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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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Montag den 25. Februar

Nr. 47.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Ausruf zum Ausbau der Thürme der St. Martiuskirche zu Kaffel.

Das Presbyterium der hiesigen Freiheiter Gemeinde hat den Ausbau der unvollendeten Thürme der St. Martinskirche dahier in Anregung 'gebracht.

Die Unterzeichneten sind zusammengetreten, um die Ausführung dieses Vorhabens zu unterstützen. Handelt es sich doch um die endliche würdige Vollendung des Domes der Residenzstadt Kassel, welcher, ein erhabenes Denkmal srühester Zeiten, sich über dem Grabe einer Reihe von hervorragenden Fürsten des Landes wölbt, insbesondere Philipp des Großmüthigen, des großen Förderers der Reformation.

Die technische Untersuchung hat die Ausführbarkeit des Werkes ergeben. Die Kosten der Ausführung werden sich nach dem Urtheil verschiedener Sachverständiger auf etwa 250 000 Mk. stellen.

Was anderswo gelungen, sollten wir davor zurückschrecken? Regt sich doch im wieder erstandenen deutschen Reiche überall Sinn und Hand zur Erhaltung nnd Ausschmückung unserer Baudenkmäler!

Nachdem zur Ausführung durch den Herrn Oberpräsidenten die Sammlung freiwilliger Gaben bei den evangelischen Einwohnern des Regierungsbezirks genehmigt worden ist, sind die Unterzeichneten zur Entgegennahme von Beiträgen bereit und haben die Organisation von Sammlungen in Stadt und Land veranlaßt.

Wir wenden uns nun an Alle, welche ein Herz für unser schönes Hessen und seine Hauptstadt, sowie seine ruhmwürdige Vergangenheit haben, insbesondere an unsere hessischen Landsleute, an die Vereine und Genossenschaften, wie an die Einzelnen mit der Bitte:

Schenkt uns Eure Hülfe durch Wort und That zur Erreichung unseres Zieles! Laßt diesen Ausruf und unsere Sammellisten nicht vergeblich an Euch vorübergehen, bildet Hülfs-Comitös zu unserer Unterstützung! Thue ein jeder, was er kann auch die kleinste Gabe, eine jede Thätigkeit im Interesse der Sache trägt dazu bei, das Werk mit Erfolg zu krönen, unseren Altvordern zu Dank und Ehre, den kommenden Geschlechtern zur Freude und Erhebung."

Kassel, im November 1883.

Das Comitä zum Ausbau der Thürme der St. Martinskirche.

Die Herrn Bürgermeister wollen sich der Sammlung benehmlich mit den Herrn Pfarrer annehmen und die eingegangenen Beträge durch diese an das Comits gelangen lassen.

Hanau am 19. Februar 1884.

Der Landrath.

I. V: Baabe.

Zugelaufen: Am 16. ds. Mts. ein Hammel; Empfangnahme bei Johannes Bornkessel zu Hochstadt.

G e fu n d en: Eine Brieftasche.

Hanau am 25. Februar 1884

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

Berlin, 23 Februar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den Polizeipräsidenten von Madai und hörten den Vor- trag des Ministers des Königlichen Hauses, Grafen von Schleinitz.

Berlin, 24. Febr. Der ehemalige Landwirthschaftsminister v Selchow ist in Brandenburg a. d. Havel gestorben.

Berlin, 23. Febr. Die Norddeutsche Allg Ztg. druckt nnen Artikel der Kölnischen Zeitung ab, welcher hervorhebi, daß Sargent hinter seinen ausgezeichneten Vorgängern an allgemeiner Beliebtheit zu- rückstehe. Die Norbd. Allg. Ztg. bedauert, daß die Kölnische Zntung mit dieser Anschauung in der liberalen Presse allem dastehe und sich der Mehrzahl der liberalen Blätter der deutschfeindlichen ausländischen Presse an schließe, um die öffentliche Meinung Amerikas gegen die deutsche Re­gierung auszuhetzen. Man sei aber daran gewöhnt, dre oppositionelle Presse stets aus Seiten der Gegner der Regierung zu finden.

1884.

