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Tagesschau.

Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach demR.- u. St.-A." Nr. 10 wurde unterm 11. Januar verboten: das ohne Angabe des Druckers und Verlegers erschienene Flugblatt mit der UeberschriftDie Faulheit".

Berlin, 13. Jan. Die Post schreibt: Die Versetzung des Grafen Herbert Bismarck nach Petersburg werde übereinstimmend und aus sehr guten Gründen als Ausdruck der guten zwischen Deutschland und Rußland bestehenden Beziehungen aufgefaßt. Man erblicke in diesem Schritte wie seiner Zeit auch in dem Besuche des Herrn v. Giers in Friedrichsruhe ein erfreuliches Anzeichen dafür, daß diese freundschaft­lichen Beziehungen beider Länder auch in Zukunft sich ungetrübt er­halten werden.

Berlin, 12. Januar. Das Abgeordnetenhaus erledigte in seiner heutigen (24.) Sitzung zunächst in dritter Lesung den Gesetzent- Wurf über den weiteren Erwerb von Privatbahnen und ging sodann zur weiteren Etatsberathung über und genehmigte das Haus nach kurzer De­batte den Rest des Etats der Bauverwaltung nach den Anträgen der Budgetkommission. Nächste Sitzung Dienstag. $

Berlin, 12. Januar. In beiden Synagogen wurde heute während des Gottesdienstes in wärmster Weise des Todes Laskers ge­dacht.

Berlin, 12. Januar. Abgeordneter Ludwig ist heute Mittag in Neu-Waltersdorf bei Habelschwerdt gestorben.

Berlin, 12. Jan. Zur Erlangung von Entwürfen für die Heizungs- und Lüftungsanlagen des Reichstagsgebäudes wird in nächster Zeit vom Reichsamt des Innern eine öffentliche Concurrenz ausgeschrie­ben. Zur Theilnahme an derselben werden alle dem Deutschen Reiche ungehörigen Ingenieure eingeladen werden.

Berlin, 12. Januar. Nach denB. Pol. Nachr." tritt der Volkswirthschastsrath am 22. d. Mts. zur Berathung der Grundzüge der Unfallversicherungs - Vorlage zusammen. Weiter sagt das offiziöse Organ es sei nicht ausgeschlossen, daß der Volkswirthschaftsrath auch über die Abänderung der Maß- und Gewichtsordnung ein Gutachten ab. zugeben haben werde.

Halberstadt, 12. Januar. In dem benachbarten Osterwieck brach verflossene Nacht um 1 Uhr Feuer aus, welches in Folge des starken Westwindes schnell um sich griff. Mehr als 30 Häuser sind niedergebrannt, darunter die größten Öekonomien von Hertzer und Fischer. Bedeutende Vorräthe sind verbrannt. Die benachbarten Feuerwehren wurden telegraphisch zu Hilfe gerufen. Mittags war die größte Gefahr beseitigt.

O esterreich. Einem officiellen ärztlichen Bulletin zufolge ist die Kronprinzessin Stefanie an Varicellen leichter Art erkrankt.

Wien, 12. Jan. Heute wurde der des Raubmordes an Eifert in der Mariahilserstraße verdächtige Pongracz mit Eifert kon- frontirt und von letzterem als einer der Mörder erkannt.

Wien. Wie telegraphisch gemeldet, wurde der muthmaßliche Führer der Raubbande, Joseph Pongracz, bei seiner Schwester, einer Prostituirten in Mariahilf, verhaftet. Derselbe heißt eigentlich Emil Troitz. Er ist ein sehr gefährliches Individuum, welches im vorigen Jahre bei einem Kaufmanne in der inneren Stadt bedienstet war, bei demselben zweimal Einbruchsdiebstähle versuchte und als er entlassen wurde, seinen Chef zu erstechen drohte, so daß derselbe, da Troitz ihm endlich auflauerte, eine zeitlang nur unter Bedeckung auszog. Man hat bei ihm kein Geld gefunden, was ihn aber sehr verdächtig macht, ist der Umstand, daß er in den letzten Tagen, um ein verändertes Aussehen zu gewinnen, seinen Bart abschnitt und absolut kein Alibi darüber, wo er Donnerstag Abend in der kritischen Stunde war, an- zugeben vermag. Der Verhaftete bewegte sich während des Verhörs in fortwährenden Widersprüchen. Der in Pforzheim verhaftete Bahn­beamte Riebel aus Wien wurde wieder freigelassen. (F. I.)

