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Nr. 26.
Donnerstag den 31. Januar
1884.
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Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Für Mayer Fuld von hier, 16 Jahre alt, ist behuss Verbleibens in Nordamerika um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanen-Ver. band nachgesucht.
Hanau am 26. Januar 1884.
Der komm. Landrath
Bake.
Gesunden: Ein wollenes Halstuch. Ein Regenschirm. Ein leeres Portemonnaie. Ein Portemonnaie mit Geld.
Vom Wasenmeister eingefangen: Ein schwarzer Hund mit gelben Abzeichen.
Verloren: Ein goldener Ring mit Stein.
Hanau am 31. Januar 1884.
____________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________ t Unpolitische Briese über Pariser Zustände.
II.
Hand in Hand mit der Stockung der Pariser Bauthätigkeit ist ein Rückgang in säst sämmtlichen Industrien beobachtet worden, die sich auf Haus ei nri chtung en beziehen. Im Laufe des vorigen Jahres sind neue größere Tapetenfabriken geschlossen worden, der Werth der neu gefertigten Meubles verminderte sich um etwa 40 Procent, die Bestellungen auf Laden- und Bureau-Einrichtungen nehmen stetig ab und gleichzeitig trat eine erhebliche Verminderung in der Brsncewaaren-Ver- fertlgung ein. Als höchst ungünstig wird ferner der Stand des Wagen- bauer- und Sattlergeschäftes bezeichnet, das wegen der hohen Frachtsätze, welche die großen den Eisenbahn-Verkehr beherrschenden Privat-Com- pagnien erheben, an einer wirksamen Ausfuhr seiner Erzeugnisse b-hin- dert wird. Für die Confections- und Handschuhmacher-Geschäfte ist die Abnahme des Absatzes nach Amerika besonders fühlbar geworden — der Rückgang der als „Pariser Artikel" bezeichneten Luxusgegenstände wird für die letzten Jahre auf 90 Procent berechnet.
Unter den Ursachen dieser Erscheinung steht — wie bereits erwähnt — die maßlose Höhe der Arbeitslöhne obenan. Arbeiter, die in Deutschland, Oestreich und Italien mit 5 Franc (4 M.) bezahlt werden, kosten in Paris 8 Francs (6 M. 40 Ps) und darüber; bei einzelnen höheren Industrien, z. B. der mit Händen angefertigten Bronce-Arbeit, beträgt der Arbeitslohn bis zu 80 pCt. des Gesammtpreises, an welchem die Arbeitgeber vorläufig Nichts zu ändern vermögen. Dabei sind gerade die besseren und gebildeteren Arbeiter vielfach unbotmäßig und zufolge des Einflusses der socialistischen Hetzpresse so vollständig von der Berechtigung ihrer Forderungen überzeugt, daß sie etwaige Borschläge zur Herabsetzung der Löhne sofort auf Bosheit und maßlose Gewinnsucht der Arbeitgeber zurückführen und mit Drohungen beantworten. Ihre ge- wohnheusmäßigen Lebensansprüche wollen sie nicht herabstimmen und die Vertheuerung der Wohnungen läßt Ersparnisse des regelmäßigen Haushalts in der That schwer ausführbar erscheinen. — Für die Arbeitgeber kommt außerdem erschwerend in Betracht, daß die Miethen für Werk- stätten, Läden, Vorrathsräume rc. in demselben Maße gewachsen find, ' wie die Preise für Arbeiterwohnungen. Wer kein eigenes Haus besitzt, hat nun die Wahl, jährlich gesteigert zu werden oder durch immerwährenden Wohnungswechsel Geld und Kundschaft zu verlieren. Immer : zahlreichere Geschäftleute ziehen sich darum aus der theueren und unbequemen Hauptüadt in die Provinz zurück, — die Arbeiter aber wollen diese Bewegung nicht mitmachen, weil sie in ihrer Mehrzahl an dem Pariser Pflaster kleben, wie Fliegen am Zucker. Vielen von ihnen, namentlich den verheiratheten Leuten, fehlen die Mittel zum Umzüge, Andere mögen von den gewohnten Freud.n und Vergnügungen d-r Großstadt nicht lasten, wieder Andere m ffen, daß die Armins sich unter Millionen von Menschen bester verstecken laß?, als unter kl-iniadti chen Verhältnissen und daß äußersten Falls in Paris gewiste Erwerbs? llegcn- deiren zu Hitte genommen werden können, die anderswo fehlen. Wer ein Mal an das Seimu'er gekommen ist. Hegt es rät eine Art Eh en- punft anzuieden sich an demielben zu behaupten.
