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Nr. 51. Freitag den
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Bekanntmachungen Königl. LaudrathsaMs,
Entlaufen: Ein grau-schieferige dänische Dogge, W. Geschl. Ein schwarzer junger Hühnerhund mit gelben Abzeichen, m. Geschl.
Verloren: Ein goldener Ring.
Hanau am 29. Februar 1884
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
— Berlin, 28. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute die Vorträge des Kriegsministers, Generallieutenants Bron- sart von Schellendorff, und des Chefs des Militärkabinets, Generallieutenants von Albedyll. Ferner nahmen Se. Majestät militärische Meldungen entgegen und ertheilten der russischen Deputation eine Abschieds- Audienz. Im Laufe des Nachmittags stattete Se. Kaiserliche Hoheit der Großfürst Michael Sr. Majestät einen Besuch ab.
— Berlin, 28. Febr. Prinz August von Württemberg ist zum russischen Feldmarschall ernannt worden. Fürst Dolgorucki überbrachte demselben gestern die Ernennung.
— Berlin, 28. Febr. Die Nordd. Allg. Ztg. reproducirt einen Artikel des Newyork Herold, welcher sich gegen die Kundgebung des Congresses für Lasker resp, gegen deren officielle Uebermittelung auf diplomatischem Wege ausspricht.
P. (Aus dem Abgeordnetenhause) Berlin, 27. Febr. In der heutigen Sitzung (Schwerinstag) rief zunächst der Antrag der Abgg. Dr. Thilenius und Genossen wegen Errichtung eines hydrographi- fchen Instituts und Reorganisation des meteorologischen Instituts eine längere Diskussion hervor. Entgegen den Aussührungen des Antragstellers erklärte der Abg. Dr. Reichensperger (Köln) zwar, daß die Annahme des Antrages ganz unverhältnißmäßig große Kosten verursachen würde, machte auch darauf aufmerksam, daß die Erledigung der angeregten Frage der Initiative des Reiches zu überlassen sei; dagegen kon- statirte der Vertreter der königlichen Staatsregierung Geh. Reg.-Rath v. Bitter, daß regierungsseitig die geeigneten Schritte eingeleitet seien, um diese seit Langem erörterte Angelegenheit demnächst dem Abschlüsse nahe zu führen, so, daß hoffentlich bereits im nächsten Etat die erforderlichen Summen für die bezüglichen Institute würden eingestellt werden können. — Bei Berathung der Petition eines Fischereipächters, welcher in seinem Gewerbe durch die holländischen Fischer wesentlich beeinträchtigt wird, gelangte der Antrag der Kommission zur Annahme, welcher dahin geht, die Petition sowohl bezüglich des Gesuches des Pe- tenten wegen Ermäßigung des bezüglichen Pachtbetrages als auch gleichzeitig behufs Erörterung der Frage zur Berücksichtigung zu über weisen, wie der Raubfischerei in den Holländischen Rheinmündungen abgeholfen werden kann. Auch der Vertreter der Regierung anerkannte vollständig das Vorhandensein der gerügten Mißstände, bemerkte indeß, daß es leider bisher der Regierung nicht gelungen sei, dieselben zu beseitigen. — Eine längere Debatte knüpfte sich an eine Petition der Civilgemeinde Hattersheim im Landkreis Wiesbaden, welche darum ersucht, ihren Todtenhof vergrößern und von der Anlage eines neuen Todtenhofes ab- sehen zu dürfen. Die Kommission und mit derselben der Vertreter der Regierung waren der Ansicht, daß hier gewichtige sanitäre Bedenken Vortagen und prophylaktische Rücksichten die Vergrößerung des in allzu großer Nähe des Ortes gelegenen Friedhofes nicht gestatteten. Das Haus genehmigte jedoch mit den Stimmen des Zentrums, der Polen und des größtentheils der linken Seite einen Antrag des Abg. Lieber (Hochheim), welcher die Petition der Staatsregierung zur Berücksichtigung überweist. — Ueber eine weitere Petition von Gerichtsdienern Berliner Gerichte wurde dem Anträge der Kommission entsprechend in der Erwägung zur Tagesordnung übergegangen, da eine anderwette gesetzliche Regelung der gesammten Besoldungsvorhältnisse der Beamten in Aussicht genommen. — Bezüglich einer Petition von 8 Mitgliedern des Kreistages Sonderburg, welche um Gestaltung des Gebrauches der dänischen Sprache neben der deutschen bei den mündlichen Verhandlungen und protokollarischen Aufzeichnungen des Sonderburger Kreistages er- fuchen, beantragte die Gemeindekommission den Uebergang zur Tagesordnung. Nachdem die Abgg. Soffen (Mitunterzeichner der Petition) und Kantak für die Petition eingetreten waren, der Vertreter der königlichen Staatsregierung jedoch erklärt hatte, daß für Berücksichtigung der Peti- tion seitens der Regierung jede Veranlassung fehle, wurde der Kom-
29. Februar 1884. missionsantrag mit großer Majorität genehmigt. — Morgen Nachtragsetat, Wahlprüsungen rc.
— Berlin, 28. Febr. In seiner heutigen (56.) Sitzung nahm das Abgeordnetenhaus den Gesetzentwurf, betreffend den Zinsfuß der Staatsschuldverschreibungen, in dritter Lesung an, genehmigte hierauf den Nachtragsetat, welcher in dritter Lesung im Hauptetat Aufnahme finde» wird und beschäftigte sich hierauf mit Wahlprüfungen.