P est, 12. Jan., 2 Uhr 40 Min. Das Oberhaus verwarf mit Hülfe der österreichischen Jndigenen mit 200 gegen 191 Stimmen aber­mals die Gesetzvorlage betreffs der Ehe zwischen Christen und Juden.

Madrid, 12. Jan. Der ehemalige Minister, Vorsitzender der Adreßkommission, Becerra, appellirte im Interesse des Gedeihens der Ruhe des Landes an die versöhnliche Gesinnung der Monarchisten und Liberalen. Er sagte, König Alfons XII. that mehr für die Freiheit Spaniens, als die gesammten Liberalen.

Ar ras, 12. Jan. In dem Kohlenbergwerke Ferfay fand eine Explosion schlagender Wetter statt. Sieben Todte und zwölf Verwun­dete sind bereits zu Tage gebracht worden und fünf Andere werden für verloren gehalten.

Odessa, 12. Jan. Der bekannte Militärschriststeller, General Rostrslaff Fadejeff, ist gestorben.

Petersburg, 13. Jan. Ein kaiserlicher Ukas bestätigt den Großfürsten Michael Rikolajewitsch als Präsidenten des Reichsraths für das Jahr 1884.

Ganz schlicht und nüchtern wird aus Petersburg folgendes gemeldet:Vor längerer Zeit gelangten aus Sibirien zahlreiche Bitt­

schriften von Gefangenen wegen gesetzwidriger Jnhafthaltung hierher. Zur Prüfung dieser Angelegenheit wurde eine Commission eingesetzt, welche die Klagen der Petenten vollständig begründet fand; vorläufig sind mehr als zweihundert Gefangene entlasten worden, die jahrelang widerrechtlich eingekerkert waren. Dieses Factum legt hier die Noth­wendigkeit nahe, eine genaue Revision der sibirischen Gefängnisse aus- sühren zu lassen.

Kairo, 12. Jan. Eingeborene Truppen unter Zebehr Pascha schifften sich heute in Suez nach Suakim ein, um die Garnisonen von Tokkar und Smcat zu unterstützen. Sobald diese Operation beendigt ist, sollen sämmtliche Streitkräfte der Expedition Baker Paschas nach Kairo zurückkehren.

Den Sudan kann man jetzt als für Egypten verloren betrachten und diese Ueberzeugung bricht sich auch in den Kairenser Regierungs­kreisen Bahn. In voriger Woche fand in Kairo ein Cabinelsrath statt, welcher sich mit der Frage der Räumung des Sudans beschäftigt; es handelt sich nur noch darum, die wenigen egyptischen Garnisonen im Sudan nebst den Geschützen und Kriegsvorräthen nicht in die Hände des Mahdi fallen zu lasten und sie ungefährdet zurückziehen, eine Auf­gabe die nicht leicht ist. Im Interesse der Cultur ist es tief zu bekla- s gen, daß der Sudan nun wieder in den Zustand der Barbarei zurück­fallen soll, ganz abgesehen, davon, daß die Eroberung dieses großen Ländergebietes Ströme egyptischen Blutes und ungeheure finanzielle Opfer gekostet hat.

New York, 12. Jan. Der DampferNeckar", mit der Leiche Dr. Laskcr's an Bord, ist heute abgegangen.

Hamburg, 11. Jan. Der PostdampferHolsatia" von der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrt - Aktien * Gesellschaft ist in St. Thomas eingetroffen.

