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Nr. 37.

Mittwoch den 13. Februar

1884.

135

18

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Im laufenden Jahre soll wiederum ein Fortbildungskursus für Elementarlehrer an der Landwirthschaftsschule zu Weilburg abgehal­ten werden und ist hierzu Termin in der Herbstferienzeit (Ende August bis Ende September) in Aussicht genommen.

Die in dem Kursus zu behandelnden Gegestände sind folgende:

1) Chemie II. Theil (Chlor, Schwefel, Phosphor, Silicium, Kalium, Natrium, Calcium, Aluminium, Eisen);

2) Botanik (Anatomie und Physiologie der Pflanzen);

3) Pflanzenproduktionslehre;

4) Landwirthschaftliches Unterrichtswesen II. Theil.

Den theilnehmenden Lehrern aus dem Regierungsbezirk Kassel wird ein Zuschuß von 80 M. in Aussicht gestellt, sobald die betreffende Ge­meinde oder der Lehrer selbst mindestens 35 Mark zuzuschießen bereit ist. Den Gemeinden wird anheim gestellt, sich durch einen von dem Lehrer auszustellenden Revers dahin zu sichern, daß der von der .Ge­meinde subventionirte Lehrer den Betrag zurückzuzahlen hat, wenn er innerhalb Jahresfrist nach dem Kursus die betreffende Gemeinde verläßt.

Diejenigen Lehrer, welche an dem in Rede stehenden Kursus Theil nehmen wollen, werden aufgefordert, ihre Gesuche bis zum 20. Mai d. Js. durch Vermittelung der betreffenden Königlichen Schulvorstände bezw. Stadtschul-Deputationen hierher einzureichen.

Kassel, den 19. Januar 1884.

Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. (gez.) Mittler.

Indem der vorstehende Erlaß veröffentlicht wird, ergeht an Lehrer und Gemeinden hiermit die Aufforderung, die einleitenden Schritte zur Theilnahme an dem in Aussicht stehenden Fortbildungskursus zu thun und von dem Ergebniß in den nächsten Wochen Mittheilung anher zu machen. Dabei wäre anzugeben, in welcher Weise für die Vertretung der event, an dem Kursus theilnehmenden Lehrer gesorgt werden könnte.

Hanau am 6. Februar 1884

Der komm. Landrath

Bake.

Gefunden: Ein Taschenmesser.

Entlaufen: Ein schwarzer schmaler Hund mit weißer Brust, m. Geschl.

Hanau am 13. Februar 1884.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

Berlin, 12. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute Morgen den Polizeipräsidenten von Madai, nahmen um i 11 Uhr militärische Meldungen, darauf den Vortrag des Generallieute- ! uants von Albedyll entgegen, statteten Nachmittags Sr Königlichen Hoheit dem Prinzen Georg einen Besuch ab und unternahmen sodann eine Spazierfahrt.

Berlin, 12. Febr. Die Nordd. Allg. Ztg. kann, indem sie das Dementi der Elsaß-Lothring. Zeitung gegen d:e Mittheilungen der Schlesischen Zeitung über den Statthalter v. Manteuffel bestätigt, die Behaupmng von Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Reichskanzler und dem Statthalter als vollständig erfunden bezeichnen; es seien keine Differenzen vorhanden und würden auch nicht vorhanden gewesen sein, wenn der Reichskanzler noch in amtlichen Beziehungen zur Verwatrunq i von Elsaß-Lothringen stände. Die gleichzeitige Anwesenheit v. Manteuff^'s I und V. Hohenlohe's in Friedrichsruh war die natürliche Folge ihrer I gleichzeitigen Einladung zum Ordenscapitel nach Berlin. Der Besuch v. Manteuffel's war sehr natürlich, da er mit dem Fürsten Bismarck seit ziemlich einem halben Jahrhundert befreundet ist. Es fei wohl be­greiflich, daß Geschäftliches besprochen worden ist; sicherem Vernehmen nach habe es sich aber weniger um die Vergangenheit und um Politik, als um die Zukunft und um wir>h!chastliche Fragen gehandelt. Es sei möglich, daß die Einladung nach Berlin dem Statthalter unerwartet ge­

kommen sei, das hänge aber nicht mit der Frage zusammen, ob Mei­nungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Reichskanzler existirt hätten.

