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Nr. 20.
Donnerstag den 24. Januar
1884.
TßMÄSÄ»^
BekannLmachKnqen König!. Landrathsamts.
Die Eltern resp. Pflegeeltern solcher Kinder, welche im Jahre 1883 impfpfl'chtig waren, aber wegen Krankheit nicht geimpft werden konnten, werden aufgefordert, dies binnen 14 Tagen im Polizei«Bureau durch ärztliches Attest nachzuweisen. Nach Ablauf dieser Frist wird gegen die säumigen Eltern resp. Pflegeeltern Anklage erhoben werden.
Hanau am 17. Januar 1884.
Der kommissarische Landrath Bake, Reg.-Assessor.
Gefunden: Eine Strohtasche. Ein Filzschuh. Eine Schornsteinfegerkratze.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 3 Mark. Ein Schirm. Ein Krückenstock.
Hanau am 24. Januar 1884.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
— Berlin, 23. Januar. Der Kaiserliche Konsul Heinrich Winter in Bordeaux ist gestorben.
— Berlin, 23. Jan. Die Budgetkommission genehmigte mit 14 gegen 6 Stimmen die geforderten 2 Millionen zur Vermehrung der Sammlungen der königlichen Museen. Der Antrag, die eine Hälfte der geforderten Summe für Berlin, die andere Hälfte für die Provinzen zu bewilligen, wurde abgelehnt, ebenso der Vorschlag, die Summe ausdrücklich nur für ein Jahr zu bewilligen.
— Berlin, 23. Jan. Die JagdordnungSkommission des Abgeordnetenhauses überwies die Fragen, betr. die Regulirung des Wild- schadenersatzes und die generelle Bezeichnung der jagdbaren Thiere einer fünfgliedrigen Subkommission und nahm den § 1 in der Fassung des Herrenhauses an Ferner nahm die Kommission nach längerer Debatte einstimmig 75 Hectar als Minimalgröße-für einen selbstständigen Jagdbezirk an.
— Berlin, 23. Jan. Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich in seiner heutigen (32.) Sitzung mit Erledigung verschiedener Petitionen.
Das Herrenhaus nahm den Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Pensionsgesetzes an und genehmigte den Gesetzentwurf zur Abänderung des Gefetzrs über die Verwaltung des Staatsschuldenwesens mit der von Beseler beantragten Bestimmung, wonach die Hauptverwaltung der Staatsschulden aus einem Direktor und mindestens drei Mitgliedern bestehen soll.
— Berlin. 23. Jan. Der Statthalter v. Manteuffel verlängerte auf Einladung Bismarck's seinen Aufenthalt in Friedrichsruhe bis morgen und kehrt Nachmittags 3 Uhr 40 Min hierher zurück.
— Berlin, 22. Jan. Gegenüber den Gerüchten über die Bestellung von Coadjutoren für die Erzbisthümer Köln und Posen Gnesen will die „Kreuzztg." wissen, daß überhaupt keine Verhandlungen zwischen der preußischen Regierung und dem Vatican wegen Bestellung von Coadjutoren für jene Erzbisthümer stattgefunden haben oder gegenwärtig schweben.
— Berlin, 23. Jan. Der Reichsanzeiger meldet: Bischof Dr. Brinkmann ist durch Cabinetsordre vom 21 d. M. begnadigt und die Wiederaufnahme der eingestellten Staatsleistungen für die Diöcese Münster von Neujahr 1884 ab angeordnet worden.
— Straßburg, 23. Jan. Gegenüber der Meldung eines auswärtigen Blattes über eine angeblich stattgehabte Commissionssitzung des Landesausschusses bezüglich der Tabakmanusactur- Angelegenheit be- merkt die „Elsaß Lothringische Zeitung", daß eine solche Commissions- sitzung nicht nur noch gar nicht stattgefunden, sondern für dieselbe überhaupt noch nicht einmal ein Termin anberaumt worden sei.
— Dresden, 23. Jan. Zweite Kammer. Der Antrag der Socialdemokraten aus Aufhebung der Gesindeordnung, sowie den Arbeitsvertrag zwischen Dienstboten und Dienstherren allen übrigen Ar- beitsvertrögen gleichzustellen, wurde abgelehnt, nachdem die vereinigten Liberalen und Conservasiven energische Erklärungen dagegen abgegeben hatten.
— Bremen, 23. Jan. Der Norddeutsche Lloyddampfer „Neckar" ist mit der Leiche Laskers heute früh 5 Uhr von Southampton weitergegangen und dürfte voraussichtlich Morgen Nachmittag 5 Uhr in Bremerhaven eintreffen.
