. Mai 1874 (Expatriirungsgesetz), ein.

Berlin, 15. März. (Reichstag. 6. Sitzung) In der heuti-