E-.duch steht fest, daß die Berzebrungstotigkeit der wohlhabenderen Klanen der Pariser Bevölkerung im Laufe der letzten Jahre beträcknnch abgenommen hat. Die Zahl der Millionäre hat sich zu Folge der Bör- senkriien vermindert, die vornehmes Fremden aber zeuge» rite gewisse Sch:U vor der Stadt, in welcher die Ministerien mit den Jahreszeiten
wechseln. Der Pariser Bürger aber, den man sich gewöhnlich als leichtfertigen, zur Verschwendung geneigten Lebemann denkt, ist in Wahrheit ein außerordentlich sparsamer und genauer Wirthschaster, der sich keinen Augenblick besinnt, unter ungünstigen Verhältnissen seinen Bedarf in einer Weise einzuschränken, die in Deutschland zum Muster genommen werden sollte. Die im vorigen Jahre erfolgte Herabsetzung der französischen Staatsrente um ein halbes Procent hat in dem Pariser Mittelstände eine große wirthschastliche Rolle gespielt und von der Fähigkeit des Bürger- thums, sich nach der Decke zu strecken und unter allen Umständen Ausgaben und Einnahmen im Gleichgewicht zu erhalten, ein merkwürdiges Zeugniß abgelegt. Tausende in ziemlich bequemen Verhältnissen lebender Familien haben ihre Ausgaben für Wohnungen, Vergnügungen, Luxusgegenstände u. s. w. unmittelbar nach der vorjährigen Renten-Conversion herabgesetzt, weil die Einhaltung ihres „Etats" für sie oberste Regel ist und weil der richtige Pariser Bürger seine Ersparnisse schlechterdings nicht antastet, so lange er die Hände rühren und seine Verluste durch Einschränkungen ausgleichen kann. Dadurch hat die Luxusindustrie ungeheure Einbußen erfahren, Einbußen, die um so empfindlicher sind, als die Arbeiter dem Beispiel des Mittelstandes nicht nachgeahmt haben. Gleichzeitig aber hat die Nachfrage nach Wohlfeilen Jndustrieerzeugnissen beständig zugenommen; Leute, die nie andere als französische Artikel zu kaufen pflegten, haben bereitwillig nach den wohlfeilen Halbseiden-Ge- spinnsten, Broncewaaren, Handschuhen, Meubles u. s. w. gegriffen, die aus Deutschland und Oesterreich aus den französischen Markt gebracht worden waren und die — Dank der in den letzten Jahren bei uns gemachten Fortschritte, — an Solidität und Geschmack Nichts zu wünschen übrig lassen. __________________________________________________________._______________
Tagesschau.
— Berlin, 29. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute um 11 Uhr die Meldung des Generallieutenants Grafen von Wartensleben, Commandeurs der 17. Division, darauf den Vortrag des Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski entgegen und empfingen um 1 Uhr den Dombaumeister Ternow aus Metz.
— Berlin, 30. Jan. Dem zum Königlich serbischen General- Konsul in Berlin ernannten Kaufmann Martin Schlesinger ist das Exe« quatur Namens des Reichs ertheilt worden.
— Berlin, 30. Jan. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in seiner heutigen (37.) Sitzung in dritter Lesung ohne Diskussion das Gesetz über das Höferecht in der Provinz Hannover, sowie das G-sitz. betr. die Errichtung eines Landgerichts in Memel; setzte hierauf die Berathung des Cultusetats fort, welcher bis zum Kapitel 114 beroidi.it wurde.
— Berlin, 30. Januar. Nach Mittheilungen aus Oesterreich ist von der General-Direktion der K. K. priv. Kaiser Franz Jafes • Bahn bis zum 10. Februar d. J., Mittags 12 Uhr, eine Submission auf Lieferung von 70 000 kg Petroleum ausgeschrieben worden. Die näheren Bedingungen können bei der Generaldirektionk - Abtheilung X. für Materialwesen, IX. Bezirk in Wien, Althangasse 3—5, während der Stunden von 9—3 täglich, eingesehen werden.
— Am 27. d. Mts. ist in Berlin ein Mann gestorben, der die Kunst so recht ins Leben und in alle Volksschichten übertragen hat, nämlich der Lawpenfabrikant Stobwasser. Ur-prünglich zum Maler bestimmt, besuchte er die Düsseldorfer Akademie, übernahm aber nach dem Tode des Vaters die Leitung der Fabrik. Er zeichnete alle Modelle selbst, und gab den Erzeugnissen jenes künstlerische Gepräge, das ihren den Weltmarkt eröffnetes ja sogar Absatz in Frankreich verschaffte, das vordem in der Lampenfabrikation obenan stand
— Lörrack, 27 Jan. Die Stadt Sroßhüningen besitzt eine Fahne ein Geschenk von Ludwig btm Vierzehnten. Vor einiger Zeit n.rlaagte run der Verein der Hüninger in Parrs die'e Fahne, um sie in der heiligen Statt autrubewahren, bis das Elsaß wieder te^re t 'ein würde. Der Bürgermertter in Huninzen, ein El'äff- r, verw igerte aber die Herausgabe u d infolge dessen erhielt sowohl d'e er als auch andere angesehene Eurer und die beuchen Stammn daielbn anonyme x’ob» briete, die voll von Beleidigungen und Drohungen waren. D.e B:-ne waren gedruckt und es ist demnach anzunehmen, daß bte Esav-.r Streute in Paris solche auf Lager halten» um aut Kommando tit.es tat..o en 6§ers ubgdafir:: zu werden. . . ,
Abgeordnetenhauses beschloß folgende Fassung des § 38 des Pretzge-