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Nr. 12. EMMKWKM

Dienstag den 15. Januar

1884.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Nachstehende Bestimmungen, betreffend die Nachsuchung der Be­rechtigung zum einjährig freiwilligen Dienste, werden hierdurch wiederholt bekannt gemacht:

Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienste darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht werden. Der Nachweis derselben ist bei Verlust des Anrechtes spätestens bis zum 1. April des ersten Militairpflichtjahres zu erbringen.

Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat sich bei der Prüfungs­Commission, in deren Bezirk der Wehrpflichtige gestellungspflichtig ist, spätestens bis zum 1. Februar des ersten Militairpflichtjahres schriftlich zu melden.

Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Frühjahr, die andere im Herbst. Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung muß für die Frühjahrsprüfung spätestens bis zum 1. Februar, sür die Herbst­prüfung spätestens bis zum 1. August angebracht werden.

Hanau am 3. Januar 1884.

Der kommissarische Landrath

Bake.

Zur Wahl von sieben Abgeordneten und ebensoviel Stellvertretern behufs Vertheilung der Gewerbesteuer der Gesellschaft der Handelstrei- benden Klaffe A II für die nächsten drei Etatsjahre der Landgemeinden des Kreises Hanau sowie der Stadt Windecken habe ich Termin auf

Dienstag den 22. Januar c., Vormittags 10 Uhr, im landräthlichen Bureau anberaumt.

Die Herrn Bürgermeister erhalten Auftrag, die in den Ihnen früher mitgetheilten Auszügen aus der Gewerbesteuerrolle aufgeführten Gewerbetreibenden der genannten Klasse durch besondere Umsagen zu laden und daß dies geschehen, innerhalb 8 Tagen anher mitzutheüen.

Hanau am 11. Januar 1884

Der komm. Landrath

Bake.

Behufs Vornahme der Vertheilung der Gewerbesteuer für die Gast-, Speise- und Schankwirthe (Klasse C) der Landgemeinden des Kreises Hanau und der Stadt Windecken für die nächsten drei EtatS- jahre ist die Wahl von sieben Abgeordneten und ebensoviel Stellver­tretern erforderlich.

Hierzu ist Termin auf

Dienstag den 22. Januar c., Vormittags 11 Uhr, in das landräthliche Büreau bestimmt.

Die Herrn Bürgermeister werden ersucht, dies den in Ihren Ge­meinden wohnenden Wirthen bekannt zu machen und daß dies geschehen, innerhalb 8 Tagen anher anzuzeigen.

Hanau am 11. Januar 1884.

Der komm. Landrath

Bake.

Gefunden: Ein weißes Taschentuch. Eine gedruckte Schürze. Ein Spazierstock.

Verloren: Ein goldenes Medaillon mit goldener Kette. Auf dem Wege von Hanau nach Hainstadt eine Ankeruhr mit silberner Kette.

Hanau am 15. Januar 1884.

____________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________

Politische Wochenschau.

(Inland.)

R. F. (Deutsches Reich.) Das Abgeordnetenhaus hat nun seine erste Arbeitswoche nach den WeihnachtSferien hinter sich und die Arbeiten desselben sind im Verlaufe derselben bedeutend gefördert wor­den. So haben der Etat der allgemeinen Finanzverwaltung, die Eisen- bahnverstaatlichungs Vorlage und die Landgüter-Ordnung für Schlesien ihre Erledigung gefunden. Was die Vorlage über die Jagdordnung anbelangt, so wurde dieselbe nach zweitägiger Generaldiskussion am Freitag an eine 21gliedrige Commission verwiesen. In den Debatten

gab sich vielfach Abneigung gegen die vom Herrenhause an der Borlage vorgenommenen Abänderungen kund, namentlich in Bezug auf die ein­schränkenden Bestimmungen über bie Sonntagsjagd, auf die Vergröße­rung der Jagdbezirke u. s. w., fo daß sich das Abgeordnetenhaus schwerlich den Beschlüssen des Herrenhauses in diesen Punkten fügen wird. In dritter Berathung erledigte das Haus am Sonnabend de- battenlos die Eisenbahnverstaatlichungs-Vorlage und genehmigte nach unerheblicher Debatte in zweiter Lesung den Etat der Bauverwaltung. Im Laufe der Debatte wurde seitens der Regierung mitgetheilt, daß die Verhandlungen bezüglich der Revision der Prüfungsordnung noch schwe­ben, doch sei bestimmt, und zu erwarten, daß die Aenderungen den Bei­fall Aller finden würden. Auf eine Anfrage erklärte der Eisenbahn- minister Maybach, die Regierung verharre auf dem Standpunkt der vorjährigen Canalvorlage und beabsichtige, solche auf breiterer Basis unter Hereinziehung der Provinz Schlesien weiter zu fördern. Am Dienstag beginnt die Berathung der Steuervorlagen.

