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Nr. 54.

Dienstag den 4. März

1884.

Bekanntmachungen KönigL. LandrathsamLs.

Der Taglöhner Heinrich Wiederspähn aus Aufenau, welcher seither in Bockenheim bei Gutspächter Will in Diensten stand, hat sich nach Mittheilung des dortigen Bürgermeisteramtes im Dezember pr. von dort entfernt und konnte dessen Aufenthalt bis jetzt nicht ermittelt werden.

Derselbe hat für sein in Pflege der Armen-Kommission zu Hanau befindliches Kind Konrad, geb. 21. Januar 1880, einen Alimentations- beitrag von 3 M. monatlich zu zahlen und ist mit diesem Beitrag seit 1. Januar er. im Rückstände geblieben.

Es wird ersucht, nachdem Aufenthaltsort des rc. Wied erspähn zu recherchiren und im Ermittelungsfalle Nachricht hierher zu geben.

Hanau am 29. Februar 1884

Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.

Der Ackermann Peter Heinrich B r o d t aus Ostheim hat um Reisepaß für sich nach Amerika nachgesucht.

Hanau am 28. Februar 1884.

Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.

Gefunden: Ein Paar braune Handschuhe. Ein Zeichnenkasten. Ein Paar braune Handschuhe. Drei Messer. Ein Muff. Ein Porte­monnaie mit Geld. Eine Pferdedecke.

Hanau am 4. März 1884.

Aus Königl. Landrathsamt.

t Die Interessen der Landwirthschast

Den Verhandlungen des Congresses deutscher Landwirthe und des Vereins der Steuer- und Wirthschaftsreformer sind jetzt auch Verhand­lungen des deutschen LandwirthschaftSraths über die Lage der bäuerlichen Verhältnisse gefolgt. Der letztere faßte in Uebereinstimmung mit den anderen beiden Versammlungen am Mittwoch sein Urtheil dahin zusam­men, daßauf Grund der bisherigen Ermittelungen ein Nothstand des bäuerlichen Grundbesitzes in einem großen Theile Deutschlands zur Zeit anerkannt werden kann."

Dieses Urtheil steht, wie wir wiederholt ausgeführt haben, in vollem Einklang mit allen Kundgebungen von maßgebender wie von be- theiligter Seite, die namentlich die Verhältnisse in Preußen betrafen. Dasselbe wird aber auch noch besonders bestätigt durch einige Vorgänge in letzter Zeit, die um so mehr hervorgehoben zu werden verdienen, als sie bezeugen, daß auch außerhalb Preußens in den anderen deutschen Bundesstaaten die Nothlage in gleicher Weise empfunden und das Be­dürfniß nach Abhilfe anerkannt und immer lauter zur Geltung gebracht wird. Die einfache Aufzählung folgender Thatsachen wird genügen.

Wir erinnern zunächst an die Stelle der Thronrede, mit welcher am 14. November der Landtag des Königreichs Sachsen eröffnet wurde, und worin ausdrücklich konstatirt wurde, daß die Landwirthschast an der eingetretenen Besserung der Erwerbsverhältnisse nicht in dem erwünschten Maße habe theilnehmen können, und werde die Regierung demgemäß ihre besondere Aufmerksamkeit auf die Hebung des landwirth- schaftlichen Gewerbes richten.

In der zweiten Kammer des GroßherzogthumS Hessen wurde jüngst auch über die Lage der Landwirthschaft verhandelt, in Folge dessen die dortige Regierung dem Landtage soeben eine Vorlage wegen Verwendung von 20 000 Mark behufs Erhebungen über die Lage der Landwirthschaft im Großherzogthum Hessen gemacht hat.

Nicht anders scheinen die Verhältnisse in Elsaß-Lothringen bezüglich der Landwirthschaft zu liegen. Dem Landesausschuß sind ver­schiedene Petitionen zugegangen, in denen wegen der wachsenden Con- currenz des Auslandes um Erhöhung der Zölle auf fremde landwirth- schaftliche Produkte, besonders auf Getreide und Tabak, gebeten wird. Die betreffende Kommission des Landesausschusses bat die Berechtigung der Petitionen anerkannt und im Sinne derselben Beschluß gefaßt.