— Hamburg, 23. Jan. Die Hamburger Bürgerschaft verwies den Senatsantrag auf Genehmigung des Vertrags, betreffend Uebergang der Hamburger Bahnstrecken an Preußen an einen elfgliederigen Ausschuß. Letzterer wurde trotz mehrfachen Wideispruchs sofort gewählt.
— Oldenburg, 23. Jan. Die Strafkammer des hiesigen Landgerichts verurtheilte wegen Beleidigung des Majors Steinmann die Angeklagten Schauspieler Schröder zu ICO M, Buchdruckereibesitzer Litt- maun zu 50 Mk. und Redakteur Hesse zu 150 Mk. Geldstrafe. Die Kosten der Voruntersuchung trägt der Staat.
— Wien, 22. Jan. Wechsler Eifert ist heute Abend 9 Uhr 45 Min. seinen Wunden erlegen.
— Paris, 23. Jan. Der Temps meldet: Auf dem Posten Bonne Nouvelle verweigerten gestern 28 Constabler den Dienst, entschlossen sich aber in Folge der energischen Haltung der Osficiere zu weiterer Dienstitbung. Auf anderen Posten stellten einige wenige Constabler den Dienst gänzlich ein.
— Die Fremdenhetze nimmt in Frankreich ihren Fortgang. So haben z. B. die Gemeinderäthe von Csichy-La-Garenne und Levallois. girret den Unternehmern der durch die Gemeinde vergebenen Arbeiten auferlegt, alle fremden Arbeiter unverzüglich fort^njagen. Die Pariser Hetzblätter spenden den Gemeinderäthen dafür den lebhaftesten Beifall. — Das große Geschäftshaus Biloret und Mora läßt in den Zeitungen bekannt machen, daß es keine Deutschen mehr beschäftigt. — In Saint- Chamond ist ein deutscher Zahnarzt, Namens Placht, der sich dort niedergelassen und verheirathet^hat, Gegenstand aller möglichen Verfolgungen und Unbill, und hiesige Hetzblätter fordern die Patrioten von Samt- Chamond offen auf, diesem teutonischen Spion den Weg nach dem Rhein hin zu weisen.
— St. Pet ersburg, 23. Januar. Am 28 d. Mts. findet bei dem Kaiser und der Kaiserin im Winterpalais eine große Ballfestlichkeit statt, zu welcher Einladungen an die höheren Beamten, Generäle, zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Cmps und andere Notabilitäten ergangen sind.
— Washington, 22. Jan. Der Senat genehmigte den Antrag der Commission für auswärtige Angelegenheiten dieselbe zu beauftragen, zum Schatz der amerikanischen Interessen gegenüber denjenigen Ländern, welche die Einfuhr amerikanischen Fleisches verbieten oder beschränken, gesetzgeberische Maßregeln vorzubereiten.
— Trieft, 21. Januar. Der Lloyddampfer „Theils" ist mit der ostindischen Ueberlandpost heute Vormittag aus Alexandrien hier angekommen.
Lokales, Provinzielles und Umgegend.
Hanau, den 24. Januar 1884.
—?— (Theater.) Am Sonntag spukte „Das graue Männchen" oder „Eifersüch ti g auf sich selbst", Original-Lustspiel in 4 Akten von Maria Günther.
Die Prinzessin Aglaja war gelegentlich eines Aufenthaltes am Vier- waldststätter See Zeuge der Lebensrettung eines Knaben durch einen hochherzigen Jüngling, der sich jedoch dem Dank des Vaters des Geret- teten rasch zu entziehen wußte, ja dessen Name nicht einmal in Erfahrung zu bringen war. Auf das jugendliche Herz der Prinzesfin macht die ja allerdings edle That einen so tiefen Eindruck, daß der Unbekannte ihr Ideal und die unschuldige Ursache wird, daß sie viele glänzende Bewerber ausschlägt. In den betreffenden Hofkreisen erregt die Sprödig- keit der Prinzessin Aufsehen, man sucht nach einem Grund dafür und glaubt ihn in einer wahrscheinlichen Liebe Aglaja's zu einem im Range unter ihr stehenden Manne gefunden zu haben Fürst Georg endlich, der sich gleichfalls um die Hand der schönen Prinz ffin bewirbt, erhält keinen Korb, da Aglaja in seinem Porträt eine Ähnlichkeit mit jenem bewußten Knabenretter zu finden meint. Die Vermählung geschieht, obgleich vorher der Fürst das oben erwähnte Gerücht vernimmt und seine aufrichtige Liebe zu Aglaja einer brennenden Eifersucht Platz macht.