— Nach neueren vom Kronprinzenpaar getroffenen Bestimmungen soll der zu deren Silberner Hochzeitsfeier gesammelte Friedrich Wilhelm- Viktoria-Fonds zum Besten von Arbeiterkolonien nach dem Muster von Wilhelmsdorf, zum Theil auch von Vereinen, die für entlassene Strafgefangene sorgen, Verwendung finden.
— Stuttgart, 27. Febr. Nachdem es der Polizei gelungen war, das Beil, mit welchem der Pfandleiher Reinhard getödtet wurde, in einem hiesigen Stall aufzufinden, hat man den Mörder in einem Kutscher Namens Dettling verhaftet.
— S. M. S. „Sophie", 10 Geschütze, Kommdt. Korv. - Kapitän Stubenrauch, ist am 27. d. Mts. in Porto Grande auf St. Vincent eingetroffen und beabsichtigt, am 2. März er. wieder in See zu gehen.
— Wien, 28. Febr. Das Fremdenblatt versichert auf das Bestimmteste, daß die russisch deutsche Annäherung in Wien sehr warm be- grüßt wird, und daß das deutsch-österreichische Bündniß sortdauernd als die unverrückbare Grundlage der auswärtigen Politik Oesterreichs angesehen wird. Oesterreich lege auch fernerhin den höchsten Werth auf den Anschluß Italiens an das Bündniß; auch Frankreich dürfte die großen Vortheile erkennen, welche ihm die Annäherung Rußlands an die Cen- tralmächte bietet.
— Trieft, 28. Febr. Der Lloyddampfer „Flora" ist am 26. Februar Abends im Canale von Chios in gefährlicher Position aufgefahren. Die Rettung wurde schleunigst veranlaßt. Passagiere und Bemannung sind außer Gefahr.
— Rom, 28. Febr. Die Kammer nahm endgiltig in geheimer Abstimmung mit 143 gegen 135 Stimmen den Gesetzentwurf Bacellis, betreffend die Reorganisation des höheren Unterrichts, an.
— Rom, 28. Febr. Der Papst empfing heute Herrn v. Schlö« zer, welcher anläßlich des Jahrestages der Papstwahl seine Glückwünsche überbrachte.
— Rom, 28. Febr. Das Zuchtpolizeigericht verurtheilte 7 Personen, welche überwiesen sind, anläßlich des Jahrestages der Hinrichtung Oberdank's dessen Testament in den Straßen angeschlagen und in den Parlamentssaal geworfen zu haben, zu Strafen bis zu 6monatlichem Gefängniß und 150 Fr. Geldbuße.
— Christiania, 28. Febr. Im Odelsthing brachten heute sämmtliche conservative Mitglieder (31) die schriftliche Erklärung ein, daß den Staatsgewalten die in dem Grundgesetze ihr eingeräumte Stel. lung und zugewiesenen Funktionen durch Urtheil des Reichsgerichrs nicht abgesprochen werden könnten.
— London, 28. Febr. Im Gepäckraum des Bahnhofs zu Sharing Croß ist in vergangener Nacht eine Kiste mit 20 Pfund Dynamit aufgefunden worden.
— London, 28. Febr. Die im Gepäckraume des Bahnhofes Charing-Croß aufgefundene Kiste Dynamit war, wie die Untersuchung in Woolwich herausstellte, auch mit einer Maschine amerikanischen Ursprungs zur Entzündung des Dynamits versehen Die Beamten in Woolwich ließen einen Theil des Sprengstoffs explodiren. Die Explosion war eine äußerst heftige. Dynamit und Maschine waren in einer Kiste unter den Gebrauchsgegenständen versteckt.
— London 28. Febr. Im Unterhaus bestätigt Harcourt die Entdeckung einer Höllenmaschine aus dem Charing-Croß-Bahnhof und seitdem wurden andere Höllenmaschinen auf der großen Westbahn entdeckt. Diese Maschinen, wie die, welche im Victoria-Bahnhof explodirte, sind von gleicher Construktion. Das darin benutzte Dynamit ist von amerikanischer Fabrikation.
— Petersburg, 28. Febr. Fürst Orloff ist gestern nach Paris abgereist, um sein Abberufungsschreiben zu überreichen und sich daraus nach Berlin zu begeben.
— Petersburg, 28. Febr. Die NiUe Zeit bringt einen Artikel, in welchem die Hoffnung ausgesprochen wird, die in der Geschichte beispiellos dastehende Waffenbrüderschaft zwischen Deutschland und Ruß.