In Baden haben bereits Erhebungen über die Landwirthschast stattgefunden, die in verschiedenem Sinne gedeutet werden. Ins Gewicht fällt hier aber besonders, daß Mitglieder der liberalen Parteien in der

zweiten Kammer sich entschieden für eine Schutzzollpolitik im Allgemeinen wie für eine Erhöhung des Getreidezolles sowie für andere die Besserung der Lage der Landwirthschast bezweckende Maßregeln ausgesprochen haben. Don großem Interesse ist ferner, daß in Baden unter den Bauern eine Bewegung zum Zweck der Gründung einesBauerbundes" begonnen hat, die vornehmlich durch die Erkenntniß veranlaßt worden ist, daß die land- wirthschaftliche Bevölkerung bei ihrer numerischen Ueberlegenheit im ganzen Reich die Mittel und die Macht in Händen habe, eine Majorität in den Reichstag zu bringen, welche dafür sorgt, daß die Landwirthschaft in ihre Rechte tritt. In dem Aufruf zu demBauernbunde" wird darauf Hingewi.sen, daß die Bauernunter dem Druck der Schulden und aller möglichen anderen Dinge leiden, welche zum Theil durch zu hohe Steuern, durch Unglück, vieljährigen Mißwachs, unüberwindliche Concurrenz des Auslandes und zum anderen Theile durch den allein maßgebenden Einfluß der anderen Stände auf die Gesetzgebung herbei­geführt würden." Die Bauern werden zur Unterstützung der Politik des Kanzlers aufgefordert und davor gewarnt, sich von gewissen politischen Parteien ins Schlepptau nehmen zu lassen: derbadische Bauernbund", welcher inzwischen ins Leben getreten ist, will in Zukunft nur solche Männer wählen, welchefür genügenden Schutzzoll aus fremdes Getreide, für Abschaffung jeder Doppelbesteuerung,.Unversteuerbarkeit der Schulden, Gründung einer Anstalt, welche es dem Bauern ermöglicht, um billigeren Zinsfuß Geld zu erhalten, eintreten wollen."

Diese übereinstimmenden Kundgebungen bezeugen sowohl das Vor­handensein einer schwierigen Lage der Landwirthschaft wie die zunehmende Erkenntniß von der Nothwendigkeit der Abhilfe in ganz Deutschland. Diese Erkenntniß ist zugleich der beste Weg, um zum Ziele zu gelangen. Mögen unsere preußischen Bauern es an nichts fehlen lassen, um dies Ziel zu erreichen. Das Bewußtsein, daß sie auch in den übrigen deut­schen Staaten Bundesgenossen in gleicher Lage und mit gleichen Bedürf­nissen haben, wird sie gewiß dazu anspornen, mit Nachdruck ihre Inte­ressen selbst in die Hund zu nehmen und zur rechten Zeit für ihre gute Sache einzutreten.

Tagesschau.

Berlin, 3. März. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute den Vortrag des Geheimen Civilkabinets entgegegen und empfingen den Generallieutenant ä la suite der Armee, Prinzen Hugo von Schoenburg. Das Diener hüben Allerhöchstdieselben für heute bei dem Kriegsminister, Generallieutenant Bronsart von Schellendorff anzu- nehmen geruh:.

Berlin, 3. März Prinzessin Friedrich Karl ist Abends aus Dessau wieder hier eingetroffen, vom Prinzen Friedrich Karl empfangen und ins Schloß begleitet worden.

Berlin, 3. März. Der Generallieutenant v. Bo eh n, Com­mandeur der 21. Division, welcher nach Beendigung des Ehrendienstes bei Sr. Kaiserlichen Hoheit dem Großfürsten Michael Ricolajewitsch von Rußland noch einige Tage hier anwesend war, ist nach Frankfurt a. M. wieder abgereist.

Berlin, 3. März. Die Gerüchte von einer zu erwartenden anderweiten Zusammensetzung des Reichstagspräsidiums werden in parla­mentarischen Kreisen als unbegründet bezeichnet.

- Berlin, 3 März In seiner heutigen (57.) Sitzung über- wies das Abgeordnetenhaus bei der dritten Etatsberathung den Antrag des Abg. Rickert, die Unterstützung?- und Remunerationsfonds für Be­amte zu trennen, der Budgetkommission; genehmigt den Etat der Domä- nenverwaltung und erledigte den der Lotterieverwaltung. Ein zum Extra- ordinarium der Bauverwaltung gestellter Antrag wird der Budgetcom- mission überwiesen und schließlich nach längerer Debatte der Justizetat unverändert genehmigt.

Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Roch demR.- u. St.-A." Rr. 54 wurde unterm 28 Fe­bruar verboten: das in Rbeda im Verlage von Hermann Kreutzkamp erschienene und bei Wörlein und Cowp. in Nürnberg gedruckte Flugblatt, betitelt:An die Wähler des Wahlkreises Bielefeld Wiedenbrück, Wäh­ler, Arbeiter in Stadt und Land!" unterschriebenSozialdemokratffche Wähler des Wahlkreises Bielefeld-Wiedenbrück".