New-Aork, 11. Januar. Der PostdampferRhynland", Kapt. Jamison, ist von Antwerpen angekommen.

Reichsgerichts-Entscheidunge».

Nach § 288 des Strafgesetzbuchs wird Derjenige, welcher bei : einer ihm drohenden Zwangsvollstreckung in der Absicht, die Befriedi« gung des Gläubigers zu vereiteln, Bestandtheile seines Vermögens ver­äußert oder bei Seite schafft, mit Gefängniß bis zu zwei Jahren be­straft. In Bezug auf diese Bestimmung hat das Reichsgericht, II. Strafsenat, durch Urtheil vom 9. November v. I., ausgesprochen, daß unter Gläubiger Jeder zu verstehen ist, welchem wegen einer Forderung gegen einen Dritten eine Zwangsvollstreckung in das Vermögen des Thä­ters (welcher beispielsweise vom Schuldner Vermögensstücke erworben hat und auf die Anfechtungsklage des Gläubigers verurtheilt worden ist, ? zu dulden, daß der Anfechtungskläger sich aus diesen Vermögensstücken im Wege der Zwangsvollstreckung befriedige) zusteht, obgleich der Thäler dem Gläubiger obligatorisch nicht verpflichtet ist.'

Lokales, Provinzielles nnd Umgegend.

Hanau, den 14. Januar 1884.

(Vacante Stellen für Militäranwärter im Be­reiche des 11. Armee-Corps.) Kassel, Telegraphenamt, 2 stän­dige Hilfsboten, je 1,80 Mk. Tagegeld. Friedberg (Hessen), Postamt, Wagenreiniger, 600 Mk. Gehalt. Fürstenhagen, Postagentur, ständiger . Hilfsbote im Landbriefträgerdienst, 1,30 Mk. Tagegeld. Homberg, Re- gierungs-Bezirk Kassel, königl. Seminardirektion, Diener beim Neben- seminar, 600 Mk. Gehalt nebst freier Wohnung. Siegen, Postamt, Postschaffner, 800 Mk. Gehalt und 144 Mk. WohnungSgeldzuschuß. Wiesbaden, Verwaltung des Wasser- und Gaswerks, Buchhalter, 1500 Mk. Näheres bei den Bezirksfeldwebeln.

(S t a dtth eate r.) Die nächste Abonnement.Vorstellung fin­det am Mittwoch den 16. Januar cr. statt und wird das bei der Pre­miere mit so vielem Beifall aufgenommene Moser'sche LustspielGlück bei Frauen" wiederholt.

(Diebereien.) Auf dem vorgestrigen Wochenmarkte wurden Vormittag gegen 11 Uhr einer Verkäuferin ein etwa 3 Pfund schwerer Butterweck und in der darauf folgenden Nacht einem an der franz. Allee wohnenden hiesigen Bürger das fette Gänschen gestohlen; weiter in derselben Nacht der am Hause der Kitterle'schen Material« waarenhandlung angebrachte, dem Herold'schen Speditionsgeschäft gehö­rende Briefkasten abgerissen und verschleppt.

(Deutscher Kolonialverein.) Am 6. Dezember hatte der Deutsche Kolonialverein sich in Frankfurt a. M. konstituirt. Jüngst hielt derselbe dortselbst seine erste Generalversammlung ab, und der Vor­sitzende Fürst zu Hohenlohe-Langenburg konnte in seiner Eröffnungsrede mit Befriedigung darauf Hinweisen, daß der Verein binnen Jahresfrist bereits schöne Erfolge errungen habe. Dem von dem Schriftführer Ma­jor a. D. Thiel erstatteten Geschäftsbericht und Rückblick aus das erste Vereinsjahr entnehmen wir, daß der Verein jetzt 3260 Mitglieder zählt, darunter 21 Stadtgemeinden, 15 Handelskammern und ebenso viele Han­dels- oder kaufmännische Vereine. In 492 deutschen und 43 außerdent«