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Nr. 53.
Montag den 3. März
1884.
Tagesschau.
— Berlin, 1. März. Se. Majestät der Kaiser und König ließen Sich von dem GeneralQnartiermeister der Armee, Generallieutenant Grafen v. Waldersee einen längeren Vortrag halten.
— Berlin, 1. März. Die Eröffnung des Reichstages findet am Donnerstag, Mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des königlichen Schlosses nach vorherigem Gottesdienste im Dome resp, in der Hed- Wigskirche statt.
— Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach dem „R.- u. St.-A." Rr. 53 wurden unterm 28. und 29. Februar verboten: 1) Der zu Anfang des Monats Februar l. Js. in Frankenthal gegründete Fachverein der Schreiner und verwandten Beruskgenosfen. — 2) die nichtperiodische Druckschrift: „Das Unterirdi- sche Rußland. (La Kussia sotterranea) Revolutionäre Porträts und Skizzen aus der Wirklichkeit von Stepnjak, ehemaligem Direktor von „Senil ja i Wolja“. (Land und Freiheit.) Mit einem Vorwort von Peter Lawroff. Aus dem Italienischen übersetzt von Max Trautner. Bern, Rudolf Jenni's Buchhandlung (H. Koehler) 1884".
— Zur Beseitigung der Uerschwemmu ngsschäden, sowie zur Unterstützung der nothleidenden Bewohner der Gebirgsgegenden im Regierungsbezirk Coblenz sind bis Ende Januar d. I. folgende Geldbeträge zur Auszahlung gelangt: 1. an Staatsbeihilfe 331,182 M. nämlich 84,041 M. aus dem Allerhöchsten Dispositionsfonds von 500,000 M., welcher zur Linderung der augenblicklichen Noth, sowie zur Desinfection rc der überschwemmt gewesenen Wohnungen bestimmt worden, 5000 M. vom Minister des Innern für die Stadt Neuwied, 20,000 M. vom Oberpräsidenten aus dem Allerhöchsten Dispositionsfonds von 600,000 M. überwiesen, und endlich 222,141, welche auf Grund des Gesetzes vom 21. Januar 1883 an Staatsbeihilfen gezahlt worden; 2. aus Privatspenden 521,098 M. nämlich 258,683 M. vom Oberpräsidenten theils direet theils vom Provinzial Comite überwiesen, 157,161 M. vom Hilfscomite für den Regierungsbezirk Coblenz bewilligt, und 105,254 M. den Gemeindeu direct zugegangen. Es wurden also im Ganzen gezahlt 852,280 M. Hiervon erhielten die einzelnen Kreise: Ahrweiler 84,843 M., Stadt Coblenz 3.1,034 M., Kreis Coblenz 180,923 M., Cochem 48.044 M., St. Goar 68,180 M., Mayen 40,695 M. , Kreuznach 38,411 M , Meisenheim 7300 M., Neuwied 153,707 M., Wetzlar 1500 M.; außerdem 96,890 M. die nothleiden, den Bewohner der Gebirgsgegenden. 890 M. wurden an Frachtremuneration gezahlt. Die nun noch bei dem Central-Provinzial-Comite zur Unterstützung der Ueberschw.mmten in der Rheinprovinz vorhandenen Restbestände der eingegangenen Unterstützungsgelder im Betrage von 89,407 M., sollen dem Beschlusse dieses Comites gemäß zur Ausbesserung der durch die Überschwemmungen des vorigen Winters beschädigten Wasserschutzvorrichtungen und anderer, aus gleichem Anlaß geschädigter Gemeindeanlagen, sowie zur Herstellung neuer Dammanlagen, welche vor künftigen Ueberfluthungen Schutz gewähren, verwendet werden. Der dem Hilfscomite für den Regierungsbezirk Coblenz noch zur Verfügung stehende Restbetrag der eingegangenen Privatspenden von 33,453 M. findet als Unterstützung zur Beseitigung der erst nachträg. lich hervorgetretenen, durch die Hochfluthen verursachten Schäden Ver. Wendung.
— Elbing, 1. März. In der-vergangenen Nacht ist ein Theil der Schichan'schen Maschinenfabrik abgebrannt. 600 Arbeiter sind augenblicklich brodlos.
— München, 1. März. Die Kammer genehmigte 214 000 M. fakultative Staatszuschüsse für Wasserbauten, uulche in Folge von U-ber- schwemmungen nothwendig den Gemeinden obliegen, darunter 100000 Mark für die Erhöhung der Rheindämme in der Pfalz als erste Rate.
— Wien, 2. März, Vormittags. Nach den hiesigen Morgen- zeitungen zugegangenen Telegrammen sind bei dem verhafteten Socialisten Präger zahlreiche Papiere sehr kompromittirenden Inhalts, aber keinerlei Provenienzen von dem Eisert'schen Raubmorde mit Beschlag belegt worden. Im Ofen anfgesundene verkohlte Reste verbrannter Papiere lassen v rmuthen, daß Präger die gravirendsten Sachen vor seiner Ve> Haftung vernichtet habe.