P. (Aus dem Abg eordnete nh ause.) Berlin, 23. Febr. In der heutigen (53.) Sitzung beschäftigte sich das Haus zunächst mit dem Kreisordnungs- Entwurf für die Provinz Hannover in dritter Lesung. Die Generaldiskussion nahm größere Dimensionen nicht an, auch die Spezialdiskussion beschränkte sich auf den von der Kommission in den Entwurf neu eingestellten § 24a, welcher bekanntlich die Einfüh­rung des Instituts der Amtsvorsteher in der Provinz Hannover von königlicher Verordnung auf Antrag des Provinziallandtags abhängig macht. Derselbe fand auch heute die Zustimmung des Hauses, und ge­langte sodann nach debatteloser Erledigung der übrigen Paragraphen der Vorlage das Gesetz im Ganzen in namentlicher Abstimmung mit 270 gegen 59 Stimmen zur Annahme. Demnächst trat das Haus in die dritte Berathung der hannoverschen Provinzial ordnun g, zu wel­cher außer anderen Anträgen von minder erheblicher Bedeutung auch ein Antrag der Abgg. Bödiker und Genossen auf Wiederherstellung der in der zweiten Lesung abgelehnten Kommissionsbeschlüsse vorliegt. In der Generaldiskussion trat für die Wiederherstellung der Kommissionsbe- schlüsse insbesondere der Abg. v. Lenthe ein, der die Beschlüsse der zwei­ten Lesung als solche bezeichnete, welche direkt gegen den hannover'schen Adel gerichtet seien, der seine Anhänglichkeit an das angestammte- nigShaus büßen solle, während derselbe doch auf dem Boden der Reichs- versassang stehe und die gegebenen Verhältnisse rückhaltlos anerkenne. Der Herr Minister des Innern sprach sein Bedauern darüber aus, daß der Redner die Debatte auf dieses bisher von allen Rednern sorgsältig vermiedene Terrain übergeleitet, widersprach aber der Auffassung, daß alle Althannoveraner auf dem Standpunkt des Vorredners in letzterer Beziehung stehen. Er erinnerte vielmehr an verschiedene Vorgänge auch auf dem hannover'schen Provinziallandtage und blieb im Uebrigen auf seinem früheren Standpunkte in der vorliegenden Frage stehen, daß kein Grund vorliege, die Provinz Hannover hinsichtlich ihrer Provinzialver- tretung anders zu behandeln, als die übrigen Provinzen. Nach länge­rer Spezialberathung war das Resultat der Abstimmung, daß der An­trag Bödiker auf Wiederherstellung des gestrichenen §. 9 des Art. I. der Kommissionsbeschlüsse mit 169 gegen 147 abgelehnt wurde. Artikel 1. der Regierungsvorlage wurde hierauf mit einem Amendement des Abg. Windthorst, wonach für jeden Kreis mit 30 000 (statt 40 000) bis zu 80 000 Einwohner zwei Abgeordnete zum Provinziallandtag ge­wählt werden sollen und welchem der Herr Minister zugestimmt hatte, angenommen. Im Uebrigen wurde der Rest der Vorlage überall nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt und sodann das Gesetz im Ganzen mit allen gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen, der Fortschrittspartei und der Sezeffionisten angenommen. Zu einer kurzen Debatte führte sodann die von den Abgg. v. Benda und Ge­nossen eingebrachte Resolution:die Staatsregierung aufzufordern, bald- thunlichst die Aufhebung der Landschaften und ihrer Organe in An­griff zu nehmen und deren Vermögen für gemeinnützige Zwecke bezw. zur stiftungsmäßigen Verwendung dem künftigen Provinziallandtage zu überweisen." Die Abgg. Dr. Schläger, Dr. Köhler befürworteten die Resolution zur Annahme, welche von den Abgg. Frhr. v. Grow und Dr. Windthorst, sowie von dem Regierungskommissar Geh. Ober-Regie­rungsrath Haase bekämpft und demnächst auch vom Hause per majora verworfen wurde. Auf Borschlag des Präsidenten wurde hierauf der Nachtragsetat der Budgetkommission sogleich zur Vorberathung überwie- Wiesen und die Sitzung um 471 Uhr aus Dienstag 11 Uhr vertagt. (Rechnungssachen und erste Lesung der Kommunalsteuervorlage)

Der Reichstag ist, wie bereits bemerkt, durch Kaiserliche Ver­ordnung zum Donnerstag, den 6. März nach Berlin einberufen worden. In der bevorstehenden Session wird es, so weit sich jetzt beurtheilen läßt, seine Ausgabe sein, das Unfallversichernngsgefitz, die Novelle zum Hilfskaffengesetz und das Nctienresormgefetz zu berathen. Ob und mwre« weit ihm noch andere Berathungsgegenstände vorgelegt werden, darüber ist bisher Authentisches nicht bekannt geworden, wenn auch die Vermu­thung dafür spricht, daß es sich in der gegenwärtigen Session auch um eine Verlängerung des mit dem 1- Oktober d. J. ablausenden Sozia- listengesetzes handeln wird.

Breslau, 23. Febr. Dre Generalversammlung der Oels