Die Presse fast aller Parteien hat jetzt ihr Urtheil über die un­längst veröffentlichten Grundzüge des neuen Unfallversicherungsgesetzent­wurfes abgegeben. Mit Befriedigung kann konstatirt werden, daß diese Urtheile im Allgemeinen dem Gesetzentwürfe günstig lauten, so daß man wohl hoffen darf, es werde sich auf Grundlage derGrundzüge" eine Einigung erzielen lassen. Nur die fortschrittlich-demokratische Presse ist mit ihren Aeußerungen über das genannte Gesetz, dessen Gerippe unS durch die Grundzüge scharf und klar entgegentritt, noch ziemlich zurück­haltend, was bei der unbedingten Opposition, welche man auf dieser Seite der Sozial- und Wirtschaftspolitik des Reichskanzlers zu machen pflegt, nur erklärlich erscheint. Es ist also die begründete Hoffnung vorhanden, daß die Verhandlungen in der nächsten Reichstagssesfion über dieses so überaus wichtige Gesetz zu einem gedeihlichen Resultate füh­ren werden.

Die kirchenpolitische Lage ist trotz des kronprinzlichen Besuches in Rom noch eine sehr zweifelhafte. Es gibt eben noch eine ganze Reihe dunkler Punkte" zwischen Rom und Berlin und es ist sehr die Frage, ob sich dieselben je beseitigen lassen werden. Augenblicklich zeigt wieder die Frage der Besetzung des Coadjutorpostens für die Diöcese Gnesen- Posen den zwischen Preußen und der Curie obwaltenden scharfen Gegen­satz. Von letzterer ist als Candidat für diesen Posten Prinz Edmund Radziwill, Vikar in Ostrowo und Mitglied der CentrumSfraction des Reichstages, vorgeschlagen worden, obwohl derselbe ein Vertrauter des in Rom lebenden abgesetzten Erzbischofs von Posen, des Cardinal? Le- dochowski, ist. Wohl hauptsächlich deswegen ist Prinz Radziwill von der preußischen Regierung zurückgewiesen worden, ein deutliches Avis für den Vatikan, daß man in Berlin nicht gewillt ist, allen Prätensionen der Curie nachzugeben.

Die sächsische zweite Kammer, welche unter ihren Mitgliedern auch vier Sozialdemokraten zählt, ist in ihrer gegenwärtigen Session schon öfters der Schauplatz heftiger Scenen gewesen, die durch die sozialisti­schen Abgeordneten hervorgerufen wurden. Auch in der Freitagssitzung kam es wieder zu einer turbulenten Scene, deren Anlaß eine Beschwerde des Scharwerksmaurers Lorenz in Großenhain wegen des vom dortigen Stadtrath erlassenen Verbotes einer sozialdemokratischen Versammlung war. Die Petitions-Deputation hatte der Kammer die Ablehnung der Beschwerde empfohlen, was dem Abgeordneten Liebknecht Gelegenheit zu einer seiner bekannten Tiraden gab. Im Verlaufe der Debatte kam es dann zu sehr gereizten, zum Theil persönlichen Auseinandersetzungen zwischen den sozialistischen Abgeordneten und andern Kammermitgliedern, namentlich den Abgg. Gelbke und Günther, wobei der Abg. v. Vollmar bestätigte, daß er und seine Freunde voll und ganz auf dem Boden der Revolution stünden. Ein Schlußantrag beendigte zu aller Genugthuung die unerquickliche Debatte.

Tages^chau.

Berlin, 14. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König ertheilten gestern Nachmittag dem Obersten und Commandeur des Regi­ments der GardeS du Corps, Grafen von Schliessen, eine Audienz, nah­men im Laufe des heutigen Vormittags den Vortrag des Wirklichen