P. (Aus dem Abgeordnetenhaus«.) Berlin, 11. Febr. Bei der heute fortgesetzten zweiten Berathung des Kultusetats veranlaßte im Extraordinarium desselben zunächst die Forderung einer ersten Rate von 200 000 Mk. zum Neubau eines Gymnasiums zu Frankfurt a. M., eine längere Debatte, in welcher zwar die Bedürfnißfrage allgemein be­jaht wurde, aber die Verpflichtung des Staates, den betreffenden Bau auszuführen, in Zweifel kam Die große Mehrheit des Hauses war je doch der Ansicht, daß im Hinblick auf die großen kommunalen Bedürs nisie der Stadt eine Forderung der Billigkeit und Gerechtigkeit vorliege und bewilligte die Position. Der ganze übrige Theil der Sitzung wurde durch die eingehende Diskussion ausgefüllt, welche sich, wie nach den bei der Generaldebatte stattgehabten Ausführungen einzelner Redner, sowie nach den ausführlichen in verschiedenen Organen der Presse erfolg­ten Deduktionen erwarten ließ, an den Titel 51 (zur Vermehrung der Sammlungen der königlichen Museen 2 000 000 Mars) knüpfte. Auf der einen Seite führten mehrere Redner des Zentrums, namentlich die Abgg. Dr. Reichensperger (Köln), Dr. Windthorst und Bachem aus, daß man eine so erhebliche Summe, wie die hier in Frage stehende, nicht in einem Augenblicke bewilligen dürfe, wo zahlreiche andere, weit dringendere Be­dürfnisse noch ihrer Befriedigung harkten, und wo das Volk in der That Noth leide, wie z. B. in der Eifel, in Oberschlesien. Außerdem genieße die Stadt Berlin auf allen Gebieten die ungeweffensten Vorzüge, und müsse man der hier beabsichtigten weiteren Zentralstation auf jede Weise entgegegenarbeiten. Diesen Ausführungen der Redner des ZentrumS entgegen wiesen der Herr Generaldirektor der Museen, sowie im weiteren Veilaufe der Debatte auch der Herr Kultusminister nach, daß es sich in der That um eine Angelegenheit handle, die im dringendsten Interesse unserer Kunstentwickelung begründet sei; denn es würde sich vielleicht niemals wieder eine so günstige Gelegenheit zu einer so umfassenden Be­reicherung unserer Sammlungen bieten. Was dann die von den Red­nern des Zentrums betonte angebliche Bevorzugung der Stadt Berlin in Bezug auf die Zuwendung von Mitteln für Zwecke der Kunst be­treffe, so sei zu bemerken, daß Berlin von den für Konservirung von Alterthümern bewilligten Summen gar nichts und von den für allgemeine Kunstzwecke geforderten Mitteln auch nur einen verhältnißmäßig geringen Theil erhalten habe. In ähnlichem Sinne bewegten sich die Ausfüh­rungen der Abgg. v. Eynern, Freiherrn v. Minnigerode, v. Uechtritz- Steinkirch und Dr. Härel, sowie des Referenten der Budgetkommission Abg. Dr. Virchow. In namentlicher Abstimmung wurde schließ­lich die Position mit 192 gegen 122 Stimmen bewilligt. Dann vertagte das Haus die weitere Berathung des Etats bis 8 Uhr Abends.

Berlin, 12. Februar. In der heutigen (47.) Sitzung beschäf­tigte sich das Abgeordnetenhaus mit der Etatsberathung zum Etat des Abgeordnetenhauses und den über den Neubau eines Geschäftshauses vor­liegenden Anträgen des Staatsministeriums, des Gesammtvorstandes des Hauses und des Abgeordneten Berger, worüber gleichzeitig debattirt wird.

Die sich daran knüpfende Debatte, woran Stengel, Berger, Rauch­haupt, Windthorst, Löwe und Hobrecht theilnehmen, führt, nach den Fr. N ", zur fast einstimmigen Annahme des von Hobrecht eingebrach­ten Antrags, wonach der Gesammtvorstand zur Prüfung aller in Be­tracht kommenden Verhältnisse beauftragt wird und zwar mit dem Rechte der Kooptation aus den Mitgliedern des Hauses. Die andern aus der Tagesordnung stehenden Etatsposit.onen werden unverändert genehmigt. Forts tzuM morgen: Etat.

Berlin, 12. Febr. Der Mitarbeiter der Volkszeitung, Bern­stein, ist gestorben.

Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach demR.- u. St.-A." Nr. 34 wurden unterm 6. und 7. Februar verboten: 1) die Druckschrift:Der Rebell, Organ der Anar­chisten deutscher Sprache, Nr. 4, Dezember 1883, auf deren vierter Seite als Drnckort angegeben ist:Freie Volksdruckerei Gemeingut in Rirgendsheim". 2) die im Verlage des Verlags Magazins (I Scha-