— In dem norwegischen Minister-Anklageprozeß ist das erste Ur
theil gefallen. Es betrifft den Staatsminister von Selmer und lautet auf Amtsentsetzung und Zahlung von 18 225 Kronen.
— Chri stiania, 1. März. Heute Nachmittag 2 Uhr über« brächte die Deputation des Reichsgerichts dem Könige das Urtheil gegen den Exminister Selmer. Der Prozeß gegen Staatsministtr Kierulf wurde bis zum 7, März verschoben.
— Christiania, 2 März. Das Urtheil gegen den Staats- minister Selmer ist auf Befehl des Königs dem Justizdepartement zur weiteren Behandlung der Angelegenheit übermittelt worden.
— Rom, 1. März. Morgen beglückwünschen sämmtliche hier anwesende Cardinäle und Prälaten den Papst zu dem Jahrestage seiner Krönung und zum Geburtstage.
— Paris, 29. Februar. Der „Temps" bespricht die englische Politik in Egypten und schreibt: „Was würden die Engländer sagen, wenn Frankreich sich so benommen, wie es die Engländer thun? Welche Ausdrücke der Geringschätzung und Indignation, welche Vorwürfe der Unerfahrenheit. Doppelzüngigkeit und des Ehrgeizes würden wir von der englischen Presse zu hören bekommen, die uns noch jüngst Abenteurer und Freibeuter nannte!"
— London, 1. März. Gestern Abend wurde im Gepäckraume des Bahnhofes zu Ludgate Hill ein ledernes Felleisen entdeckt, worin eine Höllenmaschine sich befand.
— London, 1. März. Eine der Admiralität zugegangene Depesche des Commandanten von Suakin bestätigt, daß gestern den ganzen Tag gekämpft und der Feind überall geschlagen wurde. Die Verluste der Engländer betragen 10 Todte und 40 Verwundete. Der Feind soll gegen 1000 Mann verloren haben.
— London, 1. März. Eine Depesche von Hewett bestätigt einen Sieg Graham's und meldet, daß die englischen Truppen vier Krupp'schen Kanonen und zwei Haubitzen nahmen. Der Verlust des Feindes sei sehr erheblich, die englischen Truppen verloren 24 Todte und 142 Verwundete. Lieutenant Royds de Carysfort ist sehr schwer verwundet. — Bei dem Eisenbahnunfall in Aberdeen gab es keine Todte und Verwundete.
— Aberdeen, 1. März. Auf der Eisenbahn bei Forfar (Schott- land stießen heute drei verschiedene Züge aufeinander. Eine große Anzahl Wagen wurde vollständig zerstört.
— St. Petersburg, 1. März. Der „Regierungs- Anzeiger" veröffentlicht die Verlobung des Großfürsten Sergius mit der Prinzesfin Elisabeth von Hessen.
— Hamburg, 29. Febr. Der Postdampfer „Albingia" von der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrt - Aktien - Gesellschaft ist gestern in St. Thomas eingetroffen.
Lokales, Provinzielles nnd Umgegend.
Hanau, den 3. März 1884.
— (Verabschiedung.) Dem „Hersfelder Kreisblatt" entnehmen wir die nachfolgenden Worte, mit denen sich unser nunmehriger Landrath Freiherr von Broich von Hersfeld verabschiedet hat.
„Es ist mir bei nunmehriger Lösung meines ca. 8jährigen Verhältnisses zum Kreise Hersfeld ein dringendes Bedürfniß, mich auch auf diese Weise von den Einwohnern dieses Kreises zu verabschieden.
Ich scheide mit dem Bewußtsein, neben gewissenhaftester Erfüllung d.r mir als Staatsbeamten obliegenden obrigkeitlichen Pflichten, mein ganzes Sinnen und Trachten auf die Hebung und Förderung des Wohles des Kreises Hersfeld in allen seinen Interessen gerichtet zu haben und glaube ich daher, wie ich meinerseits nicht aushören werde, die Interessen dieses Kreises in theilaehmender Erinnerung zu behalten, ebenso auf ein freundliches Andenken bei dessen Einwohnern rechnen zu können.
Dieses Andenken kann mir aber nicht bisset bethätigt werden, als dadurch, daß nicht nur die von mir in administrativer Hinsicht geschaffene Ordnung möglichst aufrecht erhalten werd, sondern daß auch die gemeinnützigen Einrichtungen, welche auf meine Anregung und unter meiner Mitwirkung ins Leben gerufen worden sind, eine immer größere Vervollkommnung und Ausdehnung erfahren.
Indem ich gleichzeitig deneu, welche mich dabei als Beamte unter-