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M. 21. Freitag den 25. Januar 1884.

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BekanntmachNNgen Königl. LandrathsKmLs.

Den Fleifchbeschaw'rn des Kreises wird hierdurch die nachstehende Polizeiverordnung vom 25. März 1852 zur Nachachtung in Erinnerung gebracht:

Fleisch, frisches, darf in einer Gemeinde des Hanauer Landraths­amtsbezirks aus anderen Orten nur mit schriftlicher Bescheinigung des betriff nden auswärtigen Fleischbeschauers über die stattgebabte Fleischschau, welche vor Abgabe des Fleisches dem betr. Orts- steischbeschauer zur Visirung und demselben freistehenden Verglei- chung mit dem Fleisch selbst vorgezeigt werden muß, eingebracht werden bei Strafe von 3 bis 9 Mark."

Hanau am 23. Januar' 1884

Der komm. Landrath

Bake.

Zugelaufen: Ein Neufundländer von gelblicher Farbe, m. Geschlechts; Empfangnahme bei Jakob Bach zu Langendiebach. Ein schwaizer Hofhund, m. Gischl.

Hanau am 25. Januar 1884.

___________________Bus Kömgl. Landrathsamt.

Politische Wochenschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Bei dem am Berliner Hofe am Sonntage abgehaltenen OrdenSfeste wurde allgemein die Frische und Lebendigkeit unseres Kaisers bewundert. Es zeigte sich dieselbe nament­lich beim Cercle, welchen der Kaiser länger als bei früheren Gelegen­ste te.» ausdehnte und wobei er sich mit den verschiedenen Gruppen der Anwesenden fortgesetzt lebhaft unterhielt. Zu Staatsbeamten sprach er von Geschäften, von LandtagSvorlagen, auch von den Steuervorlagen, wobei er meinte, es sei nothwendig, da, wo man nach unten entlaste, nach oben aufzulegen. In einem Kreise höherer und niederer Civil- staatsbediensteter und Officiere äußerte der Monarch: Es sei leicht, Aus­zeichnungen zu gewähren und eine so große Freude, das Verdienst zu belohnen, wenn man so gut bedient ist wie Ich es bin.

Die hohe Politik ist wieder einmal durch den Besuch des Herrn v. Giers in Wien und durch die von Berlin aus in Umlauf gesetzten . näheren Mittheilungen über die Bedingungen des deutsch-österreichischen f Bündnisses und des Anschlusses Italiens an dasselbe zur politischen : Diskussion gestellt worden. AuS diesen Mittheilungen geht hervor, daß die Waffenbrüderschaft zwischen Deutschland und Oesterreich denn doch noch eine engere ist, als man bisher annahm, nur über die Bedingungen des Beitrittes Italiens wissen auch dieseEnthüllungen" nichts Post- tives zu berichten ; daß dieselben gerade zur Zeit des Aufenthaltes des ) Herrn v. Giers am Wiener Hofe in die Oeffentlichkeit gelangt sind, beruht wohl nur auf einem Zufall. Am Dienstag hat der russsiche r Staatsmann Wien wieder verlassen und sich direkt nach Petersburg zu- ' rückbegeben. Seine Aeußerungen über den ihm in Wien von allen

1 Seiten zu Theil gewordenen herzlichen Empfang lauten sehr befriedigt. ' Er verlasse Wien, erklärte der russische Minister, mit Gefühlen der Dankbarkeit und Freundschaft.

Das Herrenhaus hielt am Dienstag seine erste Plenarsitzung im neuen Jahre ab. Von vorliegenden Gesetzentwürfen wurden derjenige über das Höferecht in der Provinz Hannover und die Secundaiibahn- Vorlage unverändert angenommen; außerdem erledigte das Haus eine Anzahl von Petitionen. Im Abgeordnetenhause sind nach der sehr bewegten Woche, welche mit der Ablehnung des Reichensperger'schen - Antrages endete, einige stille Tage gefolgt. Es konnte deshalb die zweite

Berathung des Eisenbahnetats rasch gefördert werden und wurde dieselbe . am Dienstag unter Bewilligung fast sämmtlicher EtatSiitel beendigt. ' Eine eingehendere Debatte veranlaßten nur die Petitionen verschiedener » Beamtenkategorien um Gehaltsaufbesserungen u. s. w., von denen ledig- , lich diejenige der Betriebssekretaire der Staatsregierung zur Berücksich- g tigung empfohlen wurde; über alle übrigen Petitionen ging das Haus zur Tagesordnung über. Am Mittwoch, als einemSchwerinstag", jt beschäftigte sich dasselbe mit Anträgen und Petitionen.

Der Volkswirthschaftsrath ist am Dienstage unter dem Präsidium $ bis Staatsminist-rs v. Bötticher eröffnet worden. Es waren 47 Mit- glieder anwesend, von Seiten der Regierung waren außer Herrn v. Bötticher noch Ministerial-Direktor Bosse und die Geheimen Räthe-

diker und Gamp erschienen. In seiner kurzen Begrüßungsansprache sprach der Minister sein Bedauern aus, daß der Regierung durch daS Votum des Abgeordnetenhauses die Mittel benommen seien, den Mit­gliedern des Volkswirthschaftsrathes wie bisher Diäten zu gewähren, doch bilde es eine Genugthuung für ihn, daß die Mitglieder trotzdem so zahlreich erschienen seien. Die Versammlung trat hierauf sofort in die Plenarberathung der Grundzüge des Unfallversicherungsgesetzes ein.

(Oesterreich Ungarn.) Das österreichische Abgeordnetenhaus hat am Dienstag feine Sitzungen mit der Diskussion eines alten Kampf­und Streitobjektes, der Sprachenfrage, wieder ausgenommen. Es handelt sich um den Antrag des der Verfassungspartei angehörigen Abg. Grafen Wurmbrandt, die Regierung unter Grundlage der deutschen Sprache als Staatssprache zur Vorlage eines allgemeinen Sprachengesetzes aufzufor- dern. Vom Präsidium des Abgeordnetenhaus s sind für die Sprachen- debatte vier Tage in Aussicht genommen und darf man auf das Resultat dieser für die künftige Stellung des Deutschthums in Oesterreich hoch­wich igen Verbandlungen gespannt sein. Der ungarische Minister­präsident v. Tisza weilte am Dienstag und Mit woch abermals in Wien, um dem Kaiser über die jüngste Wendung in der croatischen Frage, welche sich durch die laut königlichen Rescriptes verfügte Vertagung des Agramer Landtages dokumentirt, Vortrag zu halten.

(Frankreich.) Die drohende Pariser Arbeiterbewegung stellt in Frankreich die Tonkmaffaire einstweilen in den Schatten. Es herrschen allerdings in der französischen Hauptstadt Rotbzustände, welche eine ganze Reihe von Arbeiterkategorien betreffen und die sich schwerlich durch spe­cielle Maßregeln beseitigen lassen werden; die Sache wird dadurch noch complic.rter, daß auch politische Motive mitspielen, welche natürlich von den ultraradikalen Wortführern gehörig für ihre Zwecke ausgebeutet werden. Die wirthschasiliche Krffis greift auch in die Verhandlungen des Parlaments hinein, wozu die Budgetdebatten im Senate wie in der Deputrrtenkammer eine günstige Gelegenheit geben. Auch die von der Deputirtenkammer votirte U bernahme eines Theiles des Budgets der Pariser Polizeipräfektur auf das Ministerium des Innern droht für das Ministerium Ferry zu einer Quelle von Verlegenheiten zu werden. Es ist hierdurch unter den Pariser Polizeiconstablern eine große Erregung hervorgerufen worden, dieselben protestiren gegen die an den Pensions­bedingungen vorgenommenen Veränderungen; ein Strike oder sonstiger Zwischenfall ist indessen noch nicht vorgekommen und will die Regierung den Wünschen der Constabler entgegenkommen.

(England.) Aus England kommt das Gerücht von einem gegen den Prinzen von Wales, den englischen Thronfolger, beabsichtigten At­tentat. Kurz vor der Abreise desselben von London nach Halton am vergangenen Dienstag wurden in einem Bahntunnel mit Explosionsstoff gefüllte Packete aufgefunden, was die Entstehung jenes Gerüchtes ver­anlaßte. Der Sprengstoff erwies sich indessen als ziemlich ungefährlich und auch die Lage der Packete war eine derartige, daß ein Schaden unmöglich hätte angerichtet werden können. Wahrscheinlich hat man es nur mit einem muthwilligen Streich zu thun, auch übt der Prinz von Wales so wenig Einfluß auf den Gang der Regierungsgeschafte aus, daß sich ein gegen ihn gerichtetes Attentat schwerlich erklären ließe.

(Italien.) Von dem neuernannten italienischen Botschafter am Petersburger Hofe, Grafen Greppi, liegen einige recht bemerkenswerthe Aeußerungen vor. Derselbe nahm die Reiseroute über Wien, wo er eine Unterredung mit einem Correspondenten desPester Lloyd" hatte. In deselben erklärte der Botschafter, daß Italien jetzt keinen andern Ehrgeiz mehr kenne, als ein Element der Ordnung und eine Bürgschaft für Eu­ropa zu sein und konstatirte hierbei auch den Niedergang des Jrredm- tismus. Ueber die spanischen Verhältnisse Greppi war über acht Jahre Gesandte in Madrid äußerte er sich dahin, daß die Republik in Spanien niemals Boden gewinnen würde, die Spanier seien trotz der Deklamationen Castrlars keine Republikaner und es stünden immer nur die Monarchien Alfonso's und Don Carlos' im Wettbewerb.

(Spanien.) Das neue spanische Cabinet Canovas bei Castillo befestigt sich augenscheinlich sehr rasch im Lande. Aus allen Theilen desselben laufen in Madrid Adressen und Depeschen ein, welche dem Ministerium zustimmen und von demselben das Beste erhoffen. Da die Cortes aufgelöst sind und die Neuwahlen zu denselben erst im April vor sich gehen sollen, so hat das Cabinet Gelegenheit, in der Zwischen« zert die Durchführung feines Regierungsprogramms energisch zu betreiben